BGH · VIII ZR 228/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
portiert worden seien und daß diese Firma nach ihren Informationen ein Kompensationsgeschäft getätigt und deshalb die Preise der Beklagten habe unterbieten können und auch unterboten habe» Gleichwohl habe die Beklagte Interesse, mit dem Unternehmen des Klägers "in dauernder angenehmer Geschäftsverbindung" zu bleiben, sei aber durch den geschilderten Vorfall sehr enttäuscht<, Sie werde die restliche Partie außerordentlich billig und unter Ausschluß einer normalen Kalkulation abgehen * Bas sei jedoch nicht der Sinn der mit dem Kläger getroffenen Abrede« Es erhebe sich nunmehr die Frage, wie der Kläger die Beklagte in Zukunft vor solchen Überraschungen schützen könne«, Es sei für die Beklagte selbstverständlich, daß sie in dem gleichen Maße, wie eie sich für den Kläger einsetze, auch von ihm geschützt werden müsse» Vorsoi’glich müsse sie sich Schadensersatz Vorbehalten, hoffe eher doch, daß sich die Angelegenheit im beiderseitigen Interesse klären lasse«, Sofern man zu einem entsprechenden Übereinkommen gelange, werde sie sich weiterhin für die Teppicherzeugnisse des Klagers einsetzen» In der Zukunft ist es weder zu weiteren Lieferverträgen noch zu einer Vereinbarung über die Übertragung des Alleinvertriebsrechtee an die Beklagte gekommen» Der Kläger hat mit der Klage Zahlung des restlichen Kaufpreises zuzüglich eines Betrages von 1570,29 DM für die durch die Versendung der Ware als Expreßgut entstandenen Mehrkosten verlangt» Insgesamt hat er einen Betrag von 9576a65 DM nehst Zinsen eingeklagt, Die Beklagte hat geltend gemacht, daß sie zur Zahlung der den bereits geleisteten Betrag von 142 DM übersteigenden Frachtkosten nicht verpflichtet sei. Sie. hat mit einer Forderung auf Rückerstattung von Zollgebühren in Hohe von 403,70 DM und einer Schadensersatzforderung auf-gerechnet, die sie damit begründet hat, der Kläger habe ihr ein Alleinvertrieberecht hinsichtlich seiner Erzeugnisse eingeräumt, zu demindest aber ihr eine Option auf ein solches Rocht zugestandsn, Diese liechte habe er dadurch verletzt, daß er die Einfuhr der nach Holland gelieferten Waren in das Bundesgebiet nicht verhindert habe«, Durch den Verkauf der holländischen Ware in Deutschland sei ihr, der Beklagten, ein erheblicher Schaden entstanden. Io Im zweiten Rechtszuge haben die Parteien nur noch darüber gestritten, ob der Beklagten die zur Aufrechnung gestellte Schadensersatzforderung zusteheo ifiine Schadensersatzforderung hätte der Beklagten erwachsen können, wenn dem Kläger die schuldhafte Verletzung vertraglicher Rechte der Beklagten hätte nachge-wiesen werden können« In dieser Beziehung hat das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum und unbeanstandet von der j Revision das Zustandekommen eines Ausschließlichkeitsver-trages der Parteien verneint, weil sich aus dem Schriftwechsel nicht ergebe, daß die Verhandlungen zu einem endgültigen Vertragsschluß über ein Alleinvertriebsrecht der Beklagten geführt hätten und die Beklagte keinen Beweis dafür angetreten habe, die Parteien hätten sich anläßlich des Besuches der Beklagten in im Sommer des Jahres Aua einem einzelnen Geschäfte lasse sich ein solches liecht auf Alleinvertrieb unter keinen Umständen herleiten» denn eine so weit gehende Beschränkung des ausländischen Ve käufers, nur an einen deutschen Importeur verkaufen zu dür-^ fen, finde in der Rechtsordnung keine Stutze« Bine solche Monopolstellung könne auch durch einen angeblichen Handelsbrauch nicht von vornherein gegeben sein« Auszugehen ist von den eindeutigen Feststellungen dos Berufungsgerichts, daß die Parteien die Übertragung eines Alleinvertriebsrechtes an die Beklagte nicht geregelt, daß sie vielmehr nur ein einziges Importgeschäft getätigt haben, und daß die Verhandlungen über einen Ausschließ lichkeitsvertrag zunächst in der Schwebe geblieben, dann aber endgültig abgebrochen worden sind, Bs erscheint schon zweifelhaft, ob dieser Tatbestand, bei dem die Parteien eindeutig vorgesehen haben, die Übertragung eines Alleinvortriebsrechtes, und zwar für das gesamte Bundesgebiet, vertraglich zu regeln, wobei der Beklagten naturgemäß nicht nur Rechte entstehen, sondern auch Pflichten übertragen werden sollten, einem angeblichen nur auf den Gebietsschutz der Beklagten abzielenden Hand eisbrauche überhaupt noch einen Raum zur Auswirkung gelassen hat» Selbst wenn von diesen Bedenken abgesehen und angenommen Werden könnte, ein Handelsbrauch, wie ihn die Revision verstanden haben will, habe die Vertragsbeziehungen der Parteien in