BGH · VIII ZR 300/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Leide wohnhaft in Beklagte und Revisionsbeklagte, Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr, hat der VIII, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündli che Verhandlung vom 7» Oktober 196** unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr, Haidinger sowie der Bundesrichter Dr, Gelhaar3 Dr, Dorschei, Dr, Mezger und Mormann für Recht erkannt: In einem ersten Vorprozess (2 0 2^7/56 LG Koblenz) ver« Klagte der Konkursverwalter die Beklagte auf Schadensersatz wegen unberechtigter Veräußerung der Weine, die ihr nicht sicherungsübereignet v/orden waren» Nach Aufhebung des Konkursverfahrens trat der Kläger in den Rechtsstreit ein« Die Beklagte wurde durch Urteil des Berufungsgerichts vom 28» Juni 1957 antragsgemäß zur Herausgabe desvon ihr erzielten Erlöses von rd« 12 000 DM verurteilt« In einem zweiten Vorprozess (20 2^3/58 LG Koblenz) klagte der Kläger weitere rd* 25 000 DM mit der Begründung als Schadensersatz einj die Beklagte habe die ihr nicht Sicherungsüberoignoton Weine unter ihrem Wert verschleudert* Außer den ihm im ersten Vorprozess zuerkannten 12 000 DM seien deshalb weitere 25 000 DM erforderlich? Io Klagegrundlage Das Berufungsgericht läßt dahinstehen, ob die Beklagte aufgrund des Sicherungsübereignungsvertrages Eigentümerin der Weine geworden isto Es ist der Ansicht;, auch wenn der Vertrag im übrigen unwirksam sei, sei doch nach dem Willen der Parteien (.§ 139 BGB) 2iff® 5 des Vertrages rechtswirksam, nach der die Beklagte berechtigt gewesen sei, "jederzeit, insbesondere \*enn der (Kläger) seinen Verpflichtungen ooo nicht nachkorame, die Herausgabe der ubereigneten Weine zu verlangen und diese in Besitz zu nehmen", sowie sie "nach ihrem Ermessen zu verkaufen ooo und sich damit für ihre Forderung zu befriedigen «* 0" Die Beklagte hafte deshalb nur aus dem Gesichtspunkt positiver Vertragsverletzung, wenn sie die Weine unter Vernachlässigung der Interessen des Klägers schuldhaft zu billig verkauft habe» Aber auch wenn Ziff0 5 des Vertrages als ungültig anzuse-hen sei, gelte nichts anderes» Dann komme eine Haftung der Beklagten aus unerlaubter Handlung gemäß §§ 823 ff BGB in Frage« Ihr könne aber berechtigterweise nicht vorgevor-fen werden, daß sie - wie das Landgericht Trier in dem Prozeß b S 3°l/55 - den Sicherungsübereignungsvertrag für Diese RevisionsrUge scheitert schon daran, daß der Kläger in den Vorinstanzen einenl^bhaaensersatzanspruch aus verbotener Eigenmacht (§§ 992, 858, 823 Abs« 2 BGB)nieht geltend gemacht hat« Er hat zwar gelegentlich darauf hingewiesen, daß der Sicherungsübereignungsvertrag nichtig sei und die Beklagte sich unberechtigt in den Besitz der Weine gesetzt habe« Er hat aber daraus keine rechtlichen Folgerungen gezogen, sondern als den tragenden Grund seines Schaden ser satzanspruchs immer, und in der Berufungsinstanz besonders eindeutig (vgl« Schriftsatz des Klägers vom 22* Juni 1959 So 19, vom 26« Februar i960 S« 1), herausgestellt, dio Beklagte habe die Weine in unverantwortlicher Weise verschleudert« Dementsprechend hat er im vorliegenden Prozeß nicht dargelegt, worin die verbotene Eigenmacht der Beklagten be-» standen habe« Er hat auch - mit dem Mindererlös - nur den Schaden ersetzt verlangt, der,ihm durch die angebliche Verschleuderung der Weine entstanden sein soll, nicht aber den Schaden, den er gegebenenfalls wegen verbotener Eigen-macht hätte ersetzt verlangen können« Dieser Schadensersatzanspruch hatte oinen anderen Gegenstand als der Scha- Aufgrund der §§ 992, 853, 823 Abso 2 BGB hätte die Beklagte den Kläger so stellen müssen, wie er gestanden hätte, wenn sie