BGH · VIII ZR 219/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Anfang November I960 bezog er das Haus, gab jedoch seine Mietwohnung noch nicht auf.Nach seiner Darstellung suchte er noch im November I960 den Beklagten wegen des Eintritts eines Mieters in das Mietverhältnis aufDer Beklagte soll ihn aufgefordert haben, Mieter vorzuschlagen c Mit einem Mietinteressenten vereinbarte der Kläger. Beklagte werde seine Zustimmung nur erteilen, -wenn ZI eidesstattlich.versichere, der Kläger verlange keinerlei Abstand von ihm» Daraufhin kam es nicht zur Durchführung der Vereinbarung» Mit Schreiben vom 8» Dezember I960 teilte der Kläger dem Beklagten mit, bei dem von ihm geforderten Abstand handele es sich um einen ’’Pauschalbe-trag", den er auf Grund des § 29 des 1» BMG verlangen könne; der Beklagte sei nicht berechtigt, in sein Vertragsverhältnis mit einem Dritten einzugreifen» Am 13* Dezember I960 schrieb er , er habe sich mit der Evangel is ch-Pr ei -kirchlichen Gemeinde HflH^fcuber die Abgabe seiner Wohnung gegen eine PauschaIvergütung für alle in Betracht kommenden Aufwendungen für die Wohnung im bisherigen Zustand einschließlich aller hierfür aufgewandten Unkosten - auch frei von Untermietern - geeinigt» Ein Prediger dieser Gemein de, der aus D^HHI nach versetzt worden sei, v/olle die Y/ohnung beziehen» Der Kläger bitte um Genehmigung» Dezember I960 kündigte er dem Beklagten an, er müsse ihn für die 10 000 DM in Anspruch nehmen, wenn die Genehmigung und der Abschluß des neuen Mietvertrages nicht bis zu dem 20» Dezember I960 erfolgt sein würde» Der Beklagte antwortete am 19* Dezember I960, da der Kläger sich geweigert habe, ihm eine Aufstellung der für die Wohnung gestellten Forderung von 10 000 DM zu erteilen, habe er sie an einen Staatsanwalt vermietet. Er sei überzeugt, dieser werde die Forderung des Klägers, soweit sie berechtigt sei, anerkennen Da in H die Wohnungsnot groß sei, habe er selbstverständlich ein natürliches Interesse daran, daß zunächst die in Wohnung suchenden Mieter untergebracht würden» Außerdem habe ihn überrascht, daß die Kirchengemeinde so großzügig 10 000 DM für solche Zwecke zur Verfügung stelle; denn dabei handele es sich schließlich meistens um Steuergelder«, Der Staatsanwalt erklärte sich nur bereit, dem Kläger einen Ausgleich für die von ihm vorgenommenen und noch verwendbaren Einrichtungen zu gewähren. Das Verlangen des Beklagten nach einer Aufstellung seiner Aufwendungen für die aufzugebende Wohnung habe er als unbillig angesehen, weil ein Teil davon bereits vor der Währungsreform erfolgt sei, und wegen der für die Zusammenstellung erforderlichen Zeit. Januar 1961 an für die Wohnung in seinem Hause, die der Kläger am H, April 1961 aufgegeben hat, nachdem er das Mietverhältnis mit Schreiben vom gleichen Tage gekündigt hatte, keine Miete mehr verlangen, weil diese Miete ab 1. Das Berufungsgericht sieht die geltendgemacnten Ansprüche unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt als begründet an» Hach dem Mietvertrag, der keine Ersatzmieterklausel enthalte, sei der Beklagte nicht verpflichtet gewesen, mit einem vom Kläger vorgeschlagenen Mieter das Mietverhältnis fortzusetzen oder einen neuen Mietvertrag abzuschließen» Auch außerhalb des Vertrages sei er keine entsprechende Verpflichtung eingegangen; denn er habe sich die Entscheidung, einem ihm namhaft gemachten Mietbewerber zuzustimmen, Vorbehalten (BU 14/15)- Eine solche Verpflichtung des Vermieters, einen vom weichenden Mieter vorgeschlagenen