BGH · VIII ZR 200/61
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
straße Kläger und RevisionsbeklagtGn3 - Prozeßbevollmächtigter: Hechtsanwalt Dr hat der VIII* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom lo« Dezember 1962 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Haidinger und der Bundesrichter Artl, Dr* Dorschei5 Dr* Mezger und Dr» Messner für Recht erkannt: I» Die arglistige Täuschung des Klägers durch den Beklagten t das Berufungsgericht darin, daß dieser dem Kläger bewußt wahrheitswidrig vorgespiegelt habe, die von ihm verkauften Geräte seien sämtlich solche, die sich schon gut bewährt hätten» In der Wendung in dem Schreiben vom 31o Januar 1959 "vieltausendfach bewährte Musikboxen" sieht es eine entsprechende tatsächliche Behauptung, die sich auch auf die Standbox "Symphonie 12o" bezogen habe» Hinsichtlich dieser Box hält das Berufungsgericht die Unrichtigkeit der Behauptung für erwiesen» Es stellt auch fest, daß sie der Beklagte wider besseres Wissen vorsätzlich in dem Bewußtsein aufgestellt habe, diese unrichtige Erklärung werde für den Entschluß des Klägers, den Kaufvertrag abzuschließen, von Bedeutung sein können» Die Arglist des Beklagten erblickt es darin, daß er diese Neukonstruktion einer Wandbox als "violtausendfach bewährt" bezeichnote, obwohl er schon gewußt habe, dieser Dazu stellt es fest 3 der Beklagte habe vor Vertragsabschluß mit dem Kläger (?« Februar 1959) fünf Musikboxen dieses Typs verkauft gehabt5 und zwar die erste Ende November 1958 (an Bru^j)o Von diesen fünf Geräten seien vier Geräte noch vor dem 5° Februar beanstandet wordeno An dem Gerät bei Bru^ hätten sogar mehrfach Reparaturen vorgenommen werden müssen,, Aus diesen dem Beklagten bekannt gewordenen Beanstandungen schließt das Berufungsgericht, er habe wider besseres Wissen gehandelt, wenn er das Gerät “Symphonie 12o" dem Kläger gegenüber als gut bewährtes Gerät bezeich-nete« Er habe auch die Absicht gehabt, den Kläger durch diese nicht zutreffende Behauptung zu dem Vertragsabschluß zu bewegeno Der Einlassung des Beklagten, er habe angenommen, den Käufern komme es nur auf gute Einspielergebnisse, nicht aber auch darauf an, ein Gerät mit möglichst geringer Reparaturanfälligkeit zu erhalten, folgt das Berufungsgericht nicht, sondern stellt fest, auch dem Beklagten sei bekannt gewesen, der Käufer wolle ein technisch einwandfreies Gerät erwerben und erwarte ein solches, wenn es ihm als "vieltausendfach bewährt" ongeboten wurde« Ob der Inhalt des Einladungsschreibens einschließlich der Anzeige zu dem Vertragsinhalt geworden ist und ob der Beklagte am 5» Februar sämtlich darin gemachten Angaben wiederholt hat, läßt das Berufungsgericht dahingestellt. lo Das Berufungsgericht hat nicht verkannt, daß bloße reklamehafte Anpreisungen nicht wortwörtlich zu nehmen sind und deshalb in der Regel keine Anfechtung zu begründen geeignet sind« Es liegt aber im Rahmen der tatrichterlichen Würdigung des Sachverhalts, wenn das Berufungsgericht feststellt, der Beklagte habe die tatsächliche Behauptung aufgestellt, er verkaufe nur Musikboxen, deren Typ sich bereits in der Praxis gut bewährt hatte« Vergeblich rügt die Revision weiter, weder in der Reklameanzeige noch in dem Einladungsschreiben seien die einzelnen Automatentypen, insbesondere die Musikbo^typen, näher bezeichnet'« Auch wenn das lange vorher gewesen sein sollte, berührt es die