BGH · VIII ZR 196/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom J9» Oktober 1966 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Haidinger sowie der Bundesrichter Dr« Gelhaar5 Artl« Dr« Messner und.Uormann für Recht erkannt: Großhandel den Verkauf und die Aufstellung von Automaten zu dem Verkauf von Zigaretten« Auf Grund eines Zeitungsinserates in der Frankfurter Rundschau und mündlicher Verhandlungen mit einem Vertreter der Klägerin«, Unterzeichneten die Beklagten und am 26„ Mai 1962 ein ausgefülltes Formblatt«, 1 200 UM sollten nach dem Vertrag am 28« Mai 1962 überwiesen« der Rest bei Übergabe gezahlt werden« Nach den gedruckten Vertragsbedingungen (allgemeinen Geschäftsbedingungen) verpflichtete sich die Pirma, dem Käufer Plätze für die erste Aufstellung der Automaten kostenlos zu besorgen« Die hierfür erforderlichen Verträge waren von ihr mit den Auf-stellplatzinhabern oder Eigentümern nach Maßgabe bestehender Musterverträge im Auftrag des Käufers abzuschließen und hierbei besondere Wünsche des Käufers nach Möglichkeit zu berücksichtigen« Der beklagte Ehemann bestritt, Vertragspartei zu sein« Er habe durch seine Unterschriften nur als Ehemann den mit seiner Ehefrau geschlossenen Kaufvertrag gebilligt und ihm zugestimmt« Im übrigen beriefen sich beide Beklagte auf Anfechtung des Vertrages wegen arglistiger Täuschung und Irrtums über persönliche Eigenschaften der Klägerin« Diese sei weder gewillt noch in der Lage gewesen« für den Vertragszweck geeignete Plätze anzubieten und zur Verfügung zu stellen und weitere Vertragspflichten zu erfüllen« Bereits mit ginschreiben vom 6« Juni 1962 habe die Beklagte (Ehefrau) die Aufstellplätze beanstandet« Die Annahme des Schreibens habe die Klägerin verweigert« Im Wege der Widerklage forderte die Beklagte zu 2 Zahlung von 784 DM nebst Zinsen seit 1« September 1962« nämlich den Differenzbetrag zwischen den geleisteten Zahlungen (1 500 DM) und dem Preis erhaltener Ware in Höhe von 716?50 Es besteht kein allgemeiner Erfahrungssatz«, daß ein Gastwirt geschäftserfahren genug ist, um zu wissen, daß zu Rechtsgeschäften, durch die sich die Frau zu einer Leistung verpflichtet, die Zustimmung des Mannes nicht erforderlich Isto Es besteht auch kein allgemeiner Erfahrungssatz dahin, daß ein Gastwirt auch darüber unterrichtet ist, daß auch ihm gegenüber ein Vertrag mit der Ehefrau grundsätzlich deshalb wirksam ist, weil ab ’!o April 1953 der bis dahin gesetzlich geltende Güterstand der Verwaltung und Nutznießung nur noch durch Ehevertrag begründet werden kanne Das Berufungsgericht durfte deshalb nicht, wie geschehen, auf einen allgemeinen Erfahrungssatz abstellen«, Es fehlt zudem in der Begründung des Berufungsgerichts an jedem konkreten Anhalt dafür, daß der Beklagte die ihm vom Berufungsgericht zugeschrie- sten der Klägerin, die sie durch ihren Vertreter hat aua-füllen lasseno Es kommt hinzu, daß der Beklagte sich in dem Schriftsatz vom 19» Oktober 1962 auf ein Schreiben der Klägerin vom 28«, Mai 1962 bezogen hat, in dem es heißt: Aus diesen Gründen kann nicht davon ausgegangen werden«, der Ausfüllung des Vertragstextes und der Bezeichnung der Ehefrau als Käuferin komme keine entscheidende Bedeutung zu«, sie beruhe möglicherweise auf einer Nachlässigkeit des Vertreters, wie die Klägerin im Schriftsatz vom 8o Oktober 1962 vorgetragen hatte« auch er müsse sich zur Zah-lung des Kaufpreises verpflichten«, hat die Klägerin nicht behaupteto Sie hat jedoch Zeugenbeweis dafür angeboten, daß der Ehemann 3ich in der Übergabe Verhandlung vom 30» Mai 1962 und auch in einer späteren Besprechung als Käu~ fer bezeichnet und geriert habe« In der Berufungsbegrün-dung hat die Klägerin zu der Frage, wer ihr Vertragspartner geworden ist, auf die Beweis ange bot e und ihre Ausführungen