BGH · VIII ZR 25/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
fr Ist der Mieter für zwei aufeinander folgende Termine mit der Entrichtung des Mietzinses in Verzug geraten und hat er dann den Vermieter befriedigt, so hat der Mieter, der deshalb die wegen seiner Säumnis vom Vermieter erklärte Kündigung nicht, gelten lassen will, zu beweisen, daß er befriedigt hat, bevor die Kündigung erfolgt ist. hat der VIII, Zivilöenet des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 28«, Juni i960 unter Mit-wir kung d es S enat©Präsidenten Dr.Pag end arm und d er Bundesrichter Art 1, Pr«Spieler, Dr. Mezger und Dr«Messner für Recht erkannt; - Dann hat es Beweis darüber erhoben, ob die Beklagte die rückständigen Mietzinsen am 17« Oktober 1956 bezahlt hat, bevor ihr die Kündigungsschreiben der Klängerinnen vom gleichen Jage zugegangen sind, und ob diese Schreiben ihr nicht schon um 14.50 Uhr, sondern erst um 15.20 Uhr zugestellt worden sind« darauf hat das Oberlandesgericht die Berufung der Beklagten gegen die beiden Urteile des Landgerichts zurückgewiesen„ 1, Wach Auffassung des Berufungsgerichts liegt der Beklagten der Beweis dafür ob, daß sie die Mietzinsen für die Monate August und September 1956 auf den Bankkonten der Klägerinnen am 17, Oktober 1956 eingezahlt habe, bevor ihr an diesem Tage' die Kündigungsschreiben der Klägerinnen zugegangen sind« Das Berufungsgericht hat diesen Beweis niehir als erbracht* angesehen. Denn die Beklagte habe nicht bewiesen, daß das Geld bei der Bank eingezahlt worden sei, bevor ihr die Kündigungsschreiben zugegangen seien. II, 1,) Die Revision rügt folgendes: Wie das Berufungsgericht verkannt habe, sei es Sache der Klägerinnen zu beweisen, wann der Beklagten die Kündigungsschreiben zt\-gogangen seien. zwei aufeinander folgende Termine mit der Entrichtung des Mietzinses in Vorzug geraten ist* In Durchbrechung dieses Grundsatzes ist in § 554 Abs* 1 Satz 2 BGB aus Billigkeitserwägungen zugunsten des Mieters bestimmt, daß die Kündigung dann ausgeschlossen ist, wenn der Mieter den Vermieter befriedigt, bevor die Kündigung erfolgt ist* Nach den Regeln der Beweislastverteilung liegt dem Vermieter der Beweis für den Sachverhalt ob, durch den die dem Vermieter bereits erwachsene Kündigungsbefugnis (RGZ 150,23S) vernichtet worden ist* Es ist demnach Sache des Mieters zu beweisen, daß er nicht mehr säumig war, als ihm die Kündigung zügegangen ist (§ 130 BGB)* Der Sachverhalt, durch den Ausschluß der Kündigungsbefugnis herbeigeführt wird, kann also entgegen der Ansicht der Revision hinsichtlich der Beweislast nicht etwa derart aufgespalten werden, daß zunächst der Vermieter - falls der säumig gewordene Mieter bezahlt hat - den Zeitpunkt der Kündigung behaupten und beweisen müßte mit der Folge, daß es auf den Zeitpunkt der Zahlung überhaupt nicht mehr ankäme, wenn der Vermieter jenen Beweis nicht zu führen vermocht hätte, - Vielmehr hat der Mieter ein ihm im Sinne von § 554 Abs, i Satz 2 BGB günstiges zeitliches Verhältnis der Zahlung zur Kündigung zu beweisen, ohne daß es auf die Feststellung dar absoluten Zeitpunkte ankäme, an denen gezahlt und gekündigt worden ist. stollungsurkunden hinsichtlich der darin enthaltenen Zeitangabe "14 50 Uhr" festgestellt habe - meint, es sei Sache der Klägerinnen zu beweisen, wann denn nun eigentlich zugestellt sei«, Ihnen würde vielmehr nur der Beweis dafür obliegen, daß die Kündigungen der Beklagten überhaupt zugegangen seien, wenn das nicht unstreitig wäre. seht zu dem Ergebnis gelangt, daß es auf die Uhrzeit d»r Zustellung nicht ankommt, Denn hach der von der Revision nicht bemängelten Y/ürdigung, die die Zeugenaussagen im angefochtenen Urteil erfahren haben, kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, daß erst nach den Zustellungen gezahlt worden ist. 2,) Die Revision bemängelt es noch als Verstoß gegen § 286 Z5?Ö, daß Käthe Schf|HB|9 und der Gerichtsvollzieher nicht als Zeugen über die Darstellung der Beklagten vernommen werden seien, nach der erst um 15o20 Uhr zugestellt worden Sei, Die Küpe ist gegenstandslos; denn beide Personen haben - der Gerichtsvollzieher sogar zweimal - gemäß dem Beweisbeschluß des Berufungsgerichts vom 5, Mai 1959 zu dieser Behauptung ausführlich bekundet.