BGH · VIII ZR 228/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BGB § 766 Hat nach der Bürgschaftsurkunde der Bürge sich für eine Wechselschuld verbürgts so ist es eine Frage der Ausle-gung9 ob sich die Bürgschaft auch auf die: Schuld erstreckt ö auf die der Hauptschuldner derT Wechsel gegeben hato Bei der Auslegung können auch außerhalb der Urkunde liegende Umstände berücksichtigt werden-. Auf die Revision der Klägerin wird das Teilurteil des 2«, Zivilsenats des Oberlandesgerichts Saarbrücken vom 12«, Oktober 1965 aufgehobene Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung - auch über die Kosten der Revision - an das Berufungsgericht zurückverwiesen* "Die Firma R0 K^BPb Holzgroßhandlung, hot die nachfolgend angeführten Wechsel akzeptiert., die mit dem Aval des Herrn Peter KB1B versehen sind und der Firma Felix MflBI^B (^as ist die Klägerin) zugeleitet v/urden0 PflHBs hat die nachfolgend aufgeführten Wechsel akzeptiert3 die mit dem Aval dos Herrn Poter K( versehen sind und der Fa* Felix PIMH^? Damit sind die Eheleute aus der gegebenen selbstschuldnerischen Bürgschaft entlastet, Die Klägerin hat gegen die Beklagten zu 2 und 3 den Wert von rd«, 40 000 Ni* abzüglich gezahlter 3 000 DM eingeklagt o Die Beklagten bestreiten u,ac9 daß ein Bürg-schaftsvertrag zustande gekommen sei und machen hilfs-v/eise die Beschränkung ihrer Erbenhaftung geltende Das Landgericht hot unter Anrechnung v/eiterer Zahlungen des Hauptschuldnero der Klage im v/esentlichen entsprochen und den Beklagten die Beschränkung der Haftung auf den Nachlaß Vorbehalten« Das Berufungsgericht hat durch Teilurteil die Klage in Höhe des Gegenv/erts von rd, 28 000 NP abgev/iesen« Dagegen richtet sich die Revision der Klägerin» Die Beklagten beantragen, die Revision zurückzuweisen« Peter habe durch Vertrag mit den Eheleuten deren Verpflichtung aus der Bürgschaft vom 4» März 1959 übernommen« Nach dem eindeutigen Wortlaut hätten sich die Eheleute nur für die auf ge- liegenden Kaufpreisschulden„ Hätte sich die Bürgschaft auch auf diese beziehen sollen, so hätte dies im Hinblick auf die Eormvorschrift des § 766 BGB in der Bürgschaftserklärung seinen Ausdruck finden müssen., Da dies nicht geschehen sei, beziehe sich die Bürgschaft nur auf die Wechselverbindlichkeiteno Die letzten 9 in der Urkunde aufgeführten Wechsel seien unvollständige Es fehlten der Ausstellungsort, das Ausstellungsdatum und der Name dessen, an den oder an dessen Order gezahlt v/erden sollte. a) Nach der Auslegungsregel des § 364 Abs0 2 BGB werden Wechsel auf eine Schuld in der Regel nicht an Er-füllungs Statt, sondern erfüllungshalber gegeben* Davon ist auch hier auszugehen* Die Klägerin behielt deshalb, als sie dem Hauptschuldner Ratenzahlungen gegen Hingabe von Wechseln einräumte, ihre alten Kaufpreisforderungen und erwarb Wechselforderungen gegen den Hauptschuldner als Akzeptanten hinzu* Die Wechselforderungen waren mit den Kaufpreisforderungen durch die Gemeinsamkeit des Zweckes verbunden: Beide waren auf die Befriedigung desselben Gläubigerinteresses gerichtet* Trotz rechtlicher Selbständigkeit von Kaufpreisforderungen einerseits und Wechoelforderungen andererseits bestand deshalb eine innere Abhängigkeit zwischen beiden, die sich auch, etwa bei der Abtretung oder der Tilgung von Forderungen (nur) der einen oder der anderen Gruppe, rechtlich auswirkte * b) Die Eheleute JMIK - nach der nicht zu beanstandenden Konstruktion des Berufungsgerichts die Rechtsvorgänger des Peter BflU und damit der Beklagten in der Bürgschaftsschuld - verbürgten sich nach dem Yfort-laut der Urkunde vom 4* März 1959 "für die vorgenannten