BGH · VIII ZR 62/63 vom 27.01.1965
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BGB § 932; HGB § 366 Zur Frage, unter welchen Voraussetzungen der Käufer eines gebrauchten Kraftfahrzeugs, dessen Brief der Händler nicht vorlegen kann, ohne grobe Fahrlässigkeit an das Eigentum oder die Verfügungsbefugnis des Händlers glauben darf.BGH, Urt.v. Januar 1965 - VIII ZR 62/63 OLG Oldenburg Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 27o Januar 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Haidinger sowie der Bundesrich-ter Dpo Gelhaar9 Dr. Dorschei5 Dro Mezger und Mormann für Recht erkannt: 1961 einen Porsche I600 und am 22» September 1961, wiederum von Kirchhof, einen gebrauchten Mercedes 22o SE, Baujahr i960, für 18 000 DM» Auf den Kaufpreis nahm den Porsche für 12 000 DM in Zahlung, die restlichen 6 000 DM bezahlte der Beklagte in bar» Er erhielt den Mercedes, der zugelassen, versteuert und versichert war, mit Schlüsseln und dem Kraftfahrzeugschein ausgehändigt0 Auf dem Kraftfahrzeug sehe in hatte das Stadt'> und Polizeiamt unter dem ho August* I96I vermerkt: der Revision erstrebt die Klägerin Verurteilung des Beklagten zur Zahlung von b 2oo DM., Abweisung seiner Widerklage und eine KostenentScheidung gegen ihnQ Der Beklagte beantragt9 die Revision zuriickzuweiseno Ent Scheidung sgr linde: versichert und versteuert gewesen und von selbst auch für eigene Zwecke genutzt worden* Es sei mit Billigung der Klägerin Interessenten auf Probefahrten vorgeführt worden* Da der Kraftfahrzeugschein als Besitzer des Fahrzeugs ausgewiesen habe? die er als Kreditunterlage sicherungsübereignet habe* im ordnungsmäßigen Geschäftsgang veräußern dürfeo In dem vom Beklagten gekauften Fahrzeug habe sich auch nicht9 wie bei gen unter der Motorhaube ein Schild mit der Aufschrift befunden: "Dieses Fahrzeug ist Sicherungseigentum der (Klägerin)"« wodurch sonst Kaufinteressenten auf das Sicheruhgs-der Klägerin eigontuiryhingewiesen worden seien0 2o Die Revision rügt in erster Linie - unter Bezugnahme auf das Urteil des Bundesgerichtshofs IV ZR 31/5*+ vom 8» Juli 195*+ (LM HGB § 366 Nr* *+) “5 das Berufungsgericht habe einen Erwerb des Beklagten aufgrund guten Glaubens nur unter dem Gesichtspunkt des § 932 BGB* nicht aber unter dem' des § 366 HGB prüfen dürfen0 Denn der Beklagte habe sich nur auf seinen guten Glauben an das Eigentum* nicht aber an eine Verfügungsbefugnis berufen« Die Rüge ist nicht begründete Der Beklagte hat sich in der Berufungsbegründung (Schriftsatz vom 80 Oktober 1962 S0 6) ausdrücklich auch auf § 366 HGB berufene Es kann deshalb dahinstehen* ob allgemein der Glaube des Erwerbers an das Eigentum des Veräußerers den Glauben an dessen Verfügungsbefugnis für den | Fall einschließt5 daß der Veräußerer nicht Eigentümer ist» | Das Berufungsgericht war hiernach nicht gehindert* die j Voraussetzungen des § 366 HGB zu prüfen und* wenn nach j seiner Ansicht ein gutgläubiger Erwerb aufgrund dieser Bestimmung zu bejahen war* sich auf diese Prüfung zu beschränken o Die Umstände, die das Berufungsgericht als geeignete Grundlage für einen guten Glauben des Beklagten ansieht, sind dafür in Wirklichkeit untauglich» Daß das Fahrzeug zugelassen, versichert und versteuert war, und daß es mit zahlreichen anderen bei Kirchhof zu dem Verkauf stand, besagte nichts für dessen Verfügungsbefugnis, solange K| den Kraftfahrzeugbrief nicht vorzeigen konnte» Das gilt auch, wenn das Fahrzeug, wie unstreitig ist, mit Wissen und Willen der Klägerin Kaufinteressanten angeboten und ihnen vorgefahren wurde» Daß die Klägerin als Kredit-geberin daran interessiert war, daß dieser die Wagen auch umsetzte und daran verdiente, versteht sich von selbst» Fine andere Frage aber ist, ob sie dabei freie Hand ließ oder an dem einzelnen Veräußerungsgeschuft durch das Erfordernis ihrer Zustimmung beteiligt werden wollte, um sicherzustellen, daß sie ent\-/eder den Erlös in Anrechnung auf den Kredit oder aber anstelle des