BGH · VIII ZR 17/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Kaufpreis von 475 000 DM einverstanden, verlangte aber, daTS ihm dieser Betrag ohne Abzug der Verkäuferprovision ausgezahlt werde» Bach der Behauptung der Klägerin wies Br» dieses Ansinnen mit der Bemerkung zurück, wenn der Beklagte keine Provision zahle, werde die Klägerin "keinen Schlag mehr in der Sache tun"0 Bei der weiteren Bearbeitung der Sache stellte Dr» fest, daß die unmittelbar am See gelegene G-rundstücksflache als Schwemmland den Bande Bayern gehörte, dem Beklagten nur verpachtet war und daß hinsichtlich eines weiteren Landstücks von etwa 50 qm, auf dem sich ein Bootshaus befand, ein Vorkaufsrecht der Gemeinde B^^ bestando Bei dieser Sachlage entschlossen sich die Bheleuto Br von einem An- tätigkeit ausübte und daß die Klägerin hierfür im Falle des Erfolges eine Provision erwartete, nicht an» Auch die rechtlich bedenkenfreie Annahme des Berufungsgerichts, daß zwischen den Parteien zu demindest ein stillschweigender -iaklervertrag zustandegekommen sei, beanstandet sie nicht0 Sie wendet jedoch ein, Br» BflHHüiV habe sich in dem nach dem 30» Juli 1962 mit dem Beklagten geführten Telefongespräch als Vertreter der Klägerin damit einverstanden erklärt, daß nur dann eine Provision zu zahlen sei, wenn die Klägerin als Kaufpreis einen höheren 3etrag als 475 000 DM erzieleö Da diese Bedingung nicht eingetreten sei, sei auch kein Provisionsanspruch entstandene Diese Rüge ist unbegründete Lao Vorbringen der Revision stimmt mit der Aussage dos als Zeuge vernommenen Dr» der das Be- Dr* hotte den Standpunkt der Klägerin mit seiner vom Berufungsgericht der Entscheidung zugrundegelegten Bemerkung, die Klägerin werde ohne Provision ’'in der Sache keinen Schlag mehr tun", eindeutig zu dem Ausdruck gebracht* Wenn der Beklagte daraufhin die Beauftragung der Klägerin aufrecht erhielt, so durfte das Berufungsgericht dieses von der Äußerung, an der Provision solle die Sache nicht scheitern, begleitete Verhalten des Beklagten nach Treu und Glauben dahin deuten, daß er das bis zu diesem Zeitpunkt zu demindest stillschweigend abgegebene Provisions-Versprechen auch wenn ein geringerer Preis als 475 0C0 DB erzielt werde, aufrechterhalten wolle» Der zusätzlichen Bemerkung, man werde sich über die Provision schon einigen, kommt, was das Berufungsgericht entgegen einer Verfahrens 6 - rüge dor Revision ersichtlich auch erwogen hat, keine andere Bedeutung zu, als daß der Beklagte allenfalls mit einen Entgegenkommen der Klägerin rechnete» Hat aber Br» bei diesem Telefongespräch eindeutig zu dem Ausdruck gebracht, daß die Klägerin ihre weitere Tätigkeit von der Zahlung einer Provision abhängig mache, so erweist sich auch die Ansicht der Revision, der schließlich ausgehandelte Kaufpreis von 430 000 Dil habe dem Beklagten erst recht als Nettopreis zufließen sollen, als unrichtig» Einen solchen Schluß konnte der Beklagte angesichts der Erklärung des Dr0 nach Treu und Glauben und der Verkehrsiibung nicht ziehen« Gegen die Verneinung dieser Frage, zu der das Berufungsgericht gelangt, bestehen schon deshalb keine rechtlichen Bedenken, weil der Beklagte die entsprechende Umgestaltung des Glaklervertrageo nach den Feststellungen des Berufungsgerichts angesichts der besonderen Umständo des Falles gebilligt hat» Diese Billigung sieht das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtuin darin, daß der Beklagte, der bereits durch das Schreiben vom 9« August 1962 davon unterrichtet war, daß eine andere Gestaltung de3 Vortrages mit den Eheleuten Dr» V^^B und ein höherer Kaufpreis nicht zu erzielen war, gleichwohl die weitere Vermittlungstätigkeit der Klägerin ausgenutzt und schließlich auch