BGH · VIII ZR 304/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Unterlassung der Rechtsverfolgung lauft nicht schon dann allgemeinen Interessen zuwider, wenn bei der Entscheidung des Rechtsstreits Rechtsfragen von allgemeinem Interesse zu beantworten sind» Januar 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Haidinger sowie der Bundesrichter Artl, Dr» Mezger, Dr. Messner und Mormann beschlossen: Gründe Der Klägerin ist als Gesellschaft mit beschränkter Haftung das Armenrecht für das Revisionsverfahren verweigert worden, weil sie nicht glaubhaft gemacht habe, daß es allgemeinen Interessen zuwiderlaufe, wenn die Rechtsverfolgung unterbleibe (§ 11*+ Abs» k ZPO). Die Klägerin hat daraufhin um Überprüfung des früheren Beschlusses und erneut um Bewilligung des Armenrechts gebeten, weil der Rechtsstreit offenbar der Klärung grundsätzlicher Rechtsfragen diene und schon deshalb die Voraussetzung des § ll*f Abs.ZPO gegeben sei. Nach der amtlichen Begründung (RAnz 1933 Nr« 257) soll die Vorschrift des § 11^ Abs» b ZPO, die durch Gesetz vom 27° Oktober 1933 (RGBl I 780) eingeführt wurde, nur in besonderen Ausnahmefällen angewendet werden» Die Begründung führt als Beispiele nur Fälle an, in denen wirtschaftliche oder soziale Interessen der Allgemeinheit unmittelbar berührt werden, wenn die juristische Person die Rechtsverfolgung oder Rechtsvertei« digung unterläßt» Der Bundesgerichtshof hat in BGHZ 25s l835 185 ausgesprochen, daß - mindestens in der Regel - das allgemeine Interesse an der richtigen Entscheidung eines Prozesses nicht als ausreichend für § 11*+ Abs» b ZPO anzusehen sei» Dasselbe muß für den Fall gelten, daß ein Rechtsstreit dem Revisionsgericht Rechtsfragen von allgemeinem Interesse aufgibt, die Folgen einer Nichtdurchführung des Rechtsstreits im übrigen aber nur die juristische Person selbst treffen» Die Beantwortung rechtlicher Fragen ist nicht Zweck, sondern nur Mittel des Prozesses» Muß sie unterbleiben, weil die juristische Person den Rechtsstreit nicht durchführt, so läuft das im Sinne des § 11^- Abs» ^ ZPO nicht allgemeinen Interessen zuwider»