BGH · VIII ZR 43/61
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ten geraten war, von seinen Gläubigern stark bedrängt wurde und seine Zahlungen bereits eingestellt hatte, veräußerte er zunächst das andere im Aufbau begriffene Grundstück und suchte sodann einen Interessenten, der in seine Hechte aus dem Pachtvertrag eintrat und ihm seine Aufwendungen für den Aufbau erstattete» Durch einen Vermittler wurde er mit dem Beklagten susammen-geführto Am 27« November 1953 trat Kämmer in einem notariellen Vertrage seine Ansprüche gegen Fräulein Fischer mit deren Einverständnis ans) den Beklagten ab, der sich verpflichtete, an Kfl||^)40 000 DM zu zahlen, in die hinsichtlich der laden und des Seitengebäudes Er hat den Vertrag nach den Vorschriften der KonkursOrdnung an-gefochten und mit der am 28» Dezember 1954 zugestellten Klage beantragt, den Beklagten und Fräulein F^HHB zu ver~ urteilen, auf ihre Rechte aus dem notariellen Vertrage mit Wirkung gegen die Konkursgläubiger des Kämmer und den Kon~ kursVerwalter zu verzichten« Hilfsweise hat er Einwilli-gung in die Auszahlung des an den Notar gezahlten Betrages an den Kläger und für den Fall, daß der Beklagte noch nicht an den Notar gezahlt haben sollte, Verurteilung des Beklagten zur Zahlung an den Kläger verlangt« 1« Das Berufungsgericht hat angenommen, der Vertrag zwischen KfHBund dem Beklagten sei dahin zu verstehen, daß der Kaufpreisteil von 22 000 DM, dessen Rest die vom Kläger noch verlangten 1t 000 DM daratellen, an den Notar Dr« S|HH[Bnur 2U treuen Händen abgetreten worden sei« Mit der Konkurseröffnung sei der Treu-handvertrag erloschen,und Dr« habe anschließend entsprechend der ihm obliegenden Verpflichtung die Korde rung gegen den Beklagten auf den Konkursverwalter übertragene Pie Revision zieht nicht in Zweifel, daß der Notar Dr„ sJHHB Verhältnis zwischen KflH^und dem Beklagten nur die Stellung eines Treuhänders haben sollte» Bei einem Treuhandvertrag auf Geschäftsbesorgung findet; wie da3 Berufungsgericht mit Recht angenommen hat, die Regel des § 23 KO Anwendung, so daß der Schuldvertrag er lischt«, Entgegen der Ansicht der Revisionserwiderung ist das Treugut nach Erlöschen des Treuhandvertrages nicht ipso jure an den Treugeber, hier also an den Konkursverwalter, zurückgefallen» Ein solcher automatischer Rückfall wäre nur dann eingetreten, wenn schon bei Begründung des Treuhandvertrages die Übertragung des Treugutes auf den Treuhänder unter der auflösenden Bedingung der Eröffnung des Konkurses erfolgt wäre (vgl» RGZ 145» 253» 257)o Eine solche auflösende Bedingung enthält hier jedoch der zwischen den Beteiligten abgeschlossene Treuhandvertrag nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht»und auch der Akteninhalt gibt nichts dafür her, daß eine solche auflösende Bedingung hier von den Beteiligten ins Auge gefaßt worden wäre, zu demal die Beteiligten bei Abschluß des Vertrages vom 27o No-bember 1957 noch gar nicht an die Möglichkeit einer Konkurseröffnung gedacht habene Indes ist der Treuhänder verpflichtet, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, die Forderung nach Erlöschen des Treuhandvertrages an die Konkursmasse abzutreten («Taeger KO 8o Auflo § 23 Nr» 8)» Bern steht nicht entgegen, daß die Treuhandabrede in dem Vertrag vom 27* November *953 nur Teil des damals abgeschlossenen GesamtVertrages über das Grundstück war» Anders wäre es, wenn es der Sinn dor den wäre® Für eine so gestaltete Auslegung der Treuhand« klausel bieten aber weder die Feststellungen des Berufungsurteils noch auch der sonstige Inhalt der Akten einen hinreichenden Anhaltspunkt® Auch der Umstand» daß in der Treuhandklausel gesagt ist» die Übertragung auf den Treuhänder sei unwiderruflich, ändert hieran nichts® Die in dem Vertrag vereinbarte Unwiderruflichkeit sollte, wie auch das Berufungsgericht ersichtlich angenommen hat, nur den Sinn haben, daß der Verkäufer, der spätere Gemeinschuldner, die Übertragung der Teilkaufpreio-forderung nicht seinerseits frei widerrufen konnte® Dagegen kann dieser Klausel nicht entnommen werden, daß auch der Konkursverwalter nach Eröffnung des Konkurses nicht in der Lage wäre, seinerseits nach dem Erlöschen des Treuhandvertrages die Rückubertragung