BGH · VIII ZR 94/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ob eine Globalzession, die sich eine Bank zur Sicherung ihres Kredits von einem Kunden geben läßt, we-gen notwendig eintretender Benachteiligung der Warengläubiger, die unter verlängertem Eigentumsvorbehalt geliefert haben (vglo BGHZ 30, 149)» auch dann nichtig ist, wenn die Bank ihren Kunden verpflichtet, den Kredit in erster Linie zur Bezahlung der Vorbehaltsgläubiger zu verwenden (Ergänzung zu VIII ZK 43/59 vom 20 Februar I960 = IM BGB § 398 Nr« 10 « NJW I960, 1003)* Der VIIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 24 o April 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Haidinger sowie der Bundesrichter Artl, Dr« Messner, Mormann und Braxmaier für Hecht erkannt? Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen, das auch über die Kosten der Revision zu entscheiden hat, soweit nicht bereits vorstehend darüber entschieden worden ist« Der Bauunternehmer B^|p» fiel am 28„ April 1964 in KonkurSo Die Beklagte war seine Bankverbindung0 Durch Global-abtretungsvertrag vom 5» September 1962 hatte sie sich von B^BI "als Sicherheit für alle gegenwärtigen und künftigen Ansprüche” dessen "sämtlichen gegenwärtigen und künftigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegen (seine) Abnehmer” abtreten lassen? „et daß die Forderungen nicht bereits an Dritte abgetreten sind (zoB0 an einen Lieferanten durch verlängerten Eigentümsvorbehalt Un seinen Lieferungsbedingungen) ooo Soweit dies dennoch der Ball sein sollte, verpflichtet sich der Sicherüngsgeber, den Kredit in erster Linie zur Ausräumung des verlängerten Eigentumsvorbehalts «To« zu verwenden« (4) Soweit der Bank abgetretene Forderungen etv/a dennoch von den Lieferanten des Sicherungsgebers aufgrund verlängerten Eigentumsvorbehalts berechtigterweise in Anspruch genommen v/erden können, soll die Abtretung erst mit dem Erlöschen des verlängerten Eigentumsvorbehalts v/irksam v/erden oooM Forderungen hätten aufgrund der Rr, 8 ihrer Lieferungsbedingungen in Höhe ihrer Forderungen gegen ihr zugestanden und verlangt deshalb gemäß § 816 BGB von der Beklagten (16 019,45 + 17 223,02 =) 33 242,47 DH, weil in dieser Höhe die Beklagte unberechtigt ihre (der Klägerin) Forderungen eingezogen habe. Io Rach dem Globalabtretungsvertrag von 1962 gingen die Forderungen B0^B gegen seine “Abnehmer“ mit ihrer Entstehung, also mit dem Abschluß des Lieferungsoder leistungsvertrageo zwischen B^|B^und seinem Abnehmer, auf die Beklagte über. Käufer oder dem Einbau in ein Grundstück eines Britten, also mit der Ausführung des Bieferungs- oder leistungsvertrage So Da auch für die Abtretung künftiger Forderungen, insbesondere auch im Verhältnis zwischen Vorbehaltsgläubiger und Sicherungsgläubiger der Grundsatz der zeitlichen Priorität gilt (BGHZ 52, 361, 363 )<> sind deshalb, wenn man die Rechtswirksamkeit sowohl des Globalabtretungsvertrages wie des verlängerten Eigentumsvorbehalts unterstellt, die streitigen Forderungen auf die Beklagte übergegangen<> Der erst später seine Wirksamkeit entfaltende verlängerte Eigentumsvorbehalt der Klägerin ging dann ins Beere0 Zu Hecht hat deshalb das Berufungsgericht,in erster Linie auf die Hechtsv/irksamkeit des Globalabtretungsvertrages abgehoben o Zo Nr0 3 der dem Globalabtretungsvertrag zugrunde liegenden ABAF regelt in gewissem Umfang auch das Verhältnis zwischen der globalabtretung und dem verlängerten Eigentumsvorbehalt von Warengläubigern-0 Bas Berufungsgericht legt diese Bestimmungen dahin aus, die Beklagte habe nicht etwa dem verlängerten Eigentumsvorbehalt von Warengläubigern einen Vorrang vor der Globalabtretung eingeräumt, vielmehr habe der Vorrang der Globalabtretung nach dem Prioritätsgrundsatz voll bestehen bleiben sollen«, Gegen diese Auslegung wendet sich die Revision nichto Ba insoweit auch ein Verstoß gegen materiell-rechtliche Auslegungsregeln nicht ersichtlich ist, ist die Auslegung für das Revisionsgericht