den Kaufund Pachtvertrag mit dem veränderten Inhalt abgeschlossen hat. sofort nach dem Schreiben der Klägerin vom 9° August 1962 abgelehnt und den von der Klägerin eingeleiteten Vertrag mit den Eheleuten Drc V^^P ohne Zuziehung der Klägerin abgeschlossen hätte, bedarf keiner Entscheidung«, Denn der Beklagte hat die Verraittlertätigkeit der Klägerin bis zur Verbriefung des Kaufund Pachtvertrages ausgenutzt und erst nach Beendigung der Verhandlungen erklärt, er werde keine Provision zahlen» In diesem Zeitpunkt konnte er aber, wie das Berufungsgericht zutreffend anninmt, den Maklervertrag nicht mehr widerrufen, weil die Verrnittlungstätigkeit der Klägerin bereits abgeschlossen war» Deshalb war auch eine Kündigung des Makler-Vertrages, wenn in der Erklärung des Beklagten überhaupt eine solche liegen sollte, in diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich0 Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe dem Beklagten zu Unrecht die Beweislast dafür auferlegt, daß er einer Provisionsverpflichtung bei einem Kaufpreis von nur 430 000 DM sofort widersprochen habe, ist gegen- der Verkäuferprovision zu erblicken ist» Es meint in Übereinstimmung mit dem Landgericht, die zuletzt erfolgte Äußerung des Zeugen, er nehme die Erklärung des Beklagten, keine Provision zahlen zu wollen, zur Kenntnis, könne nicht als Verzicht auf die Provision gewertet wordene Cie stehe im Zusammenhang mit der vorangogangenen Erklärung des Zeugen, die Nichtzahlung einer Provision komme gar nicht in Präge, er lehne jode Stellungnahme ab, er nehme die Erklärung lediglich zur Kenntnis, hiergegen bestehen keine rechtlichen Bedenkeno Die Verfahrensrüge der Revision, das Berufungsgericht habe unter Verstoß gegen § 286 ZPO den Beweisantritt durch den Inhaber der Firma übergangen, ist nicht begründet» BeflH^BP, so führt die Revision aus, sei als Zeuge dafür benannt worden, Dr» habe bei seiner letzten in Gegenwart BeBBH^K erfolgten Äußerung den Eindruck erweckt, daß vom Beklagten eine Provision nicht gefordert werde» Diesen Eindruck habe das Berufungsgericht ohne Rechtaverstoß nicht durch den Zusammenhalt der letzten Äußerung des Dr» EBUHHB? IIIo Entgegen der Ansicht der Revision 9tellt das Provisionsverlangen der Klägerin auch keinen Rechtamiß-brauch dar» Die Revision meint, die Klägerin habe sich durch das ihr zuzurechnende Verhalten des Dr. am Verbriefungstag mit ihrem bisherigen Versprechen, dem Beklagten einen Nettokaufpreis zu vermitteln, in Y/iderspruch gesetzt und könne angesichts eines aus den Grundsätzen von freu und Glauben herzuleitenden Verbotes des "venire contra factum proprium", von diesem Standpunkt nicht mehr abweichen* Die Revision geht dabei an den Feststellungen des Berufungsgerichts vorbei, daß die Klägerin dem Beklagten ’Keineswegs die Vermittlung eines Nettobetrages zugesichert, sondern ihr Provisionsverlangen bis zu dem Verbrief ungstage aufrechterhalten hato wenn die Revision ausfuhrt, Dr0 YflHB hätte der Erklärung des Beklagten, keine Provision zahlen zu wollen, ausdrücklich widersprechen müssen, meint sie wohl, die Klägerin habe sich die Provision wegen eines schuldhaft-zweideutigen Verhaltens ihres Vertreters Dr» verwirkt» Aber auch das ist nicht richtig» Die Äußerungen des Dr» EfliHIHB waren nicht irreführendo Sie waren nach der rechtlich einwandfreien Auslegung des Berufungsgerichts nach den ganzen Umständen des Falles in einem bestimmten Sinne, daß nämlich die Klägerin nicht auf die Provision verzichte, zu versteheno Wenn der Beklagte sic wirklich anders verstanden haben und auf Grund dieses Mißverständnisses den Kaufund Pachtvertrag abgeschlossen haben sollte, so hat er die sich hieraus ergebenden Folgen selbst zu tragen.