BGH · VIII ZR 94/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Beklagte und Revisionsbeklagte9 - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Profo hat der VIII0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 27» Juni 1962 unter Mitwirkung des Senat spräsidenten Dr0 Haidinger und der Bundesrichter Dr0 Gelhaar 3 Dr« Dorschei 5 Dr«, Mezger und Mormann für Recht erkannt: Die Beklagte5 Eigentümerin eines 52 ha großen landwirtschaftlichen Betriebes, wandte sich im Frühjahr 19^8 wegen des Kaufes von zwei Arbeitspferden an den Kläger, der Viehhändler ist» Der Kläger war nicht bereit, die Pferde zu dem amtlichen Stoppreis zu liefern» Im April 19*+8 schlossen die Parteien einen Vertrag, dessen Bestimmungen über den Kaufpreis der Pferde iin einzelnen streitig sind» Unstreitig sollte die Beklagte einen Stapel Holz liefern und eine weitere Gegenleistung im Werte von etwa 3° 000 HM erbringen» Der Kläger hat abweichend von seinem Vortrag des ersten Hechtszuges in der letzten mündlichen Verhandlung behauptet, er habe die zwei Pferde für 3o ooo HM in bar und ho fm Bauholz verkauft» Unabhängig von dem Kaufverträge habe er mit der Beklagten vereinbart, sie solle statt der Heichsmarkzahlung zehn Aktien der AG K-VHMHBHP im Nennwert von :je; lie- Io Das Berufungsgericht hat ohne Rechtsverstoß angenommen, daß der im April 19^8 geschlossene Kaufvertrag Uber zwei Pferde nichtig sei» Er verstieß insbesondere gegen die Vorschrift des § 1 a KWVO, nach der mit Gefängnis und Geldstrafe oder einer dieser Strafen bestraft wurde, wer in Ausübung eines Gewerbes oder Berufes für die Bevorzugung eines anderen bei der Lieferung von Waren eine Tauschware oder einen -"Sonstigen Vorteil forderte oder sich versprechen oder gewähren ließ«, Daß das nach der eigenen Darstellung des Klägers als Gegenleistung versprochene Bauholz eine Tauschware bildet, liegt auf der Hand« Der Kläger hat in der Klageschrift der Sache 6 P 15/59 selbst vorgetragen, er habe bei den Verhandlungen den Wert einer Aktie im Nennwert von 1 ooo RM mit 3 ooo RM zugrunde gelegt» Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe das Beweisangebot dafür übergangen, daß die Aktien für den Kläger der Spekulation gedient hätten, ist daher nicht begründet» Im übrigen verstieß der Verkauf der Pferde auch gegen die Bestimmungen der §§ 1, 6, 11 der Anordnung des Reichsbauernführers über die Veräußerung von Pferden vom 2o» Februar 19*+3 (RNVerkBl S» 83) i»d»Fo vom 18» September 19^3 (RNVerkBl S» 381)3 die auf Grund des § 1 der ersten Verordnung über den Verkehr mit Nutz- und Zuchtvieh vom2<!* November 1935 (RGBl I 1353) i»d»Fo der Ande- Juni 19^8 (ABI VELF So 76) die Bev/irtschaftung von Nutz- und Zuchtpferden mit Wirkung zu dem lo Juli 19^8 aufgehoben worden und der Kaufvertrag erst nach dem lo Juli 19^8 zustande gekommen sei» Die Revision riigt in dieser Beziehung, das Berufungsgericht habe die unter Beweis gestellten Behauptungen des Klägers übergangen, daß die Pferde auf Probe gekauft worden seien und die Beklagte sie erst im Juli 19*+8 gebilligt habe und daß erst am 26, Juli 19*+8 die Vereinbarungen über die Aktien und das Holz getroffen worden seien. § 1 a KWVO ist im übrigen später das Gesetz gegen Kompensationen vom 3* November 19*+8 (V/iGBl S0 116) getreten, nach dem mit Gefängnis und Geldstrafe oder einer dieser Strafen bestraft wurde, wer für die Bevorzugung eines anderen bei der Lieferung einer Ware eine andere