ihm den Besitz nicht entzogen hätte» Dabei hätte es sich um einen Wertersatzonspruch mit der Maßgabe gehandelt, daß möglicherweise ein Schaden des Klägers überhaupt entfiel, weil, wie die Vorinstanzon in dem zweiten Vorprozeß (20 2^3/58 LG Koblenz) angenommen haben, sonst der Konkursverwalter die Weine zur Masse gezogen hätte und dann ein Zwangsvergleich nur zu einer höheren Quote zustandegekommen wäre» Der Kläger hat aber nicht einen solchen Wertersatz (auf welchen Stichtag ?), sondern den Mindererlös verlangt, um den die Beklagte die Weine zu billig verkauft habe«, Das Berufungsgericht hat deshalb keinen Rechtsfehler begangen, wenn es entsprechend dem Vortrag und der Prozeßführung des Klägers den Klageanspruch auch nur unter diesem Gesichtspunkt geprüft und beschieden hat«. veräußerto Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, daß unter Berücksichtigung der (ungünstigen) Marktlage im Frühjahr 1955 bei vorsichtiger Ausnützung aller Marktgegebenheiten ein Preis von durchschnittlich 2,25 DM je Flasche hätte erzielt werden können, vorausgesetzt, daß die Weine noch über eine entsprechende Qualität verfügt hätten» Das Landgericht hat aufgrund dieses Gutachtens die Klage abgewiesen, weil ein Mindererlös von etwa 2o % nicht die Feststellung erlaube9 die Beklagte habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt» waren im Hinblick auf das bereits vorliegende Gutachten von der erneuten Begutachtung ausgenommen*» Auf Gegenvorstellungen des Klägers9 der sich gegen das in der ersten Instanz erstattete Gutachten des Sachverständigen Dr«, DJHfc wandte, ordnete das Berufungsgericht durch Beschluß vom 28<» Oktober i960 eine Begutachtung der Weine «aller drei Gruppen durch einen anderen ' ^Gutachter an« Die Einholung des Gutachtens wurde davon abhängig gemacht, daß der Kläger einen Auslagenvorschuß einzahltoo Auf ein Armenrechtsgesuch des Klägers wurde ihm das Armenrocht nur insoweit bewilligt, als er Schadensersatzansprüche aus dem Verkauf der Weine der Gruppe A und Gruppe C geltend machte «> Dementsprechend wurde von ihm ein (geringerer) AuslagenvorschuQ für ein Gutachten Uber die Weine der Gruppe B oingefordert* Da der Kläger diesen Vorschuß nicht zahlte9 wurde von dem Sachverständigen Dro DeflB nur ein Gutachten Uber die Weine der Gruppen A und C eingeholt0 Der Sachverständige gab in seinem Gutachten lediglich einen allgemeinen tiberblick Uber die Ent-Wicklung der Preise für Moselweine von 1951 bis 1956* erklärte sich aber außerstandeg die Weine einzeln - ohne Probe - zu bewerten 9 weil die Entwicklung auf der Flasche je nach Jahrgang und Herkunft sehr verschieden sei« Das,Berufungsgericht wies die Berufung des Klägers zurück, weil es ein Verschulden der Beklagten bei der Verwertung der Weine nicht für erwiesen än~ sah® Diese Beweis Würdigung greift die Revision mit Verfahrens*» rügen an« des Jahrgangs 195^ die Preise der früheren Jahrgänge im Vergleich zu Frühjahr 1955 stark angezogen hätten« Für die Frage, ob die Weine der Gruppe B zu billig verkauft worden seien, sei deshalb auf die Marktlage im Herbst 1955 abzustellen und nicht, wie der Gutachter Dr« DflM weisungsgemäß getan habe* auf Frühjahr 1955“ Auf den Antrag des Klägers hat das Berufungsgericht die Vernehmung des Inhabers der Firma MüMM-MIM und der Frau C|p angeordnet; den Zeugen wurde aufgegeben, die Kel-lerbücher für das Jahr 1955 vorzulegen« Beide Zeugen bestätigten bei ihrer ersten Vernehmung vor dem ersuchten Richter, sie hätten die schriftlichen Kaufverträge am 23» Februar 1955 unter schrieben« Die Zeugin hatte ihr Kollerbuch nicht mitge- sondern ein altes Kellerbuch vorgelegt habe, in das er den Eingang der hier streitigen Weine