BGH · VIII ZR 16/59
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Bezweckte aie Hingabe eines verlorenen Baukostenzuschusses den Abschluß eines langfristigen Mietvertrages, so kann bei vorzeitiger Beendigung des Mietverhältnisses ein Bereicherungsanspruch des Mieters auch dann gegeben sein, wenn mangels Wahrung der Bchriftform der Vertrag als auf unbestimmte Zeit geschlossen gilt Über diese 'Wohnung wurde am 4« April 1954 unter Benutzung des Formblattes des Deutschen Einheitsmietvertrages ein Vertrag geschlossen, in dem die Klägerin und ihr Ehemann als Mieter aufgeführt sind. Lie Klägerin und ihr Ehemann zahlten zunächst keine Miete«, Am 19° September 1954 spätestens wurde vereinbart, daß auf den Mietzins monatlich 50,—LM als Tilgungsraten des Darlehens zu verrechnen seien« An diesem Tage erhielt der Beklagte einen Betrag von 720,- LM, der nach Darstellung der Klägerin die bar zu zahlende Miete für die Zeit vom 1« Mai 1954 bis 50« April 1955 bildet« Ab 1« Mai 1955 wurden monatlich 60,—LM an den Beklagten bezahlt« stige Kündigung habe ich zur Kenntnis stimme unter Vorbehalt ausnahmsweise Die Klägerin und ihr Ehemann räumten die Wohnung zu dem 31o März 1957* Der Beklagte vermietete sie ab 1, Mai 1957 zu einem monatlichen Mietzins von 175?“ DM an einen neuen Mieter, Die Klägerin verlangt aus eigenen und ihr von ihrem Vater abgetretenen Rechten die Zahlung eines Teiles des verlorenen Baukostenzuschusses» Sie macht geltend, es sei mündlich vereinbart worden, daß der Beklagte als Gegenleistung für das Darlehen und den verlorenen Baukostenzuschuß das MietVerhältnis auf die Dauer von zehn Jahren nicht; kündigen sollO*. L Das Berufungsgericht legt die Vereinbarungen der Beteiligten dahin aus, daß unmittelbare rechtliche Beziehungen zwischen den Parteien, also Klägerin und Beklagten, auch insoweit hätten begründet werden sollen, als es sich Bei der engen Verknüpfung zwischen Larlehen und Baukostenzuschuß mit dem Mietverhältnis hätten die Ansprüche aus der Hingabe des verlorenen Baukostenzuschusses nicht abweichend von den Tilgungsraten des 'Larlehens etwa dem Vater der Klägerin verbleiben sollen,, Las Berufungsgericht stellt auf Grund der Beweisaufnahme ferner fest, daß die Parteien ausdrücklich vereinbart hätten, der Beklagte dürfe das Mietverhältnis als Gegenleistung für die Gewährung des Darlehens und des verlorenen Baukostenzuschusses zehn Jahre lang nicht kündigen» Möchten auch, so führt das Berufungsgericht aus, bei beiden Parteien gewisse Unklarheiten über einzelne ihrer Abmachungen bestehen, so habe der Senat doch aus den Aussagen der Zeugen die Überzeugung gewonnen, daß der Beklagte auf die Dauer von zehn Jahren auf sein Kündigungsrecht verzichtet habe, Das Berufungsgericht legt sodann auf Grund des Vorbringens der Klägerin zugrunde, daß auf den Baukostenzuschuß ein Zeitraum von sieben Jahren entfalle, und meint, dem Beklagten gereiche die darin iiegende Beschränkung nicht zu dem Nachteil, Las Berufungsgericht ist der Auffassung, der Verzicht des Beklagten auf sein Kündigungsrecht, der trotz fehlender Schriftform wirksam sei, und die Hingabe des Darlehens und des verlorenen Baukostenzuschusses ständen im Verhältnis der Gegenseitigkeito Die vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses habe es dem Beklagten unmöglich gemacht, den verlorenen Baukostenzuschuß durch ”Abwohnenlassen” zu tilgen» Die Klägerin habe sich bei ihrer Kündigung nicht rechtswidrig oder schuldhaft