BGH · VIII ZR 95/58 vom 29.09.1959
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BGB § 933 Gibt der Konkursverwalter eine von dem Gemeinschuldner vor Konkurseröffnung gemäß § 930 BGB veräußerte Sache, die ihm nicht gehörte, an den gutgläubigen Erwerber heraus, so erwirbt dieser auch dann Eigentum, wenn der Konkursverwalter damit einen vermeintlichen Aussonderungsanspruch des Erwerbers zu erfüllen glaubte» SchflBM schlossen darauf am Io. Oktober 195o einen Sicherungsübereignungsvertrag, der sich auf "sämtliche Rohstoffe (Garne) und daraus Halb- und FertigfabrikateM bezog, die sich in den Fabrikationsräumen des SchflBft in und Kf^, Hc^HBMtraße befanden und mit 62 25o,76 DM bewertet wurden«» Schmidt versicherte, daß er Eigentümer der Ware und zur freien Verfügung über sie berechtigt sei. preis andere Waren zu kaufen, die er unverzüglich dem Lager, das er für die Klägerin verwahrte, einzuverleiben hatte Mit der Einverleibung und der damit verbundenen Übernahme der Verwahrung für die Klägerin sollten die angekauften '.Yaren deren Eigentum werden, Außerdem über eignete SchflB^ der Klägerin durch Vertrag vom 16, Oktober 1950 Maschinen im Gesamtwert von 35 095 DM. Nachdem die Sache an das Landgericht Hamburg verwiesen worden war, hat die Klägerin nur noch die Verurteilung der Beklagten zur Zahlung von 10 000 DM nebst Zinsen beantragt. 1c Bas Berufungsgericht hält die hier in Frage stehende Sicherungsvereinbarung zwischen der Klägerin und Sch4H^ für unwirksam, da die übereigneten Waren nicht mit.der notwendigen Bestimmtheit bezeichnet worden seien, Biese von der Revision bekämpfte Annahme erscheint schon deshalb nicht unbedenklich, weil das Berufungsgericht seinen Erwägungen die vom IV. Auch wenn nämlich, was das Berufungsgericht in einer Hilfserwägung zugunsten der Klägerin unterstellt hat, diese - und nicht SchflBfc - Eigentümerin der von SchflBb in die Kiste mit der Aufschrift "Eigentum von M« & T« ” eingepackten Strümpfe gewesen ist, hat die Erstbeklagte an den Waren Eigentum erworben, falls sie SchflPl gutgläubig für den Eigentümer gehalten hat, denn nach §§ 932 ff BGB wird der gutgläubige Erwerber von beweglichen Sachen auch dann ihr Eigentümer, wenn sie dem Veräußerer nicht gehört haben- a) Zu Unrecht ist die Revision der Ansicht, daß die Erstbeklagte hier schon deshalb kein Eigentum an den Strümpfen erlangt haben könne, weil es an einer Einigung über den Übergang des Eigentums von Schfl^ auf die Erstbeklagte gefehlt habe, wie die Revision unter Hinweis auf den Wortlaut des Schreibens vom 12. Sinn und Zweck des Vertrages und dem Verhalten des SchflBP den Schluß gezogen, daß Sch^BP der Erstbeklagten das Eigentum an der Ware zur Sicherung übertragen und die Kiste mit den Strümpfen nunmehr als fremdes Eigentum (gemeint ist: Eigentum der Erstbeklagten) verwahren wollte. b) Entgegen der von der Revision vertretenen Auffassung hat es auch nicht an einer die Übergabe ersetzenden Vereinbarung eines Rechtsverhältnisses zwischen SchB^ und der Erstbeklagten gefehlt, vermöge dessen die Erstbeklagte als Erwerber den mittelbaren Besitz erlangt hat. Waren für die Erstbeklagte verwahren wollte und sollte> Daß aber ein Verwahrungsvertrag ein konkretes Besitzmittlungsverhältnis im Sinne des § 930 BGB darsbellt, ist in Schrifttum und Rechtsprechung niemals in Zweifel gezogen worden, so daß es keiner Stellungnahme zu der umstrittenen Präge bedarf, ob bei einer Sicherungsübereignung bereits der Sicherungsvertrag zwischen Treugeber und Treunehmer als solcher ein ausreichendes konkretes Besitzmittlungsverhältnis darstellt oder ob unter Anlehnung an die gebräuchlichen Vertragsformen des bürgerlichen Rechts ein derartiges Verhältnis darüber hinaus noch ausdrücklich vereinbart werden muß (vgl. 4. Zuzugeben ist der Revision, daß nach dem Wortlaut der Bestimmung des § 933 BGB, der hier maßgebend ist, da eine Veräußerung nach § 930 BGB in Frage steht, der gutgläubige Erwerber Eigentum erst in dem Augenblick erlangt, in dem ihm die Sachen von dem Veräußerer