BGH · VIII ZR 23/66
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a) Hat ein Schuldner die Sicherung der Porderung zugecagt3 go stellt eine dem Gläubiger später gewährte Sicherung eine inkongruente Deckung dar, wenn die Abrede so unbestimmt v;nr? Der VIIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 3» April 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br«, Haidingcr sowie der Bundesrichter Br» Gelhaar, Dr0 Mezger, Br» Messner und Mormann für Hecht erkannt: Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 11p Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 23o November 1965 aufgehobene Die Sache wird zur anderv/eiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an den 2» Zivilsenat des Berufungsgerichts zurückverwiesen• in Zahlungsschwierigkeiten» Seine Grundstücke in Karlsruhe und Frankfurt kamen zur Zwangsversteigerungo Das Franlcfurter Grundstück wurde am 12» Juli 1961 dem Er-steher zugeschlagen» Termin zur Verteilung des Erlöses stand am 6„ September 1961 ane Schon vor dem Termin hatte sich ergeben, daß die im Grundbuch unter Hr» 18 und 19 eingetragenen Hypotheken nicht voll valutiert waren und Eigentlimergrundschulden in Höhe von insgesamt 18 965?87 D£ entstanden waren0 Das Finanzamt Karlsruhe-Stadt reichte am 4o September bei dem Vollotreckungsgei’icht die Er3clü-rung ein3 daß der dem Schuldner aufgrund des Ver- teilungsplaneo zustehende Betrag für.die entstandenen EigentümergrundschuIden gepfändet werde und das Finanzamt die gepfändete Forderung einziehen könne« Im Verteilungstermin wurde beschlossen, den Betrag von 18 965 o87 DH dem Schuldner bedingt für den Pall zuzuteilen, daß eine wirksame Pfändung durch das Finanzamt nicht erfolgt ist oder der Widerspruch des Finanzamts nicht für begründet erklärt wird« Der Beklagte ist einer der Gläubiger des Kaufmanns Ihm standen Ansprüche in einer den Betrag der Eigentümergrundschulden übersteigenden Höhe zu, über die er Schuldtitel nicht besäße Mit einer zu seinen Gunsten im Grundbuch unter Nra 25 eingetragenen Grundschuld über 20 000 DM war er im Zwangsversteigerungsverfahren ausgefallene Ende August oder Anfang September 1961 - der Tag ist umsti'itten - ließ sich der Beklagte die Ansprüche des Schuldners aus dem Zwangsversteigerungsverfnh- Der Kaufmann wiederholte seine Unterschrift am 60 September 1961 vor einem Notar in Karlsruhe, der sie beglaubigteo Der Beklagte legte die Abtretungserklärung noch am selben Tage nach Schluß des Verteilungstermins dem Vollstreckungsgericht vor*. Auch die Klägerin ist Gläubigerin des Kaufmanns Sie hatte im Jahre I960 Schuldtitel über mehr als 30 000 DM erwirkt« Berner hatte T^|^ sich in voll'-strecJcbarer Urkunde zur Zahlung von 70 000 DM an die Klägerin verpflichtet0 Ebenfalls am 6o September 1961 nach Schluß des Verteilungstermins stellte die Klage-rin dem Vollstreckungsgericht eine sich auf den Aussah-lungsanspruch des Schuldners T|^^ beziehende Pfündungs« ankiindigung nach § 845 ZPO zu0 Die Forderungspfändung erfolgte fristgeraäßo Das Vollstreckungcgericht beschloß am 60 September 1961 nachträglich, daß mit Rücksicht auf die Abtretungserklärung des vom 25<, August 1961 der Erlös in Hö- Befriedigung der Klägerin geführte Sie ficht mit der Klage die Abtretung noch dem Anfechtungsgesetz an und begehrt die Verurteilung des Beklagten zur Zahlung von 18 965587 DM nebst Zinsen0 Ip Bas Berufungsgericht hat die Klage abgev/iesen, weil die Klägerin nicht bev/ieaen habe, daß der Schuldner in der Absicht gehandelt habe, seine Gläu- biger zu benachteiligen Es hat dahingestellt sein lassen 5 ob der Beklagte gegen einen Anspruch auf Abtretung gehabt hnbe0 Jedenfalls