BGH · VIII ZR 51/57 vom 05.06.1958
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durch den Gläubiger zu bestimmen, hat er aber vor dieser Bestimmung Arbeiten selbst ausgeführt und \s diese erst dann als Gegenstand der Leistung dem Schuld- Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 7» Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Schleswig vom 4» Mai 1956 im Kostenpunkte und insoweit aufgehoben, als der Anspruch auf Zahlung von 50 400,- BM nebst Zinsen abgewiesen ist« ln diesem Umfange wird die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurüclcver-wlesen, dem auch die Entscheidung Uber die Kosten des Revisionsverfahrens Übertragen wird. Bei Beendigung des Mietverhältnisses hat die Mieterin die Gebäude der Vermieterin in dem Zustand zurückzugeben, in dem sich die Gebäude bei der Übernahme befanden oder wie sie nach der Bauzeichnung hergestellt werden sollten und gemäß den kriegsmäßigen Bauvorschriften hätten ausgeführt werden können« Besonders ist auch die Tarnung zu beseitigen, wenn nichts anderes vereinbart wird. Zusammenhang damit wurde der Beklagten die Auflage gemacht, das Yfericstattgebäude der Klägerin zu räumen; schon während die Räumung im Gange war, bereitete die Klägerin zusammen mit einer anderen Firma die Panzeranfertigung vor«, Noch ehe die Räumung beendigt worden war, besetzten britische Truppen LS Sie unterstellten das Gebäude mit den darin befindlichen Maschinen und Geräten ihrer Aufsicht, gaben jedoch endgültig im November 1948 das Gebäude an die Klägerin frei« Biese hat es dann bis zu dem Jahre 1954 für ihren Betrieb benutzt«. Die Klägerin hat von dem zunächst durch das Landesamt für Vermögenskontrolle als Treuhänder für die Beklagte eingesetzten, nach der am 11« November 1950 erfolgten Beendigung der Sperre über ihr Vermögen zu dem Pfleger für sie bestellten Kaufmann Kj verlangt, daß er die Gebäude so herrichten lasse, wie es im § 5 des Vertrages für den Pall der Beendigung des Mietverhältnisses vereinbart gewesen sei« Da KrflHB sich weigerte, forderte die Klägerin die Kosten für die HenrLchtung des Gebäudes, die sie auf 65 000,- DM veranschlagte« Hiervon hat sie im ersten Rechtszuge einen Teilbetrag von 2 500,- DM eingeklagt « Das Landgericht hat der Klage stattgegeben« Auf die Berufung der Beklagten hat die Klägerin Anschlußberufung eingelegt mit dem Antrag, festzustellen, daß die Beklagte verpflichtet sei, das Yferkstattgebäude in den Zustand zu bringen, in dem es nach der Bauzeichnung hergestellt werden sollte und nach den kriegsmäßigen Bauvorschriften hätte ausgeführt werden können, sowie die Tarnung zu beseitigen« Sprüchen aufgerechnet, die sie daraus herleitet, daß die Klägerin sich eigenmächtig in den Besitz des Gebäudes sowie der darin befindlichen Maschinen und Geräte der Beklagten gesetzt und dieser deren Herausgabe verweigert habe; ohne diese Y/ei-gerung hät;fce die Beklagte ihre Maschinen und Geräte herausnehmen und sie dadurch vor Demontage und Diebstahl bewahren können«. Das Oberlandesgericht hat die Berufung zurückgewiesen, auf die Anschlußberufung das Urteil des Landgerichts abgeändert und dessen entscheidenden Teil dahin gefaßt, daß dem Peststellungsantrag der Klägerin stattgegeben werde« Nachdem die Parteien im erneuten Berufungsverfahren zunächst mit den früher vor dem Tatrichter zuletzt gestellten Anträgen verhandelt hatten, wurde auf den Antrag der Klägerin vom 15« Mai 1954 das Vergleichsverfahren über ihr Vermögen eröffnet« Nunmehr hat sie mit der Anschlußberufung nur den Antrag verfolgt, die Beklagte zur Zahlung von mindestens 100 000,- DM nebst 10 % Zinsen seit Klagezustellung zu verurteilen« Dazu hat sie vorge-tragens In dem Verfahren, das mit einem Vergleich geendet habe, sei das Grundstück für 300 000,- DM an die Firma Ludwig Y/afHP verkauft und demnächst übereignet worden« Wäre die Beklagte ihren Verpflichtungen aus § 5 des Mietvertrages damals schon nachgekommen gewesen, so würde es zu dem Vergleichsverfahren nicht gekommen oder doch in ihm ein Kaufpreis von mindestens 400 000,- DM zu erzielen gewesen sein« Der Mehrpreis von 100 OOO,- DM würde nioht ihren Gläubigern, sondern ihr selbst zugeflossen sein« Pür ihren Schaden habe die Beklagte ihr gemäß IIc Das erste Berufungsurteil ist im Revisionsrechtszuge gemäß § 565 Abs* 1 Satz 1 ZPO nur mit der Begründung aufgehoben worden, daß es der Beklagten ein Zurückbehaltungsrecht wegen der von ihr geltend gemachten Schadenersatzansprüche nicht von vornherein habe absprechen dürfen und daß die Aufklärung des Sachverhalts unter diesem rechtlichen Gesichtspunkt erforderlich sei- Dies hat das Berufungsgericht in dem jetzt angefochtenen Urteil - von dem Standpunkt aus betrachtet, den es zu dem veränderten Antrag und Vorbringen der Klägerin eingenommen hat - nicht abschließend erörtert. Es hat nämlich den Scha- * densersatzanspruch