BGH · VIII ZR 15/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Haftet einem Gläubiger neben dem,eigentlichen Schuldner ein' Dritter aus Bürgschaft oder Garantieüb erlahme, so bildet es kein mitwirkendes Verschulden des Gläubigers, der vom*$chuld~ ner Schadensersatz wegen Hichterfülluxg verlangt, wenn der Gläubiger es unterlasse» hat, den* Dritten zuvor auf Erfüllung oder Schadensersatz in Anspruch zu nehmen<> daß sie im Aufträge und für Rechnung der Firma s*A» AKflHP GRADING COMPANY für eine Zeit von 3 Monaten, endend am 29* Februar 1956 bis zur Höhe von 18*000 Dm die Garantie für die ordnungsmäßige Ausführung des Vertrages vom 9^ November 1955 übernehme* Sie stellte in Aussicht, ihre Garantie unter Umständen nach dem'Verfall im Einverständnis mit den interessierten Parteien zu verlängern» wegen seiner der Klägerin bekannten schlechten Vermögenslage sei der Vertrag mit ihrem Wissen und Willen auf die Firma Aübertragen worden? tung des Beklagten entfallen seio Br habe auf Grund der ihm im Vertrage gegebenen Ermächtigung das Betriebsrisiko auf die'Birma AnflBV übertragen» Bas folge aus dem Schreiben dor-Firma AdflHB an die Banq.ue de Bruxelles vom 29o November 1955 und dem Schreiben dieser Bank an die Birma AmflBByom 30* November 1955» Berner habe der Beklagte behauptet und unter Beweis gestellt, daß er das Vertragsrisiko, für das einzustehen er gar nicht in der Lage gewesen seiV mit Wissen der Klägerin auf die Banque de Bruxelles und auf die Birma AmflHPübertragen habe, ohne seinerseits irgendwelche Verpflichtungen gegenüber den beiden genannten ausländischen Gesellschaf- ^ ' tem zu übernehmen« Die Angriffe der Revision gehen fehl* Baß Gegner aus dem Vertrage voirf 9» November 1955 nur der Beklagte und nicht die Birma An(HH|gewesen ist, konnte das Berufungsgericht ohne Hechtsirjptum aus dem Wortlaut des Vertrages entnehmen« Ber Beklagte würde von den im Vertrage begründeten Verpflichtungen nur dann frei geworden sein, wenn die Klägei'in mit ihm einen Erlaßvertrag geschlossen oder in eine befreiende Schuldübernahme durch die Birma Affl|MHI eingewiiligt hatte» Baß dies geschehen sei, hat der Beklagte nicht behauptet«, Er hat im Schriftsatz vom 14* Oktober 1957 unter II selbst nur vorgeira- $ ten gegenüber der Mahnung der Klägerin geschlossen hat« die Klägerin habe den Beklagten nicht aus seiner Abnahme-Verpflichtung entlassen«, so ist das frei von Rechtsirrtum o lila Das Berufungsgericht legt zugrunde, daß der von der Klägerin geltend gemachte Schadensbetrag den im Januar 1956 entgangenen Gewinn ganz und den im Februar 1956 entgangenen zu dem !Deil decke9 Ben Einwand des Beklagten, die Klägerin könne für diese Monate einen Schaden nicht geltend machen» da sie die Banque de Bruxelles auf Zahlung hätte in Anspruch nehmen müssen, hält das Berufungsgericht nicht für begründet a weil sie nicht von der Banque de Bruxelles Zahlung verlangt habe» Ein Schadensersatzanspruch gegen den Beklagten sei daher ausgeschlossen Diesem Gedankengang kann nicht gefolgt werden© Die Ent st ehungsur sache des der Klägerin erwachsenen Schadens liegt darin, daß der Beklagte die Salzlieferungen bis jeweils Ende Januar und Februar 1956 nicht abge.nommen hato Infolgedessen hat die Klägerin nicht den Gewinn ziehen können, den sie gezogen hätte, wenn der Beklagte den Kaufvertrag erfüllt hätte» Darin besteht ihr Schaden» Dafür, daß der Beklagte seiner Abnahme- und Zahlungsverpflichtung nicht nachkam und der Klägerin dadurch ein Gewinnausfall entstand, ist das Vorhalten der Klägerin nicht ursächlich© Die Revision scheint allerdings zu