BGH · VIII ZR 53/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIII® Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 2o® Januar 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dro Haidinger sowie der Bundesrichter Artl, Dr» Mezger, Dr® Messner und Mormann für Recht erkannt: Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 5® Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 18® Dezember 1962 aufgehobene Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung9 auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwieseno Von Rechts wegen Tatbestand: Der Beklagte sen® war bis 19^6 Rechtsanwalt in Halle a®d® Saale , Uber sie delte 19^9 in die Bundesrepublik und ließ sich ebenfalls in Tübingen als Rechtsanwalt nieder® Sein Sohn, der Beklagte jun®, war im Jahre 1955 als Referendar auf dem Büro des Dr® Bo tätig® Dieser bemühte sich, weil er herzkrank war und eine ruhigere Berufstätigkeit anstrebte, seit dem Jahre 1956 um eine Wiederverwendung im Justizdienst® Im März 1957 ver~ handelte er mit den Beklagten, die im selben Hause Büroräu« me innehatten - W® jun® war inzwischen ebenfalls als Rechts-» anwalt zugelassen wegen einer Übernahme der Praxis durch die Beklagten® Ab 1® April 1957 machte Dr® B® für 7 Wochen Schon wenige Wochen nach der Übernahme der Praxis entstan-den zwischen den Vertragsparteien Differenzeno Die Beklagten beanstandeten, daß die Firma auch andere Anwälte für sich arbeiten lasse und sie (Beklagte) nicht die Hausanwäl-te von M^[^^ geworden seien«. 1961 verstorbenen Ehemannes verlangt den im Vertrag vom 29» Juni 1957 vereinbarten Barkaufpreis von 16 000 DM abzüglich einer von den Beklagten im Jahre 1958 gezahlten Kate von 1 000 DMo Dabei ist zwischen den Parteien unstreitig, daß die Beklagten in der Zeit vom 1# Juli 1957 bis zu dem 3o0 Juni 1959 in der von ihnen übernommenen Praxis einen höheren Umsatz als 60 000 DM erzielt haben» Die Beklagten wenden gegenüber der Klage ein, der Vertrag vom In neuerer Zeit gewinnt demgegenüber im Schrifttum die Auffassung Boden, der Verkauf einer Anwaltspraxis sei nicht grundsätzlich ständes~ und sittenwidrig, könne es allerdings unter besonderen Umständen sein (vgl» Kalsbach, Standesrecht des Rechtsanwalts, Köln 1956, 3* l8o ff5 Tiefenbach in BB 1959, *+73 f$ Müller in NJW 1957, 12?o$ Schmitz in »JW 1963, 128*+ ff)* Für den Wandel der Auffassungen ist auch bezeichn nend, in welcher Weise die "Richtlinien für die Ausübung des Anwaltsberufs" 2um Praxisverkauf Stellung nehmen» Die Rieht« linien vom 11» Mai 1957 bestimmten (§ 73)* Der erkennende Senat hat schon In seiner Entscheidung VIII ZR 190/57 vom 11» April 1958 (BB 1958, *+96) (beiläufig) ausgesprochen, die Meinung des Reichsgerichts (RGZ l6l, 153*) 155), der Verkauf einer Anwaltspraxis sei regelmäßig nichtig und nur ausnahmsweise zulässig, sei als Überholt anzuseheno An Die Gründe«, die früher für den entgegengesetzten Standpunkt geltend gemacht wurden9 behalten für sich ihre volle Bedeutung: Auch nach § 2 BRAO übt der Rechtsanwalt einen freien Beruf aus; seine Tätigkeit ist kein Gewerbe« Nach § 1 BRAO ist der Rechtsanwalt vielmehr ein unabhängiges Organ der Rechtspflege« Er hat deshalb seinen Beruf nicht vornehmlich unter dem Gesichtspunkt des Erwerbs«, sondern unter dem gewissenhafter Erfüllung seiner Berufspflichten auszuüben« Auch ist es nach wie vor richtig«, daß das aufgrund gewissen« hafter und erfolgreicher Berufsarbeit erworbene Vertrauen der Klientel eng mit der Person des Anwalts verbunden ist« Aus alledem lassen sich aber keine durchschlagenden Gründe dafür herleiten«, die Übertragung einer Anwaltspraxis