BGH · VIII ZR 93/62
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1955, BGBl I 458, § 29 Zur Präge, ob der Mieter einer nicht unter Mieterschutz stehenden Wohnung, der dem Vermieter einen verlorenen Baukostenzuschuß gezahlt hat und dem vertraglich das Recht eingeräumt ist* bei vorzeitigem Auszug einen Ersatzraieter (Mietnachfolger) zu benennen und mit ihm Abmachungen über die Zahlung einer Abstandssumme zu treffen, mit diesem auch einen höheren Betrag als den von ihm selbst gezahlten Baukostenzuschuß vereinbaren kann oder ob er sich dann auf das Angebot des Vermieters verweisen lassen muß, ihm den nicht abgewohnten Teil des Baukostenzuschusses und etwaige Verwendungen auf die Mieträume zu ersetzen» lo Die Feststellung der Verpflichtung des Beklagten, mit einem ihm vorgeschlagenen Mieter einen vertrag ubzuschlicßen, geht nicht ins Leere, wie die Revision meint« Der Kläger \mr-de allerdings an der Feststellung, daß diese Bestimmung -ursprünglich - rechtswirksam getroffen worden ist, allein kein schutzvmrdiges Interesse haben« Darum geht es hier jedoch nicht; denn der Beklagte nimmt gerade in Abrede, daß der Kläger ein Vorschlagsrecht noch hat, weil er die Mei~ nung vertritt, dem Kläger sei dieses Recht dui'ch sein, des Beklagten, Angebot, ihm selbst den nicht abgewohnten feil des Baukostenzuschusses und etwaige weitere Aufwendungen im beschränkten Rahmen (§§ 547? I* Das Berufungsgericht legt die "streitige" Bestimmung im Zusatzmietvertrag (§5 Abs* 5) dahin aus, dem Kläger sei es als Mieter freigestellt, bei vorzeitigem Auszug«, ohne Mitwirkung des Beklagten mit dem Krsatzmieter Abmachungen jeglicher Ai't zu treffen, soweit sie den Mietvei’trag selbst nicht berühren* Ls sei ihm insbesondere nicht untersagt, mit ihm auch einen höheren Betrag als Ablösungssumme zu vereinbaren;) als er selbst dem Beklagten bei Abschluß des Vertrages geleistet hat* Der Beklagte könne deshalb einen ihm vom Kläger vorgeschlagenen Ersatzmieter nicht wogen seiner Vereinbarungen mit dem Kläger, sondern nur aus in seiner Person oder in seiner Zahlungsfähigkeit liegenden Gründen ablehnen« Er sei insbesondere auch nicht berechtigts den Abschluß eines Mietvertrages mit einem ihm vom Kläger vorzuschlagenden Ersatzmieter durch sein Angebot abzuv/en-aen, er wolle dem Kläger selbst den nicht abgewohnten Teil des Baukostenzuschusses und auch etwaige Verwendungen auf die Mieträume gemäß §§ 547, 677 ff B^B ersetzen* 2* Dieser Aufgabe hat sich das Berufungsgericht unterzogen und ist dabei ohne Rechtsirrtum zu einem Ergebnis gelangt, das der Senat bereits für die Aus^gung einer ähnlichen Klausel durch ein Berufungsgericht gebilligt hat* Damals v/ar dem Mieter für die vorgesehene Vertragszeit das grundsätzliche Recht oingeräumt, bei einem vorzeitigen Auszug sein Mietver- } hältnis auf einen neuen Mieter zu übertragen unter der Voraussetzung, daß gegen diesen keine begründeten oder stichhaltigen Bedenken erhoben werden können* Auch für diesen Fall ist entschieden, daß der Vermieter gegen den neuen Mie- |: dem Erstmieter erheben kann (nichtveröffentliches Urteil vom 2* Februar I960 - VIII ZR 200/59)» Daß aber eine Rachfolgeklausel nicht nur in der soeben erwähnten Form (Übertragung der Mietrechte auf den Dritten) zulässig ist, sondern, daß wie hier dem Mieter vertraglich auch das Recht eingeräumt werden kann, bei vorzeitigem Auszug einen neuen Mieter zu benennen, mit dem der Vermieter einen Mietvertrag zu den Bedingungen des alten Vertrages abschließen muß falls nicht gegen seine Person und Zahlungsfähigkeit Bedenken bestehon.? ob der Kläger hier mit einem "Ersatzmieter" als Abstands-oder Ablösungssumme, ohne Mitwirkung des Beklagten auch einen höheren betrag vereinbaren durfte, als er ursprünglich dem beklagten als verlorenen