meinen» die Klägerin habe sich zur Durchsetzung ihres Erfüllungsanspruches, also ihres Anspruches auf Zahlung des Kaufpreises, unmittelbar an die Banque de Bruxelles halten müssen, so daß der Beklagte von der Zahlungspflicht befreit'worden wäre und die Klägerin Schaden nicht erlitt eil hätte* Biese Auffassung geht indessen fehl* »ach der für das Kevisionsgericht bindenden Auslegung des Kaufvertrages findet sine solche Verpflichtung der Klägerin im Vertrage keine Grundlage* Das Berufungsgericht würdigt die Abrede der Parteien ohne Rechtsverstoß dahin« daß die Klägerin nicht verpflichtet gewesen sei, Befriedigung für ihre Ansprüche statt bei dem ihr in erster Linie dafür haftbaren Beklagten bei der Banque de Bruxelles zu suchen* Die Ausübung oder Nichtausübung der aus der Verpflichtungserklärung der Bank entstandenen Rechte habe vielmehr mangels einer abweichenden Vereinbarung im freien Belieben der Klägerin gestanden* Eire Verpflichtung der Klägerin, die Banque de Bruxelles auf Sx'füllung des Kaufvertrages in Anspruch zu nehmen, könnte auch nicht aus der Vorschrift des § 254 BGB hergeleitet werden* Diese Bestimmung ist auf reine Erfüllungsanoprüche nicht anwendbar (RG JW 1957? nachfolgend unter IV behandelte Präge ist, ob der Klä^ gerin ein mitwirkendes Verschulden insofern zur Last fällt, als sie es etwa unterlassen hat, einen Schadensersatzanspruch wegen Nichterfüllung dadurch abzuwenden« daß sie von der Banque de Bruxelles Zahlung des Kaufpreises verlangte* Wäre die Klägerin gehalten gewesen, den durch die Leistungsverweigerung des Beklagten entstandenen Gewinnausfall, also ihren Schaden, dadurch abzuwenden oder zu mindern, daß sie sich aus dem Büx'gschafts- oder Garanti©betrage befriedigte, wäre allerdings für eine Anwendung des § 254 BGB Raum» Bas Berufungsgericht ist der Auffassung, der Klägerin seien aus der Erklärung der Banque de Bruxelles nur Hechte entstanden, ihre Ausübung oder Riehtausübung habe jedoch in ihrem freien Belieben gestanden» Ebensowenig wie ein Bürge durch den bloßen Verfall einer Sicherung des Gläubigers lediglich infolge dessen passiven Verhaltens von seiner Bürgschaft sverpflichtühg frei werde, dürfe umgekehrt ein Schuldner die Bezahlung seiner Schuld mit der Begründung verweigern, ein Gläubiger könne sich bei einer dritten Person schadlos halten oder habe es zuto mindesten tun können» Es sei daher unerheblich, ob der Beklagte dem Inhaber der Klägerin nahegelegt habe, von der Banque de Bruxelles Zahlung zu verlangen» Es sei auch ohne Bedeutung« ob er die Klägerin davon in Kenntnis gesetzt habe, daß die Pirma AmflHi gegen ihn, den Beklagten, keinen Rückgriff nehmen könne* Mit Hecht hat das Berufungsgericht die Auffassung abgelehnt, daß ein Gläubiger verpflichtet sei, vorerst von einem Bürgen Erfüllung zu verlangen» um den Haupt-schuldner davor zu bewahren, einem Schadensersatzan-Spruch wegen Nichterfüllung ausgesetzt zu werden® wird eta dem Rechts zu st and, daß der Bürge nicht Haupt-schulduer ist«, seine Verpflichtung vielmehr von der des HauptSchuldners abhängt, nichts geänderte Der Zweck der Bürgschaft ist nicht die Entlastung des HauptSchuldners, sondern eine zusätzliche Sicherung des Gläubigers« Schon das schließt den Gedanken aus, der Gläubiger verstoße gegenüber dem HauptSchuldner gegen Treu und Glauben, wenn er nicht in erster Reihe bei dem Bürgen Deckung suche« Hinzu kommt, daß die Inanspruchnahme des Bürgen den Haupt Schuldner regelmäßig nicht von seiner Verpflichtung befreien würde, Ca da nach § >74 BGB die Forderung des Gläubigers gegen den Haupt Schuldner auf den Bürgen