nachträglich eingetragen habe« Der Kläger beantragte deshalb, den Zeugen erneut aufzugeben, die Kellerbucher vorzulegen« Das Berufungsgericht beschloß, die Zeugen zu beeidigen, und gab der Zeugin CMHI erneut auf, ihr Keller buch vorzulegen« Die Zeugin C®-M) erklärte bei ihrer zweiten Vernehmung, sie habe den Einkauf vom 23o Februar 1955 nicht in ihrem Kellerbuch eingetragen, weil dies ihr erster Einkauf von Flaschenweinen gewesen sei; wohl habe sie ein Kellerbuch Über Fuderweine geführt« bücher für 1955 iw Termin vorzulegen« Der ersuchte Richter lehnte das ab, weil das Amtsgericht nicht befugt sei, einen EeweisteSchluß des Oberlandesgerichts zu ergänzen; außerdem habe das Kellerbuch des Zeugen Vorgelegeno Im Termin bestätigte der Zeuge MüHP - mit hier nicht interessierenden Ergänzungen - seine frühere Aussage und beschwor sie« Der Kläger erstattete gegen die Zeugen Strafanzeige wegen Meineides und beantragte, den vorliegenden Rechtsstreit bis zu dem Ausschluß der Ermittlungsverfahren auszusetzeno Das Berufungsgericht zog die Strafakten, bei denen sich auch zwei Kollerbücher befanden, bei und lehnte den Aussetzungsantrag - ohne mündliche Verhandlung - ab« Das angefochtene Urteil hält den Kläger hinsichtlich des Zeitpunktes des Verkaufs der Weine der Gruppe B für beveisfällig: Die Zeugen und MüflB IX - dieser Vernehmung auch nicht aufgegeben war)« Richtig ist nach den Akten, was die Revision besonders rügt, dass das Berufungsgericht die Strafakten mit zwei Kellerbüchern zwar beigezogen (sie offensichtlich für die Entscheidung über den Aussetzungsantrag des Klägers verwertet) und alsdann zurlickge« sandt hat, ohne dem Kläger Gelegenheit zu geben, sie einzusehen o Das Verfahren des Berufungsgerichts ist rechtsfehlorheft« Der Kläger, der glaubte, mehrere Anhaltspunkte dafür zu haben, daß die Verträge vom 23« Februar 1955 zurückdatiert seien - u0a« sollen die Käufer Wechsel auf den Kaufpreis erst im Herbst 1955 gegeben haben - wollte durch die Kellerbücher, in die die Zeugen den Ankauf der Weine einzutragen hatten, nachweisen, daß ihre Aussage, sie hätten die Weine im Februar 1955 gekauft, unrichtig war« Die Kellerbücher waren dafür ein geeignetes Beweismittel« Der Kläger hatte bei der Zeugin insoweit einen gewissen Teilerfolg, als diese bei ih* rer zweiten Vernehmung einräumte, sie habe den ihr fraglichen Einkauf nicht ins Ke Her buch eingetragen« Gegen die Be-v/eiskraft des vom Zotigen MüflHP bei seiner ersten Vernehmung vorgelegten Kellerbuchs hatte der Kläger eingewandt, der Zeuge habe nicht das richtige Ke11erbuch vorgelegt« Das Berufungsgericht hat diesen Einwand nicht beschieden« Möglicherweise hat es ihn aufgrund der Einsichtnahme in die bei den Strafakten befindlichen Kellerbücher für unbegründet gehalten« Selbst wenn dies so wäre, hätte es das bei der Be v/e is Würdigung nicht verwerten können, weil dieses Ergebnis - wie die Revision mit Recht rügt - nicht aufgrund der mündlichen Verhandlung gewonnen war« Als nachprüfbare Begründung für die Nichtberücksichtigung der Kellerbücher bleibt danach allein die Erwägung des Berufungsgerichts, "es sei kaum denkbar, daß der Zeuge Küflfc unter Eid Erklärungen der Wahrheit zuwider abgegeben habe, die ihm anhand des Kellerbuches sofort widerlegt werden könnten"® Diese Erwägung ersetzte aber, so nahe sie liegen mag. bb) Die Revision rügt ferner, daß die Vorinstanzen nicht entsprechend den Anträgen des Klägers die von ihm angebotenen Konti* olive ine dem Sachverständigen zur Verfügung gestellt hätten o Sie hatten eine über eine generelle Bewertung hinausgehende Einzelbewertung der Weine ermöglichte Auch diese Rüge hat keinen Erfolge Nachdem der Sachverständige