BGH · VIII ZR 225/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
In dem der Beklagten gehörenden Hause betreibt ihre Schwiegertochter* im Folgenden als Frau R^/00 bezeichnet* ein Milchund Lebensmittelgeschäft* Die Räume für dieses Geschäft hat sie von der Beklagten gemietete Das Milchgeschäft besteht seit dem Jahre 1926* im Jahre 1933 ist der Verkauf von Kolonialwaren außer Brot aufgenommen worden. Der tägliche Brotverkauf beläuft sich auf etwa 13 bis 20 Brote* Der Umsatz an Brot hat im August 1955 DM 451,57* im September 1955 DM 421,14* im Oktober 1955 DM 426,40, im November 1955 DM 421*54* im Dezember 1955 DLI 415*50 und im Januar 1956 DU 441*73 DM betragen* Dieser Umsatz macht etwa 5 des Gesamtumsatzes des von Frau betriebenen Geschäfts aus Die Kläger sind der Auffassung., die Beklagte sei auf Grund des Mietvertrages verpflichtet, ihnen den Wettbewerb der Frau im Verkauf von Brotwaren ferzuhalteile Sie haben vor den Landgericht beantragt, die Beklagte zu verurteilen; der Frau zu unterbinden,, in ihren Lebensmittelgeschäft Brot und Brötchen zu führen und zu vertreiben«» Sie haben ferner die Feststellung begehrt, daß die Beklagte verpflichtet ist, ihnen den durch den Verkauf von Brot in Geschäft der Frau seit dem le Harz 1955 entstandenen und noch entstehenden Schaden zu ersetzen«» Das Berufungsgericht geht in seiner Entscheidung von dem in der bisherigen Rechtsprechung entwickelten Grundsatz aus, daß regelmäßig unzulässiger Wettbewerb vorliege, wenn der störende Betrieb als Hauptgegenstände Karen vertreibt, die auch Hauptgegenstände des gestörten Betriebes sind, daß aber rege1.- ob die beiden Geschäftsbetriebe im Verkehr als verschiedenartig gewertet werden9 entscheidend seien> wenn das eine Geschäft als Hauptverkaufsgegenstände solche Sachen vertreibt, die für das andere Geschäft nur Nebenartikel sind« Bas Berufungsgericht nimmt an, Frau führe Brot nur als Nebenartikel-, da sie Brot einer einzigen Brotfabrik verkaufe und der Umsatz an Brot nur 5 & ihres gesamten Warenumsatzes betrage. Ihre manigfaltigen Erzeugnisse seien aus dem Wirtschaftsleben nicht mehr fortzudenkena Hand in Hand mit dieser Entwicklung sei eine immer deutlichere Unterscheidung zwischen dem handwerksmäßig hergestellten Bäckerbrot und dem fabrikmäßig hergestellten Industriebrot festzustellen« Während Bäckerbrot nach wie vor ausschließlich von Bäckereien und etwaigen Filialen vertrieben werde, werde Industrieoder Markenbrot in den verschiedenartigsten Geschäften des Lebensmitteleinzelhan— dels geführt und von den Käufern als geführt erwartete Die Lebensmittelgeschäfte seien daher aus Gründen normalen Wettbewerbs gezwungen5 auch Industrieoder Markenbrot zu verkaufen* Biese Entwicklung führe dazu,, daß dem Hauseigentümer5 der eine Bäckerei vermiete, versagt bleiben müßte, ein Lebensmitt elge.schüft in seinem Hause aufzunehmen? Diese Rüge ist .jedoch unbegründete Das Berufungsgericht stellt fest, die den Klägern überlassenen gewerblichen Räume seien ihnen zu einem besonderen Zweck, nämlich zu dem Betriebe einer Bäckerei, vermietet wordene Es ist nicht ersichtlich und wird von der Revision auch nicht näher angegeben, welche weiteren Y/illenserklärungen die Parteien des Mietvertrages abgegeben hab sollen> die noch einer Auslegung bedurft hätten* Es liegt auch nichts für die Annahme vor, daß-das Berufungsgericht sich nicht der Notwendigkeit bewußt gewesen wäre, das zwischen den Parteien bestehende Vertragsverhältnis daraufhin auszulegen, was nach dem Willen der Vertragsparteien Vertragsinhalt hat sein sollen* Das Berufungsgericht hat ausdrücklich die Entscheidung RGZ 131 j 247 v/iedergegeben, in der ausgeführt wird, ' daß die Verbindlichkeit, den Mieter gegen Wettbewerb zu schützen aus der besonderen Lage des Palles unter Berücksichtigung des § 242 HrB, aber auch der §§ 133, 157 BGB begründet werden müsse* Es hat also erkennbar den Willen der Vertragsparteien nach § 157 BGB berücksichtigen wollenc Mit Recht hat es aber die Verpflichtung der Beklagten in Anwendung des § 242 BGB auch danach beurteilt, was Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte erfordern* Die weiteren Rügen richten sich gegen die Annahme des Berufungsgerichts, daß sich aus dem Mietverträge nicht die Verpflichtung der Beklagten ergebe, den Klägern den Wettbewerb fernzuhalten, den ihnen Pr au durch den Brot verkauf in ihrem Lebensmittelgeschäft macht* Die Revision ist der Auffassung, Brot sei ein Hauptartikel nicht nur im Betriebe der Kläger, sondern bilde nach den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts über die Entwicklung des Handels mit Markenbrot auch