BGH · VIII ZR 97/62 vom 16.10.1963
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daß bei arglistiger Täuschung durch den Anspruchsgegner diesem die Geltendmachung seiner Gegenansprüche gegenüber dem Be-roicherungsanspruch des Getäuschten überlassen bleibe, bedeutet nicht, daß der Anspruchsgegnor wegen seiner Gegenansprüche auf einen neuen Rechtsstreit zu verweisen sei* Tatbestands Im Jahre 1955 bezog die Beklagte zu dem Preise von 29 7oo Dil einen A®BB®-Sch\venkochaufler Typ A II Baujahr 1955 bei der Horstellerfirma Weil ihr die Leistungen des Gerätes in ihi'em Steinbruch nicht genügten, ließ sie 1957 eine Achso mit YYendögetriebe des Types AflHHl A III einbauen» Einigo Zeit später ließ sie den Motor auswechseln» Am 6» Hov ember 1958 verkaufte sio diesen Schwenkschaufler als gebrauchtes Gerät an den Kläger zu dem Preise von 2o ooo DM» Der Kläger zahlte 5 ooo DM in bar und gab für den Rest des Kaufpreises Wechsel, die er ratenweise einlösto, wobei ihm 468,72 DM Bankspesen entstanden» Biese Zusicherung hat die Beklagte nach den Feststellungen des Berufungsgerichts in ihrem Schriftsatz vom Ho Juni 1961 ausdrücklich zugestanden« Wie das Berufungsgericht der Beweisaufnahme entnimmt, ist bei den Verkaufsverhandlungen außerdem ausführlich darüber gesprochen worden, daß das Garät beim Kläger dazu benutzt werden sollte, gesprengtes Material unmittelbar von der Wand auf zunehmen und auf ein Sortiergerät zu transportieren« Ber Inhaber der Beklagten habe,, so führt das Berufungsgaricht aus, dabei geäußert, das Gerät sei zu diesem Zwecke geeignet« Bas Berufungsgericht stellt fest, daß diese Erklärungen des Inhabers der Beklagten objektiv falsch waren« Es bezieht sich auf die Bekundungen des Zeugen Ewert, der früher bei der Firma beschäftigt war und der die Kaufverhandlungen der Firma AfliBK mit der Beklagten geführt hatte« Ber Zeuge Ewert hat bekundet, der Typ A II sei nicht nur in der Leistung des Motors, sondern auch in allen anderen Teilen etwa um ein Drittel schwächer als der Typ A III; wogen dor konstruktiven Verschiedenheiten dor beiden Typen mache auch der zusätzliche Einbau einer stärkeren Achse den Typ A II dem Typ A III nicht gleichwertig« Baß das Gerät A II auch nach den Verbesserungen im Gegensatz zu dem Gerät A III für die vom Kläger ins Augo gefaßten und boi den Kaufverhandlüngon erörterten Zwecke wenig geeignet war, hat die Beklagto nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ebenfalls zugeotanden (Schriftsatz vom 28« Juli 1961 -)« den Kauf ent Schluß deo Klägers» Es nimmt ferner an, daß der Inhaber dor Beklagten arglistig gehandelt habe» Hierzu führt es aus, dieser sei durch die ihm von den Zeugen EflItt und Btt gegebenen Informationen (Btt hatte das stärkere Getriebe eingesetzt) über die Leistungsverhältnisse des Schwenkschauflers genau orientiert goweson und habe gewußt, daß auch das verbesserte Gerät dos Typs A II die Leistungen desjenigen des Typs A III nicht erreichen konnto» Bor Inhaber der Beklagten 3ei sich ferner darüber im klaren gewesen, daß seine Erklärungen für den Kaufentschluß des Klägers entscheidend seien* Zumindest habo er mit bedingtem Vorsatz gehandelte» IIo Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe nicht dio vom Beklagten angebotenen Beweise dafür erhoben, daß das gekaufte Gerät A II mit den angebrachten Änderungen bei sachgemäßer Behandlung für den Steinbruch des Klägers ausreichend und geeignet gewesen seio Nach den zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts brauchte jedoch hierüber kein Beweis erhoben zu werden, weil das Gerät A II entgegen der vom Beklagten zugestandonon Zusicherung dem Typ A III nicht gleich-wertif? IIIo Das Berufungsgericht ist daher ohne Rechtsirrtum zu dem Ergebnis gelangt, daß der Kläger den Kaufvertrag vom 60 Kovember 1958 wirksam angefochten hat«, Rechtlich nicht zu beanstanden