verhaltene Daher mindere sich in entsprechender Anwendung des § 325 Abs»! also zwei Jahre und elf Monate lang uie ihm ooliegenae Leistung im Worte von 1041?67 DM erbracht habe, könne die Klägerin den Liberschießenden Betrag von 1450,35 LM für vier Jahre und einen Monat nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung zurück!ordern, Weil aber der Beklagte diesen Betrag nicht mehr monatlich durch "Ab-wohnenlassen" zu tilgen brauche, sei er verpflichtet, der Klägerin bis zur Erschöpfung des Betrages monatlich 29,76 IM zu zahlene 2<> Ler Auffassung des Berufungsgerichts, der Beklagte sei wegen vorzeitiger Beendigung des MietVerhältnisses der Klägerin zur Rückzahlung eines Teiles des verlorenen Baukostenzuschusses nach den Grundsätzen der Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung verpflichtet, ist im Ergebnis, wenn auch nicht in der Begründung beizupflichten. der Vermieter bei vorzeitiger Beendigung des Mietverhältnisses ungerechtfertigt bereichert sein könne, da der mit der Hingabe des Baukostenzuschusses erstrebte Erfolg sich nicht voll verwirklicht habee In den Urteilen ist dargelegt, daß in diesem Falle auf der Mieterseite ein Vermögensverlust in Gestalt des vorzeitig eingetretenen Wegfalles der Hutzungsmöglichkeit entsteht und dementsprechend dem Vermieter eine vorzeitige HutZungsmöglichkeit zufällt„ Liese vorzeitige Möglichkeit? Gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, der Verzicht des Beklagten auf sein Kündigungsrecht für die Lauer von zehn Jahren habe nicht der Form des § 566 BGB bedurft, bestehen allerdings Bedenken» Die vom Berufungsgericht angeführte Entscheidung RGZ 103>381,383 betrifft einen anderen Sachverhalt» Dort hatte der Verkäufer eines Grundstücks, auf dem sich ein vermieteter Laden befand, mit dem Käufer mündlich vereinbart, daß der Käufer während eines bestimmten Zeitraumes dem Mieter nicht kündigen werde» Las Reichsgericht hat ausgeiührt, der zwischen V ersäufer und Käufer zu Gunsten des Mieters geschlossene Vertrag bilde einen wesentlichen Bestandteil des Gr und stück sverü uh e rung *■-vertrages* Auf Grundstuckskaufverträge und ihre unselbständigen Teüe könne § 566 Bgb keine Anwendung finden- Die Abrede habe daher der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung bedurft» Die Auflassung und Eintragung habe aber das Abkommen wirksam werden lassen» Auch ein Verzichtsvertrag, nach dem der Käufer auf das mit der Übereignung auf ihn übergehende Recht des Verkäufers, dem Mieter mit gesetzlicher Frist zu kündigen, verzichtet habe, falle nicht unter § 566 BGB» Denn diese Bestimmung beziehe sich ihrem Wortlaut und Zweck nach nur auf Mietverträge im eigentlichen Sinne» Im vorliegenden Fall sind es jedoch Vermieter und Mieter, die bei der Abrede über die Gewährung des Darlehens und des Baukostenzuschusses in einer nach der Auslegung des Berufungsgerichts, engen Verknüpfung mit dem Mietverträge vereinbart haben, daß der Beklagte als Vermieter für zehn Jahre auf die Kündigung verzichte. viel für eine Auslegung, daß auf seiten des Beklagten der Mietvertrag, weil er für ihn unkündbar war, auf die Dauer von zehn Jahren hat abgeschlossen werden sollten» Eine derartige Abrede würde aber, da sie den Inhalt des Mietvertrages betrifft, der Formvorschrift des § 566 BGB unterfallem Wie der Senat in dem zur Veröffentlichung bestimmten Urteil vom 6» Dezember 1959 - VIII ZR. 164/58 - unter Klarstellung zu der vom Berufungsgericht angeführten