BGH · VII ZR 132/62 vom 08.07.1963
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Das Berufungsgericht läßt dahingestellt, ob die Voraussetzungen eines Vertragsstrafenanspruchs der Beklagten überhaupt Vorgelegen haben* Es gelangt zu dem Ergebnis, daß ein solcher Anspruch, wenn er bestanden .hätte, jedenfalls deshalb erloschen sei, weil sich die Beklagto dessen Greltendmachung nicht bei Abnahme der Rohbauten Vorbehalten habe - § 11 Ziff«, §12 Ziff5 Abs» 1 VOB (B) mit Ablauf von 12 Werktagen nach dor in dor Übersendung der Rechnungen zu erblickenden schriftlichen Mitteilung über die Fertigstellung als erfolgt zu gelten habe.» Zwar hätten die Parteien in § 24 der ebenfalls den Vertragsbeziehungen zugrunde liegenden "Allgemeinen Vertragsbedingungen11 der Beklagten vorgesehen, daß die Abnahme grundsätzlich nach ordnungsgemäßer Erfüllung und schriftlicher Anerkennung durch die Bauleitung in Form einer Abnahmeboschei-nigung erfolgen solle» Die Parteien seien jedoch stillschweigend übereingekommen, auf die Einhaltung dieser - die Anwendung des § 12 Ziff» 5 VOB (B) ausschließenden - Formvorschrift zu verzichten» Hierfür spreche ihr insoweit übereinstimmendes Verhalten» Sie seien sich darüber einige daß die Rohbauten abgenommen soien, nur nicht über den Zeitpunkt der Abnahme» Jedoch habe keine Partei eine förmliche Abnahme angeregt oder gar gefordert» 1» Palla, wio die Revision behauptet, nach den "Allgemeinen Vertragsbedingungen" der Beklagten die Bestimmungen der VOB nur subsidiär gelten sollten, so schließt das nicht aus, wie die Revision anscheinend meint, daß die Parteien stillschweigend Übereinkommen konnten, auf die in § 24 der "Allgemeinen Vertragsbedingungen" vorgesehene förmliche Abnahme der Rohbauten zu verzichten» 2» Die Revision vermißt eine Feststellung über den Zeitpunkt,, in dem die Parteien Übereingekommen sind, abweichend von § 24 der "Allgemeinen Vertragsbedingungen" von einer förmlichen Abnahme abzusehen» Wenn man sich, so meint sie, hierüber erst am 2» Januar 1959 geeinigt habe, so habe die Beklagte don Vorbehalt hinsichtlich der Vertragsstrafe nicht schon früher geltend machen müssen, da bis dahin nach § 24 der "Allgemeinen Vertragsbedingungen" eine förmliche Abnahme erforderlich gewesen sei, die aber nicht erfolgt war» Die Abnahme erfordert nur dio Billigung der Leistung der Hauptsache nach als vertragsmäßige Erfüllungo Das Vorhandensein von Mängeln und das Nachbesserungsverlangen des Bestellers schließen eine Abnahme nicht aus (§ 640 Abs* 2 BOB)«, Es ist daher unerheblich? 40> Als schriftliche Mitteilung von der Fertigstellung im Sinne-des § 12 Ziffc 5.Abs«, 1 VOB (B) wertot das Berufungsgericht die am 2o<, November 1958 erfolgte Übersendung der Hauptrechnung Über 2o3o325?l4 DM? In den Rechnungen waren die ausgeführten Arbeiten aufgeführt» Deshalb genügten sie als Mitteilung im Sinne des § 12 Ziff» 5 VOB (B) (vgl«, Ingcnstau-Korbion VOB 2, Auf!» B § 12 Anm» 32) „ Aus dem Gesamtbetrag von 22o»l47,68 DM konnte dio Beklagte, wie dom Berufungsgericht beizupflichton ist, ersehen, daß die Klägerin die Arbeiten im wesentlichen durchgeführt hatte0 Den am 31» Dezember 1958 übersandten weiteren Rechnungen Uber insgesamt 3o7o4?o6 DM brauchto das Berufungsgericht danoben keine Bedeutung beinumessen» Sie betrafen ganz überwiegend Tagolohnarbeiten, also nicht die eigentlichen Eohbauarbeiten« 5o Baben die Parteien somit stillschweigend von der ausdrücklichen Abnahme der Rohbauten abgesehen, so hat das Berufungsgericht mit Recht gemäß § 12 Ziff» 5 VOB (B) die Abnahme mit Ablauf von 12 Werktagen nach der Übersendung der Rechnungen über 22o»147,68 DM als erfolgt angesehen» 6».Den Androhungen der Beklagten in ihren Schreiben vom 2» und 8» Juli sowie 12» August 1958p sie werde von der Klägerin die vorgesehene Vertragsstrafe fordern, brauchto das Berufungsgericht nicht die Bedeutung eines Vorbehalts beizu demesseno Sie lagen, wie ihr Inhalt ergibt, zweifellos vor der Abnahme dor Rohbauten» Das gleiche gilt für das von der Revision angoführto Schreiben der Beklagten vom 2» September 1958; es enthält zudem keinen Hinweis auf eine Vertrages träfe* Ob dio Beklagte bei der Unterredung vom 2» Januar 1959 auf der Vertragsstrafe bestanden hat, ist ebenfalls unerheblich, weil die Abnahme, wie ausgeführt, als in den ersten Dezembertagen 1958 erfolgt zu gelten hat»