BGH · VIII ZR 76/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
b) Hat jedoch die Bundesrepublik durch Verwertung von Teilen der auf der Pachtsache geschaffenen Anlagen Vorteile erlangt, so kann sio nach Treu und Glauben verpflichtet sein, sich in Höhe des hierdurch erzielten Nutzens an den Kosten dor Beseitigung der verblieben Teile zu beteiligen. Außerdem wurde zwischen dem Kläger und dem Oberfinanzpräsidonten ein Pachtvertrag über das Flurstück 5/7 abgeschlossen» In beiden Verträgen war vermerkt: Der Vorpuchtor erhöbe bei Rückgabe dos G-oländes die Forderung auf Herstellung des ursprünglichen Zustandes» Dieser Forderung könne zur Zeit nicht stattgegeben worden. Im Jahre 1954 gab dio Beklagte das Flurstück 5/7, später auch Teile dos Flurstückes 12/7 an den Kläger zurück» Vor der Rückgabe ließ sie auf diesen Flächen .... tc mit ihr die Verurteilung der Beklagten zur Zahlung einos Betrages von 13 316 DM nohst Zinsen und die Feststellung, daß die Beklagte verpflichtet sei, die noch nicht zurüekgegebenen und kultivierten Flächen in ordnungsmäßigen Zustand zu versetzen und ihm sämtlichen aus dem Vortragsverhältnis entstandenen oder künftig entstehenden Schaden zu ersetzon, Lüh eck Ds3 Landgericht^hat sich für örtlich unzuständig erklärt und die Sache an das Landgericht Kiel verwiesen«, Dieses Gericht hat die Klage in Höhe eines Betrages von 896o DM nebst Z-inoon dom Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und dem Fostotcllungsbegchron teilweise dahin entsprochen, daß die Beklagto für verpflichtet erklärt ist, dio Flächen wieder in ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen«, Die woitergehondc Klage hat das Landgericht abgewieson« V/enn somit dio Klage auch erst mehr als einen Monat nach Ablauf der Klagefrist zugestellt und damit erhoben wurde (§ 253 Abo. 1 ZPO), so änderte das doch nichts daran, daß hier zu Gunsten dos Klägers dio Vorschrift dos § 261 b Abs.3 ZI'O eiugriff, weil bei dem gegobonon Sachverhalt die Zustellung noch Mdemnächst" erfolgte. Eine solche Aufforderung ist hier überhaupt nicht ergangen, 'weil der Vorsitzende der Zivilkammer dos Landgerichts vorher eine Klärung dos Streitwerts des Peststollungsantrags für notwendig hielt, Aus diesen Verhalten dos Vorsitzenden kann der Vorwurf dor Nachlässigkeit weder gegon den Kläger noch gegon soinon Prozeßbovollmächtigton horgeleitot werdenB Es bedarf deshalb auch keiner Prüfung, oh dio Anfrage dos Vorsitzenden dor Zivilkammer sachgemäß war.oder ob sie besser unterblieben wäre, Die Verzögerung bis zu dem Zeitpunkt dos Zuganges dor Verfügung vom 15. Dagegon liogt, wie die Revision nit Recht geltend macht, eine vom Kläger zu vertretendo Nachlässigkeit darin, daß sein rroseCbevollmüchtigter die Verfügung vom 15» Januar i960 erst mit der Eingabe vom 5» Februar i960 beantwortet hat, Wenn auch bei einen Rechtsanwalt Rückaicht darauf genommen werden muß, daß er ständig vordringlich eilige Sachen zu bearbeiten hat, und von ihn deshalb nicht verlangt, werden kann, daß er eine Anfrage des Gerichts bevorzugt postwendend beantwortet, so hat er doch die Beantwortung derartiger Anfragen im i'ornalen Ablauf dos Büroverkohrs möglichst bald vorzunobmon und darf sie jedenfalls dann nicht über Gebühr verzögern, wenn von der Beantwortung die Zustellung einer erst am letzten fege der Klogefrist eingerciölitoa Klage abhängt, Der Prozoß-bevollnächtigto des Klägers.hätte, um sich nicht dem Vorwurf, der Nachlässigkeit•auszuootzon, mit der Beantwortung der Anfrage des Gerichts daher nicht länger als otv/a eine-Woche bis höchstens Io 1‘ago seit ihrem Zugang warten dürfon, Da sr die Anfrage erst mit seiner Eingabe vom 5» Februar i960 beantwortet hat, ist der mit dem Zugang der Verfügung vom 15« Januar i960 begihnondo Zeitraum, dor ihm zur Erledigung billigerweise zur Verfügung