gegen Entgelt als Standes« und sittenwidrig anzusehen« empfiehlt» Darin ist in der Regel nichts Anstößiges zu se« hen, weil die Klienten sich frei entscheiden können, und davon auszugehen ist, daß als Praxisnachfolger schon deshalb eine geeignete Persönlichkeit infrage kommt, weil es sich immer um einen zur Rechtsanwaltschaft zugelassenen Anwalt handelt, dessen fachliche und persönliche Eignung in den Grenzen des § 7 BRAO überprüft worden isto Aus dem an sich zutreffenden Gesichtspunkt, daß das Vertrauen der Klientel dem Praxisinhaber persönlich und nicht ohne weiteres auch seinem Nachfolger in der Praxis gilt, ist deshalb nichts gegen die Zulässigkeit eines Praxisverkaufs herzuleiteno Der Erwerb einer Praxis gibt dem Nachfolger im Grunde nur die Chance9 das von seinem Vorgänger erworbene Vertrauen der Klientel auch für seine Person zu rechtfertigeno Ebensowenig ist es anstößig, daß dem Nachfolger diese Chance nicht unentgeltlich gewährt wird, worin anscheinend das Hauptbedenken der Rechtsprechung des Reichsgerichts und des Ehrengerichtshofs der Reiehsrechtsanwaltskammer lag*, Die Chance, die Klientel eines Anwalts zu übernehmen, stellt einen echten Vermögenswert dar« Ein solcher wird in der Regel nur gegen Entgelt hingegebeno Das Besondere des Goodwill einer Anwaltspraxis liegt allerdings darin, daß die Anwaltspraxis nicht ein gewerbliches Unternehmen ist (§ 2 Abs* 2 BRAO), sondern der Rechtsanwalt in Ausübung eines freien Berufs als unabhängiges Organ der Rechtspflege tätig wird (§§ 2 Abs« 1, 1 BRAO)» Dies bestimmt zwar Inhalt und Schranken seiner Tätigkeit, es hindert aber den Anwalt nicht daran, die durch die Ausübung seines freien Berufs geschaffenen Werte gegen Entgelt auf einen Anderen zu übertragen, soweit dadurch nur nicht die Berufstätigkeit des Anwalts als Mitwirkung an der Rechtspflege in ihrem Wesen verfälscht oder gefährdet wirdo Es ist deshalb bei der Gestaltung eines Vertrages, der den Verkauf einer Anwaltspraxis zu dem Gegenstand hat, darauf Bedacht zu nehmen, daß der Erwerber Demnach ist der Vertrag, durch den ein Rechtsanwalt einem anderen seine Praxis verkauft, nicht schon deshalb sittenwidrig und nichtig, weil Gegenstand des Kaufvertrages eine Anwaltspraxis ist* Er kann es aber wie jeder andere Vertrag, gemäß § 138 Abs* 1 BGB sein, wenn er im Einzelfall wegen seines Inhalts9 der Beweggründe der Beteiligten und der von ihnen verfolgten Zwecke gegen die guten Sitten verstößt* Dabei kann die SittenWidrigkeit eines Praxisverkaufs auch darin begründet sein, daß die Vertragsbedingungen die Gefahr begründen, daß der Übernehmer die Praxis in einer die Belange der Rechtspflege beeinträchtigenden Weise weiterführt * Auch kann ein Praxisverkauf die Voraussetzungen des Wuchers erfüllen und deshalb gemäß § 138 Abs* 2 BGB nichtig sein® Allerdings habe die Praxis Dr0 B?s* sich im wesentlichen auf seine Beziehungen zu den Gebrüdern M^p^p (seinen Schwägern) und den von diesen geleiteten M^^p» Werken ge stilt zto In diese Beziehungen habe Dr* Bo die Beklagten aber eintre-ten lassen} indem er sie bei den Gebrüdern eingefuhrt und empfohlen habe» Die Beklagten hätten auch in den ersten 2 Jahren nach der Praxisübernahme einen Umsatz von rd* klagten am 11 o Mai 1962 geschlossenen Vergleichs in monatlichen Raten von 3 °oo DM seit Mai 1962o Daß Dr* B* für den Goodwill der Praxis - trotz gewisser standesrechtlicher Bedenken - eine Entschädigung habe verlangen wollen* sei schon in dem Krozinger Entwurf zu dem Ausdruck gekommen* nach dem die Beklagten das Praxisinventar zu dem Heuanschaffungswert hätten bezahlen sollen* Insoweit seien sie