Gegenleistung als Geld deutscher Währung oder außer einer G-egenleibtungidn ■ Gold'-deutscher Wahrung einen Vorteil forderte oder sich versprechen oder gewähren ließ» Ein Vorteil war insbesondere auch der gleichzeitige oder spätere Abschluß eines Rechtsgeschäfts,, In dem vom erkennenden Senat beurteilten Fall handelte es sich darum9 daß nach der Darstellung des Käufers die Vorschrift über Belegscheine5 die eine Kontroll-funktion ausüben sollten5 im Zeitpunkt des Vertragsschlusses der überhaupt erst nach der Währungsreform stattgefunden hat te9 praktisch nicht mehr angewendet wurden und daß der Käufer 3 wenn der Verkäufer Belegscheine angefordert hätte9 sie übergeben hätte3 da er sie zur Verfügung hatte oder sie mindestens jederzeit hätte erhalten können* Die praktische Handhabung war5 wie in jenem Falle zu Gunsten des Revisionsklägers unterstellt werden mußte9 Uber die Vorlage von Belegscheinen schon hinweggeschritten* Im vorliegenden Streitfall ist der Sachverhalt völlig anders* Es kann*, wie auch aus dem Erlaß des Gesetzes gegen Kompensationen vom 3* November 19^8 hervorgeht3 keine Rede davon sein«, daß unmittelbar nach der Währungsreform die Wirtschaftsführung in der praktischen Handhabung der Wirtschaftsvorschriften etwa Kompensationsgeschäfte hingenommen hätte oder daß im Einzelfall die bei dem Tauschgeschäft vereinbarte Lieferung einer größeren Menge Bauholz und Übertragung von zehn Aktien eines großen Unternehmens eine wegen ihres Umfanges oder ihrer Aus Wirkung unbeträchtliche und deshalb stillschweigend erlaubte Leistung gewesen wäre« Daß die Preis-und Bewirtschaftsvor-schriften für Nutzpferde aufgehoben waren9 spielt in dieser Beziehung keine Rolle* daß nach seiner Auffassung die Parteien auch unter der Geltung des Wirtschaftsstrafgesetzes vom 26« Juli 19^9, das erlaubte, Kompensationsgeschäfte in leichten Fällen nur als Ordnungswidrigkeiten anzusehen, nicht zu einer Einigung darüber gelangt sind, die Vereinbarungen über die Lieferung von zehn Aktien der AG oder die Zahlung qosnCurswertes und das Versprechen auf Lieferung von ^o fm Der Bundesgerichtshof hat allerdings für die Neuvornahme des bisher nichtigen Geschäfts genügen lassen, daß die Parteien in schlüssiger Form ihren Willen zu dem Ausdruck bringen«, das bisher nichtige Geschäft solle nach Aufhebung der Verbotsgrenze weiterhin gelten» In einer dahingehenden VJillensrichtung der ■Parteien soll bereits eine Bestätigung im Sinne des § lb-1 BGB liegen (BGHZ 11* 593 6o)0 Ob* wie die Revision meint, die Aus-? Die Revision greift zwar diese Feststellungen, die das Berufungsgericht hinsichtlich zweier Vorgänge getroffen hat, bei denen nach Behauptung des Klägers eine Bestätigung erfolgt sein soll* mit Verfahrensrügen an« Sie sind indessen nicht begründet» a) Die Behauptung des Klägers in der Berufungsbegrünaung* ein Bevollmächtigter der Beklagten* Oberregierungsrat habe im September 195o bestätigt, daß die Beklagte sich zur Lie ferung den Aktien verpflichtet habe«, unterstellt das Berufungsgericht als wahr und führt aus, diese Erklärung habe klar zu dem Io Ausdruck gebracht;, daß JflHHl sich nur über die ursprünglich von der Beklagten übernommene Verpflichtung habe äußern, nicht aber die Beklagte habe erneut verpflichten wollen« Diese Auslegung der angeblichen Erklärung des Oberregierungsrates JflHHBist möglich«, Sie entspricht auch der Darstellung., die der Kläger selbst über die Vorgänge in der