BGH · VIII ZR 222/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der VIII0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 180 Dezember 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Haidinger und der Bundesrichter Dr» Gelhaar9 Dro Dorschel5 Dro Messner und Mormann fiir Recht erkannt: 2» Das Berufungsgericht hat zunächst geprüft, ob die Klägerin etwa eine Garantie dafür übernommen hatte, daß die Steine in der Farbtönung genau mit dem Muster übereinstimmen«. Den dem Beklagten obliegenden Nachweis für eine derartige Abrede hat es indes nicht als geführt erachtet«» Es gelangt ohne Rechtsirrtum zu dem Ergebnis, daß die Parteien allenfalls einen Kauf nach Probe abgeschlossen haben, bei dem die Lieferung nur im wesentlichen mit dem Muster ubereinzustimmen braucht„ Es vertritt demgemäß den Standpunkt, daß bei den vom Beklagten bestellten holländischen Steinen eine genaue Übereinstimmung der Lieferung mit dem Muster und der Steine untereinander weder dann erzielt werden kann, wenn die Lieferungen aus einem Brande stammen, noch dann, wenn sie aus verschiedenen Bränden kommen« Es entnimmt dem Sachverständigengutachten, daß der Verkehr gewisse Abweichungen der Steine in der Farbtönung hinnimmt, weil der Bauunternehmer in der Regel die Möglichkeit habe, durch entsprechendes Sortieren der Steine an dem Bauwerk ein harmonisches Farbbild zu erzielen» Den Nachweis dafür, daß die Lieferungen vom 9° und 17* September i960 in der hier maßgeblichen Weise von,dem Muster abge~ wichen seien, hält es mit dem Sachverständigen unter diesen Umstanden nicht für erbracht« Die von der Revision in sachlicher Hinsicht nicht angegriffenen Ausführungen des Berufungsgerichts, die auch keinen Rechtsirrtum erkennen lassen, bekämpft die Revision vergeblich mit Verfahrensrügen» Das Berufungsgericht hat zu dem Beweisantrag des Beklagten eingehend Stellung genommen» Es hat dem Gutachten entnommen, daß der Sachverständige sein Urteil, eine Probewidrigkeit der Lieferungen lasse sich nicht nach-weisen, unabhängig davon abgegeben hat, ob der Beklagte auch tatsächlich in der Lage war, ein Sortieren der Steine vorzunehrnenc Hierin liegt weder eine Verkennung des vom 280 Oktober i960, um die Lieferung der restlichen Steine zu erreichen, dem Kläger zugesagt habe, er werde die streitigen Rechnungen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht Zug um Züg gegen die weiteren Lieferungen bezahlen« Es besteht kein Anhaltspunkt dafür, daß das Berufungsgericht den Beweisantrag übersehen hätte* Es konnte ihn aber als unerheblich betrachten» Die Revision will aus dem Verhalten des Klägers, der trotz der Zusage des Beklagten nicht ge- Das ebenfalls als übergangen gerügte Schreiben des Beklagten vom 28o Oktober i960 enthält eine dem erörterten Beweisthema entsprechende Darstellung der Verhandlungen der Parteien vom 28» Oktober i960» Das Berufungsgericht war daher nicht gezwungen, aus diesem Schreiben den von der Revision für richtig gehaltenen Schluß zu ziehen* Auch diese Hüge erweist sich also als unbegründet» 1» Der Beklagte hatte ferner geltend gemacht, daß ihm durch den Verzug des Klagers mit den noch ausstehenden Lieferungen ein Schaden in Höhe von 5 32o,o7 OM entstanden sei» Kr ist der Ansicht, der Kläger habe diesen Verzugsschaden zu ersetzen» Er hat daher auch mit einem Schadensersatz in Hohe des angegebenen Betrages gegen die Klageforderung aufgerechnet» Das Berufungsgericht sieht die Aufrechnung als unzulässig an, weil sie durch § 7 Abs» 2 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Klägers ausgeschlossen sei, der bestimmt, daß der Käufer auf die Aufrechnung von Gegenansprüchen jeder Art verzichtet» Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Klägers