also bei den Verhandlung gen am 28o und 29« Juni 1957 nicht vor eine grundsätzlich neue Situation gestellt worden* Wenn im Vertrage die Entschädigung für den Goodwill (teilweise) als Kaufpreis für das Inventar getarnt worden sei* so möge das zwar standesrechtlich bedenklich sein* mache aber den Vertrag nicht wegen Sittenverstoßes nichtig* Die für die Praxisüberlassung vereinbarte Gegenleistung sei angemessene Von den als Inventarpreis deklarierten lo ooo DM seien 3 ooo DM echter Kaufpreis; es verblieben danach noch 7 ooo DM Entgelt für den Goodwill* zusätzlich weiterer 6 ooo DM bei Erreichung eines Umsatzes von 6o ooo DM in den ersten zwei Jahren nach der Übernahme * Eine echte Gegenleistung der Beklagten stelle ferner ihre Verpflichtung dar* die bei der Praxisübergabe für Dr* Bo bereits entstandenen Gebührenforderungen unentgeltlich - aber bei Erstattung ihrer Barauslagen - für DroB* einzuziehen (die Beklagten haben bis Ende 1959 für Dr<> B0 rdo ko ooo DM Honorare eingezogen) o Die Beklagten selbst hätten aber den Geldwert des dafür erforderlichen Arbeitsaufwandes zuletzt nur noch mit 1 ooo DM angegeben« Der Sozietätsvorbehalt9 der gegebenenfalls die Beklagten gezwungen hätte3 Dr» Bo bei verminderter Arbeitskraft für 1 Jahr noch an der Hälfte der Reineinnahmen der Praxis zu beteiligen a sei wegen des vorzeitigen Ablebens Dr<> BoS nicht mehr zu dem Tragen gekommen* Er sei ebenfalls schon in dem Krozinger Entwurf enthalten gewesen und von den Beklagten in voller Kenntnis seiner Tragweite schon in ihrem Schreiben vom lk0 Mai 1957 als "bestimmt kein unbilliges Verlangen" bezeichnet wordeno Nachdem inzwischen ein Wechsel im Senatsvorsitz eingetreten war3 beraumte der neue Vorsitzende "nach Beratung im Senat unter Aufhebung des Beweisbeschlusses" am lo* August 1962 Termin zur mündlichen Verhandlung an* Aufgrund dieser Verhandlung erging das angefochtene Urteile Die Revision rügt 3 den Beklagten sei insoweit kein rechtliches Gehör gewährt worden, auch sei § 138 ZPO ver~ letzte Die Rügen sind nicht begründete Das Gericht braucht einen Beweisbeschluß nicht auszuführen 3 sondern kann9 wenn es bei erneuter Prüfung die b) Die Revision rügt weiter, das Berufungsgericht habe bei dieser Entscheidung nicht hinreichend berücksichtigt, daß die Beklagten neben dem Barkaufpreis noch andere drücken de Verpflichtungen übernommen hätten« Es habe insbesondere außer Betracht gelassen, daß die Klientel Dr« B«s .• derart überwiegend in der Betreuung der sehwägerliehen M^^^KÜen« tel bestanden habe, daß von einer "Einmann^Klientel1* gesprochen werden müsse« Der Verkauf einer "Einmann-Klientel“ sei aber schlechthin nichtig, weil er den Rechtsanwalt unabwend« bar in ein Abhängigkeitsverhältnis zu dem Klienten bringe, das mit der Stellung des Rechtsanwalts9 der ein unabhängiges Organ der Rechtspflege sein solle9 nicht vereinbar sei» Der Revision kann insoweit nicht beigepflichtet werdeno Zwar trifft es zu9 daß ein Rechtsanwalt9 dessen Praxis sich im wessntlichen auf die Aufträge einer einzigen große» ren Firma stutzt3 leichter in die Gefahr einer standeswidrigen Abhängigkeit von einem Mandanten gerät als ein Anwalt mit breit gestreuter Praxis« Eine solche standeswidrige Abhängigkeit ist aber auch im Falle einer "Einmann-Klientel" nicht unabwendbar« Wäre es anders9 so wäre Überhaupt die Ausübung einer Praxis mit einer '’Einmamv-Klientel’' Standes-widrig« Davon kann nicht die Rede sein« Es hängt vielmehr sov von der Persönlichkeit des Anwalts wie von den Qualitäten des Klienten ab9 ob sich der Anwalt in eine ständeswidrige Abhängigkeit von seinem Klienten verstrickt« Der