Klageschrift der Sache 6 P 15/59 gegeben hat« Danach ist JflBI kurz nach dem l8o September 195o zu dem Kläger gekommen und.hat ihm vorgeschlagen;, er solle auf die *+o fm Holz verzichten, dafür werde die Beklagte ihm die zehn SflHHB-Aktien herausgebeno soll dem Kläger, nachdem er die Unterschrift der Beklagten auf ihrer Erklärung vom 26., Juli 19*+8 gesehen habe, erklärt haben, er müsse dem Kläger recht geben und würde an seiner Stolle auch nicht auf das Holz verzichten«, Die Verhandlungen sollen dann ergebnislos verlaufen sein«. b) Die Revision rügt weiter, das Berufungsgericht habe die Beweisanträge zu der Behauptung übergangen, daß die Beklagte im Januar 1952 bei einer Begegnung erklärt habe, sie wollten "das mit den Aktien” regeln« Die Aktien seien jetzt frei gegeben, der Kläger könne Uber die Aktien verfügen« Sie könne die Aktien jetzt für ihn verkaufen und ihm den Erlös geben« Wenn er das Geld brauche, werde sie die Aktien verkaufen oder aas Geld beschaffen« Das Beru- iun£sgericht meint, wenn man den vom Kläger mitgeteilten Wortlaut zugrundelege, enthalte die Erklärung nicht die übernähme einer neuen Verpflichtung, sondern lediglich den Vorschlag, die früher bei dem Pferdekauf eingegangenen Verpflichtungen jetzt zu regeln» Ein erneuter Abschluß des Kaufvertrages könne darin nicht erblickt werden» Das Berufungsgericht will ersichtlich sagen, zu einer Willensübereinstimmung Uber die Art der Regelung sei es nicht gekommen» Das ist sachlichrechtlich nicht zu beanstanden» Da eine Neuvornahme des nichtigen Rechtsgeschäfts nach § llfl BGB erforderlich ist, bedarf es auch vom Standpunkt des Urteils BGHZ 11, 59 aus des übereinstimmenden, wenn auch in schlüssiger Weise erklärten Y/illens, daß das nichtige Rechtsgeschäft so, wie es geschlossen war, gelten solle» Sind die Parteien sich aber über die Art, wie sie künftig einander verpflichtet sein sollen, nicht einig geworden, kann von einer Bestätigung nicht gesprochen werden» Die Auslegung der Erklärung der BeklagtenfdrJiin, daß sie nur den Vorschlag, die früher eingegangenen Verpflichtungen zu regeln, gemacht habe, enthält keinen Rechtsverstoß» Der Darstellung des Klägers brauchte das Berufungsgericht nicht zu entnehmen, daß,der Kläger sich mit der Beklagten über eine bestimmte Art, wie mit den Aktien zu verfahren sei, tatsächlich geeinigt habe» Dabei hätte das Berufungsgericht auch':die Darstellung verwerten können, die der Kläger persönlich über eine angeblich im Jahre 1953 erfolgte Besprechung mit der Beklagten in der Verhandlung vor dem Landgericht am 2» Juni-i960 gegeben hat» Der Kläger hatte in diesem Termin die Vernehmung der Beklagten darüber beantragt, daß sie das Geschäft noch bis zu dem Jahre 1955 anerkannt habe» Der Kläger wurde vom Landgericht dazu gehört, wann und wo und in welcher Form die Beklagte anerkannt habe» Er hat erklärt: Nach dieser eigenen Darstellung des Klägers ist also noch ein Jahr nach dem vom Kläger behaupteten Zusammentreffen der Streit der Parteien darum gegangen«, ob der Kläger die Aktien selbst oder einen Geldbetrag in Höhe des Kurswertes erhalte« Auch damals ist es zu einer Übereinstimmung gerade nicht gekommene Da das Berufungsgericht von der eigenen Behauptung des Klägers über die Erklärung der Beklagten im Januar 1952 ausgeht«, stellt es keinen Rechtsverstoß dar, wenn das Berufungsgericht von der Vernehmung des als Zeugen benannten Bruders des Klägers Emil und der Beklagten abgese-