BGH · VIII ZR 18/57
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BnergiewirtschaftsG y, 13® Dezember 1935 (RGBl I 1451) idF Vö 29* Juli 1941 (RGBl 1 467) § 6 Rechtssatzs Ist ein Energieversorgungsunternehmen verpflichtet, einem Betrieb für vertraglich bestimmte Betriebs-raurae elektrischen Strom zu liefern und übernimmt es, nachdem dieser Betrieb aus einem in seinem Ri-sikobereich liegenden Grunde eingestellt worden ist, auf Grund einer Anschluß- und Versorgungspflicht die Stromversorgung eines anderen Betriebes in denselben Räumen* so ist die dem Energieversorgungsunternehmen dem ersten Betrieb gegenüber obliegende Leistung infolge eines vom Unternehmen nicht zu vertretenden Umstandes in einem Zeitpunkt unmöglich geworden, in dem sich der erste Betrieb in Annahmeverzug befand* Das Energieversorgungsunternehmen behält daher gegenüber dem ersten Betrieb den Anspruch auf ein vereinbartes Mindostentgelt, muß sich aber darauf anrechnen lassen, was es aus der Versorgung des neuen Betriebs erwirbt* Das Berufungsgericht nimmt anp der Beklagte hafte persönlich für die Erfüllung der Verbindlichkeiten, welche die PlflHB^Geseilschaft in dem Stromlieferungsvertrag mit der Klägerin eingegangen sei, da er als Gesellschafter und Geschäftsführer der geplanten und errichteten Gesellschaft veranlaßt und geduldet habe, daß die Gesellschaft unter ihrem Namen bereits ihre Geschäft te auf nahm und in Verträgst) ©Ziehungen zu der Klägerin trat« Gegen diese Auffassung bestehen keine rechtlichen Bedenkeno Der Beklagte hat auch im zweiten Rechtszug sei ne Haftung nicht mehr in Abrede gestellt* Hach übereinstimmender Ansicht der Parteien stellt dieser Betrag das Entgelt für die Uindestmenge von Strom dar, deren Abnahme im Vertrage vorgesehen war* Die Klägerin beansprucht also den Teil des Entgelts, der ihr als Reinverdienst bleiben würde, wenn die PlMBMHHGe-sellschaft weiter Strom von ihr bezogen hätte* Dabei ist zu beachten, daß der Klägerin dieser Anspruch nach dem Vertrag auch dann zugestanden hätte, wenn die PlflHHMh Gesellschaft weniger als 60*000 Wh im Jahr oder etwa überhaupt keinen Strom bezogen hätte* Dieses Mindestent-r gelt stelltnalso unbeschadet seiner Anrechnung auf den wirklich entnommener. Strom zugleich ein Entgelt für die bloße Bereitstellung der elektrischen Energie dar* Das Berufungsgericht hält diesen Anspruch für nicht begründet,- -da die Klägerin sich darauf anrechnen lassen müsse, was sie durch die stromlieferüng an die Firma K9HBI seit Anfang Juni 1955 erworben habe und künftig erwerbe* Die vertragliche Regelung über die Zahlung des Uindestentgelte für jährlich 60 000 kwh entspreche nämlich der gesetzlichen Vorschrift des § 324 Abs*l Satz 1 BGB* Daher sei auf die Gegenleistung, die die Klägerin zu beanspruchen habe, anzurechnen,, was sie infolge Befreiung von der Leistung durch anderweitige Verwendung ihres Leistungsvermögens erwerbe*• Gesellschaft ohne weiteres in der Lage« Zur Lieferung dieses von der Klägerin bereit gehaltenen Stroms kam es lediglich deshalb nicht, weil die PlfllB-G es eil schaft den Betrieb einstellte und das Pachtgrundstück räumte« Laß die Gesellschaft hierzu durch die Kündigung des Pachtvertrages seitens des Zwangsverwalters veranlaßt war, ist unerheblich« Andererseits kann in dem Verlust der Betriebsräume unter Berücksichtigung der vorstehend dargelegten Grundsätze, die auch der Senat vertritt, kein Umstand gefunden werden, der außerhalb des Eisikobereichs der