diesem Sinne gestaltet, können die Reviaionsangriffe keinen Br-folg haben» In diesem Zusammenhang kann unentschieden blei- Schon mangels jeglicher substantiierten Darlegung der einschlägigen zwischen den einzelnen Ländern und der Bundesrepublik Deutschland bestehenden Handelsbräuche, die je nach dem Lande des Exporteurs ganz verschieden sein können, kann die allgemeine Ausführung der Beklagten, es sei handelsüblich, daß der ausländische Exporteur von Textilerzeugnissen dem inländischen Importeur ein Alloinvertriobs-recht einräume, nicht als ein verfahrensmäßig beachtliches und für den hier zu entscheidenden besonderen Tatbestand erhebliches Beweisangebot angesehen werden. Aber selbst wenn die angeführte Schriftsatzstelle dahin verstanden werden müßte, die Beklagte wolle durch einen Sachverständigen unter Beweis stellen, kraft Handelsbrauches erwachse dem Importeur schon beim ersten Importgeschäft ein Anspruch auf Ausschließlichkeitsschutz, so könnte auch aus einem solchen Vorbringen nicht entnommen werden, dieser Schutz gehe so weit, daß der Exporteur verpflichtet sei, auch frühere Verträge durch nachträgliche Vereinbarungen mit dem betreffenden Importeur in der v/eise abzuändern, daß dem nunmehrigen Importeur kein Schaden erwachse» Einen solchen Handelsbrauch, der geeignet wäre, den zwischenstaatlichen Handel in erheblichem Maße zu lähmen, hätte die Beklagte im einzelnen darlegen müssen; und dann wäre noch die Prags zu entscheiden gewesen, ob er nicht als Mißbrauch unbeachtet bleiben müßte» III« Bas Berufungsgericht hat auch erwogen, die Beklagte könne ein Optionsrecht erlangt haben, wonach sie das Alleinvertriebareeht habe erwerben können« Biese Rechtsstellung habe jedoch nfcht, so hat es ausgeführt, eine Verpflichtung des Klägers ausgelöst, im Hinblick auf zeitlich vor dem hier streitigen Lieferverträge bereits abgeschlossene Exportgeschäfte, den betreffenden Importeuren aufzuerlegen, nicht in das Bundesgebiet weiter zu exportieren« Dio Rovision weist darauf hin, der Kläger habe seihst in seinem Schreiben ■vom 6» Februar 1957 zu dem Ausdruck ge- » bracht, daß der Beklagten auf Grund der bisherigen Verhandlungen hinsichtlich der Übertragung des Alleinvertriebsrechtes ein'Optionsrecht zugestanden worden sei» Sie vertritt die Ansicht, dem Kläger sei damit gemäß § 242 BGB die Verpflichtung erwachsen, während der Laufzeit der Option diese zu "respektieren11 und alles zu tun, um zu verhindern, daß der Alleinvertrieb der Beklagten durchbrochen werde» Soweit die Revision damit geltend machen will, die Verpflichtung des Klägers gehe über den vom Berufungsgericht gesteckten Rahmen hinaus, verdient ihre Ansicht keine Billigung, und zwar auch dann nicht, wenn man annehmen wollte, der Kläger habe in der Schwebezeit nicht nur von der Übertragung des Alleinvertriebsrechtes an einen anderen im Bundesgebiet ansässigen Importeur, sondern überhaupt von einer Einfuhr in dieses -^and absehen müssen» Das weitergehende Verlangen der Beklagten, daß der Kläger, um auf alle Fälle einen Gebietsschutz für die Beklagte zu gewährleisten, bestehende Verträge hätte abändern müssen, ist weder mit dem einer Option innewohnenden Sinne, den { späteren Vertragsschluß zu ermöglichen, noch mit den Grundsätzen von Treu und Glauben zu vereinbaren. Selbst wenn man davon ausgeht, der Sinn der Einräumung eines Optionsrecht es sei im vorliegenden Falle der gewesen, daß die Beklagte ungestört die MarktVerhältnisse habe erproben sollen, ist ein so.weit gehender Anspruch der Beklagten nicht anzuerkennen $ denn auch Unter Berücksichtigung dieses Gesichtspunktes konnte die Beklagte bei VertragsSchluß nach Treu und Glauben nur annehmen, daß der Kläger in der Zukunft liegende dem Sinne der Abmachung widersprechen- Die Revision meint, zu demindest sei der Kläger aus dem Gesichtspunkt des Verschuldens beim Vertragsschluß verpflichtet, der Beklagten den Schaden zu ersetzen, der ihr durch die zur Beobachtung und Vorbereitung des Marktes vergeblich aufgewendeten Kosten entstanden sei» obliegenden Sorgfaltspflichten voraus» Als eine solche Pflichtverletzung scheiden nach dem Vorerörterten diejenigen Umstände aus, die mit dem Auftauchen der über Holland in das Bundesgebiet eingeführten Teppiche Zusammenhängen» äs könnte jedoch daran gedacht werden, ob der Kläger bei den Verhandlungen über das Alleinvertriebsrecht der Beklagten nicht auf die früheren Exportgeschäfte mit Importeu ren anderer Länder und auf die Möglichkeit hätte hinwei-sen müssen, daß die in solcher Art exportierten Waren auch auf dem deutschen Markt auftraten könnten.'