Feststellung des Berufungsgerichts nicht, der Beklagte habe gewußt und gewollt, daß der Kläger bei der Verhandlung am 5° Februar 1959 von den in dem Schreiben gemachten Erklärungen ausging (BU 11), die er auf alle Boxen bezogen habe» Das Gleiche gilt hinsichtlich der Würdigung des Berufungsgerichts, der Beklagte habe die tatsächliche Behauptung, er verkaufe nur gut bewährte Geräte, auf Grund der ihm inzwischen zugegangenen Meldungen über das Wandgerät "Symphonie 12o" hinsichtlich dieses Typs auf keinen Fall mehr, ohne sich dem Vorwurf der Arglist auszusetzen, weiter aufrechterhalten können (BU 11)» der Sachverhalt keinen Anhalt dafür, daß dem Kläger bekannt war, die Musikbox "Symphonie 12o" sei eine Neukonstruktion, aber ebensowenig auch dafür, daß ihm die Lieferfirmader Musikboxen (Bergmann) irgendwie ein "Begriff" gewesen sei« Andererseits läßt es das Berufungsgericht dahingestellt, ob ein Verkäufer schon dann arglistig handelt, wenn er von ihm angebotene Geräte als vieltausendfach bewährt bezeichnet, obwohl er weiß, daß eines davon eine Neukonstruktion ist« Es geht auch davon aus, daß eine Arglist des Verkäufers im allgemeinen dann1'nicht « wird'' angenommen werden können, wenn er mit Rücksicht auf die Bewährung anderer Geräte der betreffenden Herstellerfirma und der mit dieser Firma sonst gemachten guten Erfahrungen der Ansicht ist, auch ihre Neukonstruktionen würden sich bewähren, und sie deshalb entsprechend anbietet,, Es ist aber nicht rechtsirrig und keine Überspannung der Anforderungen an das Geschäftsgebahren eines redlichen Kaufmannes, wenn es ira vorliegenden Falle die Auffassung vertritt, der Beklagte habe dem Kläger gegenüber nicht, ohne arglistig zu handeln, auch die Musikbox "Symphonie 12o" als bewährt verkaufen können, obwohl er aus den ihm zugegangenen Meldungen wußte, sie werde sich möglicherweise nicht bewähren (BU 9)0 3„ Es ist auch aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht hier angesichts der von ihm fest-gestellten besonderen Umstände von Arglist des Beklagten ausgeht, ohne gleichzeitig die Feststellung zu treffen, bei der Musikbox "Symphonie 120" handele es sich um eine ausgesprochene "Fehlkonstz'uktion"«» Es ist auch unerheblich, daß dies möglicherweise nicht festgestellt werden kann» Das Berufungsgericht konnte nach seinen Feststellungen davon ausgohen, daß es ein Gerät war, das Öfter ausfiel, als man das von einem gut bewährten Gerät erwartete Wollte aber der Kläger nach der Feststellung des Berufungsgerichts nur ein bereits bewährtes, technisch einwandfreies Gerät erwerben und glaubte er es auch auf Grund der Behauptungen dos Beklagten zu erhalten, dann wollte er - schon nach der Lebenserfahrung - kein Gerät, das sich auch nur möglicherweise technisch nicht voll bewährt, sondern öfter ausfällt* Aus dem in dem Einladungsschreiben enthaltenen Hinweis auf den "zur Verfügung stehenden Kundendienst" brauchte der Klä ger entgegen der Auffassung der Revision nicht den Schluß zu ziehen, an den angeblich "vieltausendfach bewährten" Musikboxen, insbesondere der hier allein interessierenden Wendbox "Symphonie 12o" müßten "laufend" Kleinigkeiten durc Xo - Die Feststellung des Berufungsgerichts, auch dem Beklagten sei bekannt gewesen, daß der Kläger ein Gerät erwerben wolle 9 das technisch möglichst einwandfrei arbeite, liegt im Rahmen der Lebenserfahrung <> Für sie spricht auch die Anpreisung;, die den Käufern