Dr® DHfe mit der Erstattung des Gutachtens beauftragt war3 fragte er beim Landgericht zurück, ob die Weine nur generell (nach Herkunft und Jahrgang) oder speziell nach ihrer konkreten Qualität bewertet werden sollten® Er wies darauf hin, daß eine spezielle Bewertung gegenüber einer generellen ihre sachlichen Vorteile habe, aber nur aufgrund fachmännischer Probe erfolgen könneo Der Kläger behauptete, zu dem Teil noch Probeflaschen stellen zu können® Das Landgericht ordnete generelle Bewertung an und begründete dies im tJrteil damit, eine spezielle Bewertung hätte sich nur für einige wenige Sorten durchführen lassen, weil der Kläger nur mehr einige - teilweise erst später gekaufte -Probeflasehen zü^Verfügung stellen könne, bei denen zudem die Feststellung der Identität Schwierigkeiten gemacht hätte® In der Berufungsbegründung beanstandete der Kläger das Verfahren des Landgerichts und erklärte sich in der Lage und bereit, für 7 der zu begutachtenden Weine Proben zur Verfü“ gung zu stelleno Das Berufungsgericht ist hierauf nicht ein-gegangen® Bezüglich der Weine der Gruppe B wertet es das in der ersten Instanz erstattete Gutachten des Sachverständigen Dr® aus, bezüglich der Weine der Gruppe A und C, die von Dr® De^/0 begutachtet worden sind, stellt es fest, daß Proben dieser Weine nicht mehr zur Verfügung ständen® klagten .erzielten Verkaufspreisen und kommt zu dem Ergebnis, die Differenzen seien nicht so groß, daß sich daraus auf eine Verschleuderung durch die Beklagte schließen lasse (was die Revision mit weiteren Verfahrensrügen angreift)o Das Entsprechende gilt für die Ausführungen des Berufungsurteils zu den Weinen der Gruppe Co Hinsichtlich der Weine der Gruppe B, die zu dem Teil mit denen der Gruppen A und C identisch sind, enthält das Berufungsurteil keinen gesonderten Vergleich mit den Schätzwerten Mppp^, sondern beschränkt sich auf eine Auswertung des Gutachtens .des Sachverständigen Dr© Dp^p© Die Ver- j fahrensrüge des Klägers (§ 286 ZPO) greift durch« wiesen 3 daß einer generellen Bewertung der Weine notwendig gewisse Mängel und Fehlerquellen anhafteten« Der Sachverständige Dr© Dep^ hatte sich sogar einer generellen Bewertung enthalten, stattdessen nur eine Übersicht über die Preisentwicklung gegeben und darauf aufmerksam gemacht, daß eine Einzelbewertung nur durch den vom Kläger als Zeugen und Sachverständigen benannten Weinkommissionär Wagner erfolgen könne« Das Berufungsgericht war gleichwohl in der Auswahl des Sachverständigen frei« Es ist deshalb nicht rechts fehlerhaft, wenn es nicht den Nikolaus Wppp| zu dem Sachverständigen bestellt hat, weil es dies- anscheinend veil der Kläger ihn als Sachverständigen benannt hatte - nicht für angebracht hielt« Das Berufungsgericht mußte aber dem Sachverständigen die Unterlagen verschaffen, die ihm überhaupt erst die Erstattung eines Gutachtens ermöglichten© Dafür mußten die konkreten Erkenntnisse, die Nikolaus WflHP über die Qualität der Weine durch eigene Proben gewonnen hotte , dem Sachverständigen zugänglich gemacht werden« Das konn-te das Berufungsgericht, wenn es nicht schon Wagner als Sachverständigen nehmen wollte, dadurch, daß es ihn entsprechend dem Antrag des Klägers als sachverständigen Zeugen über das Ergebnis seiner Weinprobe vernahm» Auf diese Weise konnte der Sachverständige, wenn er dazu noch dio von geschlitzten Wer- Da nicht auszuschließen ist, daß ein solches Gutachten zu einem dem Kläger günstigeren Ergebnis gelangt wäre als die lediglich abstrakten Bewertungsversuche des Berufungsurteils, und dessen BeweisWürdigung im Ergebnis beeinflußt hätten, mußte das Berufungsurteil seinem ganzen Umfange nach gemäß § 565 ZPO aufgehoben werden*