Y/echselverpflichtungen", Die diesen zugrunde liegenden Kaufpreisverbindlichkoiten sind nicht genannt. Zu Unrecht hält das Berufungsgericht schon dies für entscheidende Nach § 766 BGB bedarf die Bürgschaftserklärung der Schriftform, Das Pormerfordernis umfaßt alle wesentli-chen Teile der Erklärung, deshalb auch die Bezeichnung der Verbindlichkeit des Hauptschuldners, für die der Bürge sich verbürgt. Anders ist es jedoch hier, wo die in der Bürgschaftserklärung ausdrücklich genannten Wechselverbindlichkeiten nur erfüllungshalber für die Kaufpreisverbindlichkeiten, und deshalb in innerer Abhängigkeit von diesen begründet worden sind. Hier stellte sich ein Auslegungsproblenio Es fragte sich, ob die schriftliche Bürgschaftserklärung der Eheleute so wie sie abgegeben war, dahin auszulegen war, daß sie sich auch auf die den Y/echseln zugrunde liegenden Kaufpreisschulden des Hauptschuldners erstreckte, hat c) Die Rechtsprechung/anerkannt, daß eine schriftliche Bürgschaftserklärung auch hinsichtlich der wesentlichen Teile der Erklärung, auf die sich das Porm-erfordernis des § 766 BGB bezieht, auslegungsfähig ist Läßt sich dagegen dieser Sinn nur durch Umstände außerhalb der Urkunde ermitteln; so ist die Form des § 766 BGB nicht gewahrt. Es ist nichts Außergewöhnliches, sondern entspricht der Regel, daß der Akzeptant eines Wechsels Schuldner des Ausstellers oder ersten Nehmers des Wechsels ist und den Wechsel auf eine bereits bestehende Schuld gibt, Eg liegt deshalb allgemein nicht fern, daß einer solchen Wechselverbindlichkeit, für die sich ein Bürge verbürgt, eine andere Schuld zugrunde liegto Für die Bürgschaftsurkunde vom 4«. März 1959 kommt hinzu5 daß die Fälligkeitsdaten (der 20o und 30, jeden Monats) sich in regelmäßigen Abständen folgen und die Wechselbeträge immer gleich hoch sind (442 116 bzw, 149 220 ffrs0)o Dies deutete darauf hin, daß hier ein Gläubiger einem Schuldner gegen Hingabe von Wechseln Ratenzahlung auf eine ältere Schuld eingeräumt hatte. Schließlich werden im geschäftlichen Verkehr - wie überhaupt unter juristischen Laien - Wechselverbindlichkeit und kausale Verbindlichkeit nicht streng auseinandergeholten o Es kann deshalb; wenn nur die eine genannt ist, durchaus die andere mitgemeint sein, Enter diesen Umständen mußte das Berufungsgericht sich mit der Auslegung der Bürgschaftsurkunde vom 4o März 1959 befassen und konnte erst aufgrund einer solchen Auslegung entscheiden, ob die Eheleute sich nicht nur für die abstrakten WechselverbindlichkeitenP 3o Pür die neue Verhandlung gemäß § 565 ZPO wird auf folgendes hingewiesens Für die Auslegung der Bürgschaftsurkunde sind die Grundsätze der §§ 1335 157 BGB maßgebliche Das Berufungsgericht wird in erster Linie sich mit den unter 2c) aufgeführten allgemeinen Gesichtspunkten ausein-anderzusetzen haben» Darüberhinaus kommt es auf die besonderen Umstände gerade dieses Falles an* Insoweit kann zu berücksichtigen sein, durch welche Umstände die Eheleute veranlaßt worden sindQ sich für den Hauptcchuldner zu verbürgen (anscheinend handelte ec sich um eine reine Gefälligkeitsbürgschaft unter Verwandten) und was die Eheleute von den ge- den Beklagten die von keinem Beteiligten ine Auge gefaßten formalen Mängel der Wechsel zugute kommen, oder daß die Beklagten vielmehr im Hinblick auf das zwischen der Klägerin und dem Hauptschuldner bestehende Grundverhältnis trotz der engen Passung der Bürgschaftserklärung der Klägerin aus der Bürgschaft verhaftet bleiben o Hierüber hat das Berufungsgericht - gegebenenfalls unter Heranziehung weiterer Gesichtspunkte und nach weiterer Sachaufklärung - in eigener Verantwortung zu entscheiden o