Nachfolger anzunehmen, ergibt sich auch sonst nach Auffassung des Berufungsgerichts, das in diesem Zusammenhang auf §§ 29,50 MSchGes und § 29 1 * BMG verweist, nicht aus dem Mietrechtc Sie sei auch nicht aus Treu und Glauben (§ 242 BGB) herzuleiten (BU 16/17)° Darüberhinaus ist das Berufungsgericht der Auffassung, der Beklagte würde dem Kläger, auch dann nicht aus positiver Vertragsverletzung schadensersatzpflichtig geworden sein, wenn der Rechtsstandpunkt des Klägers zu billigen wäre; denn es fehle beim Beklagten an einem Verschulden (BU 17)0 1» Die Revision greift in erster Reihe die Auffassung des Berufungsgerichts an, der Beklagte sei nach Treu und Glauben nicht verpflichtet gewesen, eine vom Kläger vorgeschlagene Person als Mieter aufzunehmen= Oldie vom Berufungsgericht dafür gegebene Begründung in allen Einzelheiten den Angriffen der Revision standhält, kann dahingestellt bleiben« Jedenfalls ist der Revision darin nicht zu folgen, daß dem alten Mieter in jedem Palle ein "Mitspracherecht" bei der Reuvermietung der Wohnung zu geben sei, um es ihm zu ermöglichen, eine möglichst hohe Abstands Zahlung vom Mietnachfolger zu erreichen, worauf im Ergebnis die Ausführungen der Revision hinauskommen« Es ist vielmehr für jeden Einzelfall besonders zu prüfen und zu entscheiden, ob etwa in der Ablehnung des vorgeschlagenen Nachfolgers ausnahmsweise ein Verstoß des Vermieters gegen Treu und Glauben liegt, der ihn seinem Mieter gegenüber wegen Vertragsverletzung schadensersatzpflichtig macht« 2, Rach dem hier gegebenen Sachverhalt hat das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum eine sich aus Treu und Glauben ergebende Verpflichtung des Beklagten, einen der beiden vom Kläger (nacheinander) vorgeschlagenen Mieter (Zf|^ oder den Prediger) als Mietnachfolger anzunehinen, verneint und seine Berechtigung, in die Wohnung den Staatsanwalt aufzunehmen, bejaht, obwohl dieser nur bereit war, dem Kläger die Aufwendungen für die Wohnung zu ersetzen, die für ihn als neuen Mieter noch von Wert waren * Die Tatsache, daß der Vermieter im Falle einer Untervermietung oder eines Wohnungstausches einen bestimmten Mieter aufnehmen muß, rechtfertigt nicht die Auffassung, deshalb sei er auch in anderen Fällen schon nach Treu und Glauben verpflichtet, den Wünschen seines alten Mieters insoweit nachzugeben« Bei einer Untervermietung oder einem Wohnungstausch (nach §§ 29, 30 MSchG) wird zwar ein Widerspruch de3 Vermieters gegen ein solches Vorhaben eines Mieters nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes anerkannt, und dabei gelten auch nur persönliche Eigenschaften des neuen Mieters wie sein Beruf, seine Lebensweise, eine zu erwartende Beeinträchtigung der § 29 Nr« 189)* Auch wird die Tatsache, daß der neue Mieter an den alten einen Abstand zahlen soll, nicht als wichtiger Grund anerkannt (LG Augsburg, Wohnungswirtschaft und Mietrecht 1958, 169; LG München aaO 1959, 90; Roquette, MSchG § 30 Nr» 19 Rußnote 1; Bettermann, MSchGes § 30 Nr« 155; auch LG Hannover, ZI;IR: Zeitschrift für Miet- und Raumrecht I960, 16 = Glaser, Entscheid« 1960/1961 II Nr. 56)„ Letzteres muß hingenommen werden, v/eil in den genannten gesetzlichen Bestimmungen ausdrücklich festgelegt ist, der Vermieter könne nur aus wichtigem Grunde widersprechen» Dadurch sollte der extreme Standpunkt des bürgerlichen Rechts, nach dem der alte Mieter seine Mieterrechte nur mit Zustimmung des Vermieters übertragen kann, korrigiert werden, wobei die Entscheidung des Gesetzes von