übergeben werden. Diese Voraussetzungen sind hier, wie Bandgericht und Berufungsgericht übereinstimmend zutreffend angenommen haben, durch die Anfang 1954 von der Erstbeklagten auf Veranlassung und im Einverständnis mit dem Konkursverwalter über das Vermögen des Schmidt vorgenommene Das Urteil RGZ 81, 141 steht mit der hier vertretenen Auffassung nicht in Widerspruch, da es in dem vom Reichsgericht entschiedenen Falle an einer Einigung zwischen dem ursprünglichen Veräußerer und dem Erwerber fehlte, ohne die allerdings ein gut- ) gläubiger Eigentumserwerb auch gemäß § 933 BGB nicht möglich ist, während sich hier nach den tatrichterlichen Feststellungen Schmidt und die Erstbeklagte darüber einig gewesen sind, daß das Eigentum an den in der Kiste befindlichen Strümpfen auf die Erstbeklagte übergehen sollte, und sie außerdem ein konkretes Besitzmittlungsverhältnis, nämlich einen Verwahrungsvertrag, vereinbart haben. 5- Ebensowenig kann den Darlegungen der Revision gefolgt werden, mit denen sie geltend macht, daß die Erstbeklagte im Zeitpunkt der Erlangung des unmittelbaren Besitzes an den Strumpfwaren nicht gutgläubig gewesen sei. Gemäß § 932 Abs, 2 BGB ist der Erwerber dann nicht im guten Glauben, wenn ihm bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt ist, daß die Sache nicht dem Veräußerer gehört, wobei, wie oben dargelegt, der Zeitpunkt maßgebend ist, zu dem die Erstbeklagte die Waren abgeholt hat, also Anfang 1954» Die Revision hat sich in der mündlichen Verhandlung vor dem erkennenden Senat darauf berufen, daß den Beklagten bedingter Vorsatz zur Last falle, da sie den Willen gehabt hätten, sich die Strümpfe auch dann anzueignen, wenn sie der Klägerin gehört haben sollten« Dieses Vorbringen findet in den Feststellungen, die in den Tatsachenrechtszügen getroffen sind keine Stütze, Die für den bösen Glauben der Beklagten beweispflichtige (vgl« BGB RGRK 11/Aufls § 932 Anm« 19) Klägerin hat nicht einmal ausreichende Tatsachen dafür vorgetragen, daß bedingter Vorsatz auf seiten der Beklagten vorhanden gewesen sein könnte« Vielmehr spricht ihr gesamtes Verhalten, wie es nachstehend noch näher erörtert wird, entscheidend gegen diese von der Revision nicht weiter begründete Annahme« a) Das Landgericht, auf dessen Ausführungen in den Entscheidungsgründen des Berufungsurteils ausdrücklich verwiesen worden ist, hat zugunsten der Klägerin unterstellt, daß die Erst beklagte noch vor der Abholung der Waren von dem Vertrage vom 15« Oktober 1950 Kenntnis erhalten hat und daß ihr auch der Standpunkt.der Klägerin, sie sei Eigentümerin der in der Kiste befindlichen Strümpfe, bekannt gewesen ist» Angesichts dieser Unterstellung erledigt sich die Verfahrensrüge der Revision« das Berufungsgericht habe die Beweisanträge der Klägerin auf Vernehmung des Abteilungsleiters ThtfBt und des Kaufmanns Sch^Hfc als Zeugen übergangen. Die Behauptungen, für die diese Zeugen benannt sind, haben Landgericht und Berufungsgericht ersichtlich als wahr unterstellt, Dasselbe gilt auch für den Inhalt de3 Bestätigungsschreibens der Erstbeklagten vom 14« Juni 1950 , auf das die Klägerin bereits in der Klageschrift Bezug genommen hat. Im übrigen fehlt es insoweit auch an einem zulässigen Beweisantritt (§ 420 ZPO), so daß das Berufungsgerieht schon aus diesem Grunde auf das erwähnte Schreiben nicht einzugehen brauchteo bj Die Bedingungen, von denen die Landesgarantiekasse die Übernahme der Bürgschaft für das von der Klägerin dem SchflHI zu gewährende Darlehen abhängig gemacht hatte, sind im Tatbestand des angefochtenen Urteils im einzelnen angeführt worden, wie die Revision selbst hervorhebt.. Per Bevision muß daher zwar darin gefolgt werden, daß die Erstbeklagte von allen Umständen, aus denen die Bevision den Schluß auf grobe Fahrlässigkeit der Erstbeklagten hinsichtlich des Eigentums des SchflHI an den StrUmpfen ziehen will, weitgehend unterrichtet gewesen ist* Hiervon sind aber auch das Landgericht und das Berufungsgericht ausgegangen, wie der Zusammenhang der Entscheidungsgründe