ctohen muß, um mehr als eine Woche überschritten wordon, Durch diceo verzögorlicho Erledigung der Anfrage des Gerichts ist jedoch, worauf es allein ankoxnmt, eine Verlängerung der Zeitspanne zwischen dor Einreichung der Klage und ihrer Zustellung jedenfalls im Ergebnis nicht oin-getreten, Hatto dor Prozcßbovollmächtigto dos Klägers innerhalb angemessener Frist weiter nichts getan, als die Anfrage des Gerichts ordnungsgemäß beantwortet - mehr konnte von ihn nicht verlangt werden 30 hätte das Landgericht nunmehr den Streitwert durch Beschluß fostgeoetzt. Alsdann hätto dor urkundobeamto der Geschäftsstelle dio Frozeßgebünr bei den Prosoßbevollmächtigton dos Klägers angefordert«, Diooor hätte dio Zahlungsaufforderung an den Klüger weitergegeben, der sodann dio Gebühr überwiesen hätte« Wäre in diooor Woiso verfahren worden, so wäro aber die Prozeßgebühr nicht schon an 80 Februar i960 bei der Lan-deobesirkskasoo, sondern sogar erst., erheblich« spätörv ' eingegangen0 Allein durch die Beschlußfassung der Kammer des Landgerichts und die Aboondung der Gebühronanforderung wären mindestens 2 bis 3 Tage vergangen, dazu wären noch die Zeiten der Pootbeförderung für die Übersendung der Zahlungsaufforderung an den Prozeßbovollmächtigten, dio iVeitergabo an den Kläger oolbot und durch den Auftrag des Klägers an oeino Bank hinzuzurechnen» 32s erscheint gänzlich ausgeschlossen, daß selbst unter Zugrundelegung eines völlig störungsfreien Ablaufs alle dieso notwendigen Handlungen bis zu dem 8„ Februar i960 hätten vorgonomraen worden können» Der Pro-zoßbovollmächtigte des Klägers hat also dadurch, daß er den Prozeßkostenvorschuß nach dom von ihm angenommenen Streitwert, dem das Landgericht gefolgt ist, alsbald und, ohne dio Zahlungsaufforderung äbzuwarton, an dio Landesbozirk3-kasso überwiesen hat, bewirkt, daß dio durch sein nachlässiges Verhalten oingotrotene Vorzögerung wieder ausgeglichen worden ist,was dem Kläger zugütekocccn‘;nuß (vgl® Urt. d. Dezember i960 - VIII ZR 2o4/59 -VeroR 1961, 2l4)o Die Klage ist alsbald nach Eingang dos Vorschusses zugestollt worden«, Die Klagezustollung ist deshalb als "demnächst" erfolgt im Sinne von § 261 b Aba. 3 ZPO anzuDehon, so daß dio Klagofrist des § 29 AKG gewahrt ist. 2. Zuzustimmen ist dem Berufungsgericht auch darin, daß das FGDtstellungsintero3so dos Klägers für den mit der Fest-stellungsklago geltend gemachten Anspruch, der sich auf die 3o Dagegen halten die Erwägungen dos Berufungsgerichts, mit denen es ceino Auffassung begründet hat, daß die Beklagte die Ansprüche dos Klägers auf Ersatz der Aufwendungen für die ordnungsmäßige Wiederherstellung des früheren Zustandes der genutzten Flächen zu orfüllon habe, wie die Provision mit Hecht geltend macht;, einer rechtlichen llachprüfung nicht stand» b) Das Berufungsgericht fuhrt aus, daß die Ansprüche dos Klägers sich aus gegenseitigen Verträgen herleitcn, die nach § 7 Abs. 1 AKG von der Beklagten erfüllt worden müßten. Es handele sich deshalb um von dom Kläger an diesem Stichtag noch nicht vollständig erfüllt gewesene gegenseitige Vorträge, deren weitere Erfüllung nach diesem Zoitpunkt und vor dem Inkrafttreten des AKG von don dazu befugten Rechtsträgern verlangt worden ooi«, Dieoo Darlegungen werden von der Revision ebenfalls nicht angegriffen. c) Nicht gefolgt woi'den kann dagegen dem Berufungsgericht in seiner Ansicht, daß § 7 Abs.3 AKG hier nicht oingreifo0 Zu ihrer Begründung hat das Berufungsgericht sich darauf gestützt, es sei' zweifelhaft, oh überhaupt Veränderungen in Sinne'dieser Gesetzesbestimmung erfolgt seien, da weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Beziehung dio Substanz dor Sache berührt wordon seio Diesem Zweifel brauche indes nicht nachgegangen zu werdon, denn nach dem Sinne der Vorschrift, so meint das Berufungsgericht, solle