vornherein mehr für als gegen die Übertragbarkeit gefallen ist (Bettermann, MSchG vor § 30 An. 4)» Diese gesetzliche Einschränkung kann aber nur für die in den genannten Bestimmungen ausdrücklich geordneten Fälle gelten« In allen andern muß es dabei bleiben, daß der Vermieter auch beim Freiwerden unter Mieterschutz stehender Wohnungen in der Weitervermietung (im Verhältnis zu seinem bisherigen) Mieter nicht beschränkt ist, es sei denn, daß er sich ihm gegenüber vertraglich gebunden hat» Deshalb kann auch nur ausnahmsweise die Versagung der Zustimmung zu dem Eintritt eines vorgeschlagenen Mieters in das alte Mietverhältnis oder die Weigerung des Abschlusses eines Mietvertrages mit diesem gegen Treu und Glauben verstoßen. b) Vergeblich sucht die Revision, auch aus § 29 Abs» 2 Nr, 1 und 2 1«, BMG herzuleiten, ein Vermieter verstoße immer gegen Treu und Glauben, wenn er sich weigere, in die freiwerdende Wohnung einen Mieter aufzunehmen, der bereit ist, dem weichenden Mieter einen im Rahmen der genannten Bestimmung preisrechtlich zulässigen Abstand zu zahlen» Sie meint, eine solche Zahlung berühre den Interessenbereich des Vermieters überhaupt nicht, sondern betreffe lediglich das Verhältnis zwischen dem (alten) Mieter und dem Britten, Diese auch von Roquette (für den Pall eines Wohnungstausches) vertretene Auffassung (MSchG § 30 Nr, 19 Fußnote 1) ist jedenfalls in dieser Allgemeinheit nicht zu billigen. Dem Vermieter einer preisgebundenen und dem Mieterschutz unterliegenden Wohnung, die er abgesehen von den zwangswirtschaftlichen Bindungen sonst an einen Mieter seiner Wahl frei vermieten kann, braucht es nicht gleichgültig zu sein, daß seinem neuen Mieter ein hoher Abstand abverlangt wird. Allein aus der preisrechtlichen Zulässigkeit einer solchen Abstandsvereinbarung folgt weder, daß der weichende Mieter einen unbedingten Anspruch auf eine Abstandszahlung hat, noch, daß er von seinem in der Vermietung sonst freien Vermieter verlangen kann, als neuen Mieter nur jemand au zu nehmen, der bereit ist* die geforderte Summe zu zahlen, Der Hinweis der Revision auf die "Umschich- Anfang November I960, a"* s sich der Kläger erst- I malig mit dem Beklagten in Verbindung setzte, und erst recht am 9o Dezember I960, als eine weitere Unterredung stattgefunden haben soll, müssen die Instandsetzungen bereits zu dem größten Teil durchgeführt gewesen sein, mögen auch die Rechnungen darüber (vgl. wegen einer Abstandszahlung nicht annehmen, war er nicht gehindert, seine Zustimmung unter den hier gegebenen Umständen zu versagen, als er erfuhr, der Kläger fordere 10 000 DM Abstand» Dieser kann sich jedenfalls nicht darauf berufen, wie die Revision meint, der Beklagte habe sich damit "mit seinem früheren Verhalten ihm gegenüber treuwidrig in Widerspruch gesetzt"» d) Unerheblich ist auch, ob sich ein Vermieter im Falle eines 7/ohnungstausches nicht auf die Zusage der Wohnung an einen Dritten berufen kann, weil er diese auch dann nicht erfüllen könnte, wenn der Tausch unterbleibt und der alte Mieter deshalb wohnen bleiben muß (Roquette Mieterschutz § 30 Nr. 2?)» Hier lag ein Wohnungstausch nicht vor. e) In diesem Zusammenhang kann es auch nicht darauf ankoramen, ob dem Kläger die erste V/ohnung im Hause des Beklagten ursprünglich einmal “im 7/ege der Wiedergutmachung" zugewiesen worden war« Unstreitig hatte er dem Beklagten keinen Abstand zahlen müssen« Es ist im Verhältnis des Klägers zu dem Beklagten auch unerheblich, daß der Kläger seine Wohnungen mehrfach