BGH · VIII ZR 76/63 vom 10.02.1965
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Mit Schreiben vom 29» September 1956 forderte die Klägerin den beklagten Ehemann auf, die von ihm innegehaltenen Räume "zu dem baldmöglichsten i ermin zu räumen"e In einem Brief vom 26* November 1956 drohte die Klägerin dem beklagten Ehemann Räumungsklage an, die sie am 18o Januar 1957 gegen beide Beklagten erhob (18 C 24/57 -Amtsgericht Hamburg-Altona). Die Revision ist begründete lc V/ären die Beklagten, wie das Berufungsgericht zugunsten der Klägerin unterstellt, verpflichtet gewesen, die von ihnen innegehsltenen Räume in der von der Klägerin gemieteten Wohnung am 50«, September 1956 zu räumen, so wären sie, wie die Revision zutreffend darlegt, mit dieser Leistung seit dem 1» Oktober 1956 in Verzug gev/esen«, Einer Mahnung nach dem Eintritt der Fälligkeit der Leistung hätte es nicht bedurft, weil für diese eine Zeit nach dem Kalender bestimmt war (§ 284 Abs» 2 BGB)o Waren aber die Beklagten in Verzug geraten, so haben sie der Klägerin den durch den Verzug entstehenden Schaden zu ersetzen (§ 286 Absd 3GB)o Hach § 252 BGB umfaßt der zu ersetzende Schaden auch den entgangenen Gewinn., der gemäß § 3 Abs» 1 der Altbaumietenverordnung den Preis-Vorschriften unterlegen habe, weil die in Absatz 3 geregelten Voraussetzungen für ihre Herausnahme aus der Preisbindung nicht Vorgelegen hätten» Ebensowenig greift nach Ansicht des Berufungsgerichts die Vorschrift des l 2 Absatz 2 GRMG ein» Auch hält das Berufungsgericht co für unerheblich, daß die Wohnung von der Bewirtschaftung frcigestellt gewesen sein soll, denn hierdurch, so hat cs ausgeführt, werde die Preisbindung nicht berührt» Die in Sr« 2 bis 4 geregelten Ausnahraetatbestände lägen ersichtlich nicht vor« Auch die Anwendung der Nr« 1 entfalle hier, denn weder der Vortrag der Klägerin noch der cehi'if fcliche Vertrag mit ergäben Anhaltspunkte dafür, daß die Zweckbestimmung des Abstandes von den Vertragsschließenden bei ihren Verhandlungen erwähnt worden sei« Eine Abstandsverelnbarung im Sinne des § 29 Absatz 2 1* BMG sei aber nur wirksam, wenn der Verwendungs- zweck des vereinbarten Abstandes jedenfalls in großen Zügen zwischen dem weichenden und dem neuen Mieter fest-golegt worden sei» Da die von der Klägerin mit D^BIB getroffene Abstandsvereinbarung mithin gegen § 29 Absatz 2 1. Allerdings ist den* Berufungsgericht zu folgen, wenn es unter Anführung von Belegstellen aus Schrifttum und Rechtsprechung ausführt, daß ein dem Geschädigten entgangener rechtlich mißbilligter oder verbotener Gewinn nicht su ersetzen ist (vglo dazu auch BGH ürt.v. 14<>Juli 1954 - VI ZR 260/53 - VersR 1954, 498) o Lie von dem Jerufungs-gericht gegebene Begründung rechtfertigt jedoch nicht seine Annahme, daß die Klägerin hier einen derartigen Anspruch auf einen ihr nach Gesetz und Hecht nicht zu-stehenden Gewinn geltend macht und deshalb die Klage keinen Erfolg haben könne0 September 1962 - 7 U 212/62 auf welches das Berufungsgericht in der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich Bezug nimmt, aufgehoben und hierbei eingehend dargelegt, daß die Wirksamkeit einer Abstandsvereinbarung nicht davon abhängig ist, ob die Parteien die Verwendung der Leistung zu einem der im Gesotz vorgesehenen Zwecke zu dem Vertragsinhalt gemacht haben, und daß sie nicht deshalb scheitert, weil in ihr nur Unzureichendes oder gar nichts Uber den Verwendungszweck gesagt wui'dOo An dieser Rechtsansicht hält der erkennende Senat fest, zu demal die