BGH · VIII ZR 245/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ebenfalls am lo» August i960 bestellte der Beklagte beim Kläger einen fabrikneuen ’’Claas SF”-Mähdrescher zu dem Preise (einschließlich Zubehör) von 27 9^6 DM0 Als Lieferzeit war Ende September i960 vereinbarte Nachdem in der Zwischenzeit bei dem gebrauchten Mähdrescher weitere Reparaturen angefallen waren, schrieb der Beklagte am 280 August i960 an den Kläger, er fordere ihn hiermit auf, innerhalb lo Stunden zu ihm zu kommen, und seine Maschine in Empfang zu nehmen, den Kaufvertrag für den neuen S„Fo widerrufe er0 Mündliche Verhandlungen zwischen den Parteien zur Beilegung des Streites blieben ergebnislos« Mit Schreiben vom l*fo Oktober i960 forderte der Kläger den Beklagten auf, den neuen Mähdrescher bis spätestens zu dem 2o0 Oktober i960 abzunehmen und den Kaufpreis zu bezahlen; nach fruchtlosem Ablauf der Frist werde er Schadensersatzansprüche geltend machen« nicht dem Beweisangebot des Beklagten nachgegangen, Es halt für allein entscheidend, daß nach dem Kaufvertrag vom Io« August i960 der Beklagte den Listenpreis in bar "ohne jeden Abzug“ zu zahlen habeo Die Revision rügt c?ls Verstoß gegen § 206 ZPO, das Berufungsgericht habe übersehen, daß nach dem Kaufvertrag der Parteien der am Liefertag gültige Fabriklistenpreis vereinbart sei; auch habe geprüft worden müssen, ob nicht in der Vereinbarung zwischen Hersteller und Händler (Kläger) über die Rabatt« und Skontogewährung ein Vertrag zugunsten des Kunden (Beklagten) zu erblicken sei»Bei einem Hinweis nach § 139 ZPO hätte der Beklagte vorgetragen, daß die Firma (Hersteller) "bewußt mit ihren Händlern die Vereinbarung so traf, daß Rabatt und Skonto der genannten Art den Käufern der Mähdrescher zugute kommen müsse»11 Das nutzt jedoch dem Beklagten nichts» Denn durch die Gewährung von Sonderrabatt und Skonto wurde der Fabriklistenprois nicht geändert, sondern der unveränderte Fabriklistenpreis war im Gegenteil die Berechnungsgrundlage für beide» Ferner konnte das Berufungsgericht aus dem Vortrag des Beklagten nicht entnehmen, dar Hersteller habe den Händlern die Weitergabe von Rabatt und Skonto an den Kunden zur Pflicht gemacht, noch weniger, daß insoweit sogar, wie das Vorbringen der Revision zu verstehen sein dürfte, der Vertrag zwischen Hersteller und Händler für den Kunden unmittelbar einen Anspruch auf Einräumung dieses Rabatts gegen den Händler begründet habe» Das Berufungsgericht konnte sich deshalb damit begnügen, die Höhe des Schadens des Klägers damit zu begrün- Lieferungsbedingungen" des Klägers war "der Kaufpreis zahlbar »»» in bar ohne jeden Abzug oder lt» jeweiliger schriftlicher Vereinbarung»" Danach hat das Berufungsgericht ohne Hechtsfehler angenommen, daß der Kläger den hier streitigen Rabatt und den ihm selbst eingeräumten Skonto nicht an den Beklagten weitergegeben hat» Dann aber hatte der Kläger auch in Höhe dieser Beträge einen Schaden» Gegen die Höhe des dem Kläger‘zugebilligten Schadensersatzanspruchs sind deshalb aus Rechtsgründen Bedenken nicht zu erheben» a) Nach der "Vereinbarung" vom lo» August i960, deren Rechtswirksamkeit im Berufungsrechtszuge von beiden Parteien nicht mehr in Zweifel gezogen worden ist* war der Kläger verpflichtet, den gebrauchten Mähdrescher zu dem 1» Februar 1961 zurückzunehmen gegen Rückzahlung des Kaufpreises abzüglich 1 Joo DM, die der Beklagte sich als "Minderung für Benutzung1' anrechnen lassen