BGH · VIII ZR 88/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bei einem Weingroßhändler, der Weine zu Preisen mit üblicher Gewinnspanne weiterverkauft, besteht eine Wahrscheinlichkeit dafür, daß Kunden, die mit- für einen Käufer reservierten Weinen nach Ablauf der ihm gemäß § 326 BGB gesetzten Nachfrist beliefert worden sind, von dem Y/einhändler andere vorrätige oder beschaffbare Weine entsprechender Qualität und Preislage bezogen haben würden«, Wird diese Vermutung nicht widerlegt, so kann der Verkäufer als Schadensersatz wegen Nichterfüllung den entgangenen Gewinn berechnet nach dem Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis der vom Käufer nicht ab genommenen Weine verlangen«, - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt hat der VIII<> Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 3» Mai I960 unter Mitwirkung des Senats-Präsidenten BroPagendarm sowie der Bundesrichter Di*»Gelhaar, Artl, Dr.Dorschel und Dr„Messner für Recht erkannt: Dieses Schreiben und eine weitere Aufforderung vom 15» Juli 1954s zur Bezahlung des Rechnungsbetrages ein diskontfähiges Wechselakzept zu übersenden, wurden nicht beantwortete Unter dem 7 c August 1954 setzte die Klägerin der Beklagten zur Zahlung des fälligen Betrages von 17 556 DM eine Prist bis zu dem 15c August 1954 mit der Erklärung, daß sie die Annahme der Leistung nach dem Ablauf der Prist ablehnen werde« Die Klägerin behauptet, sie habe nach Ablauf dieser Prist Uber die für die Beklagte reservierten Weine anderweit verfügt, und verlangt im vorliegenden Rechtsstreit als Schadensersatz wegen Nichterfüllung Ersatz des ihr entgangenen Gewinns« Hierzu hat sie im ersten Rechtszuge zunächst geltend gemacht, der Schaden, den sie erlitten habe, betrage mindestens 30 i des Verkaufspreises« Perner hat sie vorgetragen, bei dem anderweitigen Verkauf des Weins habe sie bei einigen Posten sogar noch Verluste erlitten und zwar in Höhe von 191*90 DM bei dem Posten zu a), 78,68 DM bei dem Posten zu b), 117,65 DM bei dem Posten zu c)« Sie hat aber in erster Reihe nach § 252 BGB Ersatz des Gewinns verlangt, der nach dem allgemeinen Verlauf der Dinge mit Wahrscheinlichkeit habe erwartet werden können» Bei ihrem Geschäftsumfang sei zu erwarten gewesen, daß die Kunden, denen der an die Beklagte verkaufte V/ein geliefert worden sei, bei ihr andere Weine bestellt hätten, so daß ihr in jedem Palle infolge Nichterfüllung des Kaufvertrages durch die Beklagte ein Gewinn entgangen sei» Die Gewinnspanne betrage im übrigen ganz allgemein 30 Sie hat zu dem weiteren Nachweis ihres entgangenen Gewinns ihre Einkaufspreise und die der Beklagten berechneten Verkaufspreise für die einzelnen Weinsorten gegenübergesteilt und den ihr danach entgangenen Gewinn auf 4687,34 DM berechnet» Hiervon hat sie mit der Klage einen Teilbetrag von 500 DM nebst 8 ft> Zinsen seit dem 3.5o September 1954 gefordert. Io Las Berufungsgericht nimmt übereinstimmend mit dem Landgericht an, daß die formellen Voraussetzungen des § 326 BGB erfüllt sind und die Klägerin daher berechtigt ist, Schadensersatz wegen Nichterfüllung zu verlangen«, Insoweit erhebt die Revision keine Angriffe gegen das Beruf ungsurteil. Las Berufungsgericht sieht in der Gegenüberstellung der Einkaufspreise der Klägerin mit den in dem Kaufvertrag der Beklagten vereinbarten Preisen eine konkrete Schadensberechnung und hält diese für ungeeignet, einen Schaden darzutun, weil die Weinpreise in dem der Schadensberechnung zugrunde gelegten Zeitpunkt noch etwa dieselben gewesen seien und zwar sowohl im Beginn des Verzuges der Beklagten, dem 13o Juni 1954, als auch bei Ablauf der Nachfrist am 15o August 1954o Lie Behauptung der Klägerin, sie habe für einige Puder geringere als die mit der Beklagten vereinbarten Preise erzielt, hält das Berufungsgericht deshalb für unbeachtlich, weil trotz des Bestreitens der Beklagten die Klägerin ihre Behauptung nicht unter Beweis gestellt habe«. denn es komme nicht darauf an, ob die Klägerin die gleichen Weine zu denselben günstigen Preisen wieder hätte einkaufen können, sondern darauf, ob die Klägerin mit dem von der Beklagten bei rechtzeitiger Zahlung erhaltenen Geld überhaupt Weine