Revisionserwiderung keine neuen, bisher unberücksichtigt gebliebenen Gesichtspunkte auf-gezcigt hat, die geeignet wären, die Richtigkeit des von dem erkennenden Senat eingenommenen Standpunkts in Präge zu stellen«, Biese sei allenfalls in Hohe eines Betrages von 3oQÖ0 DM zulässig gewesen, den die Klägerin nach ihrer Behauptung für die Instandsetzung der V/ohnung aufgewandt habe* Da die Klägerin aber nach ihrem eigenen Vortrage von dem neuen Mieter 7.300 DM erhalten habe, würde selbst eine in Hohe von 3.000 DM zulässige Abstands-vcreinbai’ung nicht dazu führen können, daß die Klägerin noch irgend einen Betrag von den Beklagten zu verlangen Diese Ausführungen werden von der Revision mit Erfolg angegriffen*. 2 Hr. 1 - 4 l.BMG nicht genannter Zweck für die Verwendung der Leistung ins Auge gefaßt sein sollte, nicht nichtig, sondern nur schwebend unwirksam, weil auch bei einer solchen Sachlage die Preisbehörde eine Leistung an den weichenden Mieter genehmigen kann*, Daraus folgt, daß eine in einer Abstandsvereinbarung vorgesehene Leistung an den weichenden Mieter noch nicht deswegen gegen dao Gesetz verstößt, weil sie nicht nach § 29 Abs. 2 Kr. 1-4 1 oB-’G preisrechtlich zulässig ist, denn auch eine nach dieser Bestimmung unzulässige Leistung kann von der Preis-behörde genehmigt werden und damit preisrechtlich nicht zu beanstanden sein» Es war also der Klägerin nicht schlechthin verbeten, den geltend gemachten Gewinn zu er- Mit Recht macht die Revision geltend, ein Hechtsverstoß liege darin, daß das Berufungsgericht die in § 29 Abs» 2 Satz 2 1»BMG vorgesehene Möglichkeit, eine Genehmigung der Preicbehörde für die Abstandsleistung zu erwirken, nicht in den Kreis der von ihm angesteilten Erwägungen einbezogen hat, was möglicherweise auf die bereits oben als rechtsirrig gekennzeichnete Auffassung des Berufungsgerichts zurückzuführen ist, daß eine Abstand ^Vereinbarung zwischen dem weichenden und dem neuen Eieter nur wirksam sei, wenn sie sich auch über den Verwendungszweck des vereinbarten Abstandes wenigstens in großen Zügen geeinigt hätten«, Um der ihm gemäß § 139 ZPO obliegenden Aufklärungspflicht nachzukommen, deren Verletzung die Revision mit ihrer Verfahrensrüge beanstandet, hätte das Berufungsgericht mit den Parteien auch die Möglichkeit der preisbehördlichen Genehmigung der Abstandsvereinbarung eröz'tern und die Klägerin, die sich von Anfang an auf die Wirksamkeit der Vereinbarung berief, zu einer Ergänzung ihres entsprechenden Vorbringens auffordern müsseno Wie die Revision in diesem Zusammenhang vorträgt, hätte die Klägerin, wenn sie entsprechend befragt worden wäre, unter Bozug auf das Zeugnis des sich einmal darauf berufen, daß ausweislich der Vertragsurkunde der Betrag von 15 »000 DM für die 'Wohnung mit Mobiliar bestimmt war, wovon allein auf das Mobiliar 2 - 3»000 DM schuldet und damit einem Genehmigungsantrag gemäß § 29 Ab So 2 Satz 2 1„BMG selbst den Boden entzogen haben, können sie auch keine Einwendungen daraus herleiten, daß die Klägerin einen solchen Antrag nicht gestellt hat0 Die auf Verletzung des § 159 ZPO gestützte Verfahrensrüge der Revision muß deshalb Erfolg haben» Wäre die Vereinbarung mit - gegebenenfalls auf Grund einer besonderen Genehmigung der Preisbehörde - preisrechtlich zulässig gewesen und hätte bei rechtzeitiger Freigabe der Räume durch die Beklagten den Betrag von 15.000 DM an die Klägerin gezahlt, so hätte diese durch das Verhalten der Beklagten eine Einbuße erlitten, und es ließe sich dem Anspruch der Klägerin auf Ersatz des