Verkauf einer ,,Einm^nn~Klientel,, mag deshalb standesrechtlich - und damit in der Regel auch unter dem Gesichtspunkt des § 138 BGB - bedenklich sein9 wenn der die Praxis veräußernde Anwalt sich schon in einer standeswidrigen Abhängigkeit von seinem Klienten befand oder sich jedenfalls entsprechenden Zumutungen seines Klienten ausgesetzt sah« In dieser Hinsicht haben aber die Beklagten nichts vorgetragen« Daß später - beim Zusammenbruch der und im Strafverfahren gegen die Gebrüder - nach der Behauptung der Beklagten solche Zumutungen an sie gestellt worden sind9 kann nicht die Sittenwidrigkeit eines Vertrages begründen9 bei dessen Abschluß mit solchen Zumutungen noch nicht zu rechnen war« c) Die Revision rügt ferner als vom Berufungsgericht übergangen oder vernachlässigt5 daß die Beklagten das von Dr«B« mit geschlossene Beitreibungsabkommen weiter aus- In dem Vertrage vom 29° Juni 1957 hatten sich die Beklagten verpflichtetj ndie ihnen übergebenen Rechtsangelegenheiten weiter zu bearbeiten”« Soweit in den Beitreibungssachen für Dr« Bo bereits Gebührenansprüche entstanden waren, mußten sie diese für Dr» B» einziehen« Die Revision beanstandet, das Berufungsgericht habe zu Unrecht die von den Beklagten insoweit übernommenen Ver« pflichtungen nur mit 1 ooo DM bewertet» Die von beiden Parteien Übereinstimmend gemachte Wertangabe von 1 ooo DM habe sich nur auf die kostenlose Abrechnung und Einziehung der Forderungen Dro Bisin den wenigen Sachen bezogen, die am 3o* Juli 1957 bereits abgeschlossen gewesen seien« Zusätzlich hätten die Beklagten Dr» B* von den Verpflichtungen aus dem Beitreibungsabkommen mit M^f^ Freistellen müssen» Dies sei eine besonders zeitraubende Tätigkeit schon deshalb gewesen, weil Dr» Bis Akten nicht in Grd-nung gewesen seien, und eine besonders unergiebige, weil es sich großenteils um hoffnungslose Vollstreckungsfälle gehandelt habe« Auch diese Rüge schlägt nicht durch» Allerdings haben die Parteien bei ihrer Erklärung im Termin vom 260 Oktober i960 unterschieden zwischen den am 3°° Juni 1957 erledigten Sachen5 für die sie übereinstimmend den erforderlichen Arbeitsaufwand der Beklagten mit 1 000 DM bewertet haben3 und den M^J^Beitreibungssachen nach Maßgabe des Beitreibung sabkommenso Das Berufungsgericht hat jedoch insoweit nicht das Vorbringen der Beklagten über sehen 3 die Fortsetzur der Beitreibungstätigkeit sei besonders mühevoll und uner-giebig gewesen» Es hält aber für entscheidend, daß die Beklagten das Beitreibungsabkommen Dr» Bis. mit und seine Handhabung aus ihrer Urlaubsvertretung genau gekannt hätten? d) Die Revision rügt ferner5 das Berufungsgericht habe bei der Bewertung der von den Beklagten übernommenen Gegenleistungen das Recht Dro B»s nicht berücksichtigt9 jederzeit mindestens für 1 Jahr als hälftig beteiligter Sozius in die Praxis einzutreten» Das Berufungsgericht führt dazu aus: e) Da es für die Frage, ob der Vertrag vom 29« Juni 1957 wegen Verstoßes gegen die guten Sitten nichtig war, nur auf den Zeitpunkt des Vertragsschlusses ankommen kann, hat das Berufungsgericht zu Recht grundsätzlich Vorgänge unberücksichtigt gelassen, die sich nach diesem Zeitpunkt Die Revision hält es für einen Widerspruch in sich, daß einerseits Dr« Bo den Beklagten durch den Vertrag vom 29« Juni 1957 auferlegt habe, die Beziehungen zu pfleglich zu behandeln3 die Klägerin ihnen in dem Schadensersatzprozeß ^aber vorwerfe, sie hätten die Gebührenforderun-gen Dr« Bi s gegen mit Vorrang beitreiben sollen« Ob das Vorbringen der Klägerin in den beiden Prozessen sich in dieser Weise zuspitzen und gegenüberstellen läßt3 kann