BGH · VIII ZR 191/60 vom 31.01.1962
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Bie Revision der Klägerin gegen das Urteil des 10. HWB T^HA, der Ehemann der Klägerin, vermietete durch schriftlichen Vertrag vom 25» Juli 1953 den Beklagten einen Laden nebst weiteren Geschäftsräumen und Keller-räunen in seinem durch Kriegseinv/irkung zerstörten, damals r.oeh nicht aufgebauten Hausgrundstück Stresemannstraße 1 1 au ouf 15 Jahre, Die Beklagten zahlten entsprechend der von ihnen übernommenen Verpflichtung in Form der Kiet-Vorauszahlung einen durch Verrechnung mit der Kioto (monatlich 450 DU)in Höhe von monatlich 225 BK zu tilgenden, unverzinslichen Baukostenzuschuß von 11,000 BK bei Beginn der Bauarbeiten (etwa im Kerbet 1955) an HflflHHh Bann bat KpHHflHl x'flll durch seinen Sohn, den Zahnarzt !!^V TflB, und durch den bauleitenden Architekten 3 PHP •die Beklagten, ihre zur Behebung von Einanzierungsschv/ierig-keiton einen weiteren Baukostenzuschuß von 10 000 Bll zu geben. Bas taten die Beklagten und vereinbarten mit demnächst in einer schriftlichen Hachtragevereinbn-rung zu dem Mietvertrag vom 1, Eebruar 1954, daß dieser Börse hu 13 im Anschluß an die Amortisation des ersten Vorschusses ebenso zu tilgen ist. Nachdem Hdtt BPPBfe am 3, Kai 1954 gestorben und von der Klägerin, seiner Ehefrau, allein beerbt worden war, bezogen die Beklagten am 15» Juni 1954 die Micträume. Bor Beklagte erhob gegen die Klägerin in Oktober 1954 Klage, die u.a. auf uückzahlun^ der 10.ECO III gerichtet war; zur Begründung führte er on, und 13PHÜ hätten als Vertreter des Hl die Ilorgabc des Geldes durch Betrug veranlaßt (6 0 91/54 des Landgerichts M.-Gladbach = 5 U 74/55 des Oberlandesgericht-s Düsseldorf)« Im Zusammenhang damit unterließen die Beklagten die Zahlung von Miete für die Zeit vom Oktober 1954 bis zu dem April 1956» Nach Zustellung J der Klage betrieben HW und BWi eine Privat- klage gegen den Beklagten wegen der von diesem erhobenen Vorwürfe (7 Bs 47/54 des Amtsgerichts Rheydt)« 18« April 1956 in dem bezeichneten Rechtsstreit 6 0 91/54 vor den Oberlandesgericht Düsseldorf geschlossenen Vergleich bei« Darin ist u,a, bestimmt, daß das MietVerhältnis zu den Bedingungen des Vertrages vom 25« Juli 1953 und der Kachtragsvereinbarung vom 1. Sie veranlaßten die Klägerin zunächst am 9• September 1957 gegen die Beklagten eine Klage auf Zahlung von nach Ansicht der Klägerin zu Unrecht nach dem 1. nicht gezahlter, sondern nur verrechnetor ten eine Widerklage zu erheben, die von Schadensersatz wegen Beschädigung eines men gehörenden Schaukastens der Beklagten ( 1 0 256/57 des Landgerichts I.L -Gladbach - 10 u 126/58 des Cberlanriesgerichts Düsseldorf). V/i and: tungen um die Hergabe des kostcnzuochuoccs von 10.000 DU im Jahre 1953- Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht I.L-Gladbach stellte das Verfahren ein, soweit es den (nach ihrer Auffassung nicht nachweisbaren) Vorwurf der Palsehaussage betraf, erhob jedoch gleichzeitig gegen die Beschuldigten Anklage wegen gemeinschaftlichen Betruges bei den beaeichneten Verhandlungen. Inzwischen hatte die Klägerin im Dezember 1957 wegen Streitigkeiten über die Art der Beteiligung der Beklagten an den Heizungskoyten des Hauses in der Hei-zungsperiods 1957/1958 Zahlungs- und Feststellungsklage erhoben (1 0 241/58 des Landgerichts Me-Gladbach = 10 U 50/59 des Oberlandesgerichts Düsseldorf), Die Beklagten unterlagen in diesem Rechtsstreit rechtskräftig- - In April I960 erhob die Klägerin eine weitere Zahlungsklage gegen die Beklagten wegen deren Beteiligung an den H c i zungs kosten für die Heinzungsperiode 1959/60 (9 0 409/60 des Amtsgerichts Rheydt); dieser Prozeß war bei Schluß der mündlichen Verhandlung des vorliegenden Rechtsstreits vor dem Berufungsgericht neen amangrg Lach Abschluß des Strafverfahrens gegen ihren