ein verhältnismäßig müheloses Nebeneinkommen zusicherte« Jede technische Störung macht aber erfahrungsgemäß auch dem "Aufsteiler" (= Kläger) Arbeit; denn er ist nach dem Aufstellungsvertrag der Betreuer des GerätSo Außerdem entstehen bei Störungen sonst vermeidbare Unkosten*, ganz abgesehen von dem Arger, der dem Aufsteller erwächst und der hier den Kläger veranlasste, am lo« Juni 1959 an den Beklagten zu schreiben, diese Box sei zu seinem Alptraum geworden, alle drei Tage streike sie usw« Die Revision meint3 das Einspielergebnis sei deshalb allein entscheidend, weil der Beklagte eine Garantie für eine bestimmte Mindesteinnahme übernommen habe« Diese Garantieübernahme spreche auch gegen die Annahme, daß er arglistig gehandelt habe, weil er zuzahlen müsse, wenn das Gerät versage« Letzteres ist richtig« Der Beklagte hat hier auch mehrfach - kleinere - Ausgleichszahlungen geleistet, wenn die Garantiesumme von insgesamt 3oo DM brutto monatlich nicht erreicht war« Das konnte das Berufungsgericht aber deshalb für unerheblich halten, weil diese Garantie vom Beklagten - in ausdrücklicher hand schriftlicher Änderung des Vordrucks - nur für die ersten sechs Monate übernommen worden und sein so beschränktes Risiko also gering war« Es bedeutet deshalb keinen Verstoß des Berufungsgerichts gegen § 286 ZPO, wenn es sich mit dieser Bestimmung nicht ausdrücklich auseinander- Selbstverständlich hat es der Beklagte nicht zu vertreten, wenn das gekaufte Gerät “Symphonie 12o“ später aufgebrochen wurde» Eine solche Haftung hat das Berufungsgericht auch nicht angenommen» Auf die darüber und über die Vernachlässigung dieses Geräts ln der Folgezeit durch den Kläger in den TatSachenrechtszügen vom Beklagten aufgestellten Behauptungen, auf die die Revision verweist, kam es nicht an; denn daraus ergibt sich nichts dafür, daß das Gerät vorher so in Ordnung gewesen sei, wie es der Kläger erwarten konnte und voraussetzen mußte« 7» Fehl gehen auch die Angriffe der Revision, soweit sie sich gegen die tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts richten, auf Grund deren es zu der Überzeugung gelangt ist, der Beklagte habe dem Kläger das Gerät "Symphonie 12o" jedenfalls am 5» Februar 1959 nicht Lässigkeit der Wandbox "Symphonie 12o" "zurückgewiesen" hat (Schriftsatz vom 31°lo°196o 3« 2) und gleichgültig, ob die Qualität der Standgeräte der Firma B^^IH^vom Typ "Symphonie 80" und "Symphonie 2oo" "über jeden Zweifel erhaben"ist5 ob diese Geräte den Huf des Herstellerwerkes in der Fachwelt begründet haben., sowie ob diese Firma selbst diese Geräte als die meistgekauften Musikboxen Europas anpreist (Schriftsatz vom 31° Oktober i960 S« 2)» Das besagt noch nichts über das neue Wandgerät "Symphonie 12o"» Auch auf den Vortrag des Beklagten in seinem Schriftsatz vom 60 September 1961 3» *f, das Herstellerwerk habe in einer Auskunft vom April i960 ihre Box "Symphonie 12o" als (im Ergebnis) zuverlässig gelobt und erklärt "der weitaus größte Teil1* der Wandboxen "Symphonie 12o" sei unbeanstandet geblieben, kam es nicht an« Auf diese spätere Auskunft;, die im übrigen ebenso wie ein Gutachten Malinkowski aus dem Rechtsstreit «/« vom 5° Hai i960 auf AnfangsSchwierigkeiten mit der Neukonstruktion "Symphonie 12o" schließen laßt, kann sich der Beklagte am 5° Februar 1959 nicht verlassen haben« Er wußte im Gegenteil, daß sich bei vier von den fünf bislang von ihm verkauften