BGH · VIII ZR 39/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Juni 1961 übersandte die Klägerin der Beklagten ein schriftliches Angebot über die Lieferung von Lufterhitzern unter Beifügung ihrer Allgemeinen Lieferungsbedingungen. Aufgrund des Angebotes der Pa» üfUHB (Klägerin) vom 6.6o1961 wurde die Frage aufgeworfen, ob und zu welchen Bedingungen Auftrag auf Warmluftgeräte für obige Bauvorhaben von uns erteilt wird und zwar: September 1961 übermittelte die Klägerin der Beklagten eine "Auftragsbestätigung0 unter der Nr. 12.1122 mit folgendem Anschreiben: Ein Schreiben der Beklagten vom 21, September 1961 an die Klägerin befaßt sich unter Bezugnahme auf: "Unsere Bestellung vom 6,9o1961 - Ihre Kom, 12,1122" zunächst mit verschiedenen technischen Fragen und enthält am Ende folgende Bemerkung: Dezember 1961 eine Rechnung, in der auf die Bestellung der Beklagten vom 6«, September 1961 Bezug genommen wird«. Im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht war das Vergleichsverfahren aufgehoben;wordeno Das Landgericht hat die Beklagte zur Herausgabe der drei Lufterhitzer mit Zubehör verurteilt. der Allgemeinen Lieferbedingungen , die in diesem Punkt Vertragsinhalt seien, habe sich die Klägerin an den verkauften Gegenständen das Eigentum Vorbehalteno Die Allgemeinen Lieferbedingungen seien nur insoweit nicht Inhalt des abgeschlossenen Kaufvertrages geworden, als auf Verlangen der Beklagten entgegenstehende oder v/eitere Bedingungen in den Vertrag eingefiShrt seien. August 1961 mit den Worten: “Aufgrund des Angebots ..o vom 6o6o1961n auf jenes Angebot Bezug nahm, so müsse die Bezugnahme sich auch auf die Lieferbedingungen erstrecken. Bas gelte umsomehr, als der Beklagten die Lieferbedingungen der Klägerin bekannt waren und nicht ein Barkauf, sondern ein Teilzahlungskauf abgeschlossen wurde. Es wäre, so meint das Berufungsgericht, äußerst ungewöhnlich, wenn sich die Klägerin darauf eingelassen hätte, auf alle Sicherungen, die ihr sonst gegenüber Teilzahlungskunden zustanden, zu verzichten und der Beklagten von Anfang an die Lufterhitzer zu dem vollen Eigentum zu übertragen. Juni 1961 und die mit ihtn verbundenen Lieferungsbedingungen bedeutungslos sein solle, so hätten Treu und Glauben eine Klarstellung verlangt» Das gelte umsomehr, als das Schreiben der Klägerin vom 30» August 1961, auf das die Beklagte im Schrei ben vom 6« September 1961 verweist, mit den Worten "laut unserem Angebot11 zu dem Ausdruck bringe, daß jenes Angebot weiterhin Vertragsinhalt sein solle„ 2, Diese Auffassung des Berufungsgerichts bekämpft die Revision vergebens« Es handelt sich um die Auslegung eines Individualvertrages„ Die Auslegung ist deshalb im Revisionsverfahren• nur der beschränkten Nachprüfung darauf hin/zugänglich, ob sie unmöglich ist, gegen gesetzliche Auslegungsvorschriften oder anerkannte Auslegungsregeln verstößt oder Verfahrensvorschriften verletzt« Von alledem kann nicht die Rede sein« a) Die Revision meint, es sei unmöglich, daraus, daß es im Eingang der Aktennotiz heiße ^Aufgrund des Angebots vom 6»6«1961 wird die Frage aufgeworfen «.«", zu schließen, die dem Angebot beigefügten Lieferungsbedingungen seien Bestandteil der Aktennotiz und damit des endgültigen Vertrages geworden; denn die Anlage des Angebots sei mit diesem nicht wesensgleich« Mit diesem Vorbringen wendet die Revision sich in Wahrheit gegen die dem Tatrichter obliegende Vertragsauslegung« Das Berufungsgericht ist, wie der Zusammenhang der Entscheidungsgründe erkennen läßt, im Ergebnis der Auffassung, die in der Aktennotiz niedergelegten Vertragsbestimmungen seien zwar Inhalt des Kaufvertrages, sie gäben aber den Vertragsinhalt nicht erschöpfend wieder, sie hätten vielmehr nach dem Willen der Parteien