lohn, kündigte die Klägerin dem Beklagten mit Schreiben von 27, April 1959 das I.lie tverhäitnis fristlos und focht den 'scfrag vorsorglich auch wegen arglistiger Täuschung n 1 Irrtums über die Person des Beklagten an, Oie erhob dann im vorliegenden Rechtsstreit Klage gegen die Beklagten nix den Antrag, sie als Gesamtschuldner zu ver- , der in Hause Stresonannstraöo 11 als Zahnarzt se: ne Praxis betreibt und ebenso wie die Klägerin wohnt Hach Auffassung der Klägerin hat der Beklagte dadurch die sich den Vergleich ergebende Friedenspflicht gröblich verletzt- schließlich hat nach der Behauptung der Klägerin die Beklagte den Beklagten in seinem Verhalten sum Teil mit Nachdruck unterstützt. den Antrag auf Zurückweisung der Beklagten wollen das Rechtsmittel In erster Linie beantragt freilich ;en sie gerichtete Revision als unzu- Anfechtung wogen arglistiger Täuschung, Das Berufungsgericht hat offen gelassen, ob der Beklagte bis zu dem Abschluß des Mietvertrages die von der Klägerin behaupteten unrichtigen Angaben gemacht hat. Denn es hat nicht für erwiesen erachtet, daß durch solche Angaben zur Vermietung an die Beklagten bestirnt worden Die von der Revision hiergegen gerichteten Angriffe und unbegründet, keiten möglich gewesen sein, an andere ihm genehme Interessenten au vermieten, so brauchte doch das Berufungsgericht daraus, daß er sich um solche Interessenten Überhaupt nicht bemüht hat, nicht zu folgern, daß er zu dem Abschluß des Vertrages mit den Beklagten durch die Angaben des Beklagten bestimmt worden sei„ Vielmehr bleibt die gehabt, I'UHBI von den Verurteilungen I.IittQT i^ng su machen, weil er diesem nach Darstellung üe: Klägerin falsche Angaben gemacht hat, Bas erhellt senon erhellt daraus, daß diese Angaben insbesondere auch zeitlich völlig andere Unat Und e betreffen, als die Taten, die zur Verur-tcilung des Beklagten geführt haben» Durch eine Offenbarung5 der Verurteilungen würde der Beklagte also auch nicht etwa ■% mittelbar die wahrheitowidrigen Angaben richtig gestellt > haben. Die Auffassung des Berufungsgerichts, daß für den Beklagten eine Selbotbezichtigung nicht geboten gewesen sei, ist hiernach aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden. Bas Berufungsgericht hat ausgeführt, die angebliche Urizuv erlas 0igkeit und Vertrauenounwürdigkeit des Beklagten sei in Hinblick auf das Ilietverhältnio keine im Verkehr als wesentlich angesehene Eigenschaft seiner Person» unverstellt die Straftaten des Beklagten, die bis zu dem uahre 1 9‘r3 mehrfach zu Verurteilungen geführt haben, Heien ebenso wie das von der Klägerin behauptete Verhalten i’C.ad6u^n in einer Reihe von Bmzeifallen aus späterer seit darauf schließen, daß er Charaktereigenschaften habe, die Heinrich Theien - wenn er sie gekannt hätte - von dem * icenleß eines Iiietvertragcs mit ihm abgchalten hätten, so v.rruo das allein die Anfechtung wegen Irrtums nicht recht--1-c* (nuB 11. einiger Gewähr für stetige Ausübung seines Gewerbes nie .sieten her über den Abschluß eines langfristigen Mietvertrages verhandelt und entscheidenden Bert darauf leg daß sein Verhandlungspartner einen einwandfreien Charak her hat, veil er den sich aus einer schlechten Veranlagung n;cg 1 i chcrv;eise ergebenden Unzuträglichkeiten bei der Gestaltung des Jdietverhälfcnisses nicht ausgesetzt sein will, kann sich unschwer durch Einholung von Auskünften ein wenigstens in großen Zügen zutreffendes Bil von der Persönlichkeit seines Partners verschaffen- Aue von dieser Bei fco betrachtet ist es nicht angebracht, ae Begriff der im Verkehr als wesentlich angesehenen Eigen schuften einer Person weit auszulegen Aus diesen Gründen ist es nicht zu beanstanden, daß das Berufungsgericht von der Aufklärung der Vorkommnisse abgesehen hat, die die Klägerin dem Beklagten meint vorwerfen zu können« Das Berufungsgericht ist der