BGH · VIII ZR 241/69
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIII* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 25* November 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br* Haidinger sowie der Bundesrichter Br* Gelhaar, Br* Mezger, Br* Messner und Mormann für Recht erkannt: Von Rechts wegen Baut Auftragsbestätigung Nr. 7905 vom 18*Juni 1963 der Birma & Schu^B AG in OBIIBIpdie ihre den Gegenstand des Rechtsstreits bildende Torde-rung an die Klägerin abgetreten hat und daher im folgenden als Zedentin bezeichnet wird, kaufte der Beklagte von der Zedentin 20 000 m Stoff, und zwar wahlweise Artikel 1063 zu 9? vember 1965 ließ die Zedentin dem Beklagten zur Abnahme der restlichen Ware aus dem Kontrakt Nr« 790$ eine Nachfrist von einem Monat setzen mit der Androhung, daß sie nach Ablauf der Frist die Leistung ablehnen und Schadensersatz wegen Nichterfüllung begehren werde» März 1966 hatte die Klägerin Klage eingereicht, mit der sie Ersatz des der Zedentin durch die Nichtabnahme des restlichen Stoffes aus dem Kontrakt Nr. 7905 entstandenen Schadens in Höhe von 20 189,99 PH nebst Zinsen begehrte. der den Beklagten verpflichtete, die ihm Vorbehalte-ne Bestimmung der zu liefernden Ware zu treffen» Es könne indes dahinstehen, so meint das Berufungsgericht, oh der Beklagte mit dieser Verpflichtung spätestens durch das Schreiben der Zedentin vom 16* November 1965 in Verzug geraten sei, denn die Zedentin sei von der in diesem Schreiben enthaltenen Erklärung später wie-der abgerückt und habe zu erkennen gegeben, daß sie nicht mehr auf der angedrohten Haltung beharren wolle» Spätestens mit dem Schreiben vom 10» März 1966 habe sie zu dem Ausdruck gebracht, daß sie unter Aufgabe ihres früheren Standpunkts bereit sei, den Beklagten auf den noch offenen Auftrag mit dem nunmehr von ihm gev/ünschten Stoff zu beliefern» Dieses der Klage entgegenstehende Verhalten der Zedentin müsse die Klägerin gegen sich gelten lassen» Bern Beklagten könne es nicht zu dem Nachteil gereichen, daß er nach Klageerhebung keine Auswahl mehr getroffen habe» Er bleibe allerdings verpflichtet, in Höhe des Wertes der noch nicht ahgenommenen Stoffmenge von 7 700 m entsprechend den getroffenen Vereinbarungen Ware abzunehmeno a) Es enthält allerdings entgegen der Ansicht der Revision keinen Rechtsfehler, daß das Berufungsgericht dem Schriftwechsel im März 1966 entnommen hat, die Zedentin sei zu einem Entgegenkommen gegenüber dem Beklagten bereit gewesen und habe seinem Wunsche entsprechen wollen, ihn in Erledigung des al~ b) Rieht gefolgt werden kann indes dem Berufungsgericht in seiner Beurteilung, daß dieses Verhalten der Zedentin der mit der Klage geltend gemachten Forderung entgegensteht „ Bei der Entscheidung müssen die Gesamtumstände berücksichtigt werden«Dabei darf nicht außer Betracht bleiben, daß der Beklagte auf das Schreiben des Rechtsanwalts Dr»AflHH| vom 16« Kovember 1965 nicht geantwortet hatte« Wenn die Zedentin trotzdem durch ihren Vertreter Be^f im Januar 1966 wieder an den Beklagten herantrat und sich in dem Schriftwechsel vom März 1966 nach der Auslegung des Berufungsgerichts bereit erklärte, anstatt der in dem Kontrakt 7905 vorgesehenen Stoffe nunmehr einen reinwollenen Granits-Stoff zu liefern, so läßt sich dies nur mit ihrem Wunsche erklären, die Geschäftsverbindung mit dem Beklagten aufrechtzuerhalten, von der sich die Zedentin offenbar Butzen versprach, den sie höher einsohätzte als den ihr aus der Abnahmeweigerung des Beklagten entstandenen Schadensersatzanspruch« Der Verzug des Beklagten mit seiner Ahnahmepflicht, den das Berufungsgericht unterstellt, wurde indes nicht dadurch beendigt, daß die Zedentin sich mit dem Beklagten in Verbindung setzte und ihn dazu zu bewegen suchte, die Angelegen- c) Selbst wenn die rechtliche Würdigung des Berufungsgerichts zugrunde gelegt und angenommen wird, daß die Zedentin sich auf den möglicherweise durch das Mahnschreiben des Hechtsanwalts Br« AflHI vom 16« November 1965 eingetretenen Verzug des Beklagten mit der Abnahmeverpflichtung wegen ihres Verhaltens ira.Januar und März 1966 nicht berufen könne, so würde doch in der KlageZustellung eine erneute Mahnung liegen, die geeignet war, den Beklagten in Verzug zu setzen« Allerdings enthielt die Klageschrift keine neue Fristsetzung und auch nicht die Erklärung,daß die Zedentin die Annahme der Beratung des Beklagten nach dem Ablauf der Frist ablehne« Nach einhelliger Meinung in Schrifttum und Rechtsprechung ist indes die Fristsetzung entbehrlich, wenn der Schuldner die Erfüllung ernstlich und endgültig verweigert hat« Bas ist hier der Fall« Ber Beklagte hat sich im Rechtsstreit von Anfang an dahin eingelassen, es sei zwischen dem Vorstand der Zedentin und ihm vereinbart worden, daß der Kontrakt 7905 hinsichtlich der Restmenge von 7 700 m nicht ausgeführt werden sollte, und er sei zur Abnahme der Restmenge weder verpflichtet nocht bereit« Biesen Standpunkt hat der 3o Das angefochtene Urteil läßt sich daher mit der in ihm gegebenen Begründung nicht halten« Eine Entscheidung in der Sache selbst ist dem erkennenden Senat hei dem gegenwärtigen Stand des Verfahrens nicht möglich, weil weitere tatsächliche Aufklärung erforderlich ist« Der Beklagte wäre nämlich dann nicht in Verzug gekommen9 wenn die Zedentin, wie er behauptet hat, gar nicht in der Lage gewesen wäre, einwandfreie Ware auf den Kontrakt 7905 zu liefern, und wenn die von der Zedentin auf diesen Vertrag gelieferten Stoffe wiederholt so schlecht gewesen wären, daß der Beklagte ihre Abnahme ablehnte und sie zurückgab.Sollte dieses Vorbringen, dessen Prüfung das Berufungsgericht - von seinem Standpunkt aus mit Recht - unterlassen hat, sich als zutreffend erweisen, so wäre der Beklagte möglicherweise berechtigt gewesen, von dem ganzen Vertrage zurückzutreten» In seinem Verhalten gegenüber der Zedentin könnte möglicherweise eine solche Rücktrittserklärung erblickt werden, die - falls sie begründet wäre - den Beklagten von der Verpflichtung zu weiteren Abrufen auf den Kontrakt 7905 freistelien wurde.