BGH · VIII ZR 2/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
gegen dio l'irma organisation GmbH, in GrB^ IStraße Bivertreten aurch ihren alleinigen Geschäftsführer Walter Kfll^Hi in GrflB Straße Beklagte und Revisionsbelclagte, Proze33bevollmächtigter:Rechtsanwalt Profc hat der VIII« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 22«, Mai 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ir«, Haidinger sowie der Bunaesrich~ ter Lr0 Gclhaar, Br«, Mezger, Br0 Messner und Mormann für Recht erkannt: Die Firma Alfons in war Generalvertret erin für den Bezirk D-ie "autorisierten All einvertret er" in Westdeutschland und Westberlin waren in dor "Arbeitsgemeinschaft A^Hp-Ring" zusanimengescriloo-sen© Der A^H^-Ring hatte eine Satzung, dessen hier in Betracht kommende Bestimmungen auszugsweise wie folgt lauten; weitere Durch rechtskräftiges Urteil des Oberlandesgerichts *rank-furt/Main vom 11«, November 1958 (5 U 123/58 - 3/2 0 103/57 Landgericht Frankfurt/Main) ist die Firma verurteilt worden, der Klägerin sämtliche ihr auf ^rund des Reverses vom 3c Juli 1955 bezüglich des Weiterverkaufs der beiden Addier- und Buchungsmaschinen gegen die Jetzige Beklagte zustehenden Ansprüche bis zu einem Höchstbetrage von 7«.;?80,.—bj abzutreten0 Die Klägerin ist der Ansicht, daß die Beklagte durch die Überlassung der beiden Maschinen an die gegen die Gebietsochutzklausel des ^bwanderungsraverses verstoßen habe und daher verpflichtet sei* als Buße in Höhe des von der erzielten Wiederverkaufsrabattes einen Bc~» Io Das Berufungsgericht unterstellt 9 daß der Abwanderungs-revers, aus dem der Klagesnspruch hergeleitet wird, entgegen der Meinung der Beklagten an sich nicht gegen die Lekartellisierungsvorschriiten des Gesetzes Hr. 56 der amerikanischen Militäi'regierung und der Verordnung hr. gerichteten ßoykottbeschlusses dor im Astra-iiing zusammengeschlossenen Generalvertreter nicht habe beliefern 'wollen und die Beklagte die beiden Maschinen der zur Abwendung des Boykotts überlassen habe« Las Berufungsgericht meint, in einem solchen i?alle komme schon nach Sinn und Zweck des Reverses die Gebietsschutzklausel des Absatz 1 nicht zu dem 1ragen« Auf jeden Fall sei sie, wenn sie dazu dienen sollte, den Kunden eines anderen Generalvertreters von der Belieferung auszuschließen, wegen Verstoßes gegen die Lckartellisierungsvorschriften nichtige 1. Die in dem Abwanderungsrevers eingegangene Verpflichtung der Beklagten, die Grenzen des Bezirks der Firma T(HB^ einzuhalten und keinen Verkauf an Kunden in anderen Gebieten zu tätigen, verstieß gegen Artikel I Hr. 2 und Artikel V Kr.9 Zugelassen waren danach Abmachungen; die nicht die Beschränkung des Wettbewerbes zu dem Ziel haben und bei denen es sich nur um in gutem Glauben abgeschlossene Marktabreden zwischen einem bestimmten Unternehmen und seinen Großhandelsvertretern bezüglich der eigenen Erzeugnisse handelte Diese Ausnahme betrifft nur die -Bindung zwischen dem Erzeuger und dem Großhandelsvertreter• Sie ist mit gewissen Einschränkungen auf Grund der Briefe des Bundeswirt-schaftsministers vom 5o Dezember 1950? November 1951 (Y/uY//E BWM 8,9 und 11) und des sogenannten Kelleher-Briefes vom 51« Januar 1951 (WuW/JEJ All 9) ausgedehnt worden auf Abreden zwischen einem Unternehmen und Eigenhändlern, denen der Alleinvertrieb für einen bestimmten bezirk eingeräumt worden ist« Hier handelt es sich dagegen um eine Bindung