BGH · VIII ZR 434/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
KO § 46 Rechtssatzs Hat der Verkäufer dem Käufer gestattet, unter Eigentumsvorhehalt gelieferte Waren ira ordnungsgemäßen Geschäftsverkehr weiterzuveräußern, und mit ihm den Übergang von Forderungen auf den Erlös im Wege der Vorausabtretung vereinbart, so ist der Käufer zur Weiterveräußerung dann nicht ermächtigt, wenn er einer Vertragsbedingung seines Abnehmers zugestimmt hat, daß Kaufpreisforderungen gegen ihn nicht ohne seine Zustimmung abgetreten werden dürfen* Hat in diesem Falle der später in Konkurs gefallene Käufer gleichwohl unter Eigentumsvorbehalt erhaltene Waren weiterveräußert, sein Abnehmer aber der Abtretung der Kaufpreisforderung nicht zugestimmt, so steht dem Verkäufer an der Kaufpreisforderung ein Ersatzaussonderungsrecht im Konkursverfahren über das Vermögen seines Käufers zu* schränkter Haftung im Juli und August 1953 Baustoffe, insbesondere Terrazoschienen» Die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen der Beklagten für diese Lieferungen enthalten Bestimmungen Uber einen erweiterten und verlängerten Eigentumsvorbehalt, darunter die, daß der Käufer für den Fall dor Weiterveräußerung der gelieferten Ware oder der daraus hergestellten Sachen die ihm aus der Veräußerung zustehenden Forderungen gegen seine Abnehmer oder Dritte mit sämtlichen Hebenrechten an den Verkäufer ab-tritt» Die GmbH lieferte aus Material der Beklagten hergestellte Baustoffe an eine Arbeitsgemeinschaft von Bau-unternehmen auf Grund eines Vertrages, in dem vereinbart worden war, daß die Abtretung von Forderungen aus dem Lie ferungsvertrage an Dritte ohne Zustimmung der Arbeitsgemeinschaft ausgeschlossen sei» Die Arbeitsgemeinschaft schuldete der GmbH aus Lieferungen von Baustoffen, auf die sich der Eigentumsvorbehalt der Beklagten erstreckte, noch lo451,SO Dil, als im Jahre 1954 Uber das Vermögen der GmbH das Konkursverfahren eröffnet wurde» Die Beklagte machte an dieser Forderung der Gemeinschuldnerin ein Aussonderungsrecht geltend, das der Konkursverwalter jedoch bestritt« Deshalb zahlte die Arbeitsgemeinschaft den von ihr geschuldeten Betrag auf ein von dem Konkursverwalter im Einvernehmen mit der Beklagten bei einer Bank errichtetes Anderkonto, über das die 'Parteien nur gemeinsam verfügen können« daß eine Abtretung nur mit Zustimmung der Arbeitsgemeinschaft erfolgen dürfe« Diese Vereinbarung habe zur Folge, so hat das Berufungsgericht weiter ausgeführt, daß die Gemeinschuldnerin die ihr von der Beklagten gelieferten Materialien als Mchtberechtigte an die Arbeitsgemeinschaft veräußert habe. Denn nach den Lieferungs- und Zahlungsbedingungen der Beklagten sei dem Käufer die \Veiterveräußerung der im Eigentum des Verkäufers stehenden Sachen im ordnungsgemäßen Geschäftsverkehr zwar grundsätzlich gestattet gewesen, in federn Falle habe die Beklagte aber die daraus dem Veräußerer erwachsenen Forderungen erlangen wollen» Daraus ergebe sich, daß. Wenn sie der Beklagten diese Forderungen nicht verschafft habe, so sei die Gemeinschul&nerin zur Veräußerung der unter Verwendung des Materials der Beklagten hergestellten Bauelemente nicht befugt gewesen» Daher stehe der Beklagten das Recht auf Ersatzaussonderung nach § 46 Konkursordnung zu« Deshalb gehörte die Forderung bei Eröffnung des Konkursverfahrens der Gemeinschuldnerin ungeachtet dessen, daß sie im Juli 1953 mit der Beklagten den noch näher zu erörternden EigentumsVorbehalt und die Abtretung der Forderungen vereinbart hatte, die der späteren Gemeinschuldnerin im Falle der Weiterveräußerung entstehen würden. ■ Stamschräder, KO, 3.Aufl» § 46 Anm07>8)« Deshalb hängt die Entscheidung des Rechtsstreits davon ab, ob die Gemeinschuldnerin ohne Einwilligung der Beklagten Baustoffe veräußert hat, die der Beklagten gehörten, und ob hierdurch die Forderung entstanden ist, die der Zahlung der Arbeitsgemeinschaft auf das im Einvernehmen der Parteien eingerichtete Bankkonto zu Grunde liegt« Der Vereinbarung zwischen den Parteien über diese Hinterlegung ist zu entnehmen, daß der Kläger auf den eingezahlten Betrag nur Anspruch erheben darf, wenn und soweit die Forderung nicht den Gegenwert einer unbefugten Verfügung der späteren Gemeinschuldnerin Über der Beklagten gehörende Baustoffe darstellt« worben hübe» Das Berufungsgericht hat angenommen, daß die umstrittene Forderung nur den Gegenwert für Baustoffe bildet; an denen Bich die Beklagte das Eigentum Vorbehalten und es auch nach einer Bearbeitung durch die spätere Gemeinschuldnerin behalten hatte- Hiergegen werden von der Revision keine Angriffe erhobene Es kann daher dahingestellt bleiben; wie die Rechtslage'wäre, wenn die spätere Gemeinschuldnerin im Eigentum der Beklagten stehende Y/aren mit anderen Sachen-die ihr oder anderen Lieferanten gehörten, vermischt oder verbunden haben würde» Es kommt vielmehr in diesem Rechtsauge nur noch darauf an, ob uie spätere Gemeinschuldnerin die Veräußerung der im Eigentum der Beklagten stehenden Sachen mit deren Einwilligung vorgenommen hat» Hierzu war sie nach den Lieferungsbedingungen im ordnungsgemäßen Geschäftsverkehr grundsätzlich ermächtigt» An solche Veräußerungen ist nach den Bedingungen die Vereinbarung geknüpft, daß der Käufer von vornherein bis zur völligen Tilgung aller Forderungen der Beklagten die ihm aus der Veräußerung zustehenden Forderungen gegen seine Abnehmer an die Beklagte abtritt» Die Revision macht dem Berufungsgericht zu Unrecht den Vorwurf, es habe die Ermächtigung zur Ueiterveräußerung dahin verstanden, daß sie durch den Eintritt des beabsichtigten Erfolges der Abtretungs-Vereinbarung bedingt sei» Bei einer solchen Betrachtungsweise würden sich allerdings Bedenken gegen die Auslegung und die. kennung zu versagen wäre* Bas Berufungsgericht hat die Ermächtigung zur Weiterveräußerung nicht allgemein von der Wirksamkeit und dem Eintritt des Erfolges der Abtretungsvereinbarung abhängig gemacht, sondern der Gemeinschuldnerin die Befugnis zur Weiterveräußerung nur in einem Falle abgesprochen, in dem sie vertraglich die Abtretung ihrer Forderung gegen den Abnehmer mit der erwähnten Maßgabe ausgeschlossen hatte. Ob es sich bei dieser Deutung der einschlägigen Bestimmungen der Lieferungsbedingungen um die Auslegung eines Individualvertrages handelt oder ob sie typische Vertragsbedingungen darsteilen und nach den hierfür geltenden Grundsätzen von dem Bevisionsgericht überprüft werden können., kann dahingestellt bleiben« Auch im letzteren Falle wäre dem Berufungsgericht beizutreten» Denn die Gemeinschuld-norin konnte nach Treu und Glauben die Lieferungsbedingungen nicht dahin verstehen, daß sie zur V* eit erv er äuß e-rung auch dann ermächtigt sein solle, wenn die an diesen Fall geknüpfte Vorausabtretung künftig entstehender Forderungen deshalb nicht zur Wirkung kommen konnte, weil sich die Gemeinschuldnerin selbst einer Vereinbarung unterworfen hatte, die die Zulässigkeit der Abtretung von Forderungen gegen ihre Abnehmer einschränkte, nämlich von der Zustimmung des Empfängers der Warenliefe-rungen abhängig machte. Deshalb hat die Beklagte Anspruch auf Ersatzaussonderung gemäß § 46 KO an der bei Eröffnung des Konkursverfahrens noch ausstehenden Forderung.