ihr hierdurch entstandenen Schadens nicht entgegenhalten, daß es sich um einen gesetzlich mißbilligten Vorteil handele, den sie nicht erstattet verlangen könne. Schaden in Höhe von 7.500 DM erlitten hat, den die Beklagten ihr ersetzen müssen, falls sie mit der Räumung in Verzug gewesen sind. a) Die Beklagten haben sich darauf berufen, daß sie dio von ihnen gemieteten Räume auf Grund eines dem Mieterschutz unterliegenden Untermietverhältnis innegehabt hätten» Würde sich diese Hechtsbehauptung als richtig erweisen, so wären sie schon deshalb nicht zu dem Schadensersatz verpflichtet, weil das Untermietverhältnis zur Zeit ihres Auszugs noch nicht aufgehoben war» Da die Beklagten unstreitig mit ihren Kindern in den Räumen eine selbständige Haushaltung führten, sind die Vorschriften des ersten Abschnitts des Mieterschutzgesetzes auf das Untermietverhaltnis, das zwischen den Parteien nach der Behauptung der Beklagten begründet war, anzuwenden (§ 24 Abs. 1 MSchG). Daß die Räume den Beklagten nur mit Rücksicht auf das zwischen der Klägerin und dem beklagten Ehemann damals bestehende Dienstverhältnis vermietet waren, würde gemäß § 20 Satz 1 MSchG der Anwendung der §§ 1 bis 19 MSchG nicht entgegenstehen• Die Klägerin hat demgegenüber aber geltend gemacht, daß der beklagte Ehemann durch sein Verhalten der Klägerin gesetzlich begründeten Anlaß gegeben habe, das Dienstverhältnis aufzulösen, und daß sich die Beklagten überdies nach der Kündigung des Dienstverhältnisses ausdrücklich bereiterklärt hätten, die von ihnen innegehaltenen Räume an die Klägerin am 30. Bei dem gegenwärtigen Stande des Verfahrens hat der erkennende Senat keine Veranlassung, zu der in Rechtsprechung und Schrifttum, vertretenen Ansicht Stellung zu nehmen, daß die ordentlichen Gerichte in Räumungsrechtsstreit zur Entscheidung der frage, ob der Mieter einer Y/erkwohnung durch sein Verhalten dem Vermieter gesetzlich begründeten Anlaß zur Auflösung des Dienstverhältnisses gegeben hatte, auch dann nicht berufen seien, wenn der Streit über den Anlaß zur Auflösung erst während des Rechtsstreits vor dem Mietgericht entsteht (vglo Bettermann, MSchG § 20 Hr. 156 und 187; In dem anhängigen Rechtsstreit wird es möglicherweise auf diese Frage schon deshalb nicht ankommen» weil sowohl der Räumungsrechtsstreit (18 C 24/57 - AG Hamburg-Altona) als auch die von der Klägerin anhängig gemachte Feststellungsklage vor dem Arbeitsgericht (2 Ca 604/58 - Arbeitsgericht Hamburg) infolge übereinstimmender Erledigungserklärung ohne Sachentscheidung rechtskräftig beendet wurden und in dem jetzigen Rechtsstreit nicht über eine Räumungsklage, sondern Über einen Schadensersatzanspruch wegen Verzuges zu entscheiden ist, mag sich dabei auch die Vorfrage stellen, ob den Mieter die Verantwortung für die Auflösung des Dienstverhältnisses trifft. dieser und dem beklagten Ehemann darüber einig gewesen, daß die Beklagten die von ihnen innegehaltenen Räume an die Klägerin am 30» September 1956 herauszugeben hatten, so könnten sich die Beklagten auf Mieterschutz ebenfalls nicht mehr berufen. Würde die Verantwortung für die Auflösung des Dienstverhältnisses bei dem beklagten Ehemanne liegen und deshalb § 20 Abs. 2 MSchG cnzuwenden sein, so könnte auch die beklagte Ehefrau, wenn sie Mieterin sein sollte, zur Räumung verpflichtet sein (vgl« Bettermann, aaO $ 20 Er. 12). c) Lie Bestimmung des § 568 BGB, die das Landgericht zur Begründung seines Urteils herangezogen hat, ist hier nicht anwendbar, wie die Revision mit Recht geltend macht »