habe dieser, so meint das Berufungsgericht5 angenommen und annehmen dürfen, daß die Tatbestandsmerkmale eines kongruenten Deckungsgeschäftes vorlägen3 zu demindest könne ihm das nicht widerlegt werden«. Der Beklagte behaupte nämlich unwiderlegt 3 habe ihm zugesagt, seine, des Beklagten, Forderung unter allen Umständen ausreichend abzusichern und zu erfüllen, zu demal eine bei den Posten 1fr«, 18 und 19 zugunsten der Grundschuld Hr0 25 des Beklagten vereinbarte Löschungsvormerkung abredewiurig nicht eingetragen worden sei0 Die Abtretung der Ansprüche aus der Zwangsversteigerung sei zahlungshalber erfolgt0 Damit habe der Beklagte aus der Sicht des Schuldners wirt-schaftlich gesehen weniger erhalten, als ihm geschuldet gewesen sei» Allenfalls habe der Schuldner das Bewußtsein gehabt, mit der Abtretung die verbleibende Zugriffsmasse zu beschränken«, Bas reiche aber zur Begründung des Vorsatzes, auch des bedingten, seine Gläubiger zu benachteiligen, nicht aus0 Auch die Begleitumstände genügten nicht, um die Annahme zu begründen, habe die Gläubiger benachteiligen wol- len 0 Insbesondere sei nicht erwiesen, daß die Abtretung erst am 6» September 1961 erfolgt, aber auf den 25o August 1961 rückdatiert worden sei» Wach alledem könne auch nicht festgestellt werden, daß der Beklagte von einer Benachteiligungsabsicht des Kennte nis gehabt habe» IIo Biese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht Stande Bas Anfechtungsgesetz kennt zwar anders als die Konkursordnung keine Beweislast des Anfechtungsgegners bei Rechtsgeschäften, die eine Sicherung oder eine Befriedigung gewahren, die der Gläubiger nicht oder nicht in dieser Art und nicht zu dieser Zeit zu beanspruchen hat (inkongruentes Deckungsgeschäft in weiterem Sinn)» Indessen ist die Tatsache, daß ein in Verraögensverfall geratener Schuldner einem einzelnen Gläubiger eine inkongruente Sicherung oder Befriedigung gewährt, in der Regel ein Beweisanzeichen dafür, daß die Handlung von dem Bev/ußtsein getragen ist, die übrigen Gläubiger würden infolge der Bevorzugung dieses einzelnen Gläubigers benachteiligt werden (Urteil des erkennenden Senats vom 11«, Januar 1961 - VIII ZR 203/59 - WM 1961, 387, 388)* Sieht der Schuld-ner aber die Benachteiligung als mögliche Folge voraus, so ist die Gewährung der inkongruenten Deckung nach ständiger Rechtsprechung auch ein wesentliches Beweisanzeichen dafür, daß sein Wille auf eine Benachteiligung der Übrigen Gläubiger gerichtet ist (Urteil des erkennenden Senats vom 6„ Februar 1961 - VIII ZR 37/60 - WM 1961 , IIIo Im Anfechtungsstreit kann daher grundsätzlich nicht dahingestellt bleiben, ob der Schuldner dem Gläubiger eine inkongruente Deckung gewährt hat oder ob der Gläubiger erhalten hat, was er zu beanspruchen hatte o Das Berufungsgericht glaubt einer Entscheidung enthoben zu sein, weil der Schuldner angenommen habe und habe annehmen dürfen, daß er nur seine Verpflichtung erfülleo Gegen diese Auffassung wendet die Revision sich mit Rechte Io Von dem Ausgangspunkt, daß es darauf, ob die Abtretung ein inkongruentes Deckungsgeschäft sei, nicht ankomme, können einmal die Beweiswürdigung des Berufungsgerichts und seine zur KlageAbweisung führenden Feststellungen beeinflußt sein* 2«, Das Berufungsgericht neigt zu der Annahme9 es liege ein Erfüllungsgeschäft vor9 weil der Schuldner verpflichtet gewesen sei9 dem Beklagten die von diesem gewährten X-eiotungen mit Rücksicht auf das Scheitern der geplanten Zusammenarbeit und seinen* des X^^* wirtschaftlichen Zusammenbruch zu erstatten* doho zurückzuzahlen oder zu sichern* Die Auffassung* es könne ein.