sollte» Da der Beklagte auf den Kaufpreis für diesen Mähdrescher unstreitig 11 5o° DM gezahlt hat, hat das Berufungsgericht zu Hecht den Kläger zur Rückzahlung von lo ooo DM an den Beklagten, gegen Rückgabe des Mähdreschers in einwandfreiem Zustand, verurteilt» Der Sinn der Vereinbarung vom lo» August i960 war, daß der Beklagte den Mähdrescher bis zu dem 1» Februar 1961 behalten und benutzen durfte, und daß er ihn alsdann zurückzugeben hatte, während der Kläger den Kaufpreis (soweit gezahlt), unter Verrechnung von 1 ?oo IM für die Benutzung, zurückzahlen mußte» Danach war die Forderung des Beklagten (spätestens) am 1» Februar 1961 fällig; der Kläger brauchte aber gemäß §§ 32o, 322 BGB nur Zug um Zug gegen Rückgabe des Mähdreschers zu zahlen» Für die materielle Rechtslage ist es ohne Belang, wie der Beklagte sich bisher zu einer Rückgabe gestellt hat, und ob der Mähdrescher sich zur Zeit nicht "in einem einwandfreien'Zustand" im Sinne der "Vereinbarung" vom lo» August i960 befindet» Der Kläger ist dadurch geschützt, daß nach § 756 ZPO die Vollstreckung erst beginnen darf, vrenn der Beklagte den Mähdrescher in einer den Verzug der Annahme begründenden Weise, d»h» "in einwandfreiem Zustand" angeboten hat, worüber gegebenenfalls gemäß § 766 ZPO das Vollstrek-kungsgericht zu entscheiden hat» Richtig ist, daß bei dieser Entscheidung die Vollstreckungsorgane vor der Schwierigkeit stehen, entscheiden zu müssen, ob der Mähdrescher sich in ein- v/andfreiem Zustand befindet* Was darunter zu verstehen lst3 ist durch Auslegung des Berufungsurteils zu ermitteln und begegnet entgegen der Meinung der Revision jedenfalls keinen unüberwindlichen Schwierigkeiten« Das Urteil ist deshalb insoweit auch nicht zu unbestimmt0 Das Berufungsgericht war überhaupt nicht in der Lage, den "einwandfreien Zustand”, in dem der Mähdrescher sich bei der Rückgabe befinden sollte, dahin zu konkretisieren, daß bestimmte Mängel zu beheben seien) denn solche hat der Kläger nicht vorgetragen0 b) Seine Schadensersatzansprüche hat der Beklagte damit begründet, er habe wegen des schlechten Zustandes mit dem Mähdrescher llo ha Getreide nicht schneiden können, woraus sich ein Verdienstausfall von llo x loo - 11 ooo DM ergebe« Ferner habe er, um wenigstens den dringendsten Lohndruschverpflichtungen nachzukommen, aus seinem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb einen kleinen Mähdrescher abziehen müssen, wodurch ihm selbst ein Ernteausfall von 3 ooo DM entstanden seio Schließlich nehme ein Kunde ihn auf 8 ooo DM Schadensersatz in Anspruch, weil er bei diesem den Mähdrescher nicht rechtzeitig habe einsetzen können, so daß auch dieser Kunde einen erheblichen Ernteausfall gehabt habe» Das Berufungsgericht hält die Schadensersatzansprüche schon deshalb für unbegründet, weil die Parteien die Klausel im Kaufvertrag vom Io» August i960 "eine Ernte volle Fabrikgarantie" dahin verstanden hätten, daß der Kläger - wie auch sonst im Landmaschinenhandel üblich - für Ausfallschäden überhaupt nicht haften solltec Diese Auslegung greift die Revision nicht an, ein Rechtsfehler ist insoweit auch nicht ersichtlich* Die Revision des Beklagten wändet sich lediglich gegen die Hilfsbegründung des Berufungsurteils, auf jeden Fall habe der Beklagte in der "Vereinbarung" vom loo August i960, durch die der ganze Streit wegen des Mähdreschers habe bereinigt werden sollen, sich aller Ansprüche begebene Darauf kommt, es ober