BGH · VIII ZR 77/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Karl SMMF vorausgegangen, der dem Kläger das Recht zu dem Beginn und zur Weiterführung der Bauarbeiten bestritt (Schriftwechsel vom 20c Mai 1947 bis 2« Juli 1947)« Dabei legte“ der Kläger einen - nicht mehr beizubringenden - Vertragsentwurf des Notars Auwärter vor, der von'Dr« Karl SHHMinsbesondere deshalb abgelehnt wurde, weil er eine persönliche Haftung nicht übernehmen, sondern nur eine dingliche Haftung (durch eine Grundschuld) für die Aufbaukosten zugestehen wollte, weil er weiter Bedenken wegen der Kontrolle über die Baukosten hatte und weil er schließlich über das - nach seiner Auffassung - eigenmächtige • Vorgehen des Klägers verärgert war* Auch der vom Kläger und allen Angehörigen der Erbengemeinschaft in der Kanzlei des fc* Ober die Baukosten ist im § 2 gesagt, sie sollten vom Kläger und seiner Ehefrau aufgebracht werden und von ihnen sollte darüber nach Abschluß der Bauarbeiten mit den Erben abgerechnet werden. die Ansprüche des Klägers seien als Aufwendungsersatzansprüche aus Auftrag im Verhältnis 10 zu 1 umgestellt* Im Urteil ist dabei ausgeführt, auf den Inhalt und das etwaige Ergebnis der vor Abschluß des Vertrages vom 24« Juli 1947 mit dem Beklagten Paul geführten Besprechungen käme es nicht an, weil diese schon mangels Vollmacht dieses Beklagten für die anderen Erben nicht rechtsverbindlich geworden seien« Gleichzeitig wurde der Kläger zur Bezahlung rückständiger Miete verurteilt« Weil er auch weiterhin keinen Miel zins entrichtete, wurde er später zur Räumung von Wohnung und Geschäftsräumen verurteilt und räumte auch auf Grund dieser Urteile« Der Klager hat die genannten beiden Beklagten im gegenwärtigen, im August 1956 anhängig gemachten Rechtsstreit wegen des Schadens in Anspruch genommen, der ihm nach seiner Behauptung dadurch entstanden ist, daß ihm durch das rechtskräftige Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 8« Juni 1953i gegen die Erbengemeinschaft Sommer Ersatzansprüche nur in erheblich geringerem Umfange zugesprochen worden seien, als dies seinen Vereinbarungen mit den Beklagten entspreche« Er behauptet insbesondere, der Beklagte Paul habe ihm vor Baubeginn wiederholt zugesagt, er erhalte alles* was er in däs Haus hineinstecke, wertmäßig wieder zurück, er werde keinen Pfennig seiner Aufwendungen verlieren und könne alles, was er im Zuge des Aufbaues in das Haus hineinstecke, mit dem hälftig von ihm zu bezahlenden Mietzins verre'ebnen und so im Raufe der Zeit abwohnen und amortisieren« Es liege deshalb die Vereinbarung einer echten Abwohnklausel vor* I® Pas Berufungsgericht hat im ersten Teil seiner Int-scheidungsgründe die Behauptung des Klägers, er habe mit dem Beklagten Paul als Vertreter der Erben und ohne Kenntnis des Mangels seiner Vertretungsmacht eine wertbeständige Abwohnvereinbarung Ende 1946/ Anfang 1947 abgeschlossen, als richtig unterstellte Es meint jedoch, auch wenn der Vertrag danach als schon damals "abgeschlossen1» betrachtet werden könnte, sei der auf § 179 BGB gestützte Klaganspruch nicht begründet, weil die Vereinbarungen des Klägers mit diesem Beklagten durch den Abschluß des Vertrages vom 24* Juli 1947 mit allen Erben gegenstandslos geworden sei« Dabei unterstellt es, beide Vereinbarungen hätten sich insofern unterschieden, als ursprünglich "Wertbestandigkeit" vereinbart worden sei, während eine entsprechende Bestimmung dem "2® Vertrage" nicht zu entnehmen sei« Es geht aber auch davon aus, dem Kläger sei dieser Unterschied nicht bewußt gewesen, er habe vielmehr angenommen, sie sei auch in dem Vertrage vom 24* Juli 1947 festgehalten worden® Dazu führt es aus, den Beteiligten sei damals die Bedeutung einer Wertbeständigkeit svereinbarung nicht gegenwärtig gewesen, so daß deshalb der jetzige Interessenkonflikt damals gar nicht aufgetreten sei® Es stellt fest, die Präge der Wertbeständigkeit sei, wie sich aus dem Schriftwechsel des Klägers mit Dr« Karl