Geräten Beanstandungen ergeben hatten« b) Vergeblich rügt die Revision auch, das Berufungsgericht habe sich nicht mit dem Vortrag im Schriftsatz vom 280 Marz 1961 S« 2 auseinandersetzt« Weshalb der Beklagte die Box "Symphonie 12o", ein Wandgerät, das billiger, kleiner und raumsparender sein soll als die teureren Standboxen, in sein Verkaufsprogramm aufgenommen hat, war gleichgültig« Ob das Berufungsgericht von Amts wegen einen Sachverständigen hören wollte, lag in seinem tatrichterlichen Ermessen« Daß es das nicht getan hat, bedeutet ebenso- aa) Daß'aus den Einspielergebnissen allein keine Schlüsse zu Gunsten des Beklagten zu ziehen sind, ist bereits ausgeführt und gilt auch hinsichtlich der Box ’’Symphonie 12o" bei Bru^o Der Beklagte hatte zwar im Schriftsatz vom 260 April 1961 So 2 behauptet, bei diesem Gerät sei nur eine Kleinigkeit richtigzustellen gewesen, nämlich das Nachjustieren eines Kontaktes0 Darüber hat aber der Zeuge zu Protokoll vom Juni 1961 nichts bekundet, sondern vielmehr ausgesagt, er habe das Gerät bis zu dem 31» Januar 1959 seiner Erinnerung nach sogar mehr als fünf Mal reparieren müssen, meistens, weil der Plattenwechsel nicht funktio-nierte« Bei dieser Sachlage brauchte das Berufungsgericht keinen Sachverständigen darüber zu hören, die Notwendigkeit-des Nachjustierens eines Kontaktes könne auf Erschütterungen des Geräts beim Transport zurückzuführen sein0 Irrig ist der Sachvortrag der Revision, an diesem Gerät seien nur in der ersten Zeit mehr Reparaturen vorzunehmen gewesen, später aber nicht mehro Das Berufungsgericht hat ersichtlich nur deshalb auf die erste Zeit besonderen Wert gelegt, weil es darauf ankam, was der Beklagte bis zu dem Februar 1959 über diese Reparaturen erfahren hat» Hierzu hat es rechtlich einwandfrei festgestellt, die Box habe jedenfalls schon bis 31« Januar 1959 mehrfach repariert werden müssen« Dabei war unerheblich, wie lange Zeit diese Reparaturen in 12o“ betrifft, so hat der Beklagte (Schriftsatz vom 28eMärz 1961 S„ 29 3) selbst zugegeben, daß ihm am 29° Januar 1959 von einer Störung berichtet wurde, die immerhin so erheblich gewesen sein muß, daß er sich veranlasst sah, für die Belieferung dieses Käufers mit einem anderen Gerät zu sorgenc Die Revision will aus dem Umstand, daß S|^^ hinsichtlich des zweiten ihm ebenfalls schon im Januar 1959 gelieferten Geräts noch im April 1959 mitteilte, es biete keinen Anlaß zur Klage, den Schluß ziehen, die Störung an dem anderen S^mschen Gerät sei ein “Einzelfall“• Dem steht entgegen, daß solche Störungen auch bei dem bei Bru® aufgestellten Gerät und bei den beiden von WeäJ| gekauften Boxen des gleichen Typs aufgetreten waren. cc) Daß an den beiden an V/ei^ gelieferten Geräten am 3oo Dezember 1958 Störungen hatten behoben werden müssen, hatte der Beklagte ebenfalls zugestanden» Darauf, daß diese geringfügig waren, kam es nicht entscheidend an» Ebensowenig bedeutet es einen Verstoß gegen § 286 ZPG, wenn das Berufungsgericht nicht über den Vortrag im Schriftsatz des Beklagten vom 12» Juni 1961 Beweis erhoben hat, später habe ein Zeuge PiflHB) der die ersten Störungen behoben hatte, festgestollt, daß Wei(J an dem Mechanismus der Boxen hantiert und dabei Schaden angerichtet habe» Daraus brauchte das Berufungsgericht insbesondere nicht den Schluß zu ziehen, schon die ersten Störungen seien auf das eigene Verschulden von WeiiQ zurückzuführen,zu demal an-