BGH · VIII ZR 71/66
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIIIA Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom: 13° März 1968 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr0 Gelhaar, Dr0 Mezger, Dr* Weher, Mormann und Braxmaier für Recht erkannt; Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 1Q„ Zivilsenats des Oberlandes-gerichts Düsseldorf vom 4°; MMfz 1966 aufgehoben' Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwies ena Von Rechts wegen. Beklagte °;!/Der Vertrag begann; ;am 1, September; 1951 ■ und; ; : wurde auf 25 Jahre geschloasen° Die geklagte errichtete auf dem Grundstück 60 Garagen, Sie unterhält dort außerdem eine Tankstelle, Am 20, September 1953 trafen die Vertragschließenden eine schriftliche Vereinbarung fol- Die Unterzeichneten vereinbaren hiermit eine Verlängerung des zwischen ihnen abgeschlossenen .Pachtvertrages vom 1,8,1951 für das oben genannte Grundstück um weitere 25 Jahre bis zu dem 51«To 2001, Die Verpächter erklären während der Dauer der Pachtzeit keinerlei Beleihungen auf das Grundstück vorsunehmen. Mit Schreiben vom 23» Dezember 1963 kündigten die Klägerinnen .den Pachtvertrag zu dem 31«. Daa Landgericht hat die Klage abgewiesen, ln der Berufungsinstanz haben die Klägerinnen' den Pachtvertrag vorsorglich zu dem 31, Juli\i977vgekündigt und neben ihrem .ursprünglichen. I, Das Berufungsgerichth& t • -aus&eführt, die Kündigung der Klägerinnen vom .23, Bezetnher 1963 sei wirksame Der Pachtvertrag entspreche seit Abschluß der Vereinbarung vom 2C* September 1953 (-■- Vereinbarung) nicht mehr der Pormverschrift des."■■§'-566 Satz 1 BG-B, Die Vereinbarung habe den ursprünglichen Pachtvertrag in wesentlichen Punkten abgeändert»Die Urkunde vom 20, September 1953 hätte deshalb" nach .der Rechtsprechung des Bundesge-riehtshöfes '(BGI2; 255} - mit dem ursprünglichen Verthr tragsiext fest verbunden werdehvmjlBsbh,.. 1. Ob der Vertrag vom 1 o August 1951 v;irklich ein Pachtvertrag ist, wovon das Berufungsgericht ausgeht, oder ob nicht vielmehr ein lediglich auf Gebrauchsgewährung gerichteter Mietvertrag vorliegt, kann zweifelhaft sein, In der Revisionsinstanz, in der es lediglich die frage der Einhaltung der Schriftform geht, kann die frage nach der Rechtsnatur des Vertrages offen bleiben. Pachtvertrages zu dem Gegenstand« Baher gilt grundsätzlich auch für sie, daß alle Einzelpunkte, aus denen sich nach dem Willen der Vertragschließenden .das Rechtsgeschäft zusaffimensetzen soll, von der Schriftform gedeckt sein müssen (BGH Urt «,Vo , 23«, Bezember;1955 - VI SR 57/53 = der zu den wesentlichen Bestand-, teilen Jedes Miet- oder Pachtvertrages gehört (Senatsurteile vom 30o September 1958 - VIII ER 134/57= IM BGB § 567 Hro 1, und vom 26 q , februar. into Die'von der Beklagten zu den Akten überreichten lxemplare::;.des Vertrages; .und der .Vereinbarung sind' durch leitklammern und • Klebestreifen: derart miteinander.iver- > der Beteiligten entsprechen, unddie so geschaffene ; e einheitliche Urkunde muß im Augenblick der Erfüllung der Schriftform hergestellt sein{BUH^ aaO;Sr 262 f)0 ; Das Schriftformerfordernis ist also jedenfalls dann : nicht gewahrt, wenn, wie hier unstreitig ist, lediglich eine Bartei nachträglich und einseitig ohne Wissen des;anderen Vertragschließenden die Verbindung vornimmt,; Es bedarf deshalb keiner Entscheidung der weiteren Präge, ob dann, wenn für:jeden der Seteiligr- : ten eine;Vertragsurkunde hergostellt worden ist, die /Verbindung.:.der Urkunden der :einehlSeite genügte oder ;:ob,A.um:: vertragräazu3 daß der zunächst formgCLtig geschlossene ursprüngliche Vertrag nunmehr gleichfalls der Schrift-forim entbehrt und nach Maßgabe des § 566 Satz 2 BGB gekündigt werden kann (EGZ 118, 105? Biese Auffassung .Beruht häuf ..