zwischen einem als Eigenhändler tätigen Großhändler und einem Einzelhändler, Auf diese Beziehungen konnte die Ausnahmebestimmung des Gesetzes Nr<,56 nicht angev/endet werden«, Einer ausdehnenden Auslegung der -Bestimmung stand schon der Grundsatz entgegen, daß Bestimmungen, die Ausnahmecharakfcer haben, nicht ausdehnond* auszulegen sind. Einer ausdehnenden Anwendung widersprach außerdem der Umstand, daß die Bindung zwischen einem Großhändler und einem Einzelhändler ihrem Wesen nach etwas durchaus anderes bedeutet als die vom Gesetz unter gewissen Voraussetzungen für zulässig erklärte Bindung zwischen dem her st eilenden Untei*nehmer und dem Gx'oßhandels ■ Vertreter« Die Bindung zwisehen Großhändler und Einzelhändler Geschränkt den Warenabsatz der beteiligten auf einer anderen Handelsstufe und bringt eine bindung der Ware an ein best-i.rnmtes Gebiet hinunter bis zu dem Endabnehmer mit sich«, Eine so weitgehende Bindung widerspricht aber dem Sinn des Go- 4o Die üebietsschutzklausel des Abwanderungsreverses bildete allerdings den Ausfluß der Gebietsabsprache der AflB^-Genc-ralvertreter, die in der Satzung der Arbeitsgemeinschaft enthalten ist« Sie diente ersichtlich dazu, diese Gebietsabspra~ ehe durchzusetzen« Ob die zwischen den Astra-tieneralvertretern eingegangene Verpflichtung, nur in den eigenen festgelegten Vertreterbezirken Aschinen zu verkaufen» überhaupt wirksam war, bedarf keiner lint Scheidung« Selbst wenn nach Artikel V Kr«9 c 2 in Verbindung mit den in den genannten Briefen des Bundeswirtschaftsministers und in dem Kelleher-Brief nieder« gelegten Grundsätzen und nach der rule of reason eine zwischen higenhändlern getroffene Absprache, die eine Aulteilung des Marktes vorsahn ausnahmsweise dann zulässig gewesen wäre« wenn den rägenhändlern von dem Erzeuger Alleinvertriebsrechto in einem bestimmten Gebiet zuerkannt worden sind, so wür-de daraus noch nicht folgen, daß die als Großhändler tätigen uigenhändler zur Durchführung ihrer Gebietsabspräche ihrerseits die Einzelhändler veipflichten konnten, die Ware nur innerhalb des dem Grosshändler eingeräumten Gebietes zu verkaufen» Eine andere Beurteilung wird auch nicht aus dem Gesichtspunkt heraus gefordert, daß der Großhandels-Vertreter etwa auf eine Gebietsbindung des Einzelhändlers angewiesen sei, um sich gegen Vorwürfe anderer Großhandels-vertrete** zu schützen, denen gegenüber er möglicherweise verpflichtet ist, eine Belieferung ihres Gebietes zu unterlassen» Außergewöhnliche Umstände, die im hier vorliegenden lall die Firma hätten befürchten lassen müssen, die Klägerin könne mit Aussicht auf Erfolg gegen sie Vorgehen, wenn sie nicht eine Ge'oietsbindung ihres Abkäufers vorwei-sen könne, sind nicht vorgetragen» Es kann auch dahingestellt oleiben, wie zu entscheiden wäre, wenn ein Großhändler erkennt, daß der Einzelhändler die Ware nur erwerben will, um einem anderen G*’oßhändler bei einem vertragsbruch zu helfen» Ein solcher Fall liegt hier unstreitig nicht vor» Ebenso bedarf es keiner Entscheidung, ob und welche Ansprüche begründet wären, wenn etwa ein ^roßhandeisvertreter mit einem Einzelhändler zusammenarbeitet, um in das Gebiet eines anderen Großhändlers oinzudringen» Auch ein solcher Fall ist hier nicht gegeben» Hier macht die Klägerin nicht Schadensersatzansprüche geltend, sondern allein den angeblichen Anspruch der -t'irma Thoemes gegen die Beklagte aus dem Abwanderungsrevers«.