verbindliche Bemnach machte die Globalabtretung alle von B^^^ mit seinen Bieferanten vereinbarten oder noch zu vereinbarenden Eigentumsvorbehalte unwirksam, soweit diese nicht im Zeitpunkt Zwar ergebe der Vertrag, im Zusammenhang mit den ABAE* daß die Beklagte damit rechnen mußte * würde nach Abschluß des Abtretungsvertrages Waren unter verlängertem Eigentumsvorbehalt geliefert erhalten ber Beklagten möge auch klar gewesen sein* daß die Lieferanten in diesen Bällen wegen praktischer Unwirksamkeit ihres verlängerten Eigentumsvorbehalts geschädigt werden könnten« bas beweise aber noch keine sittlich vorwerfbare Gesinnung., 3« a) Me Klägerin hat ausdrücklich behauptet - und die Beklagte ist dem nicht entgegengetreten -* im Baugewerbe sei der verlängerte Eigentumsvorbehalt branchenüblich und die Pirma B^l^^ habe praktisch Waren auf Kredit nur unter Vereinbarung eines verlängerten Eigentumsvorbehalts erhalten können; dies habe die Be- Dies konnte das Berufungsgericht umso unbedenklicher annehmen, als die ABAP der Beklagten seihst von der Möglichkeit einer Konkurrenz zwischen den Rechten aus verlängertem Eigentumsvorbehalt und der Globalabtretung ausgehen» Da andererseits die Globalabtretung umfassend sämtliche gegenwärtigen und künftigen Forderungen der Firma B^H^ aus Lieferungen und Leistungen an ihre Kunden erfaßte, mußte die Firma deshalb, wenn sie ihr Geschäft aufrecht erhalten und - was als ausgeschlossen angesehen werden kann -Waren nicht nur gegen Vorkasse beziehen wollte, ihre Lieferanten notwendig darüber täuschen, daß die mit ihnen vereinbarte Verlängerung des Eigentumsvorbehalts wirkungslos war«, Dieser Fall entspricht in allen wesentlichen Umständen dem durch BGHZ 30, 149, 152 f entschiedenen Fall,mit dem alleinigen Unterschied, daß die Globalabtretung in jenem Fall nicht so umfassend war, wie sie es in diesem ist«. b) Klause ln 5 wie sie Nr« 3 Abs«, (3) der ABAF enthält , beeinflussen - ebenso wie die Klausel des verlängerten Eigentumsvorbehalts - zunächst in keiner f Weise den Geschäftsablauf bei dem Kunden, mit dem sie vereinbart sind« Dieser verfügt Uber die Waren und die Forderungen gegen den Abnehmer ebenso wie wenn er weder die Verlängerung des Eigentumsvorbehalts noch eine Globalabtretung vereinbart hätte« Die Klauseln haben Bedeutung überhaupt nur für den Fall einer Krise des Kunden« Dann deckt die Bank ihre Globalabtretung, die Warengläubiger decken ihre verlängerten Eigentumsvorbehalte auf, und zwischen beiden ist auszutragen, wer von ihnen zu dem Zuge kommt0 Schon aus diesem normalen Geschehensablauf ergibt sich, wie wenig in der Regel Klauseln der hier fraglichen Art das Verhalten des einen Vertragsteils vor der Krise zu beeinflussen vermögen« tatsächlich sind aber auch Verhaltenspflichten, wie sie in den ABAF für den Kreditnehmer begründet werden, unpraktikabelo B^^^ war es schwerlich zuzu demuten, seinen Lieferanten, die ihm unter verlängertem Eigentumsvorbehalt liefern wollten, in federn Falle die mit der Beklagten vereinbarte Globalabtretung mitzuteilen„ Er hätte dadurch nur seinen Kredit untergraben, aber nicht etwa eine Belieferung ohne verlängerten EigentumsVorbehalt erreicht« Denn im Geschäftsleben werden in aller Regel Abänderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen weder erbeten noch gewährt* Auch die Verpflichtung Besolde, Lieferanten, die unter verlängertem Eigentumsvorbehalt geliefert hatten, ’'unverzüglich mit dem ihm von der Bank gewährten Kredit zu bezahlen”, war prak- e) Dasselbe gilt für die im Globalabtretungsvertrag selbst enthaltene Bestimmung, daß die Beklagte verpflichtet war, wenn die Zessionen die gewährten Kredite um 50 $> überstiegen, nach ihrer Wahl Forderungen in entsprechender Höhe freizugeben0 Diese Bestimmung mag zwar der Globalabtretung den Charakter eines Knebelungsvertrages nehmen (vglo BGHZ 3655 366, 370), über den hier nicht zu befinden ist, hier allein entscheidende-;: (Tatsache, daß die Globalabtretung aller