BGH · VIII ZR 3/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die (Klägerin) übernimmt hiermit gegenüber dem Landesstraßenbauamt für alle (dem Bauun - ternehmer) aus der evtlo nicht ordnungsmäßigen Erfüllung des Auftrages erwachsenden Verbindlichkeiten die selbstschuldnerische Bürgschaft bis zur Höhe des vorgenannten Betrages 000 mit der Maßgabe, daß sie hieraus nur auf Zahlung von Geld in Anspruch genommen werden kann * „ Die Bürgschaft ist bis zu dem „„= befristete" Sie steht auf dem Standpunkt, die Bürgschaften seien in dem Sinne befristet, daß sie (Klägerin) durch den Ablauf der Fristen von jeder Verpflichtung frei geworden sei, nachdem - unstreitig - der beklagte Gläubiger ihr nicht unverzüglich angezeigt habe, daß er sie in Anspruch nehme (§ 777 Abs0 1 Satz 2 BGB)0 Der Beklagte ist demgegenüber der Ansicht, die Befristung bestimme nicht die Dauer der Bürgschaftsverpflichtung der Klägerin, sondern nur den Gegenstand der Bürgschaft in der Weise, daß die Klägerin nur für solche Verbindlichkeiten des Bauunternehmers einzustehen habeP die innerhalb der Fristen entstanden seien„ lo Das Berufungsgericht geht davon aus* § 777 BGB sei hier zwar nicht unmittelbar anzuwenden, denn diese Bestimmung setze voraus, daß der Bürge sich für eine - im Zeitpunkt der Bürgschaftsübernahme bereits - "bestehende** Verbindlichkeit verbürgt habeo Das müsse hier schon deshalb verneint werden, weil im Zeitpunkt der Bürgschaftsübernahme die Parteien die angeblichen Forderungen des Beklagten gegen den Bauunternehmer nicht als bestehend gekannt, sondern mit ihnen nur als evtlo künftig entstehend gerechnet hätten® Bei der Verbürgung für künftige Verbindlichkeiten sei jedoch § 777 BGB entsprechend anzuwenden, wenn die Bürgschaft auf Zeit übernommen sei® So seien hier die Bürgschaftserklärungen auszulegen0 Diese Fristen hätten in die Bürgschaften|n±cht aufgenommen zu werden brauchen, wenn durch sie nur die Bürgschaften auf die innerhalb der Fristen entstehenden Verbindlichkeiten des HauptSchuldners hätten beschränkt werden sollen® Eine solche Beschränkung habe sich - vom Standpunkt der Parteien aus - praktisch schon aus dem Gesetz ergeben® Denn da Gewährleistungs- ansprüche gegen den Bauunternehmer als Hauptschuldner - nach der Meinung der Parteien - in zwei Jahren verjährten, habe auch die Klägerin als Bürgin nach dem Ablauf der zweijährigen Frist sich gemäß § 768 BGB auf die Verjährung berufen können* Dafür habe es einer Befristung der Bürgschaften nicht bedurft o Ferner sei die Bürgschaft ein Ersatz für das von der VOB vorgesehene Hecht des Auftraggebers ge-wesen, als Sicherheit 5 ?<> des Werklohnes einzubehal-ten* Diese 5 $ müsse der Auftraggeber, wenn er An-spräche nicht erhebe, nach Ablauf der Gawährleistungsfrist an den Auftragnehmer auszahlen* Es sei nicht einzusehen, weshalb die Parteien durch die Bürgschaften dem Beklagten eine weitergehende Sicherung hätten '’einräumen sollen* Eintritt des Endtermins als unwirksam angesehen0 Folgerichtig habe er auch in früheren Fällen auf Anforderung der Klägerin ihr die Bürgschaftsurkunden regelmäßig kurz nach dem Ablauf der in ihnen ange-gebenen Fristen ohne weiteres zurückgesandt0 Wenn auch in diesen Fällen der Beklagte - wie er behaupte -vor Rücksendung der Urkunden festgestellt haben möge, daß Forderungen gegen den Bauunternehmer nicht bestanden, so habe jedenfalls die Klägerin jeweils beim Ablauf der Frist dem Beklagten zu erkennen gegeben, daß nach ihrer Auffassung sie sich nur befristet ver bürgt habeo Auch hinsichtlich der hier streitigen Bürgschaften habe das Straßenbauamt im Schriftwechsel mit der Klägerin sich eindeutig zu der Auffassung bekannt, daß die Bürgschaftsurkunden nach dem Ablauf der Fristen an die Klägerin zurückzusenden seienQ Diese Erklärungen seines Lanäesstrsßenbauamtes müsse der beklagte Landschaftsverband sich zurechnen lassen«, 2» Die Revision stellt in erster Linie zur Nachprüfung, ob § 777 BGB, wie das