BGH · VIII ZR 244/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 19 » Mai 1969 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr. Gelhaar, Artl, Dr. Messner, Mormann und Braxmaier für Recht erkannt: Die Revision gegen das Urteil des 2, Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 20o Oktober 1967 wird auf Kosten des Beklagten mit der Maßgabe zurückgewiesen, daß der Rechtsstreit hinsichtlich der Verurteilung zu 1 und 2 des Urteils der Kammer für Handelssachen des Landgerichts Heilbronn (Neckar) vom 3° Mai 1967 in der Hauptsache erledigt ist o befanden sich 1 Musikbox und 2 Spielautomaten (Fußballspiel und Bingo), die von der Klägerin dort auf Grund von Verträgen mit dem Pachtvorgänger des Beklagten, Udo auf gestellt worden waren. Am 2o März 1966 legte der Ehemann der Klägerin dem Bruder Georgios Bo des Beklagten je einen in Maschinenschrift entworfenen Mietvertrag für jedes der drei Geräte zur Unterzeichnung vor, nach deren Inhalt “Der Vermieter“ an den Aufsteller eine Fläche zur Aufhängung des bezeichneten Spielgeräts für die Dauer von drei Jahren überläßto Jeder Vertrag sieht neben anderen Regelungen für den Vermieter eine verschieden hohe Beteiligung an den Bruttoeinnahmen vor«, In Uro 8 heißt es, daß Spielautomaten von anderen Firnen in dem Lo3cal nicht unterhalten werden« Bei der Vorlage dieser Schriftstücke war der Hane des Vernieters an der hierfür offengelassenen Stelle noch nicht angegeben« Der Bruder des Beklagten setzte in den Vertrag für die Musikbox handschriftlich seinen Namen (als Vermieter) ein und Unterzeichnete alle drei Schriftstücke an der hierfür für den Vernieter vorgesehenen Stelle mit seinem Nameno Der Vertrag über den Spielautomaten Fußballspiel enthält oben im Kopf keine Angabe des Vermieters, dagegen ist in dem Vertrag über den Spielautomaten Bingo oben handschriftlich WA» Paba-doboulos“ vermerkt worden« Juni 1966, die Geräte in seinem Lokal in Betrieb zu halten* Er stellte sich auf den Standpunkt, er habe keine AufStellverträge über sie abgeschlossen* Sein Bruder sei nicht bevollmächtigt gewesen, neue Mietverträge mit einer Laufzeit von 3 Jahren abzuschließen* Bei der Vorlage der Schriftstücke zur Unterzeichnung habe der Ehemann der Klägerin erklärt, es handle sich lediglich um eine Bestätigung dafür, daß die Geräte einwandfrei übernommen wurden» Lies solle ihm der Bruder Geor-gios durch seine Unterschrift bestätigen» Mit Anwaltschreiben vom 16» Juni 1966 wurden die Verträge wegen arglistiger Täuschung angofochten» Die Geräte wurden dann aus dem Aufstellungsraum entfernt» Die Vertragsurkunden vom 2» März 1966 seien zwar von dem Bruder des Beklagten unterschrieben worden« Dabei habe jedoch sein Bruder als Vertreter des Beklagten gehandelt« Die Beweisaufnahme rechtfertige ferner die Peststellung, daß Georgios P» die erforderliche Vertretungsmacht zu dem Abschluß der Verträge besessen habe» vom Beklagten ermächtigt worden sei 9 die Mietverträge mit der Klägerin abzuschließen« Das durch die Verträge begründete Rechtsverhältnis sei den Vorstellungen und Absichten des Beklagten nicht zuv/i-dergelaufen, der von allem Anfang an bei der Übernahme der Gastwirtschaft bereit und willens gewesen sei, die von der Klägerin dort aufgesteilten Automaten zu übernehmen und weiter in Betrieb zu halten« Die Behauptung des Beklagten, sein Bruder habe nicht im Rahmen ihm übertragener Vertretungsmacht gehandelt, sei durch