-Erftlllungsgeschäft gegeben sein* ist irrig* Anspruch auf Zahlung v/ar wertlos, weil der Schuldner Barmittel nicht besaß* Aus der Forderung des Schuldners auf Zuteilung eines Betrages im Zwangsversteige-rungsverfahren vermochte der Beklagte, der keine Schuldtitel besaß und keine Pfändung ausbringen konnte, sich nicht su befriedigenp Erst die - angeblich am 25* August 1961 erfolgte - Abtretung der Forderung gab ihm die I4ög~ lichkeit, ungeachtet der von der Klägerin ausgebrachten Pfändung der Forderung des Schuldners seine Befriedigung aus dieser Forderung Anfang November 1961 su finden0 Pie Abtretung einer Forderung erfüllungshalber ist, v/eil der Schuldner auf eine Befriedigung dieser Art keinen Rechts* Anspruch hat, ein inkongruentes Deckungsgeschäft (ebenso RG WarnRspr 194-0 Nr* 112; Mentzel/Kuhn, Konkursordnung 7o Auflo § 30 AniDo 4-7; für Leistung an Erftillungs Statt; Böhle/Stamschräder, Anfechtungsgesetz 3* Auflo § 3 Anm, I 6; Warneyer/Bohnenberg, Anfechtungsgesets § 3 Antru XI 3 S, 91» Jaeger, Die Gläubigeranfechtung außerhalb des Konkursverfahrens 20 Auflo § 3 Anm„ 18) „ b) Das Berufungsgericht scheint eine Verpflichtung des Schuldners zur Abtretung seiner Forderung auch daraus herzuleiten, daß die unter Nr* 18 und 19 eingetragenen Hypotheken zugunsten der für den Beklagten unter Nr* 25 eingetragenen Grundschuld mit einer Löschungsvormerkung hätten belastet werden sollen, diese Vormerkung aber abreüewidrig nicht eingetragen worden seio Es meint wohl, der Beklagte hätte, wenn die Eintragung der Löschungsvormerkung erfolgt .wäre, ein Recht auf Auszahlung des auf die Eigentiimergrundschuld entfallenden Erlöses gehabt* Eine solche Auffassung wäre aber unrichtig. sehen dem belasteten und dem begünstigten Grundpfandrecht andere Grundpfandrechte (sogenannte Zwischen-rechte) eingetragen sind, nur ein Hecht auf Überlassung des auf die Eigentümergrundschuld entfallenden Erlösanteils9 der nach Berücksichtigung der Zwischen-rechte übrig bleibt» Er gibt dagegen nicht ein v;e it ergehendes Recht auf Rangrücktritt oder Abtretung der Eigentümergrundschuld (BGHZ 25, 382, 385 ff)* Daher hat der durch die Löschungsvormerkung begünstigte Grundpfandrechtsgläubiger beim Vorhandensein von Zwischenrechten, auch v/enn diese nicht durch eine lö-schungsvormerkung begünstigt sind, nur insoweit Anspruch auf den auf die Eigentümergrundschuld entfallenden Erlösanteil, als er auch bei vor dem Zuschlag durchgeführter Löschung der Eigentümergrundschuld zu dem Zuge gekommen wäre (BGHZ 25, 382, 585 ff; 39, 242, c) Das Berufungsgericht stellt schließlich fest, der Schuldner habe dem Beklagten zugesagt, des- sen Forderung unter allen Umständen ausreichend abzu-sicherno Diese Verpflichtung, so glaubt das Berufungsgericht, habe durch die Abtretung erfüllt oder mindestens erfüllen wollen» Hat ein Schuldner sich gegenüber seinem Gläubiger zur Stellung bestimmter Sicherheiten verpflichtet, so stellt die Einräumung der Sicherheiten allerdings eine kongruente Befriedigung dar» So liegt hier der Fall indessen nicht» Das Berufungsgericht läßt sich nicht darüber aus, welchen Inhalt die Zusage des Schuldners 330^1 gehabt haben soll» Die behauptete Vereinbarung übertrug nicht bereits Sicherungsgut, sondern bildete nicht um unverbindliche Redereien handelte« Jedenfalls ist aber die von dem Schuldner angeblich geschulde te Sicherung des Gläubigers weder bestimmt? Der Bundesgerichtshof führt aus, innerhalb des Bereiches der bankmäßigen Sicherheit sei der Sicherungsanspruch der Bank unbestimmt« Pur das Verlangen nach Sicherheitsleistung gälten die Vorschriften der §§ 232 bis 240 BGB entsprechend« Die Bank habe nur einen Anspruch auf die Bestellung der