PlflHBB-Gesellschaft gelegen hätte« Dieser Umstand allein führte also noch nicht dazu, daß der Klägerin die ihr obliegende Leistung unmöglich wurde« Vielmehr geriet die PlflMB-G es eil schaft in Annahmeverzug, da die Klägerin die elektrische Energie für diese Gesellschaft zur Entnahme im Betriebsgrundstück laufend bereithielt und damit anbot« Ein Poll des § 324 Abs«l BGB liegt mithin nicht vor« Die vertragliche Bestimmung, nach der die Pl^HB'-Gesellschaft, gleichgültig ob und wieviel Strom sie entnahm« das einer Intnahmemcnge von 60 000 kWh entsprechende Entgelt zu zahlen hatte, stellte also nicht etwa nur eine in Vertragsform gekleidete YUederholung der gesetzlichen Vorschrift des § 324 Abs«l BGB dar« 3« Die Auffassung des Berufungsgerichts, daß der Abschluß eines neuen Stromlieferungsvertrages mit der Pirma KtfBBmit seiner Durchführung den Klaganspruch zu dem Erlöschen gebracht habe, trifft aber im Ergebnis zu« Hicht die Einstellung des Betriebes der ?10HHB^~Ge seil schaft, wohl aber der Anschluß der Pirma KBHB an das Versorgungsnetz machte es der Klägerin unmöglich, den mit der Pl®HMW“Ge seil schaft geschlossenen Vertrag weiter zu erfüllen« Sobald die Klägerin die Pirma KfllP für denselben eingerichteten Betrieb, den die ?lflBHlB'GeSeilschaft auf gegeben hatte und den der Kaufmann KBHP zuerst als Pächter und später als Eigentümer fortführte, mit Strom versorgte, war sie nicht mehr in der Lage, auch der Dezember 1954 vereinbart war, Strom bereitzustellen und zu liefern» Fehl geht die Berufung der Klägerin darauf, daß sie, auch wenn die Firma KflBfcvon ihr Strom bezog, der FlOBBt-Gesellschaft dennoch Strom ohne zusätzliche Aufwendungen hätte liefern können,* In Hr»l des Stromlieferungsvertrages vom 7 o/17 o Dezember 1954 hatte die Klägerin sich verpflichtet, der PlfHBB-Gesellschaft für ihren auf dem bestimmt bezeichneten Grundstück gelegenen Betrieb elektrische Arbeit in Form von Drehstrom zu liefern, Auf diesem Betriebsgrundstück hatte die Gesellschaft nach Nr»3 des Vertrages den für die Umspannanlage geeigneten Baum kostenlos zur Verfügung zu stellen» 3s war also nicht eine Versorgung mit Strom schlechthin versprochen worden* die Lieferung war vielmehr ausdrücklich wenn schon nicht auf das Grundstück, so doch zu demindesten auf den Betrieb, der auf dem Grundstück eingereichtet war, zuge-schnitten» Dieser von beiden Vertragsparteien vorausgesetzte Betrieb wird aber nicht mehr von der PlflHHBfc-Ge-sellschaft, sondern von der Firma XflBl geführt» Das an-gefochtene Urteil stellt bindend fest, die Firma KM!9 habe den eingerichteten Betrieb übernommen und fortgeführt, der von der Klägerin mit ihr abgeschlossene Vertrag habe sich auf denselben Betrieb bezogen wie der mit der Pl^BHB^-Gesellschaft geschlossene» Zwar ist nach dem Stromlieferungsvertrage der Abnehmer verpflichtet zu gestatten, daß andere Abnehmer aus der auf seinem Grundstück befindlichen Umspannanlage mitversorgt werden» Die Firma KMBP hätte deshalb dulden müssen, daß die Plflt|t ^^-Gesellschaft, wenn sie neben der Firma KflHI ebenfalls einen Betrieb auf dem hier in Betracht kommenden Grundstück hätte unterhalten wollen, den benötigten Strom über .die auf dem Grundstück befindliche Anlage entnehme» Hieraus kann die Klägerin entgegen der in der mündlichen Verhandlung geäußerten Ansicht der Revision nichts für sich herleiten» Die Klägerin hat selbst nicht behauptet und es ist nichts dafür hervorgetreten, daß die Firma Kfll W etwa