sind nach Ansicht des Berufungsgerichts Vertragsinhalt geworden, weil der Kläger in dem Bestätigungsschreiben vom 16» Juli i960 darauf Bezug genommen und der Beklagte diesem Schreiben nicht widersprochen habe» Die Revision vertritt unter Bezugnahme auf Krause (3B 1952, 997) die .Ansieht, der Kaufvertrag sei in dem Zeitpunkt, in dem der Klager ihn durch das Schreiben vom 16= Juli i960 bestätigt habe, bereits abgeschlossen gewesen, und es habe für den Kläger keine Berechtigung zu.der Annahme bestanden, der Beklagte werde sich mit einer nachträglichen Änderung des Kaufvertrages einverstanden erklären* Wie die Revision nicht verkennt, handelt es sich bei dem Schreiben des Klägers vom 160 Juli i960 um ein echtes Bestätigungsschreiben nach vorangegangenen mündlichen Vertragsverhandlungen» Ks finden somit die Grundsätze Anwendung, die die Rechtsprechung hinsichtlich der Auswirkung von Bestätigungsschreiben auf die Vertragsgestaltung entwickelt hat (vgl» insbesondere BGHZ 7s 19o)o Von diesen Grundsätzen abzugehen, geben dem Senat auch die Ausführungen von Krause (aaO) keinen Anlaß» Danach gilt das Verhalten des Beklagten, der dem Bestätigungsschreiben nicht widersprochen hat, als Zustimmung zu dessen Inhalt» Diese stillschweigende Genehmigung des Bestätigungsschreibens umfaßt auch die in Bezug genommenen Geschäftsbedingungen ohne Rücksicht darauf, daß diese dem Schreiben nicht beigefügt und dem Kläger möglicherweise auch nicht bekannt waren» liehen treuwidrigen "Einscbmuggeln" der Geschäftsbedingungen kann entgegen der Ansicht der Revision in einem solchen im Handelsverkehr immer wiederkehrenden Falle keine Rede seine Der Beklagte hat sich außerdem, was die Revision nicht beachtet, nicht nur dadurch mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Klägers einverstanden erklärt, daß er das Bestätigungsschreiben unwidersprochen gelassen hat* Er hat da-rüberhinaus auch die unter den Bedingungen des Schreibens vom l6o Juli i960 erfolgte Lieferung des Klägers angenommen und d mit erneut die Bedingungen des angeführten Schreibens bestätigt (vgl.» 2.Der Revision kann auch in ihrer Ansicht nicht gefolgt werden, der Beklagte habe aus dem Bestätigungsschreiben nicht entnehmen können, daß der Kläger seine Allgemeinen Lieferungs und Zahlungsbedingungen zu dem Vertragsinhalt habe machen vollen Dieser Angriff richtet sich gegen die Auslegung, die das Berufungsgericht dem Bestätigungsschreiben gegeben hat und die dahin geht, das Schreiben bringe sowohl nach seinem Wortlaut als auch im Hinblick auf die ganzen Umstände des Falles hinreichend deutlich zu dem Ausdruck, daß der Kläger nicht etwa irgendwelche früheren mündlichen Abmachungen oder mit dem Prokuristen Schneider vereinbarte Sonderbedingungen, sondern formularmäßige Allgemeine Lieferungs- und Zahlungsbedingungen meine, wie sie im Geschäftsverkehr Verwendung zu finden pflegen» Diese Auslegung ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden. Sie wird noch durch die weitere Feststellung des Berufungsgerichts gestützt, daß der Beklagte schon vor dem Empfang des Bestätigungsschreibens verschiedene Rechnungen versehen mit dem Aufdruck erhalten hat, "unsere Lieferungen erfolgen auf Grund unserer Lieferungs- und Zahlungsbedingungen"» Es ist rechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht auch aus diesem Umstand den Schluß zieht, der Beklagte habe das Bestätigungsschreiben vom 16. Deshalb ist es auch unerheblich, daß das Schreiben des Klägers vom 27« Juni i960, in dem er sich zu einer Lieferung von Steinen empfiehlt, keine Bezugnahme auf die Allgemeinen Lieferung s- und Zahlungsbedingungen enthält» Die in dieser Richtung von der Revision erhobenen Rügen bleiben daher ebenfalls er^ folgloso