BGH · VIII ZR 20/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Von Rechts wegen Tatbestands Die Firma van & de B^^ Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Stroithelforin) züchtet und vertreibt Saatgut für den landwirtschaftlichen Gemüseanbau*, Sie ist in der Sortenschutzrollc als Inhaberin des Sortenschutzes für die Bucchbohncn-sorte ”Favorit” eingetragen«, Die Klägerin und der Beklagtep der im Rechtsstreit als Beklagter zu 1 bezeichnet worden istphandcln mit Saatgut«, bc-zogo Bei einer Besprechung im Februar 1962 will die Klägerin durch ihren Prokuristen Hans den Beklagten darauf hingowioccn haben, daß er zwar Buschbohnensaatgut der Sorte “Koncerva“ erhalten könne, jedoch vorher klarstellcn müsse, daß die Firma van & de B^^ GmbH mit solcher Belieferung einverstanden sei und keine Ansprüche wegen etwaiger Verletzung der für die Sorte ‘'Favorit” bostcheiidcn Sortenschutzrechte erhoben würden, Hit Schreiben vom 9„ Llärz 1962 bestätigte die Klägerin dem Beklagten unter Bezugnahme auf deren letzte telefonische Unterredung, ihm aufgrund\Ührer “umscitigen Lieferungsbedingungen Buschbohnen“ “Konsei’va o Jo11 verkauft zu haben, Die in Bezug genommenen Allgemeinen Lieferungsbedingungen der Klägerin enthielten zu Nr. 10 die Klauseis Ber Vertrieb des gelieferten Saatgutes verstoße daher gegen § 6 des Saatgutgesetzeo, Bies teilte der Beklagte mit Schreiben vom 19, Mai 1962 der Klägerin mit und bat sie, ihm den Hachv/eis zu erbringen, daß cs sich Der Beklagte zu 1 hat eingowendet, er habe mit Schreiben vom 24o März 1962 gegen die Allgemeinen Lieferbedingungen der Klägerin protestiert und auch mündlich in einem Telefongespräch am 23 o Marz 1962«, Durch die Verletzung des Sortenschutzrcchtcs der Firma van & de GmbH sei dieser Schaden in Höhe des entgangenen Gewinns und weiterer Schaden entstanden«, Mit deren Ansprüchen werde aufge-rechneto Die Streithclfcrin hat diese Einwendungen mit weiterer Begründung ergänzt und am 3» März 1964 ihre Schadenoersatzansprüche wegen Verletzung ihrer Sortenschutzreehtc hinsichtlich der Sorte "Favorit" in Höhe der eingcklagtcn Beträge an den Beklagten zu 1 und den Kaufmann Hans (Beklagter zu 2) abge- Das Oberlandesgericht hat dagegen auf die Berufung der Klägerin den Beklagten zu 1 zur Zahlung von insgesamt 21 168 DM nebst 5 $ Zinsen seit dem 22o Juni 1962 verurteilt„ die weitergehende Klage abgcwieccn und seine Anschlußberufung zurückgcwicscn«. Dagegen richtet eich die Revision des Beklagten zu 1 und der Strcithclfcrin« Beide erstreben die Abweisung der Klage gegen den Beklagten zu 1, während die Klägerin die Zurückweisung des Rechtsmittels beantragte Entschcidungsgrühdes Io Bas Oberlandcsgericht hat angenommen, der Eeklagte könne mit einer Gegenforderung nicht anf-reefcnen, weil nach den Allgemeinen Lieferungsbedingungen der Klägerin, die Vcrtragsinhalt geworden seien, die Aufrechnung ausgeschlossen sei« Ber Beklagte habe diese Bedingungen,auf die ihn die Klägerin in dem Schreiben vom 9° März 1962 hingewiesen und die er erhalten habe, nicht beanstandet« In seinem Schreiben vom 24° März 1962, i2i dem er einleitend bemerkte, daß er an Tage zuvor eine