ihrer Urteile ergibt * Falls also die Bevision, was aus ihren Parlegungen nicht klar hervorgeht, den Standpunkt einnehmen sollte, daß die Annahme des Berufungsgerichts, der Erstbeklagten falle keine grobe Fahrlässigkeit zur Last, schon deshalb nicht haltbar sei, weil es die für die rechtliche Würdigung maßgebenden Umstände nicht erschöpfend berücksichtigt habe, so steht dies mit dem Inhalt des Berufungsurteils und des Urteils des Landgerichts, auf das das Berufungsgericht insoweit Bezug genommen hat. Passelbe gilt auch für das Vorbringen der Bevision1/ die Tatrichter hätten den Umstand außer acht gelassen, dass SchflB^ als Flüchtling fast ausschließlich mit abgesicherten Bankkrediten gearbeitet habe, was der Erstbeklagten genau bekannt gewesen sei* Aus dem angefochtenen Urteil ergibt sich nämlich, daß das Berufungsgericht die Vertriebenenoigenschaft des Sch^Hfc, seine Kapitalnot und die im Zusammenhang hiermit stehende Aufnahme abgesicherter Bankkredite nicht außer acht gelassen und seinem Urteil die Annahme zugrunde gelegt hat, die Erstbeklagte habe über alle diese Einzelheiten Bescheid gewußt« Vorwurf der groben Fahrlässigkeit gegenüber der Erstbeklagten zu rechtfertigen,, Insoweit sind aber der Nachprüfung durch den erkennenden Senat sehr enge Grenzen gesetzt, da die Präge» ob der Erwerber einer Sache sich einer groben Fahrlässigkeit schuldig gemacht hat, im wesentlichen eine Tatfrage ist (BGHZ 10, 14, 16), Bas Landgericht, dem das Berufungsgericht gefolgt«ist, vertritt die Auffassung, die Kenntnis von dem Vertrage schließe nicht aus, daß die Erstbeklagte ohne grobe Fahrlässigkeit des Glaubens gewesen sei* die ihr von SchBfe übereigneten Waren fielen nicht unter den Vertrag mit der Klägerin, Es sieht also die Erstbeklagte trotz Kenntnis aller in Frage kommenden Tatsachen, aus denen sich, wie die Tatrichter unterstellt haben; der Schluß rechtfertigt, daß die Klägerin Eigentümerin der Strümpfe gewesen ist, deshalb als gutgläubig an, weil sie sich in einem nicht auf grober Fahrlässigkeit beruhenden Rechtsirrtum befunden habe. Entscheidend für den guten Glauben ist nämlich die Unkenntnis des Rechtsmangels, der Glaube an das Vorhandensein des Eigentums des Veräußerers, nicht aber die Kenntnis oder Unkenntnis der Tatsachen, die dem vom Erwerber zu Unrecht unterstellten Eigentumserwerb seines Veräußerers zugrunde liegen (RGZ 74, 354, 356; BGB RGRK 11. Wie die Tatrichter zutreffend erkannt haben, stellte sich die von ihnen zu beantwortende Frage dahin, ob es der Erstbeklagten Infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt geblieben ist, daß die Klägerin auf Grund des Vertrages vom 15- Oktober 1950 an allen später in die Geschäftsräume des SchflIB eingebrachten Rohstoffen und den daraus hergestellten Halb- und Fertigfabrikaten ohne Rücksicht darauf Eigentum erwarb, ob SchflHH die Rohstoffe mit Mitteln angeschafft hatte, die aus der Veräußerung der zur Zeit des Abschlusses des Vertrages vom 15. Oktober 1950 in den Sicherungsräumen befindlichen Bohstoffen und der daraus hergestellten Erzeugnisse stammten, oder ob die Erstbeklagte, ohne daß sie der Vorwurf grober Fahrlässigkeit trifft, annefamen durfte» daß in den Räumen in KQP-KrfllHHHft sich auch solche von Schfil^^ hergestellten Produkte befanden, an denen die Klägerin nicht auf Grund des Vertrages vom 15- Oktober 1950 Eigentum erworben hatte. Angesichts der Zweifel, die der Wortlaut des Vertrages aufgibt und die sowohl vom Landgericht als auch vom Berufungsgericht eingehend erörtert worden sind, enthält es keinen Rechtsfehlerf wenn die Tatrichter insoweit grobe Fahrlässigkeit der Erstbeklagten verneint haben. Wie die tatrichterlichen Feststellungen ergeben, hat nämlich nicht nur der von der Erstbeklagten mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragte Rechtsanwalt sich nach Überprüfung der Verhältnisse auf den Standpunkt gestellt, daß die Strümpfe der Erstbeklagten wirksam übereignet worden seien, sondern hat auch der Konkursverwalter über das Vermögen des SchflHP?