gegenwärtigen und künftigen Geschäftsforderungen B^^fc notwendig dazu drängte, laufend seine Pflichten gegenüber seinen Lieferanten in grober Weise 4o Für den Erfolg der Klage und der Revision kommt es demnach auf die vom Berufungsgericht - von seinem Standpunkt aus mit Recht - nicht beantwortete Frage an, ob die Klägerin aufgrund ihres verlängerten Eigentumsvorbehalts (lTre 8 ihrer Lieferungsbedingungen) sie erworben hat« Bas ist für einen Teil der Forderungen der Firma - nämlich für die Forderungen aus Dienstleistungen -zu verneinen, wie sich aus den Lieferungsbedingungen selbst ergibto Nr.0 8 der Lieferungsbedingungen enthält in Satz 1 den einfachen, in Satz 2 den verlängerten Eigentumsvorbehalt für von der Klägerin "gelieferte Waren"o Baß damit - jedenfalls zunächst - der Eigentumsvorbehalt im technischen Sinne (§ 455 BGB) gemeint ist, kann nach dem Yfortlaut dieser Bestimmung nicht zweifelhaft sein«. Auch die übrigen Lieferungsbedingungen - angefangen von der Überschrift "Lieferungsbedingungen" bis zu Rr0 9s Gewährleistungsansprüche des Käufers gäben dem Vertragspartner der Klägerin keinen Anhaltspunkt dafür, daß er sich nicht nur dem bei Warenlieferungen üblichen verlängerten Eigentumsvorbehalt unterwarf, sondern darüber hinaus auch bei Dienstleistungen der Klägerin einen entsprechenden Teil seiner Forderung gegen seinen Kunden an die Klägerin im voraus abtrato Dies hätte die Klägerin in den nicht ausgehandelten. sondern von ihr einseitig in das Vertragsverhältnis eingeführten ’’Lieferungsbedingungen” einwandfrei klarstellen müssen» Ihr Vertragsgegner konnte sich darauf verlassen7 daß die Lieferungsbedingungen ao7 wie sie nach ihrem Wort-laut zu verstehen waren9 das Maximum dessen darste Ilten,, was die Klägerin an Sicherungen innerhalb der Geschäfts-beziehungen für sich in Anspruch nehmen wollte * Eine ausdehnende Auslegung der Nr, 8 im Sinne der KlägerinQ die diese Bestimmung sinngemäß auch auf die Sicherung ihrer Forderungen aus Dienstleistungen anwenden möchte0 kommt deshalb nicht in Betracht0 5o Das Landgericht hat angenommen, der verlängerte Eigentumsvorbehalt sei auch im übrigen und überhaupt unwirksam^ weil mit der Klausel ”entsprechend dem Wert unserer Lieferung” nicht genügend bestimmt sei9 in welcher Höhe der Kunde der Klägerin seine Forderung gegen seinen Abnehmer (oder Bauherrn) an die Klägerin abtrete o Das Berufungsgericht brauchte sich von seinem Standpunkt aus mit dieser Frage nicht zu befassen» Der Senat hält die Bedenken des Landgerichts im Ergebnis nicht für begründet. Die Klausel in Nr« 8 der "Lieferungsbedingungen1* ist auch nicht, wie die Beklagte meint, deshalb unwirksam, weil sie "bis zur völligen Tilgung (der) gesamten Forderung (der Klägerin) aus dieser Geschäftsverbindung" gelten sollte und deshalb die Gefahr einer unerträglichen Übereicherung der Klägerin mit sich bringe« Davon kann nicht die Hede sein« Denn der Kunde der Klägerin (der Bauunternehmer) durfte (vgl« Nr« 8 Abs« 2 Satz 2 der "Lieferungsbedingungen") bis zur Offenlegung der Abtretung die Forderung gegen seinen Abnehmer selbst einziehen« Da der Bauherr an den Bauunternehmer in der Hegel entsprechend dem Fortschritt des Bauwerkes Abschlagszahlungen leistet, bestand schon aus diesem Grunde keine ernsthafte Gefahr, daß durch den verlängerten EigentumsVorbehalt die Klägerin bei nur noch geringer eigener Forderung unverhältnismäßig hohe Forderungen gegen den Bauherrn in Anspruch nehmen konnte« Ebensowenig kann es für die Rechtswirksamkeit der Vorbehaltsklausel von Bedeutung sein, daß, wie die Beklagte behauptet, auch andere Bahstoffhandler an die Firma unter verlänger- weil die Beklagte eine Forderung der Klägerin gegen Besold überhaupt und ferner bestreitet, Forderungen Bo-solds gegen die Bauherren aufgrund der Globalabtretung eingezogen zu haben* Unter teilweiser Aufhebung des angefochtenen Urteils (§ 564 ZB0) war deshalb gemäß § 565 ZK) die Sache im Umfang der Aufhebung zur anderweiten