nur an die Stelle der in den Lieferbedingungen enthaltenen Bestimmungen über Lieferzeit, Zahlung und Gewährleistung treten sol- Mit dieser Beschränkung seien, so meint das Berufungsgericht , auch die Lieferbedingungen der Klägerin Bestandteil des Vertrages geworden» Diese Auslegung ist möglich und läßt einen Hechtsirrtum nicht erkennen» o) Die Revision macht schließlich geltend, das Berufungsgericht habe verkannt, daß die Beklagte mit Schreiben vom 6» September 1961 klargestellt habe, sie erkenne die Lieferbedingungen der Klägerin nicht an» Das Berufungsgericht habe nämlich übersehen, daß die Beklagte in diesem Schreiben erklärt habe, sie bestelle unter der "ausschließlichen" Zugrundelegung ihrer Aktennotiz vom 29» August 1961 drei Lufterhitzer "in allen Details" entsprechend ihrer Aktennotiz» Dafür, daß das Berufungsgericht nicht den gesamten Wortlaut des Schreibens vom 6» September 1961 berücksichtigt hat, liegen indessen keine Anhaltspunkte vor. nur tennotiz aufgefährten Bestimmungen/- insoweit allerdings ausschließlich - an die Stelle der entsprechenden in den Lieferbedingungen enthaltenen Bestimmungen treten sollten* Bas folgert das Berufungsgericht aus der Wendung des Schreibens vom 6„ September 1961, daß im übrigen dor Inhalt des Schreibens der Klägerin vom 30* August 1961 Vertragsbestandteil sei0 In diesem Schreiben (gemeint ist das zweite Schreiben dieses Tages) war auf das Angebot dor Klägerin, dem ihre Lieferbedingungen beigelegen hatten, Be zug genommeno Biese tatrichterliche Würdigung ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden» Auch die Auffassung des Berufungsgerichts, angesichts des kaufmännischen Brauches, sich bei riskanten Teilzahlungsverkäufen das Eigentum an der Kaufsache vorzubehalten, hätten Treu und Glauben eine Klarstellung verlangt, wenn die Beklagte auf die in den Lieferungsbedingungen enthaltene Abrede des Eigentumsvorbehalts hätte ausschließen wollen, stellt eine zulässige Würdigung des hier in frage stehenden Vertragswerkes durch den Tatrichter dar» Einen allgemeinen Rechtsgrundsatz über die Verpflichtung zu einer Erklärung stellt das Berufungsgericht entgegen der in der mündlichen Verhandlung vertretenen Ansicht der Revision nicht auf* Unter diesen Umständen brauchte das Berufungsgericht nicht davon auszugehen, daß die Beklagte mit ihrem Schreiben vom 6» September 1961 klargestellt habe, sie erkenne I, Hilfsweise macht die Beklagte geltend, die Kaufpreis-reetf orderung der Klägerin sei durch Aufrechnung mit einer Schadensersatzforderung beglichen worden« Gegenstand des Revisionsverfahrens ist dabei nur noch folgender Sachverhalts Die Klägerin hatte sich bei den Verhandlungen, die zu dem Abschluß des Kaufvertrages Über die drei Lufterhitzer führten, verpflichtet, der Beklagten die Metallbau- und Schlosserarbeiten und die Herstellung von Kunststoff-Fenstern für den im Jahre 1962 auszuführenden Bau einer Halle in den Ausmaßen von 80 x 25 x 7*50 n zu übertragen, Biese Halle war bis zur letzten mündlichen Verhandlung der Berufungsinstanz noch nicht errichtet worden, Bie Klägerin hat nach der Feststellung des Berufungsgerichts jedoch von dem Plan noch nicht entgül-tig Abstand genommen; sie beabsichtigt, den Bau zu gegebener Zeit noch auszuführen. Das Berufungsgericht legt die Vereinbarung der Parteien, die es in erster Linie als Vorvertrag v/ertet, dahin aus, daß die Parteien den Vertrag unter der auf schiebenden Bedingung der tatsächlichen Errichtung der vorgesehenen Halle geschlossen habeno Die Zusage der Klägerin habe nicht bedeutet, daß die Klägerin verpflichtet werden sollte, den Auftrag auf jeden Pall auch dann zu erteilen, wenn sie aus geschäftlichen oder sonstigen vertretbaren Gründen von einem Bau im Jahre 1962 odor