einen Hauptartikel im Lebensmittelgeschäft der Frau Für die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenartikel sei die Auffassung des Kunden entscheidende Was der Kunde erwarte, in einem Geschäft als geführt vorzufinden, sei ein Hauptartikel«, Auf die Höhe des Umsatzes komme es nicht an« Vom Standpunkt der Rechtsprechung aus, daß es für den Wettbewerbsschutz des Mieters auf die Unterscheidung zwischen Haupt_ und Nebenartikel ankommt, kann dahingestellt bleiben, ob angesichts der vom Berufungsgericht festgestellten Entwicklung des Brothandels Marken- und Industriebrot noch allgemein als Nebenartikel in einem Geschäft, das Milch und Lebensmittel vertreibt, angesehen werden kann, wie es in dem Urteil des Kammergerichts vom 22«, Oktober 1931 (Mietgericht 1932, 36) geschieht«. Brot nur einer einzigen Brotfabrik vertreibt und nur im Steinofen gebackenes Landbrot, verpacktes Schwarzbrot in Scheiben* Kommißbrot und' Pumpernickel feilhält« Merkmal eines Geschäftsbetriebes, dessen Wesen durch Brotverkauf zu dem mindesten mitbestimmt wird, ist bei der vom Berufungsgericht gekennzeichneten Entwicklung ein möglichst mannigfaltiges Sortiment von Brotarten« Der Umstand, daß Prau erkennen, daß nicht das Brot eine Ware ist, die ihrem Geschäft seine Eigenart verleiht« Darauf, ob der Verbraucher regelmäßig keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Industrie- und Markenbrot einerseits und Bäckereibrot andererseits macht, kommt es danach nicht an« Das Berufungsgericht war daher nicht gehalten, wie die Revision mit der Rüge aus § 139 ZPO geltend macht, darauf hinzuwirken, daß die Kläger sich zu dem Beweise auf das Gutachten eines Sachverständigen beriefen« Ist Brot im Geschäft der Prau R^|^ ein Nebenartikel, so könnten die Kläger, da ihre Bäckerei und der Milchund Lebensmittelhandel der Prau R^^^ im Verkehr nicht als gleichartig angesehen werden, von den Beklagten Wettbewerbsschutz nur beanspruchen, wenn durch den Wettbewerb unter den besonderen Umständen des Einzelfalls ihrem Geschäftsbetrieb ein so starker Abbruch getan würde, daß die von ihnen gemieteten Geschäftsräume zu dem vertraglichen Zweck, als Bäckerei zu dienen, nur noch vermindert brauchbar wären« Eine solche Beeinträchtigung hat das Berufungsgericht nicht festgestellt« Es liegen nach dem unstreitigen Sachverhalt auch keine Anhaltspunkte dafür vor« Die Kläger haben in ihrem Schriftsatz vom 23« Januar 1956 ihren Gesamtumsatz mit 55 000,- DM angegeben« Bei dem von Prau an Brot erzielten Umsatz von monatlich durchschnittlich 430,- DM = jährlich 5 140,- DM macht ihr Umsatz noch nicht ein Zehntel des Umsatzes der Kläger ausc Hinzu kommt, daß offensichtlich nicht jeder Kunde, der bei nur eine beschränkte Zahl von Brotsorten führt, läßt Frau Brot bezieht, gerade bei den Klägern sein Brot kaufen v/ürde, v/eim Frau R^^P den Brotver trieb einstellen würde o Zutreffend hat das Berufungsgericht in Übereinstimmung mit Rechtsprechung und Schrifttum die Ansicht vertreten, daß der Vermieter grundsätzlich nicht verpflichtet ist, von seinem Mieter jeden fühlbaren Wettbewerb fernzuhaltenc Bei der Abwägung der beiderseitigen Belange hat es auch mit Recht dem Umstand Berücksichtigung geschenkt, daß die Beklagte bei der im Wirtschaftsleben zunehmenden Überschneidung der Geschäftszweige in der Verwertung ihres Miethauses außerordentlich beschränkt würde, wenn sie gehindert wäre, die neben der Bäckerei bestehenden Ladenräume an Geschäftsbetriebe zu vermieten, die Brot nur als Nebenartikel führen« Mit der Prozeßrüge aus §§ 286., 159 ZPO tragt die Revision vor, das Berufungsgericht habe bei der Abwägung die Behauptung der Kläger übergangen, daß der Verkauf von Brot in einer Bäckerei für die Kunden den Anreiz liefere, auch andere ausgelegte Ware wie etwa Kuchen zu kaufen« Nach Beweismitteln befragt würden die Kläger sich auf das Gutachten eines Sachverständigen bezogen haben« Bas Berufungsgericht nimmt zu dieser Behauptung der Kläger zwar nicht ausdrücklich Stellung« Bie Tatsache, daß Kunden durch d-en Anblick ausgelegter Waren angereizt wurden, sie zu kaufen, selbst wenn sie den Laden betreten haben, um andere Waren zu erwerben, liegt aber so sehr auf der Hand, daß nichts für die Annahme spricht, das Berufungsgericht sei sich bei der Prüfung, ob dem Kläger die Buldung des Wettbewerbs der Frau R^P^P zuzu demuten sei, der Werbewirkung ausgelegter Waren nicht bewußt gewesen« Erkennbar ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß die Kläger es hinnehmen müßten, Käufer von Backwaren jeglicher Art als Kunden an Frau zu verlieren« Bie Rüge der Revision greift daher nicht durch«