Entscheidung des Reichsgerichts über den Verzicht des Vermieters auf sein Kündigungsrecht (RGZ 103;381) ausgesprochen hat, bedarf eine Vereinbarung des Vermieters und des Mieters, durch die der schriftlich auf unbestimmte Zeit abgeschlossene Mietvertrag dahin abgeändert wird, daß die Kündigungsbefugnis beschränkt wird, der schriftlichen Form, wenn die Dauer des MietVerhältnisses dadurch auf mehr als ein Jahr erstreckt werden soll» ert-i gt en Bereicherung kommt es indessen nicht darauf an, ob die Abrede über den Ausschluß der Kündigung schriftlich hätte getroffen werden müssen» Fine formlose Abrede ist nicht schlechthin nichtig -ler Mangel der Form bewirkt nach § 566 BGB, daß der Vertrag als auf unbestimmte Zeit geschlossen gilt» Im vorlie- genden Fall würde es danach bei der Bestimmung im schriftlichen Vertrag vom 4c April 1954» daß; or auf unbestimmte Zeit laufe, geblieben sein* Daraus folgt aber nicht etwa, daß der Baukostenzuschuß tatsächlich eine Sonderleistung schon für den Abschluß eines auf unbestimmte Zeit geschlossenen und deshalb nach den Vorstellungen der Parteien beiderseits kündbaren Vertrages war, so daß die Gewährung des Baukostenzuschusses nicht die Grundlage eines Bereicherungsanspruches bilden könnte» Daran, daß die Parteien als Rechts grund für die Zahlung des Baukostenzuschusses den wirksamen Abschluß eines auf seiten des Beklagten für zehn dahre unkündbaren Mietvertrages haben vereinbaren wollen, hat sich nichts geändert. Der Abschluß eines insoweit langfristigen Vertrages bildete nach wie vor den Zweck der Hingabe des Baukostenzuschusses und ues Mietdarlehens» Dem Beklagten hätte zwar freigestanden, den Mietvertrag mit gesetzlicher Kündigungsfrist zu kündigen, sofern sich nicht eine solche Kündigung deshalb als unzulässige Rechtsausübung darstellte, weil der Beklagte, der im Genuß der empfangenen Gelder, die die Gegenleistung für den Ausschluß der Kündigung gebildet haben, verbleiben will, sich durch eine Kündigung in unvereinbarem Gegensatz zu seinem früheren Verhalten setzen würde Aber auch wenn der Beklagte berechtigterweise gekündigt hätte, wäre keine andere Rechtsfolge eingetreten, als sie durch die von der Klägerin und ihrem Ehemann ausgesprochene Kündigung herbeigeführt ist, nämlich der spätere Wegfall des bei Leistungen des Baukostenzuschusses vorhandenen Rechtsgrundes» Hätte der Beklagte gekündigt, weil er mangels Schrift= form an seiner Zusage, die Klägerin und ihren Ehemann für zehn Zahre im Genuß der Mietwohnung zu belassen, nicht ge- li buncen war, so wäre ale Rechtslage nicht wesentlich anders gewesen als in dem vom ernennenden Senat entschiedenen lall, daß der Vermieter durch den Konkurs des Mieters nach § 19 KO in die Lage versetzt wird, einen langfristigen Mietvertrag zu kündigen (Urt« v, 11 * Juli 1956 - VIII ZR 114/97 -NJW 1956,1582 = LM BGB § 612 Nr.34), Da das Kündigungsrecht der Mieter nicht hat ausgeschlossen werden sollen, läßt sich keinesfalls sagen, ihre Kündigung verstoße gegen reu und Glauben, Da unstreitig der Beklagte die der Klägerin und ihrem Ehemann zu dem Mietzins von 110 DM vermietete Wohnung an den neuen Mieter zu einem Mietzins von 175 DM vermietet hat, ist ihm durch die Beendigung des Mietverhältnisses ein Vermögensvorteil zugeflossen, der den Betrag von 29,76 DM, den die Klagei'in unh ihr Ehemann von dem Baukostenzuschuß monatlich "abwohnen1' sollten, übersteigt» Insofern liegt also tatsächlich eine Bereicherung