Teilpartie von 4 5ÖO kg Buschbohnen der Sorte "Konscrva Spezialzucht o0IV% die ihn unter dem 21« März in Rechnung gestellt worden waren, erhalten habe, habe der Beklagte zwar erklärt, er sei mit den ihm aufgegebenen Bedingungen noch nicht einverstanden« Biese Erklärung sei jedoch dahin zu verstehen, daß der Beklagte damit nur die in den beiden Rechnungen vom 210 März 1962 genannten Zahlungsbedingungen gemeint habe« Es sei nicht ersichtlich, daß seine Beanstandung . gegen die ihm schon länger bekannten Lieferungsbedingungen der Klägerin gerichtet gewesen sei« Im übrigen habe der Beklagte nicht bestritten, daß diese Allgemeinen Lieferungsbedingungen im Samenhandel allgemein üblich seien® Mit diesen Erwägungen und Beanstandungen kann die Revision nicht Erfolg habcn0 Denn sic gohon daran vorbei, daß die Klägerin dem Beklagten ausdrücklich erklärt hatte, für den ihm mit Schreiben vom 9» März 1962 bestätigten Abschluß sollten ihre Allgemeinen Lieferungsbedingungen gelten und daß der Beklagte nach den Feststellungen des Berufungsgerichts diesem Verlangen nicht widersprochen hato Y/enn er sieh dagegen wenden wollte, daß die Allgc- Ein solcher Widerspruch ist nicht fcstgcctollt und nach der eigenen Einlassung des Beklagten jedenfalls nicht unverzüglich gegenüber dem Schreiben vom 9° März 1962 erhoben worden« In der Klagebeantwortung vom 16« Juli 1962 hatte der Beklagte swar behauptet, er habe bei dem in seinem Schreiben vom 24° März 1962 erwähnten Telefongespräch (vom 23o März) unmißverständlich zu dem Ausdruck/* gebracht, daß er die Geschäftsbedingungen grundsätzlich nicht anerkenne« Er habe sich zu dem Beweise für diese Behauptung auf Parteivernehmung bezogen« Bas Berufungsgericht hat dieses Beweisangebot für unbeachtlich erklärt« Als Antrag auf Partcivernchmung sei es nicht schlüssig, weil das behauptete Telefongespräch mit dem Prokuristen der Klägerin geführt worden sei« Zudem habe der Beklagte den Antrag im zweiten Rechtezuge nicht'wiederholt«’Das Berufungsgericht habe dem Antrag auch nicht zu entnehmen brauchen, daß hiermit die Vernehmung des Prokuristen bean- Beklagten noch von der Streithelferin genehmigt worden würdeo Bei einer solchen groben Vertragsverletzung sei die Berufung auf den Ausschluß der Aufrechnung rechts-mißbriiuchlicho Bern kann nicht gefolgt werden„ Wie die Revision selbst cinräumt., war cs dem Beklagten und der Strcit-bclferin nicht möglich, sofort.zu erkennen, daß das gelieferte Saatgut der Sorte ’’Favorit” zuzurechnen seio Bas sei erst durch den Vcrgleichsanbau zutage getreten» Unter diesc2i Umständen fehlt es auch an einem ausreichenden Anhalt dafür, daß sich die Klägerin bei der Lieferung dessen bewusst gewesen sei, sie verletze mit der Lieferung ein fremdes Sortenschutzrocht0 Im übrigen hat die Klägerin dem Beklagten nach den Feststellungen des Berufungsgerichts auch erklärt, sie wolle nicht in einen Sortenstreit mit der Streithelf erin verwickelt werden, so daß der Beklagte auf eine solche Möglichkeit hingewiesen worden war» unter diesen Umständen verstößt es nicht gegen Treu und Crlauben, wenn sich die Klägerin auf den vereinbarten Ausschluß der Aufrechnung beruft»