BGH · VII ZB 1/73 vom 22.03.1973
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Er hat dieses Gesuch wie folgt begründet: Der Kläger habe durch den beim Landgericht Gießen nicht zugelassenen Rechtsanwalt BflH^in (Korrespondenzanwalt) teilten diese dem Korrespondenzanwalt Becker mit, daß das Urteil noch nicht zugestellt worden sei« Da Rechtsanwalt Becker in der Folgezeit keine Nachricht erhielt, fragte er mit Schreiben vom 28. Das Oberlandesgericht hat die Berufung als unzulässig verworfen, weil die Berufungsfrist nicht eingehalten worden sei und dem Kläger auch keine Wiedereinsetzung gewährt werden könne. Unstreitig ist es bei diesen versäumt worden, die Frist im Fristenkalender einzutragen und den Korrespondenzanwalt BMP von der Zustellung des Urteils rechtzeitig zu benachrichtigen. lieh für die Nichteinhaltung der Berufungsfrist« Hätte nur eine dieser beiden Säumnisse nicht Vorgelegen, wäre die Berufung rechtzeitig eingelegt worden« Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers waren also nicht nur die Unterlassung der Eintragung im Fristenkalender, sondern auch die Versäumung der rechtzeitigen Benachrichtigung von der Zustellung des Urteils ursächlich dafür, daß die Berufungsfrist nicht eingehalten wurde« Ob die Versäumung der Eintragung im Fristenkalender auf einem entschuldbaren Büroversehen beruht, kann dahinstehen« Jedenfalls hat der Kläger nicht dargelegt und glaubhaft gemacht, daß seine Prozeßbevollmächtigten an der Unterlassung der Mitteilung von der Zustellung kein Verschulden treffe« September - sich lediglich dahin geäußert, daß sie mit der Eintragung und Überwachung der Fristen betraut und stichprobenweise kontrolliert worden sei« Abgesehen davon, daß diese eidesstattliche Erklärung erst nach Ablauf der Frist des § 234 ZPO bei Gericht eingegangen ist (auszugehen ist davon, daß die Prozeßbevollmächtigten spätestens am 4« Juli 1972 von den Säumnissen Kenntnis erhielten), bringt diese Versicherung ebenso wie die eidesstattliche Versicherung des bei den Prozeßbevollmächtigten beschäftigten Rechtsanwalts S^p vom 21« Juli 1972 nichts darüber, ob Frau allgemein oder in diesem besonderen Fall auch damit beauftragt war, Rechtsanwalt B^| von der Urteilszustellung zu benachrichtigen und welche Verfügungen die Prozeßbevollmächtigten hierzu getroffen haben« Das wäre aber erforderlich gewesen, denn aus der Pflicht zur Fristen- notierung ergibt sich noch nicht die Pflicht der Angestellten, selbständig und mit eigener Verantwortung für eine rechtzeitige Benachrichtigung des Korrespondenzanwalts zu sorgen« Der Kläger hat somit nicht hinreichend vorgetragen und glaubhaft gemacht, daß seine Prozeßbevollmächtigten durch einen unabwendbaren Zufall gehindert worden waren, Rechtsanwalt BflHB rechtzeitig zu benachrichtigen (§ 233 Abs« 1 ZPO).