Berufungsgericht in Anlehnung an eine ältere Entscheidung des Reichsgerichts (RGZ 82, 384) meint, auf Bürgschaften für künftige Verbindlichkeiten entsprechend angewandt werden könne0 Auf diese Frage kommt es jedoch - entgegen der Meinung der Revision und auch des Berufungsgerichts - nicht an0 § 777 BGB ist eine gesetzliche Auslegungsregel zugunsten des Gläubigerso Gäbe es sie nicht, so würde bei einer befristeten Bürgschaft der Gläubiger seine Rechte aus der Bürgschaft gemäß § 163, 168 Abs« 2 BGB schon mit dem Eintritt des Endtermins verlieren o Demgegenüber bestimmt § 777, daß mit dem End 8 an die Stelle der Einbehaltung eines Teiles des Werklohnes von $ °a> der Vertragssumme getreten sei, einen Anhaltspunkt für seine Auslegung der Befristungsklausel gefunden hat, so ist das aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden o Denn nach § 17 Nr„ 12 VOB (B) hat der Auftraggeber eine nicht in Anspruch genommene Sicherheit spätestens nach Ablauf der Gewährleistungsfrist zurückzugeben; (nur) soweit zu dieser Zeit seine Ansprüche noch nicht erfüllt sind, darf er einen entsprechenden Teii der Sicherheit zurückhaltenP Der Auftraggeber muß sich also beim Ablauf der Gewährleistungsfrist darüber schlüssig werden, ob er Gewährleistungsansprüche erheben und auf den einbehaltenen Betrag zurückgreifen willo Danach konnte das Berufungsgericht für die Bürgschaften entsprechend annehmen, sie sollten bis zu dem Ablauf der Gewährleistungsfrist befristet sein» War dieser Schluß auch nicht zwingend, so war er doch mögliche Mi d) Es verstößt entgegen der Ansicht der Revision nicht gegen die Denkgesetze, wenn das Berufungsgericht annimmt, die Klägerin habe dadurch, daß sie in früheren Fällen die Bürgschaftsurkunden regelmäßig unmittelbar nach Eintritt des Endtermins zurückgefordert habe, zu erkennen gegeben, daß nach ihrer Auffassung die Bürgschaften selbst befristet seieno Etwas anderes ist es, ob der Beklagte - wie das Berufungsgericht unterstellt, dann die Urkunden erst zurückgegeben hat, nachdem er festgestellt hatte, daß Gewährleistungsansprüche gegen den Bauunternehmer nicht bestanden= Dadurch wurde der dem Beklagten erkennbare Sinn des Verhaltens der Klägerin - Rückforderung der Bürgschaftsurkunden, weil die Bürgschaften infolge Zeitablaufs erloschen seien -nicht berührt 0 f) Im übrigen liegt der Schwerpunkt der Auslegungsbegründung nicht in den von der Revision angegriffenen Gesichtspunkten, sondern nächst dem Wortlaut und dem Zusammenhang zwisehen Gewährleistungs-frist und Bürgschaftsverpflichtung darin, daß das Lan-desstraßenbauamt des Beklagten selbst die hier streitigen Bürgschaften immer als befristet angesehen hat, wie der vorprozessuale Schriftwechsel ergibt „ Erst der Justitiar beim Direktor des beklagten Landschaftsverbandes hat die Möglichkeit erkannt, die Bürgschaftsurkunden auch anders auszulegen« Es bedeutet keinen Rechtsfehler, wenn das Berufungsgericht diesen - von der Revision nicht erörterten - Gesichtspunkt als entscheidend für die Auslegung der Bürgschaftsurkunden im Sinne der Klägerin angesehen hat a g) Schließlich kann nicht der Meinung der Revision zugestimmt werden, die Klägerin könne sich gemäß § 242 BGB auf die zweijährige Befristung der Bürgschaft nicht berufen, weil die Parteien nüfv infolge eines beiderseitigen Irrtums über die Gewährleistungsfrist die Fristen in den Bürgschaften auf 2, statt auf 5 Jahre bemessen hätteno Abgesehen davon, daß der Beklagte den zur Begründung dieser Einwendung erforderlichen Sachvortrag in den Vorinstanzen nicht gebracht hat, ist dieser Einwand nicht schlüssig: Es war ausschließlich Sache des Beklagten, und nicht der Klägerin, die sogc Gewährleistung frist (nach § 13 Rr0 $ VOB (B) handelt es sich um die Verjährungsfrist für Gewährleistungsansprüche) richtig zu ermitteln und demgemäß die Befristung der Bürgschaften zu bemessene Wenn der Beklagte über die Verjährungsfrist geirrt haben sollte, so kann gleichwohl die