des Klägers für unbegründet gehalten aus der Erwägung, daß die Beklagte aus Rechtsgründen frühestens am 11* November 1950, dem Zeitpunkt der Beendigung der Sperre über ihr Vermögen, mit der Erfüllung ihrer aus dem Verhalten der Parteien zu entnehmenden Pflicht, gemäß § 5 des Mietvertrages das Werkstattgebäude nach der Bauzeichnung entsprechend den kriegsmäßigen Bauvorschriften wieder herzustellen, in Verzug geraten sein könne* Es hat in dem Schreiben der Klägerin vom 24« April 1945, das nach ihrer Behauptung damals der Beklagten zugegangen sei und das sie (die Klägerin) gegen sich gelten lassen müsse, die Bestätigung einer vorbereitenden Abmachung zu der in § 5 des Mietvertrages vorgesehenen Vereinbarung erblickt und erwogen; daß die Klägerin den Umfang der von der Beklagten zu erbringenden Leistungen nach billigem Ermessen gemäß § 315 Abs. 1 und 2 BGB durch Erklärung gegenüber der Beklagten zu bestimmen befugt gewesen sei, weil die Beklagte es immer abgelehnt habe, eine abschließende Verein- November 1955 aber sei der Schaden bereits eingetreten gewesen, für den sie die Beklagte verantwortlich machen zu können glaube, und auch schon vorher sei er nach dem 11. Die Revision verweist darauf, daß im ersten Revisionsurteil» dem sachlich nur der mit der Anschlußberufung damals von der { Klägerin allein noch verfolgte Feststellungsantrag zu Grunde lag, die Auffassung des Berufungsgerichts nicht beanstandet worden ist, nach welcher der Herstellungsanspruch der Klägerin sich aus § 5 des Mietvertrages ergibt. Daran anknlipfend hält die Revision § 565 Abs. 2 ZPO durch das angefochtene Urteil deshalb für verletzt, weil nach ihrer Ansicht das Oberlandes-gericht im erneuten Berufungsverfahren an die Auffassung des Bundesgerichtshofes gebunden gewesen sei, daß die Klägerin die Herstellung zu fordern berechtigt sei, und weil das Oberlandesgericht sich an diese Bindung nicht gehalten habe. irrtum nicht erkennen» Insoweit erhebt die Revision keine Rüge« Sie greift das angefochtene Urteil nur insofern an, als es der Klägerin auch den Anspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung versagt hat» Dazu hat das Berufungsgericht folgendes erwogen? Die Klägerin habe Ersatz der Aufwendungen für Arbeiten nicht zu beanspruchen, die sie habe ausführen lassen* Zwar handele es sich dabei nach ihrem Vorbringen um Arbeiten, deren Vornahme Pflicht der Beklagten letzten Endes nach dem Mietvertrag gewesen sei* Gewiß habe die Beklagte infolge der Maßnahmen der Klägerin Ausgaben nicht zu machen brauchen, zu denen sie andernfalls verpflichtet gewesen wäre; insofern habe sie ohne rechtlichen Grund auf Kosten der Klägerin etwas erlangt* Diese könne daher an sich einen Ausgleich der Bereicherung der Beklagten fordern* Indessen scheitere der Anspruch der Klägerin daran, daß sie die Arbeiten habe vornehmen lassen, bevor sie der Beklagten gegenüber die bestimmende Erklärung gemäß § 315 Abs« 2 BGB abgegeben habe» Vor Abgabe dieser Erklärung sei nämlich die Beklagte nicht verpflichtet gewesen, Arbeiten auszuführen, da bis dahin der Inhalt ihrer Verpflichtung nicht bestimmt gewesen sei und sie ihn jedenfalls nicht gekannt habe« Die spätere Erklärung der Klägerin habe rückwirkend zur Entstehung von Ersparnissen auf seiten der Beklagten nicht führen können» Es habe im Ermessen der Klägerin gestanden, wann sie die Leistung der Beklagten bestimmte« Wenn sie selbst aus freien Stücken erst Arbeiten habe ausführen lassen, könne sie nicht später diese Arbeiten als von der Beklagten geschuldet bestimmen« Wenn die Klägerin also zunächst selbst Arbeiten ausfUhren ließ und erst danach diese Arbeiten als Gegenstand der ihr von der Beklagten geschuldeten Leistung bestimmte; hat die Beklagte doch Ersparnisse auf Kosten der •Klägerin gemacht» Baß die Beklagte vor Bestimmung des Inhalts ihrer Leistungsverpflichtung durch die Klägerin von dieser nicht zur Vornehme von Arbeiten angehalten werden konnte, ist unter dem Gesichtspunkt, ob sie durch die Leistung der Kläger- ^ in ungerechtfertigt bereichert ist, ohne rechtliche Bedeutung, Benn der Anspruch aus § 812 BGB knüpft nicht an ein von der Rechtsordnung etwa gemißbilligtes subjektives Verhalten des Bereicherten an, insbesondere nicht an die vertragswidrige Verweigerung einer Leistung, sondern daran, daß zwischen ihm und dem anderen (Entreicherten) eine Vermögensverschiebung stattgefunden hat, die objektiv des rechtfertigenden Grundes entbehrt (vgl» die Ausführungen im Urteil des Bundesgerichtshofs vom 30. 844), Es würde der Billigkeit durchaus widersprechen, wollte man im vorliegenden Fall der Klägerin den Ausgleich nach § 812 BGB nur deswegen versagen, weil sie nicht zunächst den Inhalt der von der Beklagten zu erbringenden Leistung konkret bestimmt hat und erst dann selbst die Leistung ausgeführt hat, sondern umgekehrt verfahren ist.