nur einen feil dar Betriebs statte in Anspruch nimmt und neben der Firma XflHB auch die Pl^|Urgesellschaft ihren.Betrieb auf demselben Grundstück hätte fortfuhren können«. Hatte die Fl^HlIhGesellschaft den Betrieb eingestellt und hatte die Firma KflBVdenselben Betrieb mit seiner gesamten Einrichtung wieder aufgenommen, so ist es nach dem vorliegenden Sachverhalt ausgeschlossen, daß die Klägerin für dasselbe Unternehmen sowohl dem früheren als auch dem jetzigen Inhaber Strom liefert» Soweit sie an das von der Firma fort geführte Unter- Bas kann allerdings nicht dazu führen, daß die Klägerin jeden Anspruch gegen die Fl^HHBhGesellschaft verlöre oder nach § 325 BGB etwa gar einem Schadensersatzanspruch wegen Nichterfüllung ausgesetzt wäre» Wenn sie mit der Firma KfHB einen neuen Stromlieferungsvertrag abschloß, so stellt das keinen von ihr zu vertretenden Umstand, also eine gegenüber der FlflBHBhGe seil schaft schuldhafte Handlung, dar» Es ist mangels anderweiten Parteivortrags davon auszugehen, daß die Klägerin einen Honopolbetrieb hat und nach § 6 des Energiewirtschaftsgesetzes verpflichtet ist, dem Ansuchen auf Lieferung von Strom zu entsprechen» Baß sie mit der Firma KflHV einen neuen Stromlieferungsvertrag schloß, lag überdies nicht nur im Interesse der Klägerin, sondern auch weitgehend in dem der P1^MM®-Gesell schaft, deren Gründer damit rechnen konnten, auf diese \7eise von Ansprüchen aus dem abgeschlossenen Stromlieferungsvertrage mindestens teilweise befreit zu werden» Ben Eintritt eines neuen Abneh- Ihrem Ent-nahmerecht entsprach aber - wie schon ausgeführt - auf der Seite der Klägerin nach der Natur der elektrischen Energieversorgung die dauernde Verpflichtung, Erzeugungs-und Verteilungsanlagen vorzuhalten und Strom zur Lieferung bereitzusteilen* Biese der Klägerin obliegende, von ihr laufend angebotene Leistung hat die Fl^HB-GeSeilschaft nach der Einstellung ihres Betriebes nicht mehr angenommen* Sie hat das Grundstück, auf dem der Betrieb, dessen Belieferung mit Strom vorgesehen war, geführt wurde, geräumt und sich damit jeder Einwirkung auf die Anschluß- und Entnahmeanlage begeben. Pas Berufungsgericht ist daher mit Recht zu der Auffassung gelangt, daß die Klägerin zwar den Anspruch auf das vereinbarte Mindestentgelt behalten habe, sich auf das von dem Beklagten geschuldete Entgelt jedoch dasjenige anrechnen lassen müsse, was sie infolge Befreiung von der Leistung erspart oder durch anderweitige Verwendung ihrer Arbeitskraft erworben habe« V/enn die Bestimmung des § 324 Abs.l BOB von einem anderweitigen Erwerb durch Arbeit spricht, so darf sie, wie das Berufungsgericht ebenfalls zutreffend annimmt, nicht lediglich auf die Arbeitskraft im Sinne eines Bienst- oder Werkvertrages bezogen werden« Bie Passung des § 324 BGB erklärt sich geschichtlich? Ba zwischen den Parteien unstreitig ist, daß die Klägerin aus der Lief erung von Strom an die Firma KfHB mindestens denselben Gewinn zieht, den sie erlangt hätte, wenn die PlflMHHB-Gesellschaft von ihr weiter Strom entnommen hätte, steht ihr bei einer Anrechnung des durch den neuen Stromlieferungsvertrag gezogenen Gewinnes ein Anspruch gegen die PlflBHV-Gesellschaft und damit gegen den Beklagten nicht mehr zu« Bas gilt auch für das im Vertrag ausbedungene Kindestentgelt, das durch die Versorgung der Firma KÜBV mit gedeckt wird, mit der die Klägerin einen gleichartigen Versorgungeantrag wie mit der PlflfljjHB-Gesellschaft abgeschlossen hat«