BGH · VIII ZR 74/69
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Es hält im Hinblick auf das eigene Verhalten der Klägerin bei Entgegennahme der Bestellungen, die Bekundungen des Angestellten MBBHHI sowie des Stabsunteroffiziers ZBV’ die die Klägerin wiederholt auf den privaten Charakter dieser Bestellungen und der Zahlungen hingewiesen haben wollen, und insbesondere angesichts der sonst üblichen Handhabung bei dienst liehen Bestellungen für die Nachschubstaffel nicht für erwiesen, daß die Zeugen die hier streitigen Bestellungen im Namen der Beklagten aufgegeben ha- Bei der Auslegung der von den Bestellern abgegebenen Willenserklärungen war auf deren objektiven Erklärungswert, d.h. also darauf abzustellen, wie die Klägerin sie nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte - und insbesondere angesichts der ihr aus langer Erfahrung bekannten Gepflogenheiten der Ifachschubstaffel bei der Erteilung dienstlicher Bestellungen - auf fassen mußte«, Das hat auch das Berufungsgericht nicht verkannt« Es stellt insoweit- wenn auch teilv/eise in anderem Zusammenhang -fest, daß die Klägerin keinerlei Unterlagen habe bei-bringen können, aus der sich der offizielle Charakter der Bestellungen hätte ergeben können; ihr sei im Gegenteil bekannt gewesen, daß die hier streitigen Bestellungen ausschließlich für den privaten Bedarf der Bundeswehrangehörigen und Zivilangestellten bestimmt gewesen sei und binnen weniger Wochen einen Umfang von mehr als 50 000 DM erreicht, somit die laufenden dienstlichen Bestellungen der Nachschubstaffel um ein Vielfaches überstiegen hätten; vor allem aber habe die Klägerin gewußt, daß dienstliche Bestellungen, auch wenn der Umfang noch so gering war, ausschließlich von einem Offizier und fast ausnahmslos durch formelle Auftragsschreiben erteilt wurden und auch die Bezahlungen stets bargeldlos durch die Stand- ren privatem Charakter und damit von einem Handeln dieser Personen im eigenen Namen oder allenfalls im Namen ihrer Abnehmer hätte ausgehen müssen, und daß es demgemäß ein Handeln der Besteller für die Nachschubstaffel zu demindest als nicht erwiesen erachtet, so drängt sich auch nach Auffassung des Senats eine solche Würdigung geradezu auf und ist jedenfalls aus ReohtsgrUnden nicht zu beanstanden. gen ausgegangen und demgemäß hinsichtlich einer etwa von der Beklagten erteilten Vollmacht bösgläubig gewesen sei, auch auf die Bekundungen dieser Zeugen - Angestellten der Klägerin und für diese an der Entgegennahme der Bestellungen beteiligt - abgestellt0 Darauf kommt es jedoch ira vorliegenden Zusammenhang nicht an» Es mag richtig sein, daß die Klägerin ihrerseits - wie auch die ebenfalls durch das Verhalten des ZfB geschädigte Elektrofirma - von einem Handeln der Besteller für die Nachschubstaffel ausgegangen ist, und daß nur so ihr Verhalten - die ausnahmslose Ausstellung der Rechnungen und Quittungen auf die Nachschub Staffel und die weitgehende Kreditierung ohne jede Sicherheit - wirtschaftlich verständlich erscheint» Entscheidend ist jedoch nicht, wie die Klägerin das Verhalten des Mf-und des Z|^| verstanden hat, sondern wie sich deren Verhalten einem objektiven Betrachter nach der Verkehrsanschauung darstellen mußte» Darauf hat aber auch das Berufungsgericht bei seiner Beweiswürdigung, wie bereits dargelegt, entscheidend abgesteiito Die zusätzlichen Ausführungen zur Gutgläubigkeit der Klägerin stellen - jedenfalls in diesem Zusammenhang - lediglich eine Hilfserv/ägung dar, auf der die Feststellung, die Klägerin sei hinsichtlich eines Auftretens der Besteller im Namen der Nachschubstaffel beweisfällig geblieben, ersichtlich nicht beruht» Fehlt es aber schon an einem Handeln des und des tarnen der Nachschubstaffel und damit der beklagten Bundesrepublik, so kommt es auf die weitere, von der Revision in den Vordergrund ihrer Ausführungen gestellte Präge, ob die Besteller mit ausdrücklicher oder stillschweigender Vollmacht der Beklagten gehandelt haben oder die Beklagte nach den Grundsätzen der sog» Anscheins- oder Duldungsvollmacht haften müßte, nicht an; denn eine solche Haftung würde voraussetzen, daß die Bestellungen überhaupt im Hamen der Beklagten abgegeben sind, die Besteller also nach außen als Vertreter der Beklagten aufgetreten sind» 2» Das Berufungsgericht hat sich nicht ausdrücklich mit der Präge befaßt, ob die Klageforderung nicht unter Umständen unter dem Gesichtspunkt der Schadensersatzleistung begründet sein könnte» Die Revision will Schadensersatzansprüche daraus herleiten, daß die Beklagte im Hinblick auf die seit langem bestehenden geschäftlichen Beziehungen zwischen den Parteien verpflichtet gewesen sei, den durch das Verhalten des und des drohenden Schaden von der Klägerin abzuwenden» Dieser Ansicht kann jedoch nicht gefolgt werden» Soweit es sich um die Aufgabe der Bestellungen durch diese Personen handelt, scheidet eine etraige Haftung der Beklagten schon deswegen aus, weil beide ihre Bestellungen überhaupt nicht im Namen der Nachschubstaffel aufgegeben haben, die Beklagte aber für private Bestellungen von Bundeswehrangehörigen und Zivilangestellten nicht verantwortlich gemacht werden kann» Soweit die Revision im übrigen die Auffassung vertritt, die Beklagte habe jedenfalls für die unverzügliche Rücksendung der an sie gerichteten Rechnungen Sorge tragen müssen, mag letztlich auf sich beruhen, ob sich insoweit aus den nur lockeren geschäftlichen Beziehungen der Parteien überhaupt eine derartige vertragliche Verpflichtung zur Schadensabv/endung ergäbe Denn jedenfalls läßt sich nicht feststellen, daß die Beklagte eine etwa dahingehende Pflicht schuldhaft verletzt hat» Das Berufungsgericht hat - v/enn auch in anderem Zusammenhang - festgestellt, daß hinsichtlich der Bearbeitung der Posteingänge bei der Nachschubstaffel ein Organisationsfehler nicht Vorgelegen habe, und daß die Beklagte es auch bei pflichtgemäßer Sorgfalt nicht habe verhindern können, daß der Zeuge unter Ausnutzung der von ihm innegehabten Vertrauensstellung die ihm ordnungsgemäß zugeleiteten Rechnungen im Zusammenwirken mit schaffteo Diese weitgehend auf tatrichterlicher Würdigung beruhenden Erwägungen des Berufungsgerichts lassen einen Rechtsirrtum nicht erkennen« Entgegen der Auffassung der Revision würde es eine sachlich nicht gerechtfertigte und insbesondere der Beklagten organisationsmäßig nicht zu demutbare Überspannung der Sorgfaltspflicht bedeuten, wenn man von ihr verlangen wollte, die Bearbeitung der Posteingänge einer weiteren, den Sachbearbeiter überv/achenden sachlichen Kontrolle zu unterwerfen« Damit aber läßt sich zugleich eine schuldhafte Verletzung etwaiger, der Beklagten gegenüber der Klägerin obliegender vertraglicher Verpflichtungen nicht feststellen«