SMIB*ergeBe, "nicht eigentlich streitig" gewesen« Bei den | durch Dr®SflMfe hineingebrachten Bedenken habe sie nur am Bande eine Rolle gespielt, für diesen habe es sich in erster Reihe darum gehandelt, daß er keine persönliche, sondern nur eine dingliche Haftung habe übernehmen wollen? Es führt dann aus, bei der erwähnten verschiedenen Regelung ähnlicher Tatbestände handele es sich darum, daß der Vertrag vom 24 * Juli 1947 im Vorprozeß nicht dahin beurteilt worden sei, daß die Erben dem Kläger mietfreie Raumnutzung auf Grund Mietvorauszahlung schuldeten, die der Währungsumstellung nicht unterlegen habe und damit auch nicht im Verhältnis 10 zu 1 umgestellt wäre (Abwohnvereinbarung), sondern daß ein mit einem Mietvertrag kombinierter Auftrag angenommen worden sei, aus dem Aufwendungsersatz geschuldet würde mit dem Ergebnis, daß der geschuldete Reichsmarkbetrag im Verhältnis 10 zu 1 umgestellt sei* Biese unterschiedliche Behandlung beruhe auf der besonderen Gestaltung des Währungsumstellungsrechtes durch Gesetz und Rechtsprechung« Bazu legt das Berufungsgericht unter Bezugnahme auf den Aufsatz von Oechßler (NJW 1952, 571)> der eine Reihe wirtschaftlich ähnliche, rechtlich aber verschieden behandelte Fälle schildert, dar, an sich habe wohl eine Umstellung im Verhältnis 10 zu 1 in allen diesen Fällen in der strengen Tendenz des Umstellungsgesetzes gelegen und es lasse sich auch eine Gestaltung der Rechtsprechung dahin vorstellen, daß in allen angeführten Fällen . Behandlung wirtschaftlich ähnlicher Fälle „ Wenn aber die Rechtsprechung in einem Teil dieser Fälle in einer gedanklichen Entwicklung neben dem TJmstellungsgesetz eine Vollumstellung vorgenommen habe, so sei das wesentlich mit*'deshalb geschehen, um die in Rechtsnot geratenen Aufbaumieter zu berücksichtigeno Bas sei jedoch nur insoweit möglich gewesen, als nicht ein klarer Verstoß gegen das Umstellungsgesetz notwendig würde, und damit unter Inkaufnahme des Nachteils der Ungleichbehandlung wirtschaftlich ähnlicher Fälle. sich alsdann aber die Auslegung des Vertrages vom 24« Juli 1947 dahin, mit ihm sollten die bisherigen Abmachungen, insbesondere die (vorher) mit dem Beklagten zu 1 getroffenen, überholt und erledigt sein, welches auch immer ihr Inhalt war, also auch insoweit, als nach ihrem Inhalt der Kläger weitergehende Rechte erworben gehabt habe« Mit seiner Unterschrift unter dem Vertrage vom 24« Juli 1947 habe der Kläger auch dem Beklagten und der früheren Mitbeklagten Martha gegenüber seinen Willen bekundet, ihre Rechtsbeziehungen sollten durch diesen Vertrag geregelt werden und in dieser Regelung sollten die früheren Abmachungen aufgehen« Soweit letztere dem Kläger mehr Rechte gegeben hätten als der (neue) Vertrag, habe dies-bedeutet-, daß der.-Beklagte* zu 1 dafür, obwohl-nur- zu 1/7 Erbe, ohne einen Ausgleichsanspruch zu haben, zu 7/7 (d.h« voll) gehaftet haben würde« Wäre das den Parteien, so führt es aus, bewußt gewesen, würde der Vertrag, ohne diesen Punkt in dem Sinne zu regeln-, daß damit die früheren Abmachungen erledigt oder überholt sein sollten, nicht zustande gekommen sein« Abschließend legt das Berufungsgericht noch dar, es wäre auch eine abseitige Vorstellung gewesen, daß der Kläger sowohl seine Vertragsansprüche aus dem Vertrage mit allen Erben, als auch darüber hinaus noch weitere Ansprüche gegen den Beklagten *P0fc hätte haben sollen, eine Vor- 1« Es soll zwar, wie die Revision betont, nach den Entscheidungsgründen des Berufungsurteils zunächst einmal sowohl davon ausgegangen werden, daß zwischen dem Beklagten Paul und dem Kläger schon vor Beginn der Arbeiten eine "wertbeständige Abwohnvereinbarung,f getroffen worden ist, aber nach seiner weiteren aus dem Briefwechsel getroffe* Feststellung auch davon, daß eine solche WertbeständigkeitsaV rede bei Abschluß des Vertrages vom 24o Juli 1947 zwischen den beteiligten Vertragspartnern "nicht eigentlich streitig gewesen ist"« Aber auch dann, wenn man, wie die Revision