Baukostenzuschuß hatte zahlen müssen, oder ob er sogar darauf beschränkt war, sich diesem Zuschuß nur wegen des "nicht abgewohnten" Teiles erstatten zu lassen«, Bas hat das Berufungsgericht nicht verkannt o Es hat jedoch durch Auslegung ermittelt, der Kläger habe in seinen Vereinbarungen mit dem Nachfolgemieter über eine Abstandszahlung freie Hand haben sollen«. Dabei hat es ohne Rechtsirrtum verwertet, daß der Vertrag keine Einschränkungen über die Art der Abmachungen mit dem Nachfolger über die Abstandszahlung, auch -keine;.;HÖchstgrenze des von diesem zu zahlenden Abfindungsbetrages, enthalte«, Sinn und Zwock dieses Vertrages sei es gewesen, die Festlegung der Vereinbarungen mit dem Nachfolger, soweit sie den Mietvertrag selbst nicht betreffen, ganz dem Kläger zu überlassen» Der Beklagte, der als Bauherr den verlorenen Zuschuss erhalten und verwendet habe, habe sich nur ein Ablehnungsrecht für den Fall, daß gegen die Person und die Zahlungsfähigkeit des Nachfolgemieters Bedenken zu erheben seien, sonst aber nichts Vorbehalten» In diesem Zusammenhang verweist das Berufungsgericht auch ohne Rechtsirrtum darauf, daß der Vertrag vom Beklagten, einem Regierungsbaumeister, entworfen ist, der sich falls er etwas anderes gemeint haben sollte, hätte klarer ausdrücken müssen (BU 13) und, daß der Vertrag für den Mieter erhebliche Risiken barg (BU 12)» Der Kläger hatte sich nämlich nicht nur späteren gesetzlichen Mietpreis- und Steuererhöhungen usw» unterwerfen messen {§ 9)j sondern trug auch das volle Risiko der Weitervermietung» War er nämlich nicht in der Rage, einen entsprechenden Ersatzmieter zu benennen, so konnte der -Beklagte zwar nunmehr die Räume selbst vermieten, der Kläger haftete ihm aber für die volle Mietzeit (bis 1977) nicht nur für einen etwaigen Mietunterschied gegenüber der :.Iiete des Vertrages vom 15« Oktober 1956, sondern auch für das Herrichten der Wohnung für den neuen Mieter (§ 5 vor- Die hiernach nicht rechtsirrtümliche Auffassung des Berufungsgerichts, der Beklagte müsse, abgesehen von den vor-gesehenen Ausnahmefällen, auch einen Ersatzmieter annehnen, mit dem der Kläger eine freie Vereinbarung getroffen hat, steht auch nicht im Widerspruch zu dem Urteil des erkennenden Senats vom 8« April 1963 - VIII 2R 219/61 (WM 1963, 599 * MDR 1963, 586)« Darin ist zwar ausgesprochen, der Vermieter einer unter Mieterschutz stehenden preisgebundenen Wohnung sei in der Regel nicht verpflichtet, einen neuen Mietvertrag nur mit einem ihm vom ausziehenden Mieter vorgeschlagenen Nachfolger abzuschließen, der bereit sei, dem bisherigen Mieter eine preisrechtlich zulässige Abstandszahlung zu leisten« Das gilt aber, wie auch im Leitsatz ausdrücklich her-;; vorgehoben ist, nur beim Fehlen einer entsprechenden vertroglir chen Vereinbarung, die hier getroffen und vom Berufungsgericht rechtsirrturasfrei dahin ausgelegt ist, daß der Beklagte gera- ; de verpflichtet ist, mit einem vom Kläger vorgeschlagencn Nach-folgend et er, der sich bereit erklärt hat, den Kläger' durch ein# Abstand abzufinden, einen Vertrag zu schließen. Auch wenn dem Kläger für die Wohnung, für die er im Jahre 1956 einen verlorenen Baukostenzuschuß von 5 000 DM gezahlt hat, von dem bis I960 - unter Berücksichtigung der zwanzigjährigen Vertragsdauer - 750 DM "abgewohnt" waren, 12 000 DM "Abstand" geboten sein sollten, die er auch anzunehmen bereit war, würde das noch nicht ohne weiteres wie die Revision meint, "eine rücksichtslose Ausnutzung der durch die Wohnunga-Zwangswirtschaft geschaffenen Lage" durch ihn bedeuten,, Einmal hat der Kläger unbestritten vorgetragen, er habe für die Wohnung 550 I)M'fMäfclerprövision-gezahltunä für die Räume noch weitere 1 000 DM aufgewendet» Hinzu kommt der Zinsverlust auf die 5 000 DM» Die