überhaupt absehen wolle,, Die Beklagte habe keinen Anspruch auf eine Auftragserteilung, solange ein Auftrag auch nicht an andere Unternehmer erteilt werde„ Ein Schadens-ersatzanspruch, so meint das Berufungsgericht, sei deshalb mindestens zur Zeit noch nicht begründet0 Die Klägerin befinde sich nicht im Verzüge, weil die Voraussetzungen, unter denen sie ihre Verpflichtung zu dem Abschluß eines Vertrages erfüllen müsse, noch nicht oin-getreten seien«. Daß die Klägerin etwa absichtlich die Halle nicht oder in anderer Weise gebaut habe, um sich ihrer Verpflichtung zu entziehen, sei weder von der Beklagten vorgetragen noch sonst erkennbar• Die Revision meint, da die Klägerin sich überhaupt weigere, der Beklagten den zugesagten Auftrag zu ertei len, und zwar selbst dann, wenn die große Halle erbaut Dieser Auffassung der Revision kann nicht gefolgt werden o Es mag dahingestellt bleiben, ob wirklich ein Vorvertrag gegeben ist, oder ob nicht nur, wie auch das Berufungsgericht erwägt, die Klägerin sich verpflichtet hatte, die Beklagte zur Abgabe eines Angebots aufzufordern und es anzunehraen, wenn es sich im Rahmen angemessener Preise hielt, In jedem Pall -setzt der geltend gemachte Schadensersatzanspruch der Beklagten voraus, daß ihr in gegenwärtigen Augenblick bereits ein Schaden entstanden isto Die Beklagte will, und das ist auch der Ausgangspunkt eines Schadensersatzanspruches aus § 326 BGB, so gestellt werden, wie wenn die Klägerin ihre Verpflichtung erfüllt oder das Vertragsverhältnis jedenfalls nicht durch Erfüllungsverweigerung gefährdet hätte0 Selbst wenn die Klägerin sich so verhalten hätte, wie die Beklagte es verlangt, doho die künftige Erfüllung * des Versprechens nicht verweigert hätte, wäre der Beklagten aber irgend ein Gewinn aus der zugesagten Übertragung der Bauarbeiten bisher nicht zugeflossen, weil die Bedingung, daß die Halle errichtet werde, noch nicht eingetreten istp Die Auffassung der Revision läßt sich möglicherweise dahin verstehen, daß in entsprechender Anwendung des §162 BGB eine Bedingung als eingetreten zu gelten habe, wenn die Partei, zu deren Nachteil der Eintritt der Bedingung gereichen würde, durch ein gegen Treu und Glau- Wird unterstellt, daß die Klägerin sich an der Zusage, der Beklagten den Bauauftrag zu erteilen, festhalten lassen muß, so könnte die Weigerung, ihre Verpflichtung in Zukunft zu erfüllen, zwar die Beklagte möglicherweise berechtigt haben, sich ihrerseits von etwaigen Verpflichtungen loszusagen* Damit hat die Klägerin aber nicht den Eintritt der Bedingung, nämlich den Bau der Halle, vereitelt* Vielmehr gilt die Weigerung der Klägerin gerade für den Fall des Eintritts der Bedingung* Vereitelt könnte die Klägerin allenfalls den Fortbestand der Vereinbarung und damit den Eintritt der Hechtsfolgen haben, die hach dem Willen der Parteien an den Eintritt der Bedingung geknüpft waren* Eine solche Störung des zwischen den Parteien bestehenden Rechtsverhältnisses kann aber, wie oben ausgeführt ist, höchstens zu einem Schadensersatzanspruch der Beklagten für den Fall führen, daß die Bedingung eintritt* Für eine “Fiktion” des Eintritts einer Bedingung im $inne des § 162 BGB ist nur Raum, wo die Bedingung tatsächlich nicht eintreten kann, nicht aber, wo der Eintritt noch möglich ist und der Schwebezustand an-daüerto Es kann deshalb dahingestellt bleiben, ob es nicht auch an der Voraussetzung eines gegen Irou und Glauben verstoßenden Verhaltens der Klägerin fehlen würde (vgl* hierzu Urt. des erkennenden Senats vom 6* Februar 1967 - VIII ZR 183/64-)* Vorbehalts dio Herausgabe der Kaufsache fordern und sei nur verpflichtet, sie dem Käufer Zug um Zug gegen Zahlung des Restkaufpreises wieder herauszugeben, läßt einen Rechtsirrtum nicht erkennen»