im Schriftsatz vom 8«, Oktober 1962 verwiesen« Das Berufungsgericht hat es nicht für erforderlich angesehen«, diesen Beweis zu erheben«, Da jedoch seine Erwägungen, mit denen es die Feststellung begründet, daß der Beklagte sich neben seiner Ehefrau zur Zahlung des Kaufpreises verpflichtet habe, von der Revision mit Recht angegriffen werden, muß das Berufungsurtoili soweit es den Be- XIo Hinsichtlich des Anspruches gegen die Beklagte zu 2 gilt folgendes: Das Berufungsgericht hält den Anspruch deshalb für begründet, weil die Klägerin ihre Verpflichtung, der Beklagten Plätze für die erste Aufstellung der Automaten kostenlos zu beschaffen, erfüllt habe«. Die Automaten seien bis zu dem 4« Juni 1962 an verschiedenen Plätzen aufgestellt worden« Sie hätten an solchen Plätzen aufgestellt werden müssen, die einen gewissen Umsatz erwarten ließen, d«h« an Plätzen, die bestimmungsgemäß hierfür hätten geeignet sein müssen« Das Landgericht habe überseheh, daß die ausdrückliche Billigung der Aufstellplätze durch den von der Ehefrau bevollmächtigten Ehemann nicht nur eine Annahme als Erfüllung im Sinne des § 363 BGB darstelle, sondern darüberhinaus als Verzicht auf die Einwendung, die gewählten Plätze seien im Sinne des Vertrages nicht geeignet, gewertet werden müsse« Dabei sei besonders zu berücksichtigen, daß der Beklagte zu * als Gastwirt durchaus die erforderliche Übersicht und Erfahrung besitze, um die Brauchbarkeit eines Aufstellungsplatzes und die Bedeutung seiner Ein-verständniserklärung beurteilen zu können« Auch diese Begründung hält den Angriffen der Revision nicht stand« Aus der Tatsache, daß der Ehemann am 4« Juni 1962 im Einverständnis mit der Beklagten zu 2 die Aufstellplätze von 14 Automaten besichtigt und die Schlüssel hierfür in Empfang genommen hat, ergibt sich noch nicht« daß er auf die Einwendung, die gewählten Plätze seien im Sinne des Vertrages nicht geeignet, verzichtet hat und ermächtigt war«: namens der Ehefrau auf diese Einwendung zu verzichten« Das von dem Berufungsgericht nicht gewürdigte Schreiben der Beklagten an die Klägerin vom 6« Juni 1962 spricht dagegen« Das Berufungsgericht hätte auch prüfen müsson«, ob der Beklagte zu 1 schon bei der Besichtigung der Plätze in der Lage war9 abschliessend zu beurteilen? ob es sich um gute Aufstellplätze handelte., und ob deshalb den damaligen Erklärungen der Beklagten zu t die Bedeutung eines endgültigen Einverständnisses mit diesen Plätzen beigemessen werden kann« Wie das Landgericht rechtlich einwandfrei angenommen hatte? die Aufstellung sei also nur für eine sehr begrenzte Zeit an dem jeweiligen Ort erfolgt« ’Wie die Beklagten im Berufungsverfahren unter Hinweis auf die von der Klägerin vorgelegten Verträge (Aufstell-Genehmigungen) vorgetragen haben« sind 8 Automaten an Wohnwagen auf Baustellen angebracht worden« wobei diese Baustellen keinesfalls zwei Jahre in Betrieb bleiben konnten«, 2 Automaten wurden in einem Betonwerk aufgestellt, wo nach Behauptung der Beklagten nur eine geringe Zahl von Arbeitern tätig war, 2 Automaten befanden sich an der Tankstelle Sc^HV in FlSHH^, wo 1 Automat zu viel gewesen sei« 2 Automaten bei der Firma BuflB in KoflHP;, wo eine zu geringe Arbeiterzahl tätig gewesen sei« daß ein AufStellplatz nur gut sei, wenn eine größere Anzahl von Kunden den Automaten mutmaßlich benutzen werde« Sie haben sich dafür, daß die Automaten nicht an guten Plätzen angebracht worden seien, auf das Gutachten ä&nes Sachverständigen und auf Zeugenbeweis durch Vernehmung des Elektrikers Kurt Bfl|P sowie der Vertreter Horst Bi^mB und Joachim berufen» Die Beklagten ha- ben sich ferner auch auf das Zeugnis der Platzvermieter dafür bezogen, daß auf den gewählten Plätzen keine ausreichende Kundschaft für die Bauer von 2 Jahren vorhanden war«.