BGH · VIII ZR 90/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Edwin Piesch schuldet dem Beklagten aus einem gerichtlichen Vergleich vom 27« März 1965 500»000 DM« Der Beklagte hat wegen eines Teilbetrages von 30«000 DM in der Wohnung der Eheleute PflHB Möbel, Teppiche und Bilder Pfänden lassen« Diese nimmt die Klägerin als ihr Eigentum in Anspruch« Die Teppiche und Bilder gehörten früher unstreitig dem Schuldner * Die Klägerin behauptet.,, dieser habe sie im Frühjahr 1945 kurz vor der gemeinsamen Flucht ihr bz\v0 ihrem Ehemann übereigneto Ihr Ehemann habe sich nämlich zunächst geweigert, durch eine Flucht in B^alles im Stich zu lassen0 Um seine Bedenken zu überwinden, habe sein Schwiegersohn ihm zugesagt, alles, was or (der Schwiegersohn) von seinem Hausrat durchbringe, solle ihm, dem Schwiegervater, gehören, und zwar als Ausgleich dafür, daß der Schwiegersohn die Mieten aus dem Einfamilienhaus der Familie (mit deren Einverständnis) einkassiert hatte*, Der einzige geretxete Hausrat seien die Bilder und Teppiche gewesene Die Möbel (Schreibtisch, Teewagen, Rauchtisch und Blurnentischchen, sämtlich geschnitzt) hat nach der Behauptung der Klägerin ihr Ehemann in den Jahren 1946/47 in Bayern für sie anfertigen lassen0 Die Klägerin hat ferner zu dem Beweise für ihr Eigentum geltend gemacht, daß sie schon 1956 die Sachen gegen Feuer-, Diebstahl- und Wasserschaden für 51°000 DM habe versichern lassen*, 10 Das Berufungsurteil geht zutreffend - und von der Revision unangefochten - davon aus, nach § 1006 BGB spreche hier eine Vermutung für das Eigentum des Schuldners, weil die Möbel in seiner Wohnung gepfändet 3eien; diese Vermutung komme auch dera Beklagten als Pfändungsgläubiger zugute, weil er seine Rechte vom Schuldner herloitCo Im Gegensatz zu dem Landgericht hält das Berufungsgerieht den Beweis nicht für erbracht, daß die Klägerin Eigentümerin oder als Miterbin nach ihrem Ehemann (mit ihrer Tochter Edith'* Miteigentümerin der Pfandstücke geworden sei*. det., er habe die Teppiche und Bilder im September 1945 in Form-bach am Inn gesehen und die Eheleute D^mi^ hätten erklärt, diese Sachen gehörten ihnen» Die Zeugin Ko^BHI, eine mit ihr zusammen leb ende Schwester der Klägerin, habe zwar bekundet, Edwin habe bei einer Unterhaltung ira März 1945 seinem Schwieger vater erklärt, er übergebe ihm die Bilder und Teppiche, damit er (der Schwiegervater) nicht in Deutschland vor einem Nichts stundeo Abweichend davon habe die Ehefrau des Schuldners als Äußerung ihres Mannes angegeben, er werde seinem Schwiegervater alles geben, was er nach Deutschland durchbringen könneo Als objektiver Anhaltspunkt für das Eigentum der Klägerin bleibe allein der Umstand, daß sie den ganzen Hausrat im Jahre 1956 versichert habe® Dies genüge aber nicht, um die bestehenden Unklarheiten und Zweifel auszuräumen und die Behauptungen der Klägerin über den Erwerb der Sachen zu beweisen» tiiorfcp sondern hat die Art, wie sie ihr Vorbringen im Rechtsstreit gestaltet hat, als auffallend gewertet, weil es bei jeder Interventionsklage offensichtlich von Anfang an in tatsächlicher Hinsicht bedeutsam sei, ob die streitigen Sachen einmal dem Schuldner gehört hätten; damit habe die Klägerin im Prozeß zunächst zu---rückgehalten * Diese Wertung ist aus Rechtsgründen nicht angreifbar« b) Die Revision macht weiter geltend, zu Unrecht habe das Berufungsgericht für auffällig gehalten, daß die Bilder und Teppiche nicht in den Anträgen auf Feststellung der Vertreibungs-schaden aufgeführt seien; Hierfür sei kein Raum gewesen, weil die Teppiche und Bilder nicht verloren gegangen, sondern gerettet seien«. Hierauf kommt es nicht an«, Selbst wenn die Klägerin, wie die Revision meint, nicht gehalten war, die geretteten Teppiche und Eilder in dem formularmäßigen Antrag anzugeben, so würde damit nur eines von mehreren gegen ihre Sachdarstellung sprechenden Beweisanzeichen entkräftet sein, nicht aber hätte sie - nach der Wertung des Berufungsgerichts npsitiv bewiesen, daß ihre Sachdarstellung richtig ist«. so ergebe sich eine in allen wesentlichen Punkten übereinstimmende Darstellung des Gesprächs; das der Schuldner mit seinem Schwiegervater vor der Flucht wegen der Bilder und Teppiche geführt habe* Der Revision kann zugegeben werden; daß im übrigen die Aussagen der beiden Zeugen dieses Gespräch in groben Zügen übereinstimmend schil-dorn0 Bezüglich der Formulierung der vom Schuldner angeblich abgegebenen entscheidenden Erklärung bleibt aber ein Unterschied« Während nach Frau F|0 ihr Ehemann gesagt hat, er gebe dem Vater die Gegenstände, die er nach Westen durchbringe 'an anderer Stelle ?; er würde ihm alles geben, was er durchbringoV, hat er nach der Aussage der Zeugin ihm angeboten, er wolle ihm seine Teppiche und Bilder