die Beklagte lediglich von solchen Ansprüchen befreit sein, die auf Tatbeständen beruhten, dio ihr selbst nicht mehr zugute gekommen seien«, Hier habo dagegen die Beklagte aus der V/oitor-benutzung der von ihren Vorgängern "veränderten" Pachtsache Nutzen gehabt, und zwar sogar unter Bedingungen, dio gegenüber den ursprünglich veroinbar/ten für den Kläger wesentlich ungünstiger waren«, Die Beklagte müsse deshalb unter dem Gesichtspunkt des Schadensersatzes wegon Nichterfüllung die Ansprüche des Klägers, soweit das Landgericht ihnen statt-gegoben habe, befriedigen. Nach der erwähnten Vorschrift stehen dem Gläubiger weder gesetzliche noch auch vertragliche Ansprüche zu, die aus einem der dort angeführten Tatbestände hergeloitet werden könnten (vgl, Feaux do la Croix/Boyss/Tröger/Fischer, AKG §§ 7, 8 Ann. E 3 b)0 .Hinsichtlich dieser Ansprüche verbleibt cs vielmehr hei der Grundregel des § 1 Aha» 1 AKG, daß sio erlöschen» Nur dioso Auslegung steht im Hinklang mit dem Wortlaut des Gebotzooo Sie alloin wird auch dom mit dieser Vorschrift ersichtlich beabsichtigten Zweck gerecht, die Bundesrepublik, wenn oio zur Erfüllung gegenseitiger Verträge verpflichtet ist, jedenfalls von solchen Ansprüchen freizuotellen, dio aus dor Voränderung oder Verschlechterung auf Grund einc3 gegenseitigen Vertrages genutzter und spu- • tcr zurückgegebener Sachen hergeleitet werden konnten, sofern die Sachen vor den 1» August 1945 verändert oder verschlechtert wurden (zu demselben Ergebnis golangt mit Recht: Doutolnoocr in seiner Anmerkung zu einem Urtoil dos IG München I von 15» April 1959 in IJJIV 1959, 1882)» Der Begründung des Berufungsgerichts ist überdies ontgegen-zuhalten, daß bei Pachtverträgen, deren weitere Erfüllung verlangt ist und auf dio deshalb § 7 AKG Anwendung findet, die Nachfolger des Deutschen Reichs immer dio von diesem genutzten Gegenstände weiter nutzen, denn sonst würde § 7 Abo» 1 AMG überhaupt nicht eingreifon» Würde dor Ansicht des Berufungsgerichts gefolgt, so bliebe deshalb für dio Anwendung der Vorschrift dos § 7 Abs» 3 AKG kaum jemals Raum» Schon diese Folge der Auslegung des Berufungsgerichts ergibt, daß oio nicht richtig sein kann. In Gegensatz zur Ansicht des Berufungsgerichts stehen hiernach den Klager dio mit der Klage verfolgten Ansprüche auf Ersatz dor Aufwondungen, dio ihm durch die Beseitigung der Anlagen auf soinem Grundstück entstanden sind und noch entstehen werden^-. gegen die Boklcgto aus den Pachtverträgen, die der Rochtavorgänger des Klägers mit dem Deutschen Reich und den 11AB abgeschlossen hat, nicht zu» Er kann die Erfüllung dieser Ansprüche gemäß § 7 Abs» 3 in Verbindung mit § I Abs» 1 AKG nicht verlangen, sic sind vielmehr entsprechend der Grundrogol dos § 1 Abs» 1 AKG erloschen» 4» Hält somit dio Begründung, mit dor das Berufungsgericht das von ihm für richtig erachtoto Ergebnis zu rechtfertigen gesucht hat, einer rochtlichön Überprüfung nicht stand, so könnte trotzdem das Urteil bestehen bleiben, wenn es sich aus anderen Gründen als richtig erweisen würdo» Das ist indes nicht der Pall» dor Pachtverträge auch auf das Higentümer-Besitzerverhäli--nis stützen lassen (BGH2 34, 122, 123)* Derartige Ansprüche sind zwar grundsätzlich zu erfüllen (§ 19 Abo» 1 AKG), doch gilt dies für Ansprüche, die auf einer "sonstigen" Beeinträchtigung oder Verletzung dos Eigentums beruhon, nur dann . b) Das Landgericht hat ocin Urteil damit begründet, die Beklagte habe dadurch gegen Treu und Glauben verstoßen, daß sic die Grundstücke nach Verwertung dor Holztoilo der Ba-racken zurückgegoben und nur die sonstigen Einrichtungen auf den Grundstücken belassen habo, obwohl diese. Liese Eolgorung, die das Landgericht aus dem Vorhalten der Beklagten sieht, ist nicht zutreffend, obgleich soinon Gedankengängen, wie noch auszuführen sein wird, in