Sicherheit schlechthin und der Schuldner die freie Wahl unter den in Betracht kommenden Sicherheitsraitteln0 Die Bank habe daher die Bestellung der streitigen Grundschuld nicht beanspruchen können und bei der im Interesse der Konkursgläu-biger gebotenen engen Auslegung des Begriffes der kongruenten Deckung eine inkongruente Deckung erhalten« Diese Entscheidung ist zwar nicht ohne Widerspruch geblieb en0 Scholz (NJW 1961, 2006) meint, aus dem Begriff der "bankmäßigen" Sicherheit ergebe sich, daß die Verpflichtung des Schuldners zur Sicherheitsleistung eine beschränkte Gattungsschuld dorstcHe« Eine Sicherung aus dem Kreise derjenigen Sicherheiten, die im Bankverkehr üblicherv/eise zur Grundlage von Kredit gemacht würden, habe die Bank von Anfang an zu beanspruchen«. Im übrigen liege eine kongruente Deckung vor, wenn der Gläubiger eine Leistung annehmen müsse, weil sie in den Rahmen passe, der von dem Anspruch des Gläubigers umfaßt sei« Ob diese Bedenken begründet sind, braucht hier nicht entschieden zu v/erden« Im vorliegenden Fall war v/eder der Kreis der Güter festgelegt, aus dem der Sicherungsgegenstand entnommen werden sollte, noch v/ar ist nicht vor getragen und schwerlich anzunehtnen, Würde bei einer so gestalteten vagen Verpflichtung des Schuldners der Gläubiger einen Anspruch haben? daß hier der Beklagte auf die Abtretung der Forderung aus der Zwangsversteigerung keinen Rechtsanspruch hatte und daß deshalb die Abtretung eine inkongruente Sicherung war* habe sich im Hechtsirrtura über seine Verpflichtung zur Sicherung befunden sondern daß der An-fechtungsgegner eine auf den Anläße die Zeit und die begleitenden Umstände hin nachprüfbare Sachdarstellung geben muß? weil er infolge des Ausfalls seines Sicherungsrechtes (gemeint ist wohl die Grundschuld) auf den Erlös aus der Zwangs-Versteigerung einen Anspruch gehabt habe* Baß eine Sicherungsabrede in der vom Berufungsgericht festgestellten Art getroffen sei? HIch habe vorgehabt:, durch die Abtretungscrklä-rung die Forderung des Beklagten zu befriedigen, weil mir der Beklagte in einer schwierigen Zeit mit Geld ausgcholfen hat und v/eil ich wußte, daß er sich (Zeitpunkt der Abtretung) nicht in rosigen Verhältnissen befanda Ich hatte nicht die Absicht, damit einen Gläubiger zu benachteiligen« Ich wollte allerdings auch den Beklagten anderen gegenüber nicht bevorzugen«n Danach hätte der Schuldner ‘i^pl zwar die Darlehensforderung des Beklagten befriedigen wollen; darüber aber, daß er eine Sicherungszusage habe erfüllen wollen, hat er nichts bekundet« Das Berufungsgericht, an das die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung zuriickverv/iesen werden muß, wird unter diesen Umständen auch zu prüfen haben, ob nicht allein der'-Wille, einem Gläubiger wegen dessen angespannter Vermögenslage eine nicht geschuldete Sicherung sukom-men zu lassen, durch die nach Lage der Sache andere Gläubiger zurückgesetzt werden müßten, bereits eine Benachteiligungsabsicht in sich 'bergen kann« IVo Da die Sache erneut verhandelt werden muß, bedarf es keines näheren Eingehens auf die .weiteren von der Revision erhobenen Verfahrensrügen, insbesondere zu der Frage, ob die Darstellung des Zeugen des Rechtspflegers des Vollstreckungsgerichts, über sein Gespräch mit dem Beklagten am 5« September 1961 zu dem Schluß nötigt, der Beklagte habe erst an diesem Tage durch den Zeugen von dem Anspruch des Schuldners aus den Eigentümergrundschul-den erfahren und ob die Abti’etungserklärung daher daß die Abtretung erst am 5* September 1961 erfolgt ist* Roch in seinem Schriftsatz vom 26o Januar 1963 des zweiten Rechtszuges hat der Beklagte vorgetragen?