nicht an, weil schon die nicht angegriffene Hauptbe- Ohne Erfolg muß auch die Rüge des Beklagten bleiben, das Berufungsgericht habe den Vortrag des Beklagten außer acht gelassen (§ 286 ZPO), daß der Kläger seine Pflicht zur sofortigen Reparatur des Mähdreschers noch nach dem lOo August i960 verletzt habe, weil er Reparaturen nur mit Verzögerung oder überhaupt nicht vorgenommen habe; darauf sei wenigstens ein Teil des Gesamtschadens zurückzufUhren0 Nach dem Tatbestand des Berufungsurteils und der dort in Bezug genommenen Berufungsbegründung des Beklagten vom 7° März 1962 hat der Beklagte in der Berufungsinstanz seine Schadensersatzansprüche ausschließlich darauf gestützt, daß der Kläger schuldhaft einen unbrauchbaren Mähdrescher geliefert habe (positive Vertragsverletzung) 0 Das Berufungsgericht hatte keinen Anlaß, gemäß § 139 ZPO dem Beklagten nahezulegen, für seine V/iderklage durch Ergänzung seines Vortrages eine neue Anspruchsgrundlage in den Prozeß einzuführeno Die Revision des Beklagten war deshalb zurückzuweisen» 3» Der Kläger hat in der Berufungsinstanz gegenüber der Forderung des Beklagten auf Rückzahlung der lo 000 DM mit Gegenforderungen aufgerechnet, die zu einem kleineren Teil mit dem Kaufvertrag vom 3° Mai 1960, zu dem größeren Teil mit dem Kauf eines anderen Mähdreschers Zusammenhängenc Das Berufungsgericht hat die Aufrechnungseinwendung gemäß § 529 Abso 5 ZPO nicht zugelassen, weil ihre Geltendmachung in dem anhängigen Verfahren nicht sachdienlich sei: Die Prüfung der bestrittenen Gegenforderungen erfordere eine umfangreiche Beweisaufnahme, was den entscheidungsreifen Rechtsstreit in die Länge ziehen würde, und belaste den Prozeß mit einem völlig neuen Streitstoffo Die Revision rügt Verletzung des § 529 Abs0 5 ZPO, Sie macht in erster Linie geltend«, der Kläger habe gegenüber der Forderung des Beklagten auf Rückzahlung der lo ooo UM die Aufrechnung nicht früher erklären können, weil der Beklagte diese Forderung erst in der Berufungsinstanz geltend gemacht habe«, Das ist sachlich unzutreffend und wäre auch unerheblich«, Der Beklagte hat schon in der ersten Instanz bei der Berechnung seiner Gegenforderung den Kaufpreis für den gebrauchten Mähdrescher in Rechnung gestellt, allerdings nicht nur in Höhe der von ihm geleisteten Zahlung, sondern - mit einer hier nicht mehr interessierenden Begründung -den vollen Kaufpreis von 17 5oo DM» In der Berufungsinstanz hat er lediglich die rechtliche Klagegrundlage geänderte Nachdem er in der ersten Instanz mit der Anfechtung der Verträge wegen arglistiger Täuschung nicht durchgedrungen war, hat er sich auf den Standpunkt gestellt, die Verträge seien rechtswirksam ,und hat deshalb die lo ooo DM nunmehr aufgrund der ’'Vereinbarung1' vom lo» August i960 verlangt» Der Kläger konnte demnach mit seiner Gegenforderung bereits in der ersten Instanz auf rechnen» Im übrigen ist für § 529 Abs«, 5 ZPO - anders als bei den Absätzen 2 und 3 dieser Bestimmung -Verschulden der Partei nicht Voraussetzung für die Verneinung der Sachdienlichkeit, wie der Bundesgerichtshof schon in BGHZ 17? Daß die Niederschrift über die mündliche Verhandlung vom 12» Dezember 19&2 insoweit nichts über einen Widerspruch des Beklagten enthält, ist ohne Belango § 16b ZPO gibt der Niederschrift Beweiskraft nur für die Förmlichkeiten des Verfahrens, jedoch nicht für die Frage, ob und in welcher Weise eine Partei sich auf den Vortrag des Gegners eingelassen hat*