gewechselt und dadurch besondere Unkosten gehabt hatte« Es kann ferner unentschieden bleiben, ob der Beklagte dann gegen Treu und Glauben verstoßen würde, wenn der Kläger den Wert der zuletzt bewohnten v/ohnung erheblich verbessernde, dem Beklagten zu Gute kommenden Aufwendungen gemacht hätte, und der Beklagte ihm dann keine Gelegenheit gegeben hätte, diese Aufwendungen sich vom Mietnachfolger ersetzen zu 1as s en| denn ein solcher Sachverhalt liegt h'.v'r nicht vor, wie noch auszuführen ist« Ob insoweit eine andere Beurteilung geboten sein würde, wenn sich der Beklagte von seinem neuen Mieter seinerseits einen - verbotenen - Abstand oder eine unzulässig erhöhte Miete hätte zahlen oder versprechen lassen, bedarf keiner Entscheidung; denn der Kläger hat das nicht einmal behauptet. Schließlich hat das Berufungsgericht auch nicht, wie die Revision meint §§ 547, 685, 684, 812, 818 BGB in\Verbin-dung mit § 286 ZPO verletzt, indem es Verwendungsersatzansprüche des Klägers gegen den Beklagten verneint hat. Im übrigen ist auch nicht ersichtlich, inwieweit durch die mehrmalige Vornahme von Malerarbeiten, sowie durch dreimaliges Abziehen des Parkettfußbodens oder dreimaliges Abziehen und Versiegeln eines Pitchpinefußbodens eine über das Übliche hinausgehende Verbesserung der Räume, insbesondere ihrer Fußböden, eingetreten sein soll; denn dabei ist zu berücksichtigen, daß der Kläger Uber 10 Jahre im Hause des Beklagten, davon über acht Jahre in seiner dritten Wohnung, gewohnt hat,, Es ist auch rechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht in tatrichterlicher Würdigung des Sachverhalts davon ausgeht, der Kläger habe, als er die jetzt aufgegebene Wohnung von Untermietern frei machte, seine eigenen Interessen wahrgenommen, und wenn es auch ohne Anhörung eines Sachverständigen zu der Feststellung gelangt, es bestehe keinerlei Anhalt dafür, daß die Freimachung der Wohnung von Untermietern, die vor Jahren erfolgt sein muß, dem Beklagten einen geldlichen Aufwand wert war. 3c Auch eine in Geld meßbare Bereicherung des Beklagten in seiner Eigenschaft als Hauseigentümer durch die erwähnten Verbesserungen und die Freimachung der Wohnung von Untermietern hat das Berufungsgericht im Rahmen seines Ermessens gemäß § 287 Abs«, 2 .n Verbindung mit Abs. 1 ZPO ohne Rechtsirrtum verneint• Dabei kommt es für die Bemessung des Wertestes Erlangten auf den Zeitpunkt der grundlosen Erlangung an (BGKZ 3, 197, 200). lung einer Bereicherung kommt es allerdings nicht allein auf die bessere Vermietungsmöglichkeit an« Der Umstand, daß das Berufungsgericht nur diese Möglichkeit erörtert hat, läßt aber entgegen der Auffassung der Revision noch nicht den Schluß zu, es habe übersehen, daß eine Bereicherung auch dann anzunehmen wäre, wenn der Beklagte sein Grundstück infolge der_Verwendungen teurer verkaufen könnte« Die Möglichkeit eines Verkaufes hat das Berufungsgericht ersichtlich als zu fernliegend angesehen, und es brauchte auch nicht davon auszugehen, daß bei einem Verkauf die Untermietfreiheit einer Wohnung oder die darin vorgenommenen, insgesamt gesehen, geringfügigen Verbesserungen irgendwie prei erhöhend wirken würden« Auch dazu brauchte das Berufungsgericht nicht erst einen Sachverständigen zu hören« III« Peststellungsansprucho Auch dieser ist unbegründet, weil der Beklagte, wie schon ausgeführt worden ist, nicht verpflichtet v/ar, an einen von dem Kläger vorgeschlagenen Mieter zu vermieten» Der Kläger muß daher die Miete bis zur Freigabe der Wohnung zahlen»