sein eigenes Verhalten und durch die Beweisaufnahme widerlegt worden« Das Einverständnis des Beklagten mit den Verträgen lasse sich daraus schließen, daß er in den folgenden Monaten bis Anfang Juni 1966 entsprechend den Inhalt der Verträge mit der Klägerin oder deren Ehemann über das Einspielergebnis der Automaten abgerechnet und während dieser Zeit die Geräte in Betrieb gehalten habe« Abgesehen hiervon habe ais Zeuge bekundet, Ge- gen mit dem Vorpächter und dem Ehemann der Klägerin bereit war, die Aufstollverträge seines Vorpächters zu übernehmen» Sondern es hat insbesondere auch in Betracht gezogen, daß die von Georgios P» Unterzeichneten Verträge ihm, wie das Berufungsgericht feststellt, vorgelesen worden sind» Daraus durfte das Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß folgern, daß er über den Inhalt der Schriftstücke ausreichend unterrichtet worden war, als er sie Unterzeichnete» Es ist auch kein Verfahrensfehler darin zu finden, daß das Berufungsgericht in den von ihm gewürdigten als unstreitig oder erwiesen anzusehenden Umständen einen ausreichenden Beweis dafür gefunden hat, daß Georgioa P» die Verträge in Vertretung des Beklagten unterschrieben hat und dieser hiermit einverstanden war« Dem steht nicht entgegen, daß Georgios P» bei der Unterschrift nicht ausdrücklich vermerkt hat, daß er als Vertreter des Beklagten unterschrieb» Denn das kam schon dadurch zu dem Ausdruck, daß unstreitig der Beklagte Pächter der Gastwirtschaft war und deshalb er, auch für Georgios P» erkennbar, durch den Vertrag verpflichtet werden sollte» 2» Die Revision wendet sich auch vergeblich gegen die Feststellung des Berufungsgerichts, daß der Beklagte mit der Unterzeichnung der Verträge für ihn einverstanden gewesen sei» Sie rügt, das Berufungsgericht hätte sich auch mit dem Umfang der Vertretungsmacht auseinandersetzen müssen» Es fehle an einem ausreichenden Anhaltspunkt dafür, daß der Beklagte seinen Bruder be- vollmächtigt habe, auf 3 Jahre lautende Verträge abzuschließen • Die vom Berufungsgericht gewürdigten Umstände sprächen nur dafür, daß Georgios Po Vollmacht zur Übernahme der Geräte gehabt habe, nicht aber zun Abschluß von Verträgen mit einer Laufzeit von 3 Jahren und mit der Verpflichtung, keine anderen Geräte aufzustellen, die zudem in den Formularen unklar gefaßt seio Auch insoweit bestehen indes gegen das Berufungsurteil keine rechtlichen Bedenken, denn das Berufungsgericht durfte der von ihm getroffenen Feststellung, die Verträge seien dem Bruder des Beklagten vorgelesen worden, und dem weiteren Umstand, daß der Beklagte über die Einnahmen längere Zeit nach Maßgabe der Verträge mit der Klägerin abgerechnet hat, entnehmen, daß er auch hinsichtlich der Dauer und des sonstigen Inhalts mit den Unterzeichneten Verträgen einverstanden war» 3» Die Ansicht der Sevision, der Beklagte habe die Verträge jedenfalls wegen Irrtums über ihren Inhalt wirksam angefochten, kann deshalb keinen Erfolg haben, weil nach den Feststellungen des Berufungsgerichts der Bruder des Beklagten über ihren Inhalt ausreichend unterrichtet war und der Beklagte sich die Kenntnis seines Vertreters von dem Inhalt der Verträge anrechnen lassen muß» Dafür, daß Georgios Po die Verträge nicht richtig verstanden habe, wie die Revision meint, fehlt es an einem ausreichenden Anhaltspunkt im Sachverhalte Deshalb hält das Berufungsurteil auch insoweit den Angriffen der Revision Stande