BGH · VII ZR 101/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtsanwalt Br. hat der VII, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 18, Juni 1959 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Glanzmann und der Bundesrichter Scheffler, Br, Heimann-ü?rosien, Br. Winkelraann und Br, Vogt für Recht erkannt? 1. Lieferant verpflichtet sich, alle ihm übergebenen Auf-, träge nach den jeweils gültigen Lieferbedingungen des graphischen Gewerbes auszuführen und Preisnormen für das Buchdruck-Gewerbe zu berechnen. betriebe übernahm, übertrug zunächst den Druck ihrer Programme und dgl 9 wiederum der Klägerin; vom September/Okto-ber 1949 ab erteilte sie jedoch ihre Druckaufträge einer anderen Firma. Die Klägerin ist der Meinung, die Beklagte sei verpflichtet gewesen, ihr für die Dauer des Vertrages vom 17.2. für das Stadttheater abgeschlossen worden; die-* * ses werde jetzt von der Beklagten vertreten, und die Beklagte sei deshalb an den Vertrag gebunden» I, Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß nicht die Beklagte, sondern die GmbH den Vertrag vom 17:2.1948 mit der Klägerin geschlossen hat. Das Berufungsgericht hat- weiter verneint 9 daß sich ein Einstehenmüssen der Beklagten für die Verpflichtungen aus diesem Vertrag daraus ergebe, daß sie nach dem ",4*1948 weitere Druckaufträge an die Klägerin erteilte. Es hat hierzu festgestellt, der Chefdramaturg der bei Abschluß des Vertrages bei der GmbH angestellt war, habe für diese mit der Klägerin die Vorverhandlungen zu dem Vertrag vom 17,2,1948 geführt, B0HP habe den Inhaber der Klägerin noch vor Abschluß des Vertrages darauf aufmerksam gemacht, daß die Theaterbetriebs-GmbH voraussichtlich aufgelöst werde und daß die I heat erbetriebe wieder in die städtische Regie übergeben würden; daß die Beklagte mit einem 5-jährigen Vertrag zu lange gebunden sei und daher einen solchen Vertrag nicht übernehmen wohl aber in einen 2-jährigen Vertrag eintret en werde, Bs hat ausgeführt, die Klägerin habe aus diesem im zweiten Rechtszug von ihr nicht mehr bestrittenen Sachverhalt entnehmen können und müssen, daß die Beklagte das Theater bald in ihre Verwaltung übernehmen und dann eine Entscheidung zu treffen haben werde, ob sie in den Vertrag eintreten wolle« Hiernach habe die Verkehrssicherheit keinen Schutz der Klägerin erfordert. Die Klägerin bringt hier vor, daß trotz der zeitweiligen Einschaltung der GmbH eine Kontinuität des Betriebes des Stadttheaters Nürnberg Vorgelegen habe* Das mag zutreffen; gerade die Einschaltung der GmbH hatte aber den Zweck, Jedenfalls aber die Wirkung, daß rechtsgeschäftliche Verpflichtungen, die sie einging, die Beklagte nicht treffen sollten und nicht trafen* Daher ist auch der weitere Gesichtspunkt, auf den die Revision hinweist, daß nämlich der Generalintendant der Geschäftsführer der GmbH, vor deren Gründung Angestellter der Beklagten war, daß diese ihm im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat der GmbH die gesamte künstlerische und technische Leitung des Theaters und Konzertbetriebs übertrug und daß dann P4HHHP na°k dem 1*4-1948 wieder von der Beklagten Übernommen wurde, ohne rechtliche Bedeutung* Auch die sonstigen von der Revision angeführten Umstände können nichts daran ändern, daß allein die GmbH aus dem Vertrage verpflichtet war und die Rücklibertragung des Betriebs an die Beklagte nach Auflösung der GmbH keine Übertragung der Verpflichtung mit sich brachte* "III* Die Revision meint, das Berufungsgericht habe ubersehen, daß nach dem eigenen Vorbringen der Beklagten eine Schuldübernahme Vorgelegen habe, der die Klägerin zugestimmt habe * Allerdings hatte die Beklagte das Gutachten des Finanz-, Wirtschafts- und Kunstausschusses der Beklagten vom 12*3-1948 sowie den Beschluß des Gesamtstadtrats der Beklagten vom 24-3*1948 dem Gericht vorgelegt* Damit waren aber*noch nicht alle Einzelheiten dieser Urkunden zu dem Gegenstand des Vortrages der Beklagten gemacht, insbesondere fehlte es an jedem Anhaltspunkt dafür, daß die Beklagte hat verbringen wollen* sie sei in den hier strittigen Vertrag eingetreten. gerin gewesen, diesen Punkt vorzutragen, Bas hat sie nicht getan, und es wäre Uber die nach § 139 2P0 gebotene Auf-klärungs- und Hinweispflicht des Gerichts hinausgegangen, wenn es die Klägerin zu dem Aufgreifen dieses Gesichtspunktes veranlaßt hätte« Abgesehen hiervon ergibt der Stadtratsbeschluß nichts dafür, daß es zu einer Burchführung der Übernahme gerade auch des Vertrags vom 17«2« 1948 gekommen sei«, Bazu hätte es entweder eines Abkommens zwischen den Parteien des Rechtsstreits (§ 414 BGB) oder wenigstens der förmlichen Mitteilung der Schuldübernahme an die Klägerin und deren Genehmigung bedurft ( § 415 BGB)» Es ist jedoch von der Klägerin nie behauptet worden, daß ihr eine solche Mitteilung gemacht worden sei« IV, Bie Klägerin glaubt gegen die Beklagte Rechte daraus herleiten zu können, daß diese den nach der Burchführung. Benn eine Haftung der Beklagten für den solchenfalls etwa gegebenen Anspruch der Klägerin gegen die GmbH wäre unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt begründet. Beklagten vollzogen hat® Eine solche Unmittelbarkeit ist Voraussetzung für einen Bereicherungsanspruch, Außerdem ist - was mit dem Fehlen der Unmittelbarkeit zusammenhängt - die Beklagte nicht “auf Kosten” der Klägerin bereichert (vgl, hierzu RGZ 92 S, 77, 83)* weil die Beklagte den Betrag von 8.-614,51 DM, der ihr ausgeschüttet worden ist, nicht auf Grund eines auf Vermögensübernahme gerichteten Vertrages erhalten hat; der Liquidator der GmbH hat vielmehr den genannten Betragen Erfüllung eines sich aus dem Gesellschaftsvertrag für die Beklagte ergebenden Anspruchs an diese gezahlt« Die Ausschüttung des Liquidations-überschusses ist nur der “wenngleich in rechtsgeschäftlichen Vorgängen sich vollziehende tatsächliche Übergang des Gesellschaft svermögens auf die Anfallberechtigten als Rechtsfolge der Geseilschaftsauflösung” (so zutreffend RG aaO)* Wenn sich nach einer solchen Ausschüttung herausstellt5 daß der Liquidator verfrüht und.unter irrtümlicher Übergehung von noch bestehenden Gesellschaftsschulden ausgeschüttet hat?