dahinsteheno Jedenfalls könnte ein unbegründetes Vorbringen der Klägerin im Schadensersatzprozeß nur die Klage dort3 nicht aber den Vertrag vom 29« Juni 19572 die Grundlage für die vorliegende Klage3 zu Fall bringen« f) Die Revision bemängelt schließlich«, für die Sittenwidrigkeit des Vertrages vom 29« Juni 1957 müsse den Ausschlag geben, daß Dr» Bo die Beklagten bei den Verhandlungen vom 280 und 29« Juni 1957 in unzulässiger Weise unter Druck gesetzt habe» Br habe « für sie unerwartet (vgl« den Krozinger Entwurf) - plötzlich ein beträchtli- ches Entgelt für den Goodwill der Praxis in ultimativer Weise verlangt 5 sie hätten sich diesem Druck nicht ent« ziehen können, weil sie sich schon seit Monaten auf die übernähme der Praxis eingerichtet hätten und schon als "mutmaßliche“ Nachfolger in der Praxis des Dr» B» bekannt worden seien0 auch für den Goodwill der Praxis ein gewisses Ent* gelt forderte, ergab sich schon aus dem Krozinger Entwurf nach dem die Beklagten den Neuanschaffungspreis für das Inventar, und damit einen gegenüber dem Zeitwert überhöh« ten Preis zahlen sollten» Unter Zeitdruck gerieten die Ve: handlungen deshalb, weil Dr» B» unerwartet kurzfristig wif der zu dem Staatsdienst einberufen wurde» Die Beklagten warei aber nicht gehindert, das - nach ihrer Meinung zu hohe -Entgelt für den Geschäftswert abzulehnen» Der Druck, untei den sie durch die Forderung Dr» B^s gerieten, wäre unzulässig nur gewesen, wenn die Forderung Dr» B» s objektiv unangemessen gewesen wäre oder Dr» B» die Beklagten ge« flissentlich in eine Zwangslage hineinmanövriert hätte» Beides war nach den ohne Rechtsfehler getroffenen Feststei lungen des Berufungsgerichts nicht der Fall» te später zu dem Zusammenbruch führteo lo Das Berufungsgericht verneint, daß Dr* B„ den Beklag« ten falsche Angaben bezüglich seines Verhältnisses zu gemacht habeo Er habe die Beklagten vor dem Vertragsäb-Schluß darüber unterrichtet) daß in Hameln und Essen in Beitreibungssachen zwei sog« vollstreckungsnähere Anwälte einsetze* Hiervon seien die Beklagten auch aus der Zeit der Urlaubsvertretung Dr* Bo s: unterrichtet gewesene Im übrigen seien sie durch die Kenntnis der Struktur und des Betriebs der Praxis Dr* Bos vor ihrer Übernahme) durch die seitens erklärte Bereitschaft, mit ihnen wie mit Dr« Bo zusammenzuarbeiten und durch den an sich überflüssi-gen Hinweis Dr* B^s ,er könne für nicht garantieren, hinreichend aufgeklärt wordeno Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe unter Verletzung des § 286 ZPO nicht begründet, worauf es seine Feststellung stütze, die Beklagten hätten von der regionalen Aufteilung der Beitreibungssachen gewußt* Die Revision übersieht, daß das Berufungsgericht dies als von den Beklagten selbst zugestanden feststellte Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe nicht beachtet, daß auch in der Spiegel-Sache andere Anwälte beauftragt habe, ist schon deshalb unbeachtlich, weil die Auseinandersetzung mit dem Spiegel erst im August 19573 also nach der Praxisübernahme stattfando Insoweit kann Dr» B* sich schon aus zeitlichen Gründen nicht einer arglistigen Täuschung der Beklagten schuldig gemacht haben* Aufgrund dieses Sachverhalts hätte das Berufungsgericht den Antrag der Beklagten, die Brüder a-Ls Zeugen zu hören, unberücksichtigt lassen dürfen, wenn aus dem Vermerk zu folgern wäre, die Beklagten hätten in der Besprechung vom 280 Januar 1959 die (zutreffende) Überzeugung erlangt, DroBo habe vor dem 29» Juni 1957 mit den Brüdern niemals über die finanzielle Lage von Maico gesprochen und deshalb von der Krise, in der sich das Unternehmen