vor» Dahingestellt kann bleiben, ob e^wa dem Bereicherungsanspruch der Klägerin zunächst die Vorschrift des § 817 Satz 2 BGB entgegen gestanden haben könnte, weil die Klägerin oder ihr Rechtsvorgänger und der Beklagte durch Gewährung des Baukostenzuschusses möglicherweise gegen das Hamburgische Gesetz Uber das Verbot von Ab stands zahl ungen und Sonderleistungen für Wohnraum vom 2* Oktober 1953 (Hamb GVB1 Teil I 244) ver- rungsancprüche aller Art bezieht (BGB RGRK, lücAufl, § öl7 Anra-1 zu Satz 2), Zu einer Berücksichtigung des irrevisiblen LandOörechts wäre der Senat allerdings befugt, da das Berufungsgericht auf den Tatbestand unter diesem Gesichtspunkt gar^nLcht eingegangen ist und ihn insoweit nicht gewürdigt hat (BGHZ 24*159,164)o Bine Prüfung erübrigte sich auch nicht schon deshalb allein, weil das genannte Gesetz durch § 29 Abso5 3&G aufgehoben worden ist (vgle hierzu OLG Hamburg MLR 1956,106, nicht 102, wie bei Roquette, BMG 2»Aufl» § 29 Nr.4Ö Kote 2 S*349 angeführt)„ Die Parteien haben indessen nach dem unstreitigen Sachverhalt den Mietvertrag und ihr Abrechnungsverhältnis, auch soweit der verlorene Baukostenzuschuß in Frage stand, nach der Aufhebung des Gesetzes vom 2P Oktober 1953 noch längere Zeit fortgesetzte Damit haben sie in schlüssiger »veise zu dem Ausdruck gebracht, daß sie die Abreden über den verlorenen Baukostenzuschuß urui seine Abwicklung als wirksam gelten lassen wollten, nachdem die gegen ihre Zulässigkeit bestehenden Bedenken durch aie Gesetzgebung für die Zukunft beseitigt worden waren* Daß das Berufungsgericht auch für den Monat April 1957 eine Bereicherung ausgeglichen hat, obwohl die Y/ohnung in diesem Monat nicht vermietet worden ist, stellt keinen Rechtsfehler dar. Der Unterschiedsbetrag zwischen der alten und der neu vereinbarten Miete ist 30 hoch, daß dem Beklagten auch im Zusammenhang mit dem Vermögensverlust, der der Klägerin dadurch entstanden ist, daß sie den verlorenen Baukostenzuschuß im April 1957 nicht "abgewohnt11 hat, schon binnen kurzem ein entsprechender Vermögensvorteil zugeflossen ist, den er erstatten muß. Die Feststellungen des Berufungsgerichts, die Parteien hätten ausdrücklich vereinbart, der Beklagte dürfte das Mietverhältnis als Gegenleistung für die Gewährung des Darlenens und des verlorenen Baukostenzuschusses zehn Jahre lang nicht kündigen, greift die Revision mit Verfahrensrügen an. Mit Recht hat deshalb das Berufungsgericht berücksichtigt, daß auch nach der Barstellung des Beklagten die Abreden der Vertragsparteien nicht vollständig mit dem Wortlaut des schriftlichen Vertrags übereinst immten* Ein solcher Sachverhalt liegt hier gar nicht vor» Las Berufungsgericht hat nicht etwa ange-nommen, daß Unklarheiten bestehen geblieben seien, der Sachverhalt also nur lückenhaft habe aufgeklärt werden können» Es hat vielmehr ausgeführt, möchten bei den Parteien auch gewisse Unklarheiten über einzelne ihrer Abmachungen bestehen, so habe doch der Senat aus den Aussagen der gesamten Zeugen die Überzeugung gewonnen, üaß der Beklagte auf die Lauer von zehn Jahren auf sein Kündigungsrecht verzichtet habe» Das Berufungsgericht hat ersichtlich sagen wollen, es habe die in einzelnen Teilen unklaren Willenserklärungen der Parteien ausgelegt und sei zu dem genannten Ergebnis gekommen» Diese Erwägung des Berufungsgerichts ist nicht zu beanstanden» Die Auslegung einer rechtsgeschäftlichen Erklärung setzt gerade voraus, daß sie auslegungsbedüritig ist.