hätte einkaufen und mit dem üblichen Gewinnzuschlag hätte Weiterverkäufen können» Das sei aber nach der Lage auf dem Weinmarkt für Mitte August 1955 zu bejahen, wie aus dem Sachverständigengutachten hervorgehe« IIo lo Die Revision rügt, das Berufungsgericht stelle mit diesen Erwägungen auf einen Verzugschaden ab* den die Klägerin dadurch erlitten habe, daß sie wegen Ausbleibens des von der Beklagten geschuldeten Kaufpreises ihre Vorräte nicht habe ergänzen können, und hält diese Berechnung auch deshalb für unzulässig, weil Verzugsschaden nur nach § 286 BGB verlangt werden könne, dieser aber jedenfalls für die Zeit nach Ablauf der Nachfrist durch die Sondervorschrift des § 326 BGB ausgeschlossen werde» Im Rahmen des Anspruchs wegen Nichterfüllung sei daher für Verzugschaden kein Raumnmehro Es kann dahingestellt bleiben* ob das Berufungsgericht wirklich nur auf die Möglichkeit der Ergänzung der Vorräte abgestellt hat oder ob seine Erwägungen insoweit daraus zu erklären sind* daß die Beklagte auch den Einwand erhoben hatte, die Klägerin* die nach eigenem Vorbringen mit Wechselkrediten arbeite* wäre nicht in der Lage gewesen, ihren Umsatz beliebig zu erhöhen und sich mit anderer Ware einzudocken« In jedem Falle können die Bedenken der, Revision ihr im Ergebnis nicht zu dem Erfolge verhelfen9 Die soeben genannte Voraussetzung ist nach den Feststellungen des Berufungsgerichts bis auf einen Bosten, nämlich die Sorte "Mesenicher Kleinberg11, gegebene Auch hinsichtlich dieser Menge von 3000 Litern ist aber eine Schadensberechnung mit der Begründung als zulässig anzusehen, die Klägerin würde einen um diese Menge erhöhten Gesamtabsatz an Weinen auch dann gehabt haben, wenn die Beklagte den gekauften Posten abgenommen haben würde«, Die Beklagte hat 2war die Behauptung der Klägerin, bei ihrem Geschäftsumfang sei zu erwarten gewesen, daß Kunden, an die die ursprünglich an die Beklagte verkauften Weine geliefert wurden, andere Weine entsprechender Qualität und Preislage bestellt hätten, mit der Ausführung in Abrede gestellt, es sei keineswegs wahrscheinlich, daß die Kunden der Klägerin einen im Preis gestiegenen Wein gekauft haben würden, wenn sie nicht ein besonderes Interesse an dieser Qualität gehabt und ihnen eine Ausweichmöglichkeit offen-gestanden hätte; es handle sich zudem um Wein des Jahrgangs 19539 der im Sommer 1954 zu einer Zeit, als sich bereits abgezeichnet habe, daß der Jahrgang 1954 nicht gut werden würde, äußerst begehrt gewesen sei; deshalb seien auch die von der Klägerin ursprünglich als Faßweine verkauften Weine abgefüllt und als Edelweine verkauft worden«, Mit diesen Einwendungen hat die Beklagte jedoch noch nicht die auch für Weingroßhändler anzuerkennende Kegel entkräftet5 daß die Kunden, die mit dem für die Beklagte reservierten Wein beliefert worden sind, im lalle der Abnahme der Weine durch die Beklagte von der Klägerin andere Weine bezogen haben würden und daß auch die sonstigen damals laufenden Verträge von der Klägerin hätten erfüllt werden können«, Die Revision hat auch nicht aufzuzeigen vermocht, daß die Beklagte eine sonstige konkrete Tatsache vorgebracht und unter Beweis gestellt hat, die gegen diese Vermutung des gewöhnlichen Verlaufs der Dinge bei einem Weingroßhändler sprechen könnteo Hiernach-kann>ßüch die Rüge der Revision, der durch das Ausbleiben der Absatzsteigerung entstandene Schaden hätte nach § 287 ZPO geschätzt werden müssen, wobei allgemeine Kaufmännische Erfahrungen über die Möglichkeiten der Verwendung des Erlöses eines Warenumsatzes für die Ergänzung des Lagerbestandes berücksichtigt werden müßten, nicht durchgreifen, Einer solchen Schätzung bedarf es deshalb nicht, weil für die Klägerin eine -Vermutung da für spricht, daß ihr ein Verdienst in der geltend gemachten Höhe entgangen ist» Dem steht nicht entgegen, daß die Klägerin boi ihrer Kreissparkasse Wechselkredite in Anspruch genommen hat» Denn daraus ist noch nicht zu folgern, daß sie nicht in der Lage gewesen wäre, den Kunden, denen sie nach Ablauf der der Beklagten gesetzten Nachfrist die für diese reservierten Weine geliefert hat, andere Weine aus ihrem Lager oder damals noch zu beschaffende Weine zu liefern«, *