befand, nichts gewußte Dann war der entgegengesetzte Prozeßvortrag der Be« klagten auch subjektiv unwahr und ihr Beweisantrag rechtsmiß” bräuchlich und deshalb unbeachtlich« Aus dem Berufungsurteil ist jedoch schon nicht mit Sicherheit zu entnehmen, ob das Berufungsgericht in der Tat den Beklagten vorwerfen will, sie hätten Beweis für eine Behauptung angetreten, die sie selbst für unwahr hielteno Wäre das Urteil so zu verstehen, so fehlt es jedenfalls an einer ausreichenden Begründung0 Der Vermerk vom 29» Januar 1959 genügt dafür nichto Die in der Besprechung IIIo Erschütterung der Geschäftsgrundlage Das Berufungsgericht verneint«, daß die Beklagten sich unter diesem Gesichtspunkt vom Vertrage lösen oder der Klag forderung Einwendungen entgegensetzen könnten« Es stellt fest, Dr« B« habe eine so eng vertrauliche Zusammenarbeit, wie sie die Beklagten den Werken gegenüber gefordert hätten, selbst nie praktiziert« Die Beklagten hätten ferner gewußt, daß auch andere Anwälte für Kaico tätig seien und Dr« Bo habe ihnen auf ihre Frage, wie es sei, wenn abspringe, erklärt, selbstverständlich könne er für nid garantieren« Das Berufungsgericht konnte daraus ohne Rechts« fehler folgern, es sei nicht Geschäftsgrundlage des Vertrages vom 29» Juni 1957 geworden, daß die Beklagten die "Haus-anwälte“ von in dem von ihnen verstandenen Sinne wür- den« E$ konnte ferner ohne Rechtsirrtum davon ausgehen, nach dem Willen der Parteien hätten das Risiko, daß die Firmen Klienten der Praxis blieben, in jedem Falle die Be» klagten tragen sollen, also auch insoweit, als die Fortdauer der wirtschaftlichen Existenz der M^^p-Firmen in Frage stan< Im übrigen kann nach der im wesentlichen auf tatsächlichem Gebiet liegenden Wertung des Berufungsgerichts eine Abände~ rung des Vertrages unter dem Gesichtspunkt der Erschütterung der Geschäftsgrundlage schon deshalb nicht in Betracht kommen, weil die Beklagten trotz des Zusammenbruchs der Firmen in der Praxis Dr« B« s.. Eine Vergütung sei nicht ausdrücklich vereinbart worden» Die Beklagten hätten selbst erklärt, sie würden für die Ver tretungStätigkeit nichts verlangt haben, wenn Dr» Bo ihnen seine Praxis zu maßvollen Bedingungen abgegeben hätte» Das sei aber - entgegen der Ansicht der Beklagten - geschehene Die Vertragsbedingungen seien gerecht und billige Dem An-Spruch der Beklagten stehe im übrigen die Einrede der Arglist (Verwirkung, Bechtsmißbrauch) entgegeno Die Revision rügt demgegenüber, die den Beklagten aufge-zwungenen Vertragsbedingungen seien nicht maßvoll gewesene Die Beklagten treffe auch nicht der Vorv/urf der Arglist, weil nicht sie Dr» Bo, sondern dieser sie hintergangen habe o Sie könnten deshalb Vergütung für ihre Urlaubsvertretung verlangen« Die Bevisionsrüge greift nicht durch» Auch nach dem Vortrag der Beklagten haben die Parteien zunächst Unentgeltlichkeit der Urlaubsvertretung vereinbart» Vertragsgrundlage dafür war allerdings, daß die Beklagten später die Praxis Dr» Bö s übernahmen» Von einem Wegfall der Geschäftsgrundlage könnte danach überhaupt nur die Rede sein, wenn ein Übernahmevertrag nicht rechts« wirksam zustandegekommen oder wenn er später durch Anfech« tung rückwirkend vernichtet worden wäre» Das ist hinsichtlich der Anfechtung wegen arglistiger Täuschung noch offen (II 2)o Einer Entscheidung über den Vergütungsanspruch der Beklagten bedarf es aber im vorliegenden Rechtsstreit auf keinen Fall: Sollte der Übernahmevertrag wegen arglistiger Täuschung rechtswirksam angefochten und deshalb nichtig sein, so entfiele damit die Klageforderung und damit auch die Notwendigkeit, über die Gegenforderung der