Revision irrt auch sonst, wenn sie meint, ein Mieter, der bei vorzeitigem Auszug aus seiner Wohnung mehr Abstand erhalte, als er ursprünglich einmal Baukostenzuschuß bezahlt habe, erziele damit einen "weit darüber hinausgehenden Vorteil", als wenn er bei vollsten« diger Vertragserfüllung nur seine Mieterleistung durch das Abwohnen zurückerstattet erhalte* Von der Revision wird dabei übersehen, daß durch die nach § 29 Abs* 2 h BMG zulässigen Abstandszahlungen nicht nur die Aufwendungen für die alte Wohnung abgegolten, sondern der weichende Mieter vor allem auch instandgesetzt werden soll, sich anderweit Er-satzräume zu beschaffen* Diese Aufwendungen sind nach der Lebenserfahrung oft weit höher* Sinn der Nachfolgeklausel zu den gleichen günstigen Bedingungen weiter belassen muß« Dieser neue Mieter muß zwar für die Wohnung, wenn er dem Kläger einen höheren Abstand zahlen muß, im Ergebnis mehr aufwenden als dieser«, Das läßt aber sein Verhältnis zu dem -Beklagten unberührt© Rach der Lebenserfahrung zahlt er diesen Abstand nur«, wenn er glaubt, daraus deshalb einen Vorteil ziehen zu können, weil er, wenn er ;eine erst noch zu errichtende oder gerade erst aufgebaute Wohnung mieten würde, noch mehr aufbringen müßte, eine Lage, in der sich im übrigen gerade der weichende Mieter befindet, der sich anderen Wohnraum beschaffen muß© i>ie von der Revision angedeutete Gefahr, daß 3ich der neue Mieter durch Zahlung eines Abstandes an den Kläger zahlungsunfähig macht, ist so gering, daß sie nicht in den *vreis der Erwägungen einbezogen zu werden braucht© Y/äre es wirklich der Fall, so könnte der Beklagte aus diesem ^runde den Ersatzmieter wegen Zahlungsunfähigkeit ablehnen© .so nicht angreifbar,/gilt das auch für die von ihm daraus gezogene Folgerung, der Beklagte habe sich durch seine grundsätzliche Weigerung, mit einem ihm vom Kläger vorgeschlage -nen Ersatzmieter, der mit dem Kläger eine freie Vereinbarung t getroffen hat, einen Mietvertrag abzuschließen, einer ihn i zu dem Schadensersatz verpflichtenden positiven Vertragsver- \ lotzung schuldig gemacht (zu vgl© auch das oben erwähnte Urteil des erkennenden Senats vom 2© Februar I960 - VIII ZR 200/59)» Sr ist auch in Verzug geraten© Zu seiner Weigerung konnte den Beklagten nicht die theoretische Möglichkeit berechtigen, der neue Mieter könne sich f durch die Zahlung einer Abstandssumme selbst zahlungsunfähig \ machen, und auch nicht eine etwaige Gefahr, daß der neue Mieter vom Kläger “bewuchert1’ werden könnte© Der Kläger könnte allerdings, wie der Senat in seinem bereits mehrfach erwähnten Urteil vom 2©Februar I960 ausgeführt hat, seiner Schadensersatzforderung nicht einen von der Rechts- Der Beklagte trägt auch die Gefahr seiner falschen Auslegung der hier in Betracht kommenden Vertragsbestimmung; denn er mußte in Erwägung ziehen, daß sie auch anders ausgelegt werden konnte» Angesichts der Weigerung des -Beklagten, jeden Ersatzmieter, mit dem der Kläger eine entsprechende freie Vereinbarung getroffen hatte, abzulehnen und der von ihm hartnäckig vertretenen Auffassung, er könne das Vorschlags- und das Recht des Klägers zu Vereinbarungen mit einem Nachfolge-miotcr durch sein Angebot zunichte machen, ihm den nicht abgewohnten Teil des Zuschusses und etwaige sonstige Verwendungen im Rahmen von §§ 547» 677 ff BGB zu ersetzen, brauchte der Kläger ihm auch noch keinen bestimmten Mieter vorzuschlagen; denn seine vom Berufungsgericht gebilligte Auffassung, daß ein solcher Mieter schwer zu finden war, wenn ihm bekannt wurde, der Beklagte.würde ihn ablehnen, entspricht der Lebenserfahrung« Verschwieg aber der Kläger einem Nachfolgemieter die Einstellung des -Beklagten, so setzte er sich der Gefahr aus, von diesem schadensersatzpflichtig gemacht zu werden«.