geben, damit er nicht ganz leer dastehe« Es mag sein, daß von Zeugen, die nach 19 Jahren don Inhalt der Äußerung eines anderen wiedergeben sollen, nicht erwartet werden kann, daß sie diese Äußerung noch ihrem Wortlaut nach einheitlich wiederzugeben vermögen0 Es könnte deshalb bedenklich sein, wenn das Berufungsgericht davon den Beweiswert der Aussagen abhängig machen wollte« Darin liegt aber ersichtlich nicht sein Bedenken« Das Berufungsgericht hat vielmehr erwogen, daß der Zweck der fraglichen Erklärung des Schuldners war, seinen Schwiegervater zu bestimmen, ebenfalls zu fliehen und nicht in £^0 zu bleiben.» »Vas der Schuldner selbst von seinen Sachen durchbringen würde, war damals, wie überhaupt das Schicksal der beiden Familien, noch ungewiss« Infolgedessen lag es näher, daß der Schuldner, wofür nach Auffassung des Berufungsgerichts mehr die Aussage der Ehefrau PflUB spricht, seinem Schwiegervater nur Versprechungen für die Zukunft machte, als daß er ihm schon zu dieser Zeit bestimmte Sachen, nämlich die Bilder und Teppiche, übereignete, wofür mehr die Aussage der Zeugin Ko(H|^^ sprechen könnte« Es ist kein Rechtsfehler, wenn unter diesen Umständen das Berufungsgericht die Zeugenaussagen nicht als ausreichend für einen Beweis ansah, daß der Schuldner die Bilder und Teppiche im März 1945 der Klägerin oder ihrem Ehemann übereignet habe« Dann aber konnte das Berufungsgericht auch als unklar geblieben ansehen, wodurch später ein Eigentums Wechsel eingetrexen sein sollteö Denn die Bilder und Teppiche waren bei der Pfändung im Jahre 1963 ebenso im Besitz des Schuldners wie bis zur Flucht im Jahre 1945; und die Parteien hatten auch in den dazwischen liegenden 18 Jahren keinen An laß genommen, den angeblichen Eigentumswechsel schriftlich zu verlaut baren« Das Berufungsgericht blieb im Rahmen der vom Re--visionsgericht nicht nachprüfbaren Beweiswürdigung, wenn es den Abschluß einer Mobiliarversicherung durch die Klägerin im Jahre 1956 nicht als ausreichenden Beweis dafür ansah, daß die Klägerin in der Zwischenzeit Eigentümerin der Teppiche und Bilder geworden war«, soweit er dessen persönliches Vermögen botroffo» sei noch nicht abgeschlossen» Die Revision rügt (§ 286 ZPO;5 das Berufungsgericht habe hieraus folgern sollen, daß die kostbaren Teppiche und Bilder unmöglich dem Schuldner und Gemeinschuldner gehören könnten, weil in diesem Falle der Konkursverwalter sie zur Masse gezogen haben würde» a; Die Revision rügt in erster Linie Verletzung des § 139 ZPOo Sie meint das Berufungsgericht habe, wenn es aus den damaligen Zeitumständen Bedenken gegen die Behauptungen der Klägerin über die Anschaffung der Möbel habe herleiten wollen, die Klägerin auf diese Bedenken hinweiaen müssen; die Klägerin würde dann durch das Zeugnis ihrer Tochter (der Ehefrau des Schuldners) unter Beweis gestellt haben, daß ihr Mann die Möbel von einem Altschreiner und Schnitzer in der Nähe von PaflHB habe anforti— gen lassen und größtenteils mit Y/aren (Stoffen, Kognao und Zigaretten) bezahlt habe, die er vor dem Kriegsende aus der TsflHHBHHK nach Bayern verbracht hafoe0 Die Rüge ist schGn deshalb unbegründet, weil die vom Berufungsgericht geäußerten Bedenken, wie ein aus der TsfHHHHH^^ geflüchteter Beamter in der Lage sein sollte, sich in Bayern in den Jahren 1946/47 wertvolle geschnitzte Möbel anzuschaffen, auf dor Hand lagen0 § 139 ZPO ist nicht verletzt« dern die Familie PflHP ^Zeugin)o Dieser Irrtum des Berufungsgerichts verhilft aber der Revision nicht zu dem Erfolg® Überblickt man die Gründe, die das Berufungsgericht veranlassen konnten, den Beweis für das Eigentum der Klägerin nicht als erbracht cjv-Zusehen, im ganzen, so kommt darin dem Umstand, den das Berufungsgericht zu Unrecht angenommen hat, keine entscheidende Be deutung zue Zv/ar hatte die Zeugin Ehefrau PflB^ nicht bekundet, ihre Eltern hätten zur Zeit der Anschaffung die Möbel nicht gebraucht Tatsache war aber, daß die Möbol später nicht von den Eltern, sondern von der Familie PflBB benutzt wurden„ Unklar blieb ferner, wovon der Ehemann der Klägerin, ein geflüchteter Beamter, der zunächst nicht einmal fliehen wollte, weil er in Deutschland vor dem Nichts stünde, die besonders hochwertigen Möbel angeschafft haben, sollte« Dagegen war sein Schwiegersohn in -Bflife Fabrikant mit einem beträchtlichen Grundbesitz und beträchtlichem Vermögen gewesen 'b„ die Akten des Ausgleichsamtcs Ihm hatte auch Eisenbahnfrachtraum zur teilweisen Verlagerung seines Betriebes nach Deutschland zur Verfügung gc -standen (Zeugen Ehefrau und Weder über den angeblichen Erwerb der Möbel durch den Ehemann der Klägerin noch über die angeblich leihweise Überlassung an den Schwiegersohn waren schriftliche Unterlagen vorhanden Die Zeugen waren nahe Verwandte.;,