BGH · VIII ZR 189/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 30.» September 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Haidinger sowie der Bundesrichter Dr. Gelhaar, Dr. Mezger, Mormann und Dr. Hidderaann für Recht erkannt: Der Mieter wird als Preis für eine Eintrittskarte des ersten Parketts 1,50 DM bestimmen. Er räumt dem Vermieter hiermit das Recht ein, nach seiner Yfehl jeweils monatlich entweder den vertraglichen Mietzins oder 1 067 Eintrittskarten des I» Parketts anstelle des Mietzinses zu fordern. Nach der Eröffnung des Lichtspieltheaters übte Janischewski mit Schreiben vom 24» Dezember 1957 das in § 5 des Mietvertrages bezeichnete Wahlrecht auf der Grundlage eines Kartenpreises von 1,80 DM aus. Parkett die viertteuerste Platzgruppe sei, müsse deshalb der Vermieter seiner Mietzinaberechnung den Betrag von 1,50 DM zugrunde legen. Im vorliegenden Rechtsstreit fordert der Kläger die Rückzahlung des für die Zeit vom 6. Das Landgericht hat einen Anspruch des Beklagten auf erhöhte Mietzahlung nicht für gegeben gehalten und daher dem Kläger einen Rückzahlungsanspruch zugebilligt. 1» Der Kläger vertritt in erster Linie die Auffassung, dem Beklagten habe das in § 5 des Mietvertrages genannte Recht, den Mietzins nach dem Preis des 1» Parketts zu bemessen, Überhaupt nicht zugestanden „ Br meint, diese Bestimmung habe nur für den zur Zeit nicht gegebenen Pall der WährungsZerrüttung gelten sollen» Die eigentliche Sicherung gegen Kauf-kraftschwankungen enthalte die Bestimmung des § 15 über die Zulässigkeit einer Neufestsetzung des Mietzinses nach Ablauf von zehn Jahren» Die Bestimmungen des § 5 und des § 15 regelten mithin verschiedene Sachverhalte» 2. Das Berufungsgericht führt aus: Dafür, daß die Wertsicherung des § 5 des Mietvertrages nur bei völligem Währungsverfall Platz greifen solle, sei nichts hervorgetreten» Dagegen spreche schon, daß der Zeitpunkt des Beginns der Erhöhung in solchem Pall ganz ungewiß wäre, weil nicht feststände, bis wann eine Geldentwertung noch hinzunehmen sei und von wann ab sie als "Inflation" rechne» Dem Vermieter sei es, wie die Beweisaufnahme ergeben habe, in dem Kläger erkennbarer und von ihm auch erkannter Weise darauf angekommen, gegen eine schleichende Geldentwertung gesichert zu sein, wie sie sich zur Zeit des Vertragsschlusses bereits angebahnt habe» Hiergegen könne nicht eingewendet werden, eine solche Auslegung des § 5 vertrage sich nicht mit dem § 15. Im übrigen sei es Sache der in § 15 bestimmten Sachverständigen, Überschneidungen, die sich aus der Rückwirkung des von ihnen gefundenen angemessenen Mietzinses ergeben könnten, bei ihrer festsetzung zu berücksichtigen und auszugleichen, Biese Auslegung des Berufungsgerichts zeigt keinen Rechtsirrtum. Nach dem Gutachten des Architekten Schröder, das sich die Revision zu eigen macht, sollen nämlich die Eintrittspreise für Lichtspieltheater, um die Ver- wordenen Frage, ob der Beklagte etwa, wenn die Sachverständigen den angemessenen Mietzins festgestellt haben, nach § 5 des Mietvertrages wiederum die Be— rechnung des Mietzinses auf Grund des Eintrittspreises für das 1, Parkett verlangen könnte , Diese Fragen stehen im vorliegenden Rechtsstreit, in dem es um den erhöhten Mietzins für die Zeit bis März 1968 geht, nicht zur Entscheidung» Die Revision macht selbst nicht geltend, daß eine Feststellung des angemessenen Mietzinses durch Sachverständige schon in die Mietzeit bis Marz 1968 eingriffe,, Aus