BGH · VIII ZR 216/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
daß or sich nicht an Miotpröisverfahron beteiligt hatte* die von anderen Mietern gegen die Beklagte anhängig gemacht v/orden v/aren* ein Vormictrccht an einem von ihm auszuwählenden Laden in dem auf dem Grundstück beabsichtigten Neubau eingeräurato Bas Vormietrecht sollte auch dann gelten, v/enn der Kläger das Geschäft in Form einer Gesellschaft betrieb, so lange der Kläger an dieser Gesellschaft beteiligt war, und bestehen bleiben, v/enn das damalige Mietverhältnis als solches auf gekündigt v/urde«, Außerdem sollte der Kläger berechtigt sein, auch während der Bauzeit sein Geschäft weiter zu betreiben, soweit die örtlichen Verhältnisse und die Bauarbeiten dies zuließen» Der Kläger erklärte sich mit dem Inhalt dieses Schreibens ausdrücklich einverstanden und setzte einen entsprechenden Vermerk auf das Schreiben und die der Beklagten ausge-händigto Durchschrift* Das Amtsgericht gab der Klage durch Urteil vom 5° August 1965 statt und gewährte dem Kläger eine Räumungsfrist bis zu dem 31. Nachdem im Berufungsrechtzuge der als Zeuge vernommene Bruder Leo des Klägers am 2C Januar 1967 ausgesagt hatteg daß er das Geschäft von dem Kläger übernommen habe und seit 1961 Inhaber des Geschäfts sei, kündigte die Beklagte die Mietverhältnisso mit dem Kläger fristlos v/egen imbefugter Gebrauchsüberlassungo Bas Landgericht wies sodann durch Urteil vom 16«, März 1967 die Berufung des Klägers zurück und bewilligte eine Räumungsfrist bis zu dem 30» Juni 1967» Bas Urteil ist lediglich damit begründet, daß der Kläger seinem Bruder unbefugt den Gebrauch der Geschäftslokale überlassen habe» Bereits Ende 1965 hatte der Kläger seinerseits gegen die Beklagte vor dem Landgericht Berlin (63 0 109/65) Klage erhoben, mit der er die Peststellung begehrte, daß das Abkommen vom 3» Pebruar 1951 zwischen den Parteien im vollen Umfange weiter bestehe und wirksam sei, sowie weitere PestStellungen erstrebte* Bas Landgericht Berlin traf durch sein Urteil vom 1» April 1966 die an erster Stolle verlangte Peststellung und wies die we it ergehende Klage ab, Bio von der Beklagten gegen dieses Urteil eingelegte Berufung und die Anschlußberufung des Klägers wies das Kammergericht durch sein Urteil vom 18» September 1967 zurück„ 1o Das Berufungsgericht prüft zunächst, ob es zulässig war, die Rectitutionsklage mit der auf § 826 BGB gestützten Untorlassungsklage zu verbinden und bejaht diese Frage« Ob die zur Begründung der Rechtsansicht des Berufungsgerichts in den Entscheidungsgründen des angefochtenen Urteils enthaltenen Rechtsausführungen, die weder von der Revision noch von der Revisionserwiderung angegriffen werden, einer rechtlichen Prüfung standhalten können, braucht nicht entschieden zu werden, denn die vom Berufungsgericht aufgeworfene Rechtsfrage stellt sich nicht« Das Landgericht hat 11 die Klage”, d«h« beide von dem Kläger gestellten Anträge, abgewiesen« Es hat, wie die Entscheidungsgründe seines Urteils ergeben, beide Anträge für zulässig aber unbegründet gehalten« Der Kläger war daher durch die Abweisung beider Anträge beschwert und die von ihm eingelegte Berufung, die sich zunächst auf beide Anträge bezog, war deshalb zulässig« Dor Kläger nahm dann aber die Berufung zurück* soweit sie die Rc3titutionsklage betraf» Nunmehr v/ar also beim Berufungsgericht nur noch die ünterlassungsklago anhängig* über die ohne Rücksicht darauf sachlich zu befinden v/ar* ob die frühere Verbindung mit der Restitutionsklage zulässig v/ar oder nicht» Auch in den Revisionsrechtszug ist nur der Unterlassungsantrag gediehen* über den nach dem