BGH · VIII ZR 228/61
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Pro hat der VIIIo Zivilsenat dqs Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 4» Juni 1962 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Kaidinger und der Bundesrichter Dr« Gelhaar? Die Klägerin ist eine Maklerfirma; die Beklagte betreibt in zahlreichen Städten Textilgeschäfte<> Mit Schreiben vom Mjji 1958, das auch anderen mutmaßlichen Interessenten zuging, bot die Klägerin ein - zu vermietendes - Ladenlokal in einer Großstadt des Euhrgebietes an, Die Einzelheiten ~ jedoch ohne nähere Bezeichnung des Mietobjekts - wurden in einem beigefügten "vertraulichen Angebot" mitgeteilt» Schreiben und "Angebot" enthielten den Satz: "Für den Nachweis bzw» die Vermittlung bedinge ich die übliche Maklergebühr ooo in Höhe von 3 £ der Vertragssumme, zahlbar vom Mietero" Auf der Vorderseite unten des Schreibens waren "Geschäftsbedingungen" aufgedruckt, die unter anderem bestimmten: "Eine vom Makler mitgeteilte Gelegenheit zu dem Vertragsschluß wird, wenn nicht unverzüglich Yriderspruch erfolgt, als bisher unbekannt anerkanntQ" Das "Angebot" hatte ebenfalls aufgedruckte Geschäftsbedingungen deren Ziffer 4 lautete: "Falls die nachgewiesene Gelegenheit zu dem Abschluß eines Vertrages bereits bekannt ist, muß dies dem Makler unverzüglich schriftlich mitgeteilt werdeno Im anderen Falle ist eine Berufung auf diese Kenntnis ausgeschlossene" Mit Schreiben vom 20» Mai 1958 bestätigte die Beklagte der Klägerin den Eingang des Schreibens vom 13« Mai 1958 und bat um Be kanntgabe näherer Einzelheiten» Dem entsprach die Klägerin mit Schreiben vom 22o Mai 1958, eingegangen bei der Beklagten am 25° Mai 1958» Die Beklagte schloß mit der Eigentumerin am 2» Ju li 1958 einen Mietvertrag« Die Klägerin verlangt als Teilbetrag der Maklerprovision 6 100 DM« Die Beklagte ist der Ansicht, sie nicht zu schulden; sie habe nämlich schon am 19° Mai 1958 durch ihren örtlichen Verkaufsstellenleiter, der auf ein Zeitungsinserat aufmerksam geworden sei, Kenntnis von dem Objekt erhalten und durch Schreiben vom 28«, Mai 1958 der Es stellt fest, die Beklagte habe schon vor dem 23» Mai 1958 auf die von ihr behauptete V/eise erfahren, daß der fragliche Laden zu mieten war; die Beklagte habe auch ein Schreiben vom 28. Beiden Erfordernissen wird das Berufungsgericht gerecht, wenn es der Beklagten - trotz des Wortlauts der Vertragsklauseln - eine Berufung auf die Nichtursächlichkeit der Maklertätigkeit für den Ball gestattet, daß sie erwiesenermaßen alles Zumutbare getan hat, um ihre Vorkenntnis unverzüglich der Klägerin mit zuteileno Auch § 150 BGB ist - entgegen der Meinung der Revision - nicht verletzt: Einmal war die von der Beklagten zu machende Mitteilung nicht eine Willenserklärung, zu dem anderen würde die gesetzliche Regel des § 130 Abs, 1 BGB von den Parteien vertraglich abbedungen und damit eine vertragliche Regelung getroffen werden können, wie sie § 377 Abs, 4 HGB kraft Gesetzes für die Mangelanzeige des Käufers beim Handelskauf angeordnet hat« Es ist ferner nicht ersichtlich, wieso das Berufungsgericht, wie die Revision meint, das Wesen des Nachweismäklergeschäfts verkannt und den § 652 BGB verletzt haben sollteo Wenn der Berufungsrichter auf Seite 7 des Urteils erwägt, eine andere als die von ihm für richtig gehaltene Auslegung würde in dem hier zu entscheidenden Fall zu einer imentgeltlichen Zuwendung eines dem Maklerlohn entsprechenden Geldbetrages an die Klägerin führen, so hat er damit nicht verkannt, daß die Tätigkeit des Nachweismaklers sich im Nachweis der Gelegenheit zu dem Abschluß eines Vertrages erschöpft, und daß die Klägerin diese Tätigkeit schon durch ihr Schreiben vom 22«, Mai 1958 geleistet hatte«, Die •’Unentgeltlichkeit” der Zuwendung sieht der Berufungsrichter vielmehr darin, daß die Beklagte für etwas zahlen müßte, was für sie - wegen ihrer Vorkenntnis - nichts wert war. Es verneint aber aus tatsächlichen und damit für das Revisionsgericht nicht nachprüfbaren Gründen, daß die Klägerin in dem unterstellten Fall etwas hätte unternehmen können«, Schließlich rügt die Revisionszu Unrecht, das Berufungsgericht habe unter Verletzung des § 139 ZPO und des Grundsatzes der Gewährung rechtlichen Gehörs einen Erfahrungs-satz verwertet, daß Ermittlungen der Klägerin über eine Vorkenntnis der Beklagten durch eine Nachfrage bei der Zei~ tungsgeschädftsstelle, von der die Beklagte ihre Vorkenntnis herleitete, auch dann erfolglos geblieben wären, wenn sie schon Ende Mai 1958 nach dem - unterstellten - Empfang / des Schreibens der Beklagten vom 28» Mai 1958 angestellt worden wären<> Die Revision meint, die Klägerin habe, wenn sie zu diesem vermeintlichen Erfahrungssatz gehört worden wäre, nachweisen können, daß eine sofortige Nachfrage bei der Zeitung doch Erfolg gehabt hätte• Das aber könnte ihr nichts nützen® Da das Berufungsgericht die Behauptungen der Beklagten über die Quelle ihrer Vorkenntnis (Zeitung) als erwiesen ansieht, hätte eine Nachfrage, wenn sie über-haupt ein Ergebnis gehabt hätte, nur das Vorbringen der Beklagten bestätigen können. Die Abweisung der Klage rechtfertigt sich demnach schon aus der Auslegung des Vertrages, so daß es auf die Hilfser-wägung des Berufungsgerichts., der Klageforderung stehe bei dem gegebenen Sachverhalt die Einrede der Arglist entgegen, nicht mehr ankommt <>