dem von der Revision eingereichten Gutachten des Architekten Schröder ergibt sich vielmehr, daß der Kläger ihm am 1» August 1968 den Auftrag zur Erstattung eines Gutachtens gemäß § 15 des Mietvertrages erteilt hat. I» Zur Frage, ob für die MietZinsberechnung von dem bei Eröffnung des Lichtspieltheaters für den dribteuersten Platz (Mittelparkett) verlangten Preis von 1,80 DM v/urf des Anwalts des Vermieters Janischewski Vorgelegen, nach dem die Eintrittspreise in vier Platzgruppen eingestellt gev/esen seien, nämlich: Loge, Sperrsitz, 1, Platz und 2» Platz, Der später in 1„ Parkett umgenannte 1„Platz sei der dritteuerste Platz gewesen, Wenn das I, Parkett mit 1,50 DM in Beziehung zu dem Mietzins von 1 600 DM ge-Bptafeworden sex,7 so komme,:::;damife;zu dem Ausdruilt, i daß Vertragsparteien::nicht irgendein'1 Preis, sondern gerade der Preis des dritteuersten Platzes als wertbeständiger ^knu^fungspunkt:;;'vprd;Aü^eii ^gesfänden ' habe"Bs ..möge. 2c Die Angriffe der Revision gegen diese Auslegung können keinen Erfolg haben* Das Berufungsgericht geht mit Recht davon aus, daß die Parteien einen Eintrittspreis von 1,50 DM zu dem Ausgangspunkt genommen haben. Die Kartenzahl von 1 067 erklärt sieh nämlich daraus, daß bei einem Verkaufspreis von 1,50 DM 1 067 Karten fast genau den vereinbarten Mietzins von 1 600 DM ergeben« Zur Kennzeichnung des Kartenpreises von 1,50 DM hatten nach der Feststellung des Berufungsgerichts die Parteien eine Platzgruppe gewählt, für die in jener Zeit in vergleichbaren Lichtspieltheatern ein Eintrittspreis von 1,50 DM berechnet wurde. Hach der Auffassung des Berufungsgerichts konnte der Kläger diese Berechnungsgrundlage nicht nachträglich dadurch ändern, daß er das "1.Parkett" durch das Einschieben eines "Mittelparkett" herabstufte und im Preise niedrig hielt. Wenn das Berufungsgericht davon spricht, gerade der Preis des dritteuersten Platzes habe den Vertragsparteien als wertbeständiger Anknüpfungspunkt vor Augen gestanden, so ist das, wie der Zusammenhang der Entscheidungsgründe ergibt, entgegen der Meinung der Revision nicht widersprüchlich. Es v/ill offenbar nur sagen, daß der Eintrittspreis von 1,50 DM bei Vertragschluß nach Vorstellung der Parteien der Preis für die dritteuerste Platzgruppe gewesen sei, nicht aber, daß der Kläger hätte verpflichtet Werden sol- len, diese Platzbezeichnung beizubehalten« Mit anderen Worten: Das Berufungsgericht legt den Vertrag dahin aus, der Beklagte habe an der Erhöhung des Preises derjenigen Plätze entsprechend teilhaben sollen, für die die Parteien bei Vertragsabschluß die Bezeichnung "1.Parkett” vorgesehen hatten und die nach der damals ins Auge gefaßten Rangfolge an dritter Rangstelle standen« Diese tatrichterliche Würdigung einer Individualvereinbarung ist xm Revisionsverfahren nur beschränkt nachprüfbar. Daß nach Ablauf von zehn Jahren gemäß § 15 des Vertrages eine Heufestsetzung der Miete erfolgen konnte, hat das Berufungsgericht entgegen der Meinung der Revision gewürdigt. Wenn es aus diesem Umstand nicht die von der Revision gewünschten Schlüsse gezogen hat, so liegt das im Rahmen der tatrichterlichen Vertragsauslegung» Auf der Hilfservägung, Überschneidungen auszugleichen, sei Sache des oder der Sachverständigen, beruht die Auslegung des § 5 des Vertrages nicht» Die Präge, welcher Mietzins nach Ablauf der zehnjährigen Vertragsclauer angemessen ist, stellt sich, wie schon ausgeführt worden ist, im vorliegenden Rechtsstreit nicht.