verkauf« ten Fahrzeugs ein anderes als Sicherheit erhielt» Daß sie den Kraftfahrzeugbrief in der Hand behielt, sprach gerade dafür, daß sie Kirchhof bei dem Verkauf nicht völlig freie Hand lassen wollte» Aus dem behördlichen Vermerk im Zu« lassungsschein war nicht mehr zu schließen, als daß am *+» August I96I auf rechtmäßige Weise Besitzer des Fahrzeugs geworden war» Auch das entkräftete aber nicht die wegen des Fehlens des Briefes sich aufdrängende Vermutung, daß er jedenfalls im Zeitpunkt der Veräußerung, am daß der Beklagte ein halbes Jahr vorher einen gebrauchten Porsche unter gleichen Umstanden von Kirchhof erworben und kurze hattet Die Tatsache9 daß das mit einem solchen Geschäft verbundene Risiko das ©ine Mal nicht aktuell geworden war, rechtfertigte für den Beklagten nicht die Erwartung9 auch nicht vorlegen konnte9 werde in Ordnung geheno Endlich ist in diesem Zusammenhang auch der vom Berufungsgericht nicht beschiedene Einwand des Beklagten unerheblich9 er sei in Rechtssachen völlig unerfahren und habe deshalb nicht ge» wußt9 daß das Fehlen des Kraftfahrzeugbriefs grundsätzlich gegen die Berechtigung des Veräußerers spreche0 Für die grobe Fahrlässigkeit im Sinne der §§ 366 HGB9 932 BGB genügt es5 daß der Erwerber die in^ Verkehr er for de r 1iche Sorgfalt (in besonders grober Weise) außer acht läßt« Fehl geht schließlich die Erwägung des Berufungsge~ riehts* im Geschäftsleben sei es eine alltägliche Erscheinung 9 daß der Kaufmann im ordnungsmäßigen Geschäftsgang auch Waren veräußern dürfe9 die er als Kreditunterlage einer Bank sicherungsübereignet habe® Der Käufer brauche sich bei zu dem Verkauf bestimmten Waren um das Innenverhält-nis zwisehen' dem Verkäufer und dessen Kreditgeber solange Zeit später anstandslos den Brief nachgelibfert erhalten der Erwerb des Mercedes9 dessen Brief K nicht zu Kümmern5 wie dieser jenem die Verfügungsmöglich-Keit belasse und die Veräußerung im Rahmen eines ordnungsmäßigen Geschäftsganges vorgenommen werde0 Wieweit in diesem Sinne die Verfügungsmöglichkoit eines Kaufmanns für seine Verfügungsbefugnis spricht5 braucht hier nicht abschließend beschieden zu werdeno Für den Handel mit gebrauchten Fahrzeugen gilt jedenfalls die Besonderheit9 daß das Fehlen des Briefes für das Fehlen der Verfügungsberechtigung des Händlers sprichto Die sich daraus für den Kaufinteressenten ergebenden Bedenken können zwar im Ein-* zelfall ausgeräumt werden-* aber nur durch Umstände9 die darauf hindeuton-, daß dem Veräußerer der Brief nicht deshalb fehle 3 weil ein anderer Berechtigter ihn zu seiner Sicherung einbehalte9 sondern aus einem anderen Grundeo Hierfür hat aber der Beklagte nichts Stichhaltiges vorge~ tragen« Im Gegenteil: Die Äußerung der Brief befinde sich noch bei der Bank3 war ein nicht zu übersehender Hinweis auf deren Rechte an dem Fahrzeug« Wenn der Beklagte annahm9 sein Vertragspartner werde bei der Abwicklung des Geschäfts den Interessen der Bank schon Rechnung tragen9 so tat er das auf sein Risiko; er wurde aber dadurch nicht gutgläubig im Sinne des § 3^6 HGBo h-o Da er ebensowenig gutgläubig im Sinne des § 932 BG3 war3 hat ihn das Landgericht zu Recht verurteilt <> den Wagen herauszugebeA« Demgemäß steht auch der Erlös aus der Verwertung des Fahrzeugs der Klägerin und nicht dem Beklagten zu« Dessen Widerklage ist daher unbegründet« Dagegen ist der Schadensersatzanspruch der Klägerin gemäß § 286 BGB dem Grunde nach gerechtfertigt9 weil der Beklagte mit der Herausgabe des Fahrzeugs an die Klägerin In Verzug war« Über die Höhe dieses Anspruchs hat das Berufungsgericht zu ent scheiden 3 an das insoweit die Sache unter Aufhebung des angefochtanen Urteils gemäß § 56? - Io zurückzuverwoisen uar3 xrährend das Revisionsgericht im übrigen gemäß § 565 Abs« 3 Nr, 1 ZPO selbst entscheiden konnteo Insoweit konnte auch schon über die Kosten des Rechtsstreits entschieden werden<> Im übrigen war auch di Kostenentscheidung dem Berufungsgericht zu übertragene.