übergeht« Sollten, wie der Beklagte behauptet, aber im vorliegenden Fall zwischen dem Beklagten und der Firma Vereinbarungen bestehen, nach denen diese das Risiko des Vertrages übernommen hatte, so stünde es dem Beklagten frei, von der Firma As^HHMu verlangen, daß sie ihn von den Schadensersatzansprüchen des Klägers befreie« Das Berufungsgericht hat daher mit Recht diesem Vortrag des Beklagten keine Bedeutung für di’e Rechtsbeziehungen zwischen den Parteien beigemessen« Auch die besondere Gestaltung des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien nötigte das Berufungsgericht nicht zu der Annahme, die Klägerin hätte zuerst die Firma Amtexco in Anspruch nehmen müssen* Aus dem Umstand, daß der Beklagte vermögenslos war, entsprang nicht die Verpflichtung, ihn vor einer Inanspruchnahme zu bewahren«, Es ist kein Gesichtspunkt erkennbar, unter dem ein vermögensloser Schuldner, der in Kenntnis seiner Zahlungsunfähigkeit ein Kaufgeschäft abgeschlossen hat, erwarten kann, besser behandelt zu werden als ein wirtschaftlich starker Schuldner« Ebensowenig icann der Auffassung gefolgt werden, die Klägerin hätte ihren Schadensersatzanspruch wegen der unterbliebenen Abnahme der flir Januar und Februar vorgesehenen Lieferungen aus dem Büx’gschafts- oder Garantiebetrage decken müssen«- Dieser Standpunkt liefe darauf hinaus, die Klägerin zu zwingen, wegen der Abnahmeweigerung des Beklagten schon vor Ablauf des Februar unter Fristsetzung nach § 326 BGB vom Erfüllungsanspruch zu dem Schadensersatzanspruch überzugehen* Ein solcher Swang findet im Gesetz aber keine stütze, vielmehr ist davon auszugehen, daß die Rechtslage des Vertragstreuen Teils durch den Vertragsbruch des Gegners nicht verschlechtert werden darfo Die Rücksicht auf den säumigen Käufer kann den Verkäufer, der erfüllungsbereit .ist, nicht nötigen, seinen Erfüllungsanspruch aufzugeben (RGZ 83,176,178; 102,262,264; HGB RGRK 2oAuflo Anhang zu § 374 Anmo30j»85) o Da die Klägerin mit Schreiben vom 24o Januar 1956 nach Erfüllung verlangt und dem'Beklagten erst mit Schreiben vom 17® Juli 1956\ eine Frißt bis zu dem 31 o Juli 1956 zur Abnahme unter Hinweis auf § 326 BGB gesetzt hat, ist erst mit Ablauf dieser Frist ein Schadensersatzanspruch an die Stelle des untergegangenen Erfüllungsanspruches getretene Auch unter diesem Gesichtspunkt hätte das Berufungsgericht seine Auffassung mit der im anderen Zusammenhaag getroffenen Feststellung stützen können, es habe im Januar und Februar 1956 noch nicht festgestanden, daß der Beklagte die Abnahme von Salz endgültig verweigere, die Klägerin habe vielmehr mit einer Fortsetzung der Geschäftsverbindung gerechnet und darauf bestandene. Die Auffassung des Berufungsgerichts, daß es allgemein einem Gläubiger, dem neben dem eigentlichen Schuldner ein Dritter aus Bürgschaft oder Garantieübernahme haftet, nicht obliege, diesen in Anspruch zu nehmen, um den Schuldner, der sich vertragswidrig verhalte, vor einert Schadenersatzpflicht zu bewahren, ist von Rechtsirrtum frei«. Es legt zugrunde, daß der geltend gemachte Schadensbetrag höchstens den entgangenen Gewinn des Monats Januar 1956 und zu dem $eil den des Monats Eebruar 1956 deckto Siv jener Zeit habe, so führt das Berufungsgericht aus, die Klägerin, die die Geschäftsverbindung mit dem Beklagten* habe fortsetzen wollen, noch nicht mit einem ihr aus dem Verhalten des ♦ Beklagten drohenden Schaden rechnen können und müsseno Damals sei sie verpflichtet gewesen, sich für den Beklagten noch liefert) er eit zu halten» Diesem Hechts Standpunkt iSt zuzu stimmen«» Die Wahl des Zeitpunktes?