BGH · VIII ZR 238/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 15«, Oktober 1969 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Haidinger sowie der Bundesrichter Dr„ Gelhaar, Artl, Dra Messner und Hermann für Hecht erkannt: Die Rechtsvorgängerin des Beklagten schlo/3 am 18o September 1962 mit der Klägerin einen Vertrag, wonach sie dieser das ausschließliche Recht einräumte, ihr Grundstück "auf Bims auszubeuten”„ Die Vergütung sollte 60 DM je Rute betragene Eine entsprechende Dienstbarkeit wurde auf dem auszubeutenden Grundstück eingetragen«, schient vone/nailer getrennt sind: Gelegentlich kommt esj wie z.B« im vorliegenden Falle auch vor, daß sich zwischen Oberbiras und Unterbims auch noch eine Tauchschicht befindet» Tauch und Britz sind beide bimshaltigo Dem Regelfälle (Bestehen nur einer Britzschicht als Trennschicht zwischen Oberbims und Unterbims) Rechnung tragend ist in § 8 des Bimsausbeutevertrages (BAbV) bestimmt! Der Beklagte hat das auszubeutende Grundstück schon wenige Wochen nach Vertragsschluß erworben» Kr bestreitet nicht, daß Rechte und Pflichten seiner Verkäuferin aus dem 3AbV auf ihn übergegangen sind» Die Klägerin entnahm dem Grundstück alsbald den Oberbims und planierte es unverzüglich wieder für die Zwecke der landwirtschaftlichen Nutzung ein» Gleichwohl teilte sie dem Beklagten am 9» November 1962, also kur'z danach, mit, daß sie gewillt sei, auch den Unter-bims auszubeuten; sie werde, so führte sie weiter aus, im Frühjahr 1963 damit beginnen» Der Beklagte antwortete da es sich um eine Vertragsordnung handelt, wie bei Gesetzen zu erfolgen, und zwar unabhängig von dem Einzelfall - es sei denn, daß, was hier aber nicht in Frage kommt, die Parteien eigens abweichende Bestimmungen getroffen haben aus sich heraus unter Abwägung der Belange der beiden Wirtschaftskreise, denen die Vertragschließenden angehören0 Mit Recht geht dieses davon aus, daß sich aus § 2 des BAbV, wo nur bestimmt ist, daß sich die Ausbeute auf Bims oder bimshaltigen Sand erstrecke, noch keine eindeutige Regelung darüber- ergibt, ob auch die Tauchschicht entnommen werden darf, die, was unter den Parteien unstreitig ist, zwar Einsprengungen von Bims enthält, aber bei einer Ausbeute nach den bisherigen Aufbereitungs^verfahren verloren gegangen wäre, also in ihrem sonstigen Bestände dem Grundstück nicht mehr hätte zugeführt werden können0 Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, daß eine objektive Auslegung des § 8 des Vertrages dahin führt, dem Ausbeuteberechtigten die Entnahme des Tauches zu verbieten, § 8 regelt den Fall, daß die obere und die untere Bimsschicht anstelle der nur selten vorkommenden zusätzlichen Tauchschicht nur durch eine Britzschicht voneinander getrennt sind0 § 8 bestimmt, daß die abgesonderte Britzschicht, die ebenso wie die Tauchschicht birashaltig ist, auf dem ausgebouteten Gelände so einzufüllen ist, daß sie unter den Mutterboden zu liegen kommt« Hieraus ist der Rechtsgedanke zu entnehmen, daß auch andere Zwischenschichten solcher Art, die keinen reinen Bims oder Bimssand darstellen, un-ausgebeutet dem Grundstück wieder zugeführt werden müssen Die Klägerin hat in den Vorinstanzen keine stichhaltigen Gründe dafür vorzubringen vermocht, daß die Tauchschicht anders behandelt werden müsse als die Britzschicht « Die Gleichbehandlung der beiden Zwischenschichten entspricht allein dem Sinn und Zweck der im Formularvertrag enthaltenen Bestimmungen« Unerheblich ist es deshalb au^h, wenn in neuester Zeit das eine oder aridere Unternehmen dazu übergegangen sein sollte, sich die Tauchschicht nutzbar zu machen« Denn die Parteien eines solchen AusbeuteVertrages sind nicht gehindert, ausdrücklich oder -stillschweigend vom Formularvertrag abweichende Vereinbarungen zu treffen, die aber im vorliegenden Falle weder festgestellt noch auch nur behauptet sind« sera daher zu demindest keinen Vorteil bringe, geht an der Tatsache vorbei, daß die Entfernung der Tauchschicht eine weitere Senkung der Oberfläche bedeutet, was sich entgegen der Ansicht der Revision im Regelfall auch bei landwirtschaftlicher Nutzung nachteilig auswirken muß und v/as ersichtlich auch der Grund dafür ist, daß gemäß § 8 des BAbV die Britzschicht dem Grundstück wieder zugeführt werden muß« Dieser Nachteil könnte auch bei einer gleichen Behandlung der Nachbargrundstücke nicht in vollem Umfang verhindert werden« Da die Klägerin somit kein Recht hat, die Tauchschicht auszubeuten, erweist sich ihre gegen das klage-abweisende Urteil gerichtete Revision als unbegründet« Sie war daher mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO zurückzuweisen o