der Kaufpreisforderung zu verlangen® Gegen die Annahme, daß mit der Übertragung der Kaufpreisforderung von 22 000 DM auf den Notar als Treuhänder diese Forderung endgültig aus dem Vermögen des Verkäufers ausgeschieden sei, spricht hier insbesondere der Umstand, daß damals die Beteiligten sich nicht darüber im klaren v/aren, in welcher Höhe diese 22 000 DM tatsächlich von den Bau- kostenzuschußgläubigorn in Anspruch genommen würden und daß insbesondere unter den Beteiligten auch noch nicht feststand, welche bestimmten Personen aus diesem Fonds vom Treuhänder befriedigt werden sollten® All diese Umstände sprechen entscheidend dagegen, daß die Beteiligten ^;dis Treugut mit der Übertragung auf den Treuhänder endgültig aus dem Vermögen des Verkäufers ausscheiden wollten® Die von dem Berufungsgericht ver - Bas Berufungsgericht hat die Abtretung an den Konkursverwalter daraus hergeleitet, daß sich der Notar ab Konkurseröffnung jeder weiteren Tätigkeit in Bezug auf die Forderung enthalten, dies erklärt und es abgelehnt habe, vom Beklagten Zahlungen entgegen zu nehmen. In dem Verhalten des Dr, SflHHi hat das Berufungsgericht ersichtlich lediglich das Angebot zur Übertragung der Forderung an den Konkursverwalter erblickt, da3 dieser seinerseits in schlüssiger V/eise mindestens dadurch angenommen hat, daß er die Zahlung der 22 000 DM von dem Beklagten verlangte, Entgegen der Darstellung des Beklagten ist dies schon im ersten Rechtszuge geschehen, denn der Kläger hat bereits von Anfang an mit seinem Hilfsantrag zu o) Zahlung der 22 000 DM begehrt, wie später noch dargo-legt werden wird. tretene Forderung an den Kläger zurück, ist von der Revision nicht näher begründet wordene Ihrer Meinung vermag sich der erkennende Senat nicht an^uschließen« Das Berufungsgericht war nicht gehindert, aus dem Verhalten des Dr« auf seinen Willen zu schließen, die hier in Frage stehende Forderung auf den Konkursverwalter zu übertragen» Ebensowenig ist es zu beanstanden, daß das Berufungsgericht, wie dem Zusammenhang der Entscheidungs-gründe ebenfalls zu entnehmen ist, die Überzeugung erlangt hat, dem klagenden Konkursverwalter sei dieser Wille des Dr» erborgen geblieben, und der Kläger habe seinerseits das in dem schlüssigen Verhalten des Dr» liegende Angebot auf Abtretung der Forderung gegen den Beklagten durch schlüssiges Vor-* halten angenommen« Entgegen der Meinung der Revision ist somit der Kläger zur Geltendmachung der Forderung befugt« 2« Dadurch, daß der Kläger den zwischen und dem Beklagten abgeschlossenen Vertrag nach Konkursrecht anfocht, war er nicht gehindert, von seinem ursprünglichen, auf die Anfechtung gestützten Anspruch abzugehen und nunmehr Erfüllung des Vertrages zu verlangen« Das Berufungsgericht ist, ohne dies in dem ange^ fochtenen Urteil ausdrücklich zu betonen, ersichtlich der Auffassung, daß der Vertrag von dem Gemeinschuld« ner voll erfüllt war# An der Richtigkeit dieser Auffassung, die von der Revision nicht bekämpft wird, können insofern Zweifel bestehen, als der Beklagte nach dem Wortlaut des Vertrages lediglich in die hinsichtlich der Läden und des Seitengebäudes bestehenden Mietverträge eingetreten ist und nur hinsichtlich dieser. ob der Beklagte über den Betrag von 4 000 DM hinausgehenden Forderungen von Mietern des Gebäudes; die Baukostenzuschüsse gegeben hatten, ausgesetzt gewesen sein könnte« Diese Frage hat dad Berufungsgericht in anderem Zusammenhänge behandelt und verneinte Es hat ausgeführt; der Beklagte sei rechtlich nicht verpflichtet gewesen^ Baukostenzuschußgläubiger zu befriedigen; weil er kein dingliches Kocht an dem Grundstück erworben habe und die Grundsätze; die in der Rechtsprechung über die Haftung des Grundstückserwerbers oder eines sonstigen kraft Gesetzes als Vermieter in laufende Mietverträge eintretenden dinglich Berechtigten gegenüber Baukostenzuschußgläubigern entwickelt worden sind»; schon aus diesem Grunde keine Anwendung finden könnten« darauf hingewiesen, daß eine Verpflichtung zur RUckgewähr von Baukostenzuschüssen durch den Erwerber eines Grundstücks nur dann besteht, wenn der gezahlte Betrag* sei es auch nur ^.mittelbar, zuui Aufbau des Grundstücks verwendet worden ist* was der Mieter zu