-der Erwägung, daß wegen der Formungültigkeit der 'späteren Änderung der Gesamtinhalt des Vertrages nicht mehr in vollem Gmfäng von/;y der Schriftform gedeckt ist. Es fragt sich indessen, oh die von Rechtsprechung und Schrifttum gezogene:Folgerung auch dann gerechtfertigt ist, wenn ein reiner Verlingerungsvertrag vorliegt, der in den Inhalt des zur Zeit der Änderung he~ stehenden ursprünglichen Vertrages während dessen Bauf-zeityi^k^ Weise eingreift, sondern lediglich zur Folge haben soll, daß der vereinbarten Mietzeit, hei der es nach dem Willen der Vertragschließenden bleibt, ein weiterer Zeitabschnitt vertraglich angefügt wird. Me daraus sich ergebende Folge, daß nur der Verlängerungsvertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen ist (§ 566 Satz 2 BGB), während der ursprüngliche und form-gültige ■-Vertrag Ms zu dem Ende der vereinbarten lauf seit fest abgeschlossen bleibt, genügt dem Zweck des § 566 BGB'b Die Torschrift ist auf § 571 BGB zugeschnitten. Soweit ein langfristig unkündbarer Vertrag vorliegt, ist die Schriftform gewahrt und der vom Gesetzgeber gewünschte Zweck: der Erleichterung der Information eines etwaigen Grundstückserwerbers erreichte Soweit der Vertrag verlängert wird, was rechtlich jederzeit auchdurch mündliche Vereinbarung und nicht nur, wie im vorliegenden Palle, in nicht ausreichender Schriftform geschehen kann, ist der Grund-stüokserwerber gegen eine ihn überraschende Vertragsverlängerung durch die durch § 566 Satz 2 BGB geschaffene Möglichkeit geschützt, bereits zu dem Ablauf des ersten Vertragsjahres der Verlängerungszeit kündigen zu können. Wie schön das Landgericht zutreffend aus-geführt hat, besteht kein Anlaß, schuldrechtliche Verpflichtungen des Vermieters, die dem Zweck des § 566 ;BGB''ehtsprechend'vfbrmgültig ^^ife&SDtöerii Mndv'. Die Vereinbarung vom 20o September 1933 hat nämlich nicht nur eine zeitliche Yerlängerung:des Yer-trages zu dem Gegenstand<, Sie enthält auch die Verpflichtung der "Yerpächter” 9 während der Dauer der MPacht-zeit’' keinerlei Beleihungen des Grundstücks vorzunehmen. Insoweit handelt es sich sicherlich um einen Zusätze, der sofort wirksam werden sollte, also den ursprünglichen Vertrag während dessen laufzeit inhaltlich veränderteo Die Erwägungen unter Nr» II 4 tref- fen daher insoweit nicht zu0 Vielmehr kommt es darauf an, ob diese Bestimmung nach dem Willen der Parteien für den Gesamtvertrag wesentlich ist und deshalb der Schriftform bedurfte (BGS 118, 105;123, 1711 RG HRE: 1931 a 403J BGH..tJrt.v. 23o ■ JDezember 1953 - YI ZR 57/53.*; ;;4)olDas, Berufungsgericht wird dann jedoch erneut zu prüfen haben, ob dem Verlangen der Klägerinnen, den Vertrag sofort zu beenden, die Einrede der Arglist entgegensteht. rufung auf den formmangel nach § 566 BGB nicht ver-wehrt ist (Urteil des erkennenden Senats vom 28„ November 1962 - VIII ZR 142/61 = WM 1963,. i72)D Hier kann: indessen der Umstand Bedeutung gewinnen3; daß dem Bormerfördernis zunächst genügt war und die formun-gültigkeit lediglich auf einer nachträglichen? nicht forragerechten Änderung des Vertrages1beruht«Möglicherweise setzen sich die Klägerinnen in unzulässiger Weise mit .ihrem eigenen früheren Verhalten in Widerspruch owenn sie aufgrund einer dem Schutze eines; Dritten-dienenden Vorschrift sich schon vor Ablauf.der.: h he»:' Urteils: die Sache an.: das -Berufungsgericht zurück-' zuverweiseny Die vom Ausgang der Hauptsache abhängige Entscheidung über die Kosten der Revision war ebenfalls dem Berufungsgericht zu übertragen«