Ausgeführten ebenfalls auch dann sachlich zu entscheiden ist* v/enn es unzulässig gev/esen sein sollte* daß im ersten Rechtszug die Restitutionsklage mit dem Antrag auf Unterlassung des Gebrauchs dos Räumungsurteils verbunden worden v/ar» Nach einhelliger Rechtsprechung* die von einem Teil des Schrifttums sogar als noch zu weitgehend abge-i' lehnt wird (Nachweise in BGHZ 50* 115s 117)* können die Folgen der Rechtskraft eines unrichtigen Urteils durch die Zulassung eines Schadensersatzanspruchs aus § 826 BGB nur dann beseitigt v/erden* wenn das rechtskräftige Urteil durch unlauteres Verhalten erschlichen worden ist oder v/enn den von dem Urteil Gebrauch machenden Teil die Unrichtigkeit bekannt ist und besondere Umstände hinzutreten* welche die Ausnutzung des Urteils als sittenwidrig erscheinen lassen (BGHZ 26* 391 * 396 mit weiteren Nachweisen)„ Hier steht nicht einmal fest* daß das Urteil des Landgerichts im Räumungsrechtsstroit sachlich "nachweisbar unrichtig" (BGHZ 40* 130* 133) gev/esen ist. Es spricht sogar viel dafür, daß die Beklagte trotz dieses Schreibens zur Kündigung der Mietverträge vom 30» September 1965 berechtigt war« Von einer offensichtlichen tatsächlichen oder rechtlichen Fehlbeurteilung kann somit hier keine Rede sein» letztlich kann aber aus folgenden Gründen dahingestellt bleiben, ob das Urteil des Landgerichts sachlich unrichtig war: Auf diese Umstände hat indes der Kläger in seinem Schriftsatz vom 27« Pebruar 1967 ausführlich hinge-wiesen und für seine Behauptungen Beweis angetreten» Das Landgericht im Räumungsprozeß war also über die Sachlage durch das Vorbringen beider Parteien umfassend unterrichtet» Es hat allerdings in der Begründung seines Urteils rechtliche Folgerungen gezogen, die von dem Kammergericht in dem Rechtsstreit, der zwischen den Parteien über das Weiterbestehen und die Wirksamkeit der Vereinbarung vom 3« Pebruar 1951 anhängig ist, nicht geteilt werden. Selbst wenn men annehmen wollte, daß die Beklagte ihrer Wahrheitspflicht nicht voll genügt habe, beruht jedenfalls das Urteil nicht auf einer Verletzung der Wahrheitspflicht durch die Beklagte, sondern höchstens auf ungenügender Berücksichtigung des Vortrags des Klägers und Übergehung der. b) Es besteht auch kein Anhalt dafür, daß die etwaige Unrichtigkeit des Urteils des Landgerichts im Räumungsprozeß der Beklagten bekannt gewesen sei» Selbst wenn das Urteil auch im Ergebnis unrichtig sein sollte, so beruht die Unrichtigkeit nicht auf der Ver\*ertung von Tatsachen, die falsch waren, sondern auf einer unrichtigen Würdigung des Sachverhalts durch das Landgericht» Es spricht aber nichts dafür, daß die Beklagte die Unrichtigkeit dieser Beurteilung erkannt hebe» Lie von dem Kläger in dem jetzigen Rechtsstreit vertretene Auffassung würde es der unterlegenen Partei nach Beendigung eines Rechtsstreits ermöglichen, die Unterlassung der Vollstreckung aus dem gegen sie ergangenen Urteil von der obsiegenden Partei mit der Begründung zu verlangen, das Gericht habe dinc Tat- oder Rechtsfrage unrichtig entschieden, und das sei von der obsiegenden Partei auch erkannt worden» Würde dem gefolgt, so könnte also die unterliegende Partei in einem neuen Rechtsstreit nachprüfen lassen, ob die Gerichte im ersten Rechtsstreit die Sachund Rechtslage richtig beurteilt hatten» Pür ein solches Verfahren bietet die Rechtsordnung keine Handhabe» Sicherlich ist es nicht auszuschließen, daß auch Gerichte gelegentlich tatsächliche oder rechtliche Fehlbeurteilungen vornehmen» Um solche nach Möglichkeit zu vermeiden, sind der unterlegenen Partei die in der Zivilprozeßordnung vorgesehenen Rechtsmittel gegeben»