beweisen hat» Scslbst wenn also der Beklagte entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts einem Erwerber des Grundstücks gloichzustol len wäre* könnte er in jedem Balle nur dann auf Rückge-währ gezahlter Baukostenzuschüsse in Anspruch genommen werden, wenn die entsprechenden Mieter in der Lage wären, zu beweisen* daß die von ihnen hingegebenen Beträge bei dem Aufbau des Grundstücks Verwendung gefunden haben« In dieser Richtung ist aber von dem Beklagten nichts vorgetragen worden« Dessen hätte es umsomehr bedurft, als der Gemeinschuldner zwei Bauten gleichzeitig aufführte, von einer weit größeren Anzahl von Mietlustigen Baukostenzuschüsse erhalten hatte, als Wohnungen vorhanden waren, und Aufzeichnungen über die Verwendung der erhaltenen Beträge nicht gemacht wurden« Das Vorbringen des Beklagten geht lediglich dahin, daß er an sieben namentlich benannte Baukostenzuschußgläubiger nach Konkurseröffnung Leistungen bewirkt habe« Dagegen ist nicht dargelegt worden, aus welchen Gründen gerade diese Gläubiger von dem Beklagten Befriedigung haben verlangen können» Da der Vortrag des Beklagten unschlüssig ist, hätte das Berufungsgericht schon aus diesem Grunde nicht auf ihn einzugehen brauchen« Dem Berufungsgericht ist mithin jedenfalls im Ergebnis darin zu folgen, daß der Beklagte sich auf die von ihm angeblich an Bauko-stenzuschußgläubiger gezahlten Beträge gegenüber dem klagenden Konkursverwalter nicht berufen kann» biger jeweils erst nach Besprechung mit dem Notar Dr^ S|HIBun® im Einvernehmen mit diesem geleistet hätte., wie die Revision vorträgt, kann ungeprüft bleiben, denn der Beklagte hatte entgegen der Darstellung der Revision derartige Behauptungen in den TatSachenrechts-Zügen nicht aufgestellt„ Er hatte vielmehr lediglich geltend gemacht (Schriftsatz vom 24«» Juni ?960 So 3), der Notar und dessen Bürovorsteher hätten bei einer Rücksprache gegen diese Zahlungen keine Einwendungen erhoben o Aus diesem Vorbringen läßt sich aber nicht der von der Revision gezogene Schluß herleiten, daß der Notar, der nach dem eigenen Vortrag des Beklagten vorher dem Sinne nach geäußert hatte, er woxle mit der ganzen Angelegenheit nichts mehr zu tun haben, ein rechtlich hebliches Einverständnis mit den Zahlungen an bestimmte Baukostenzuschußgläubiger erklärt hat* Von einer Weiterabtretung der Forderung gegen den Beklagten an die Baukostenzuschußgläubiger durch den Notar kann an- , gesichts der vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen ebenfalls nicht die Rede sein« 4» Ob dem Beklagten ein Bereicherungsanspruch gegen den Kläger,zusteht, kann entgegen der Ansicht der Revision dahingestellt bleiben, denn der Beklagte durfte mit einem solchen Anspruch gegenüber der Klageforderung nicht aufrechneno Die Bereicherung der Konkursmasse kann hier nur in der Befreiung von Konkursforderungen bestehen, denn die Baukostenzuschußgläubiger waren entgegen der nicht näher begründeten Ansicht der Revision nichtbevorrechtigte Konkursgläubiger0 In einem solchen Falle ist die Rechtslage nach dem Sinn und Zweck des § 55 Nro 2 KO nicht anders, als wenn die Forderungen im Wege des gesetzlichen Forderungsübergango (etwa nach i 268 BGB) oder durch Abtretung auf den Dritten, hier Entscheidend ist, daß die Forderungen der Baukostenzuschußgläubiger, die der Beklagte erst nach Konkurseröffnung getilgt hat, vor der Konkurseröffnung in ihrer Person entstanden waren, Der Grundsatz der Gleichbehandlung der Gläubiger gebietet es, daß eine Aufrechnung nur zugelassen wird, wenn schon zur Zeit des Konkursbeginns Forderung und Schuld in ein und derselben Person begründet sind (Jaeger § 55 Annio 8) o Das war aber hier nicht der Pall, Deswegen ist dem Beklagten eine Aufrechnung mit einem angeblichen Bereicherungsanspruch zu versagen. Wie die Revision zutreffend erkannt hat, ist es entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts für die Entscheidung ohne Bedeutung, ob der Beklagte von KfllB ermächtigt worden ist, an die Baukostenzuschußgläubiger zu leisteno Auch wenn üf|0don Beklagten hierzu ermächtigt hatte, konnte er nach Konkurseröffnung durch Zahlungen an die Baukostenzuschußgläubiger seine Schuld mit Wirkung gegenüber der Konkursmasse nicht tilgen»