Auffassung, daß die fristlose Kündigung nicht zur Beendigung des durch den Mietvertrag begründeten und durch den Vergleich bestätigten Mietverhältnisses geführt habe, weil die im Gesetz nicht geregelte fristlose Kündigung aus wichtigem Grunde nach der Rechtsprechung nur gerechtfertigt sei, wenn bei Anlegung eines besonders strengen Mali st ab es ein derartiger Grund bejaht werden müsse« Unter diesem Gesichtspunkt führe nur ein erhebliches Verschulden des Mieters sur vorzeitigen Auflösung des Mietverhältnisses. B e rufung sgerichts eser rechtliche Ausgangspunkt der Erwägungen des 3t insofern unrichtig, als es meint, nur ein schuldhaftes Verhalten des Kündigungsgegners könne als wichtiger Grund gelten, der die fristlose Kündigung eines Kietvcrhültnisses ausnahmsweise rechtfertigt« Vielmehr ist schuldhaftes Verhalten des Kündigungsgegners nicht Voraussetzung dafür (RGZ 94, 224; 150, 195, 204; EG JU 1957, 1146; BGB RGRK 11„ Aufl. Allerdings kann ein objektiver Sachverhalt, der als solcher nicht ausreieht, i;n die fristlose Kündigung eines LIietverhältnisses zu rechtfertigen, diese V.'irkung dadurch erhalten, daß der Kuudigungogcgncr den Sachverhalt in einer Vfeise herbei- geführt hat, die ihm zu schwerem Vorwurf gereicht - Andere seitö ist indessen zu beachten, daß gerade bei langfristi Vertragsverhältnissen an die Voraussetzungen einer fristlosen Kündigung besonders strenge Anforderungen gestellt werden müssen (Urt. des BGH vom 16. Januar 1953 - 7 SB 89/61 - LM BGB § 595 Kr. 1 letzter Abs,) und daß die gedeihliche Durchführung eines Uietverhaltrusses (anders alt eines Pachtverhältnisses) regelmäßig Kein engeres vertraue volles persönliches Zusammenwirken der Vertragspartner er- 11envoi hui und opannungen zwischen den Partnern des Ir Verhältnisses im allgemeinen nicht dazu ausreichen, u: einem der Partner die Befugnis zu geben, sich von dem Vcrt: a) Bas Berufungsgericht hat zutreffend geprüft, ob u Erstattung der Strafanzeige deshalb ein wichtiger Grund f die Kündigung ist, weil der1 Beklagte damit seiner im Vergleich vom 18. insbesondere ist nicht ersichtlich, daß es bei der allein dem Patrichtcr obliegenden Würdigung des gesamten Sachverhalts wesentliche Umstande außer acht gelassen hätte. Pall der Bemagte die Anzeige nur aus Verärgerung über die Kla-gccrhcDiaig in der Sa.che 1 0 256/57 des Landgerichts I.L-Gla baeh und deshalb erstattet haben sollte, um empfindlich zu treffen, brauchte das Berufungsgericht dari -seinen ausreichenden Grund für die Kündigung zu erbl?" Inwiefern die Anzeige - auch nur in der Vorstellung des Beklagten geeignet gewesen sein könnte, die Klä Das Be- ^ rufungogericht ist davon ausgegangen, daß der Beklagte erst* nach Erstattung der Strafanzeige von Frau die besonders belastende Äußerung des BfHP erfahren hat; es war indessen aus Rechtsgründen nicht gehin- •-fr auch diese Mitteilung zu berücksichtigen und ihm zugute au halten, daß er schon vor Abschluß des Vergleichs der Überzeugung gewesen ist, von - empfindlich ahntergangen worden zu sein. Wenn das Berufungsgericht im Hinblick hierauf das Vorgehen der Beklagten rückschauend rrtcuhuldba,r angesehen und deshalb die Erstattung der nicht als ausreichenden Grund für die erst lange Zeit ng drr> Berufungsgericht das erst nach dem Vergleichsab-p-'.Wnn liegende Verhalten der Beklagten, das zu den späte-■-'^chtcotreitigkeiten geführt hat, nicht als einen Ver-r,j.-o gewertet hat, weil es nicht für erwiesen angesehen ,-„a die Beklagten es zu diesen Prozessen willkürlich-auf Grund einer feindseligen Einstellung gegen die ■a n buben kommen lassen. Auch die Auffassung des Berufungogerichbo, nach der cs .kein wichtiger Grund, zur Kündigung war, daß die Beklagten sich auf Zahlung von übrigens verhältnismäßig unbedeutenden Mietresten haben verklagen lassen; ist nicht von Hechtsirrtum beeinflußt.