BGH · VIII ZR 91/69 vom 03.03.1969
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIII , Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 28, Oktober 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten ür0 Haidinger sowie der Bundesrichter Dr, Gelhaar, Dr, Mezger, Hermann und Dr o Hiddemann für Recht erkannt: Von Rechts wegen ?££bestand Die Klägerin ist die Inhaberin eines Zirkusunternehmens (dieses v/ird im folgenden wie im ersten und zweiten Rechtszuge als nder Kläger” bezeichnet), das in der Zeit vom 23» bis 26, Juni 1967 auf dem Marktplatz d4er beklagten Stadt gastierte. Um das Gastspiel vorzubereiten, hatte sich der Kläger bereits mit Schreiben vom 26, -^Januar 1965 an die Auf ein weiteres Schreiben des Klägers antwortete die Beklagte unter dem 15» Juni 1963, daß sie den Kläger für ein Gastspiel in der ersten Jahreshälfte 1967 vorgemerkt habe. Mai und 10* Juni 1967 genannt, in dem der Kläger nicht mit den traditionellen Ortsveranstaltungen kollidieren würde. fand o Dieses Fest war in den vergangenen Jahren stets im Juli abgehalten und 1967 erstmals in den Juni vorverlegt worden» Der Kläger hatte von der Überschneidung der beiden Veranstaltungen erst zu einem Zeitpunkt Kenntnis erhalten, in dem ihm eine Verlegung des Gastspiels nicht mehr möglich war. Er hatte darauf der Beklagten durch Schreiben vom 18„ Juni 1967 Schadensersatzansprüche angedroht, weil die Bediensteten der Stadt den Kläger nicht rechtzeitig auf das Parkfest aufmerksam gemacht hätten« dor Ansicht der Revision nicht immöglich und auch nicht lebensfremdo Es mag sein, daß die Stadt, wie die Revision geltend macht, lediglich die Standort-frago klären, doho angeben wollte, ob und wann der Marktplatz der beklagten Stadt für das geplante Gastspiel verfügbar sei* Das ändert aber nichts daran, daß es dem Kläger darauf ankam, zu erfahren, wann Großveranstaltungen in der Stadt stattfanden, wie das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtura seinen-.Schreiben vom 28o Juni 1966 (richtig 27» Juni 1966) und 15* April 1967 entnommen hat, um das Gastspiel des Klägers nicht mit anderen Großveranstaltungen kollidieren zu lassen<> Dieser Wunsch ließ sich entgegen der Ansicht der Revision den genannten Schreiben mit aller Deutlichkeit entnehmen o Wenn das Grundstücksamt, dem mindestens nach VertragsSchluß eine entsprechende Pflicht oblag, sich um das Zusammenfallen mit anderen Veranstaltungen nicht kümmern und es nicht übernehmen wollte, den Kläger zu unterrichten, mußte es dies klar zu dem Ausdruck bringen und den Kläger gegebenenfalls an andere Stellen, z.Bo den Verkehrsverein,verweisen. hat, den Kläger davon unterrichten, daß an den von ihn gewählten Auftrittstagen eine Überschneidung mit den Parkfest stattfand» In das Zeugnis des Angestellten SchMV sind keine Tatsachen gestellt worden, die dieser Beurteilung entgegenstehen* Das Berufungsgericht war daher nicht gehalten, SchflHF als Zeugen zu vernehmen,, 3» Y/as das Verschulden des städtischen Angestellten Schäfer als Erfüllungsgehilfen der Beklagten anbelangt, so unterstellt das Berufungsgericht, daß dieser im April 1967 keine Kenntnis von der Vorverlegung des Parkfestes hatteo Es hält ihn aber mit Recht für verpflichtet, nach Erhalt des Schreibens des Klägers vom 15o April 1967 zu prüfen, ob in der Zeit vom 23° bis 26» Juni 1967 andere Großveranstaltungen stattfanden„ Es bedeutet keine Überspannung, daß das Berufungsgericht ihm eine Erkundigung beim Verkehrsverein zu demutet und die Unterlassung einer solchen Erkundung als Fahrlässigkeit wertet» Der Vorschrift liegt der Rechtsgedanke zugrunde, daß derjenige, der die Sorgfalt außer acht läßt, die nach Lage der Sache erforderlich erscheint, um sich selbst vor Schaden zu bev/ahren, den Verlust oder die Verkürzung eines eigenen Schadensersatzanspruches in Kauf nehmen muß« Verschulden nach § 254 BGB ist mithin ein Verstoß gegen das Gebot des eigenen Interesses« Die Anwendung des § 254 BGB kommt daher nur dann infrage, wenn der Kläger, d„h„ die für ihn handelnden natürlichen Personen, unter Außerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt gegen die ihm im eigenen Interesse obliegende Verpflichtung verstoßen hat, sich möglichst vor Schaden zu bewahren« b) Der Kläger hätte auch unter Zugrundelegung seines eigenen Vorbringens den ihm entstandenen Schaden verhindern können, wenn er sich beim Verkehrsverein der beklagten Stadt im April 1967, als er den Zeitpunkt des Gastspiels endgültig festlegte, danach erkundigt hätte, ob an den von ihm gewählten Üagen andere Großveranstaltungen in statt fanden« Denn es ist anzunebmen, daß der Verkehrsverein, der über die Vorverlegung des Parkfestes Bescheid wußte, dem Kläger alsbald von der Überschneidung des Parkfestes mit den von dem Kläger vorgesehenen Spieltagen Mitteilung gemacht hätte« Zu dieser Zeit war es aber dem Kläger, wie er selbst vorgetragen hat, noch möglich, das Gastspiel in 6) angenommen (BU 11), daß den Kläger nicht die Pflicht traf, vor der Festlegung des Termins noch bei anderen Stellen (d.h. beim Verkehrsverein) Erkundigungen einzuziehen» Diese Würdigung läßt keinen Rechtsirrtum erkennen; der Kläger konnte davon ausgehen, daß das Grundstücksamt der beklagten Stadt, mit dem er verhandelte, über die Ortsfeste, soweit es sich um bedeutende Veranstaltungen handelte, unterrichtet war, und konnte darauf vertrauen, daß dieses Amt ihm Mitteilung machte, wenn eine Überschneidung mit einer anderen örtlichen Großveranstaltung drohte» Es kann ihm daher nicht zur Last gelegt werden und bedeutet keine Außerachtlassung der erforderlichen Sorgfalt, daß er seinerseits Erkundigungen bei anderen Stellen, insbesondere beim Verkehrsverein unterließ» 5« Die Revision beruft sich weiter darauf, daß dem Kläger durch die unvollständige Antwort vom 2k• April 1967 auf das Schreiben vom 15« April 1967 überhaupt kein Schaden entstanden sei, weil der Kläger zu dieser Zeit das Gastspiel in der beklagten Stadt nicht mehr hätte verlegen könneno Nach Seite 10 des Berufungsurteils ist es jedoch unstreitig, daß der Kläger, wenn die Beklagte im April 1967 ihrer Aufklärungspflicht genügt hätte, noch Zeit gehabt hätte, umzudisponieren, Soweit die Revision sich dagegen wendet, daß eine solche Umdisposition möglich gewesen wäre, setzt sie sich daher mit dem imstreit igon Sachverhalt in V/iderspruch« Das Zwischenurteil über den Grund ist daher mit Recht ergangen, so daß ebenso wie die Berufung auch die Revision der Beklagten zurückgewiesen werden muß*