anderem Zusammenhänge Bedeutung sukommt* Eino unzulässige Rechtoau-s-Übung erzeugt nämlich allenfalls einen Schadensersätzen-spruch (vgl* Wobor bei Staudingor, BGB 11* Aufl* § 242 Ann, D 71), d*h* einen Anspruch auf Ersatz des Schadens, der durch die unzulässige Rcchtsausübung dom anderen Teil entstanden ist. Gichtspunkt jedenfalls nicht die Kosten für die Beseitigung der Fundamonto und für die Einebnung des Geländes verlangen kann, die ihm zuerkannt worden sind, denn die unzulässige Rechtoauoübung wird hier von dem Landgericht in der Verwertung dor Holzteilo der 3aracken durch die Beklagte gesehen* Der Schäden dos Klägers durch die von dem Landgericht angenommene unzulässigo Rochtsausübung besteht also lediglich darin, daß er nicht selbst die Holzteile hat verwerten können und ihm dio Erlöse aus der Verwertung dieser 'feile entgangen sind* 5o Der erkennende Senat ist sieh bewußt, daß die Anwendung der Vorschriften des AEG hier zu einem Ergebnis führt, das dor Kläger als ihn einseitig belastend empfinden wird. pzo Bundesverfassungsgericht hat bereits entschied on, daß § 1 Abo, 1 Nr* 1 AEG insoweit nit den Grundgesetz vereinbar iat, als hiernach Ansprüche "erlöschen1* (WA1 19C2, 1282) hieraus folgt aber gleichzeitig, daß auch § 7 Abo, 3 und § 19 Abs0 2 Nr, 2 AKJ nicht verfassungswidrig sind, Sio 0nthalten zwer Ausnahmen von dem Grundsatz, daß gegensei-t?lgo Vorträge, deren Erfüllung verlangt wurde, und Ansprüche aus dem Big cm tum von der -beklagten £u erfüllen sind (§ 25 AKG), gehen aber nur wieder auf dio allgemeine, mit dem Grundgesetz vereinbare Grundrogol zurück, daß Ansprüche erlöschen, die ihren Entstehungetat-gestand in Vorgängen vor dem 1« August 1945 haben* letzten 2ndo3 handolt es sich bei don Schäden, um deren Ersatz der Rechtsstreit geht, um solche, die auf Krieg und Zusammenbruch zurückzuführen sind und die entsprechend dor hierzu ergangenen gesetzlichen Regelung nur in sehr beschränktem Umfange ersetzt worden* Tür die hier in Prego stehenden Ansprüche des Klägers ist zulässigerweise bestimmt., Eine Entscheidung in dor Sacho selbst ist dem erkennenden Senat nicht möglich«, Wio das Landgericht zutreffend geführt hat, war die Beklagte aus den zwischen den Parteien bestehenden cchuldrechtlichon Rochtsbezichungon heraus verpflichtet, ihr Vorhaiton gegenüber dem Kläger nach den Grundsätzen von Treu und Glauben auszurichton und auf die wirtschaftlichen Belange dos Klägers gebührend Rücksicht zu nehmen« Es geht deshalb nicht an, daß die Beklagte aus den für den Kläger nachteiligen Veränderungen de3 Grundstücks, deretv/egon ihm § 7 Abs« 3 Nr, 2 und § 19 Abs, 2 Kr, 2 AFG Ansprüche gegen die Beklagto versagen, ihrerseits Vorteile zieht, indem sio oinzolno Teile dor vom RAB und dem Deutschen Reich gocchaffenon Anlagen zu eigenem Nutzen veifertet und nur ihr Eigentum an für den Kläger nutzlosen und ihn belastenden Teilen aufgibt. Unterschied, ob dio Verwertung bereite vor oder erst nach £rla3 dos Allgemeinen Kriegsfolgengcsotzes durchgeführt ist * In jeden Falle stellt eo sich als oino mit Treu und Glauben nicht vereinbare Rochtaauoübung dar, wenn dio SoI-l^S^Q die vor der Rückgabe durch die Verwertung erlangten Verteile behalten, aber die ganze Last der Beseitigung der nicht verwertbaren Teile der geschaffenen Anlagen (jen Kläger überlassen will.. Da nicht footgootcllt ist, wolchon Erlös die Boklegto durch die Verwertung der Holstoilo erzielt.hat, und dio Möglichkeit nicht ausgeschlossen worden kann, daß der Dries höher ist als dio von dom Kläger mit dom Zahlungsart rag verlangten Kosten für die Beseitigung dor zurück-gelassenen Anlagen, kann zur Soit auch der Feststollungs-antrag, soweit ihm stattgegebon ist, nicht abgewiooon werden o Ko bleibt den Berufungsgericht überlassen, gogebenon-1s eino Änderung diesos Antrags anzuregen.