BGH · VIII ZR 218/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ist die Darlehens!orderung, zu deren Sicherung der Schuldner dem Gläubiger ein Pfandrecht bestellt hnt9 nichtige so kann das Pfandrecht dennoch gültig sein3 wenn sich aus dem Willen der Parteien ergibt9 daß auch der dem Gläubiger zustehende Bereicherungsanspruch auf Rückzahlung des Geldes gesichert sein soll0 Auf die Revision dea Klägers wird das Urteil des 7» Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt (Main) vom 200 Oktober 1965 aufgehobene Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung;, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen „ Der Kläger , dem die Bank und von BopHIB ihre Eigentumsrechte an den Teppichen übertragen haben, hat gegen den Beklagten, gestützt auf § 985 BGB, Klage auf Herausgabe der Teppiche erhoben» Er wirft dem Beklagten vor, nur infolge grober Fahrlässigkeit nicht erkannt zu haben, daß die Teppiche nicht im freien Eigentum der Frau Na(B standen» Hilfsweise behauptet er, Darlehensvertrag und Pfandbestellung seien nach § 138 BGB nichtig, weil der Beklagte sich von Frau Mafp zur Deckung seiner Zinsforderung für das nur auf vier Wochen gewährte Darlehen einen Wechsel über 7 500 DM habe geben lassen» Entscheidungsgründez Dae Berufungsgericht ist der Ansicht, die vom Kläger aufgestellten Behauptungen reichten nicht aus, um dem Beklagten eine grobe Fahrlässigkeit beim Erwerb seines Pfandrechts nachzuweisen0 Dieses Pfandrecht sei auch dann wirksam bestellt, wenn es zutreffe, daß sich der Beklagte von Prau I-Iagp einen Wechsel über 7 500 DM als Zinsen habe geben lassen. Darin würde allerdings, so führt das Berufungsgericht aus, die Vereinbarung von jährlich 360 c/o Zinsen liegen, da der Beklagte die 25 000 DH nur für vier Wochen geliehen habe, eine Vereinbarung, bei der seine Leistung in auffälligem Mißverhältnis zur Gegenleistung gestanden hätte (§ 136 Abs, 2 BGB)o Das Berufungsgericht verneint jedoch, daß das Darlehen und die Pfandbestellung wegen Wuchers nichtig seien. Dennoch aber sei, so meint das Berufungsgericht, das von Frau Na^P bestellte Pfandrecht wirksam, weil es jedenfalls den Rückzahlungsanspruch des Beklagten aus § 812 BGB habe sichern sollen«, den, jedoch müsse diese nicht unbedingt eine vertragliche Verbindlichkeit sein,, sondern sie könne auch eine aus Ge-setz folgende Verbindlichkeit sein* Per Beklagte habe dann, wenn Barlehens- und Zinsanspruch nichtig waren, immerhin einen Bereicherungsanspruch gegen Frau Ma^^ auf Rückzahlung der 25 000 BM (vgl* RGZ 161, 52)0 Im vorliegenden Fall sei nach den gegebenen Umständen der Wille der Frau Ilafp und des Beklagten dahin auszulegen, daß dieser auf jeden Fall hinsichtlich der Rückzahlung der 25 000 BM habe gesichert sein sollen - gleichviel, ob er deren Rückzahlung aus Vertrag (§ 607 EGB) oder aus Gesetz (§012 BGB) habe fordern können* Benn - so meint das Berufungsgericht im Anschluß an Westermann (Sachenrecht, 5o Aufl* § 128 III 1; ebenso Baur, Sachenrecht, - hier das Pfandrecht - nichtig ist* Daß das hier der Pall wäre, hat das Berufungsgericht jedoch nicht festgestellt, Das ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, Der Pfandbestellungcvertrag würde auch dann, wenn man die Hingabe des Darlehens und die Übergabe der Teppiche zu dem Pfand als einheitliches Rechtsgeschäft an-sehen wollte, nicht gemäß § 139 BGB nichtig sein. Auch in diesem Fall gewährt das Gesetz dem Darlehensgeber einen Rückznhlungsnnspruch aus § 812 BGB; dem steht § 817 S0 2 BGB nicht entgegen (RGZ 161, 52; Senatsurteil vom 18o April 1962 - VIII ZR 245/61 = IM § 817 Nr0 17 = BGHWarn 1962 Nr0 99 = NJW 1962, 1148)0 Daß die Vertragsschließenden diesen Anspruch nachträglich durch Bestellung eines Pfands sichern können, ist zweifellose Sie können dies aber auch sogleich bei Abschluß des (nichtigen) Geschäfts tun« Wohl wird es im gegebenen Fall sorgfältiger Feststellungen bedürfen, ob nicht nur der Darlehensgeber, sondern auch der Schuldner, den § 138 BGB von seiner Vertragspflicht, das Geld zurückzuzahlen, befreit, gev/ollt hatte, den Geldgeber auch wegen seines gesetzlichen Rückzahlungsanspruches zu sichern« Rechtliche Hindernisse bestehen jedoch gegen eine solche Annahme nicht0 Das Berufungsgericht hat geprüft, was der Beklagte und Frau Naflp gev/ollt hatten, als diese dem Beklagten die Teppiche zu dem Pfand gabo Dabei hat es nicht übersehen, daß die vertragliche Verbindlichkeit gemäß § 138 BGB nichtig war, weil der Beklagte sich von Frau Ma^P 360 Zinsen versprechen ließ0 Dennoch stellt es fest* der Wille beider Teile sei dahin auszulegen, daß auch ein Rückzahlungsanspruch aus § 812 BGB als Pfandforderung habe genügen sollen0 Dies begründet es nicht nur mit der Erwägung, diese Forderung entspreche wirtschaftlich der ursprünglich beabsichtigten Forderung aus Darlehen«, Vielmehr stützt es sich auch darauf, daß Frau Madem Beklagten gestattet hatte, über die Teppiche wie ein Eigentümer frei zu verfügen, wenn sie ihm das Geld nicht binnen vier Wochen zurück-zahle0 Daß diese Abrede nach § 1229 BGB unwirksam war, hat das Berufungsgericht gesehen«, Dennoch konnte es aus dieser weitgehenden Bereitschaft der Frau Maflp auf ihren Y/illen schließen, den Beklagten auf jeden Fall hinsichtlich der Rückzahlung des Geldes zu sichern» Da die Auslegung des Berufungsgerichts rechtlich möglich ist und auch keine allgemeinen Erfahrungssätze verletzt, war sie für das Revisionsgericht bindend«, Dann aber konnte das Berufungsgericht bei Entscheidung der Frage, ob das Pfandrecht wirksam war, offen lassen, ob der Beklagte sich einen Zins-Y/echsel über 7 500 DM hatte geben lassen«. Dig Revision macht geltend, der Beklagte sei durch die Teppiche, die er für 60 000 DH hatte versichern lassen, ausreichend gesichert gewesen« Dann aber dränge sich, so meint die Revision, der Gedanke auf, das Verlangen von 360 Zinsen zeige, daß sich der Beklagte über das Risiko hinsichtlich des Eigentums der Frau bewußt ge- wesen seio Dieser Rüge der Revision kann die Berechtigung nicht abgesprochen werden« Allerdings hängt es von den gesamten Umständen ab, ob der von der Revision angeführte Schluß gezogen werden kann« Nur der Tatrichter kann beurteilen, ob die Umstände dem Beklagten die Kenntnis davon auf drängten, daß die Teppiche der Frau Ma^p nicht gehörten, oder ihn jedenfalls zu Nachforschungen verpflichteten o Da aber das Berufungsgericht den auffallenden Umstand, daß der Beklagte sich nach der Behauptung des Klägers ungewöhnlich hohe Zinsen versprechen ließ, offenbar bei seiner Würdigung der einzelnen vom Kläger zu § 932 Abs« 2 BGB ins Feld geführten Umstände übersehen hat, konnte das angefochtene Urteil nicht bestehen bleiben« Die Sache war zur Nachholung der unterlassenen Prüfung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen « Der Kläger wird in der neuen Verhandlung Gelegenheit haben, auch seine übrigen Behauptungen und Beweisantritte, aus denen er die Bösgläubigkeit des Beklagten herleiten will, zu wiederholen«