meint, deshalb nicht davon ausgehen darf, die Beteiligten hätten eine solche Abrede ausdrücklich nicht eingehen, sondern die Regelung insoweit dem zukünftigen Gesetzgeber überlassen wollen, würde das den vom Kläger gegen den Beklagten Paul Sommer auf § 179 BGB gestützten Anspruch nicht recht-fertigen können« Sein Schaden ist dann nämlich nicht auf den Mangel der Vertretungsmacht dieses Beklagten und auf eine Verweigerung der Genehmigung der Wertbeständigkeitsveroin-barung durch die Erben SflMfc, insbesondere durch Br« Karl der gegen eine solche Abrede, wie auch die Revision seinen Schreiben entnimmt, keine Bedenken hatte, zurückzuführen, sondern darauf, daß es den Parteien nur damals nicht gelungen ist, eine Passung zu finden, die gegenüber den einer Vollumstellung im Ergebnis .feindlichen Währungsgesetzgebung standhielto Dafür kann der Kläger aber nicht den Beklagten über § 179 BGB verantwortlich machen, worauf sein Klagbegehren im Ergebnis hinauskommt. Wi Rechtsbeziehungen, die zu einer bevorzugten Umstellung kraft Gesetzes führten* Die Regelung des Umstellungsgesetzes und ihre Behandlung durch die Rechtsprechung im Sinne von aaO konnte den Parteien, wie vom Berufungsgericht ebenfalls rechtsirrtumsfrei angenommen ist, unmöglich bekannt sein« Schon deshalb kann* der Beklagte hier dem Kläger nicht aus § 179i-BGB !■ haften^ denn es. 2« Die Entscheidung des Berufungsgerichts wird aber auch durch seine Erwägung getragen, der Kläger hätte, wenn er sich über den Vertrag vom 24« Juli 1947 hinaus, noch weitere Ansprüche gegen den Beklagten Paul aus den früheren Ab- machungen hätte erhalten wollen, das damals klar äußern müssen« Dieser Vertrag ist abgeschlossen worden, nachdem der Kläger Kenntnis davon hatte, daß Dr„ Karl SflBfc mit den getroffenen Abmachungen nicht einverstanden war, wenn sich seine Bedenken auch in anderen Richtungen bewegten, als sie jetzt im Streit sind« Um diese Bedenken zu zerstreuen, aber ersichtlich auch, um die bisher noch nicht schriftlich niedergelegten Bedingungen, die dem Kläger und seiner Frau besondere Vorteile brachten (zoBo verzinsliche Grundschuld, also dingliche Sicherung, und zwar für die gesamten Baukosten im § 2 und Rücktrittsrecht oder vorzeitiges Kündigungsrecht mit beträchtlichen vorzeitigen Zahlungsverpflichtungen der Erben Sommer im § 4) ist der Vertrag vom 24« Juli 1947 abgesprochen« Mit seiner Passung, insbesondere auch mit der Formulierung der Abwohnvereinbarung der (späteren) Verrechnung "jeweils im halben Monatsbetrag auf die Grundschuld" (im §3 unter Nr« 5) war der Kläger ausdrücklich einverstanden, wenn er sie nicht sogar vorgeschlagen hat« Damit ist aber ein Vorbehalt, für den Pall, daß der Vertrag ihm bei der zu erwartenden Währungsreform nicht die gewünschte Sicherung (Wertbeständigkeit, Vollumstellung) geben würde, den Beklagten Paul Sommer in Anspruch zu nehmen, unvereinbar! das hieße wiederum im Ergebnis, diesen Beklagten für die Fassung des Vertrages verantwortlich zu machen« Wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, konnte weder ein laie noch ein Rechtskundiger damals sicher wissen, wie eine Forderung über die kommende Währungsreform "hinwegge-rettetw-werden konnte« Es war damals insbesondere weder voraussehbar, ob eine Mietvorauszahlung mit Tilgungswirkung (Fälle a und b bei Oechßler NJW 1952, 571) oder nur ein Aufrechnungsvorvertrag, der nur festlegt, daß später aufgerechnet werden soll, wobei die Aufrechnung selbst erst bei Fälligkeit der Mietzinsforderung erklärt werden soll (Fall c bei Oechßle aaO) - wofür hier die Sicherung durch eine Grundschuld spricht als gewollt angesehen werden würde, noch, daß das überhaupt für die Frage des Umstellungsverhältnisses von Bedeutung sein konnte« Nach allem ist die Auslegung des Berufungsgerichts, die früheren Abmachungen sollten jedenfalls im Verhältnis zu dem Beklagten Paul dflP erledigt und in der Gesamtvereinbarung untergegangen sein, aus Rechtsgründen nicht angreifbar«