sind auch seine Ausführungen, daß dem Kläger im Rahmen der RUckabwicklung des nichtigen Geschäfts Ansprüche aus unerlaubter Handlung (§§ 823 Abo. 2 BGB, 263 StGB, 826 BGB) und aus ungerechtfertigter Bereicherung zustehen, die grundsätzlich auf die Rückgewähr dos Kaufpreises (2o 000 DM) nobst Sinsen und dor Anspruch aus unerlaubter Handlung darüber hinaus der Kläger könne diese Ansprüche in voller Höhe ohne Anrechnung der von der Beklagten erhobenen Gegenansprüche auf Nutzungovergutung geltend machen» Ein solches Recht steht ihm weder aus dem Gesichtspunkt dos Schadensersatzes noch dem der ungerechtfertigten Bereicherung zu» Nach der bereits vom Reichsgericht begründetem (RGZ 54? BGB RGRK 11* Aufl* Anm* 19 vor § 812)« Auch hier kommt eine Beurteilung des Ausgleichs nach den für die Aufrechnung und Zurückbehaltung maßgeblichen Grundsätzen nicht in Betracht (HG aaO)0 Di030 Grundsätze führen im Regelfälle dazu, daß derjenige, der aus dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung einen ihm zustehenden Überschuß geltend macht, genau wie der Gläubiger eines Schadensorsätsanspruches aus unerlaubter Handlung sich nicht darauf beschränken darf, da3 von ihm auf Grund dos nichtigen Vertrages Geleistete zurückzuverlangen, sondern im Rahmen der ihm obliegenden Pflicht, die Bereicherung des Beklagten darzulegen, von vornherein das mitzuberücksichtigen hat, was ihm an Vorteilen durch dio Leistungen dos Beklagten zugeflossen ist (BGH Urt* v0 24 * 6*1963-VII ZR 229/62 - » NJW 1963, l87o * WM 1963, 834jKGZ 137, 324, .336)* § 818 Anm* 6 B), daß sich der Kläger im Hinblick auf die ihm widerfahrene arglistige Täuschung die Gebrauchsvorteile nicht anrechnen zu lassen brauche, daß es vielmehr der Beklagten überlassen bleibe, ihrerseits Bereicherungsansprüche geltend zu machen0 Hiermit läßt es sich aber nicht rechtfertigen, diese Bereicherungsansprüche der Beklagten im vorliegenden Rechtsstreit unberücksichtigt zu lassen* Bas Reichsgericht hat allerdings den Grundsatz entwickelt, wenn sich der Anspruchsgegnor einer arglistigen Täuschung schuldig gemacht habe, so sei davon ab-zuoehen, daß dio Ausgleichung der beiderseitigen Empfänge zur Schlüssigkeit der Klage gehöre* In diesem Palle müsse Ac vielmehr die Goltendmachung der Gegenansprüche dem Beklagten überlassen bleib en<> Das bedeutet aber nicht, daß der Beklagte wegen der Geltendmachung seiner Gegenansprüche auf einen neuen Rechtsstreit zu verweisen seio Diese Rechtsprechung will dem betrogenen Kläger nur die Br leicht ©rung verschaffen, daß er nicht von vornherein schon von sich aus die Abgleichuhg der beiderseitigen Vorteile vorzunehmen braucht, sondern daß er dies dem Gegner überlassen kann (vgl0 insbesondere HG JW 1936, 195o und SouffArch 88 Nr«, 84 S. 17)o Es entspricht das, wie das Reichsgericht ausführt, einem praktischen Bedürfnis, weil auf dioso Weise die mit der Anwendung der unbeschränkten Saldotheorio verbundene erhebliche Erschwerung der RechtsVerfolgung vermieden wird* Diese Hechtsprochung ist angegriffen worden (vgl* u0 a„ Schefflor in BGB RGRK 11«, Aufl0 Vorbenu 25 zu §§ 812 f)6 Ob ihr zu folgen ist, bedarf keiner Entscheidung• Denn auch wenn die vom Reichsgericht aufgestellten Grundsätze hier zur Anwendung kommen, dürfen die dem Kläger durch die Nutzung des streitigen Gerätes zugefloo-senen Gebrauchsvorteilo, die in Geldeswert zu vergüten sind, nicht unberücksichtigt bloiben» Die Beklagte hat^ wie das Berufungsgericht im Tatbestand seines Urteils (Bio 13) hervorhebt, Ansprüche auf Nutzungsvergütung von monatlich 1440 DM ausdrücklich geltend gemachto Das Berufungsgericht mußte daher diesem Vorbringen naebgehen und prüfen, ob eine Anrechnung der Gebrauchsvorteilo in der von der Beklagten behaupteten Hoho gerechtfertigt ist und gegebenenfalls den Geldbetrag ermitteln, der dem dem Kläger zugeflossenen Vorteil entspricht .