BGH · VIII ZR 184/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 7o Oktober 1964 schloß der Beklagte mit dem Grundstückseigentümer einen Mietvertrag über die Apothekenräume* Br hält sich seitdem zur Zahlung von Pacht nicht mehr für verpflichtete Der von ihm beauftragte Rechtsanwalt machte durch Schreiben vom 13» Oktober 1964 dem Rechtsanwalt der Klägerin von dem Abschluß des Mietvertrages mit dem Hauseigentümer Mitteilung* In diesem Schreiben bezeichnete er den Pachtvertrag zwisehen dem Beklagten und als nichtig und erklärte namens des Beklagten, daß dieser bereit sei, Apothekeneinrichtung und Inventar zu dem Preise von 18 000 DM zu übernehmen* Auf dieses Schreiben antwortete der Anv/alt der Klägerin am 26* Oktober 1964? Meine Rechtsansicht geht dahin, daß das Recht zu dem Betrieb der Apotheke nicht mehr besteht und niemals zu dem Nachlaß gehört hat 0•* * Sie selbst haben den gleichen Standpunkt vertreten, weil sie sich anderenfalls für ihren Herrn Man^ danten die Bestimmung des § 10 des Pachtvertrages entgegenhalten lassen müßten * * * * * Selbstverständlich haben meine Mandanten nicht die Absicht, dem Apotheker Herrn BSB (Beklagten), bei Durchführung seiner Absicht auch nur die geringsten Schwierigkeiten zu machen* Sollten Probleme entstehen, bitte ich um Nachricht« Alsdann werde ich veranlassen, daß die Erben, soweit möglich, die dann nach Prüfung notv/endigen Erklärungen ab-* geben o „ « *11 Seit Mai 1965 befand sich der Beklagte in Untersuchungshaft o Er wurde verdächtigt, als Pührer einer Einsatzgruppe im Range eines SS-Brigadeführers im September und Oktober 1939 die Ermordnung von Hunderten von Polen und Juden in Bromberg und Warschau veranlaßt zu habeno Mit Rücksicht auf seine Inhaftierung verpachtete der Beklagte die Apotheke seit September 1965 an die Apothekerin Johanna Mit Schreiben ihres Rechtsanwalts vom 26«, April 1966 ließ die Klägerin dem Beklagten den Pachtvertrag vom 8o September 1961 fristlos kündigen« Sie hat, nachdem ihr ihre Schwester alle Rechte des Nachlasses übertragen hatte, die sich auf die H®Mfc“Apotheke beziehen, mit der Klage, die sie im zweiten Rechtszuge teils erweitert teil eingeschränkt hat, Herausgabe der Apotheke mit Nebenräumen, Auskunfterteilung, Duldung der Einsichtnahme in die Geschäftsbücher, Rechnungslegung und Herauszahlung des Reingewinns für die Zeit vom Io November 1964 bis zu dem Zeitpunkt der Übergabe der Apothekenräurae begehrt0 1 o Er wird von dem Berufungsgericht deshalb verneint, weil die durch ihre Eltern vertretenen Enkel des Erblassers dam Beklagten wirksam das Eigentum an dem Apotheken Inventar übertragen hätten und in ihren weiteren Erklärungen, sie wollten dem Beklagten bei der Übernahme der Apotheke keine Schwierigkeiten machen, ein Verzicht auf den Anspruch auf Wiedereinräumung des Mietbesitzes liege, an den auch die Klägerin gebunden sei» Der Mietvertrag zwischen der zweiten Ehefrau des Erblassers und den Erben einerseits und dem Vermieter andererseits sei zwar rechtswirksam geblieben, und der Beklagte habe sich durch den Abschluß eines eigenen Mietvertrages mit dem Hauseigentümer nicht seiner Rückgabepflicht entziehen können„ Diesem Anspruch stehe aber das Verhalten der Klägerin anläßlich der Veräußerung der Apothekeneinrichtung und des Inventars entgegen,. daß er seinerseits mit dem Hauseigentümer einen Mietvertrag über die für den Apothekenbetrieb genutzten Räume abschloß, wird von der Revision als der Klägerin günstig nicht bekämpft» Ob sie rechtlich einwandfrei ist, bedarf nicht der Nachprüfung, weil auch von dieser Grundlage aus das Ergebnis, zu dem das Berufungsgericht gelangt ist, rechtlich nicht beanstandet werden kann; denn es ergibt sich zwingend aus den Darlegungen efes Berufungsgerichts, mit denen es ohne Rechtsirrtum darauf abgestellt hat, daß die damals durch den Erbschein als Erben ausgewiesenen Enkel des Erblassers auf den Anspruch auf Rückgabe der Apotheke verzichtet hätten und der Verzicht auch der Klägerin gegenüber wirksam sei» Bas Berufungsgericht erblickt das Angebot zu dem Abschluß eines solchen Erlaßvertrages in dem von Rechtsanwalt Er« namens der durch ihre Eltern vertretenen Enkel des Erblassers an den von dem Beklagten beauftragten Rechtsanwalt gerichteten Schreiben vom 5o November 1964 und die Annahme dieses Angebots in den Verhalten des Beklagten, der das Inventar bezahlte, die Apotheke behielt und keine Pachtzahlungen mehr leistete oder hinterlegte„ b) Wenn das Berufungsgericht in diesem Zusammenhänge (BU 16) auf das Verhalten der Klägerin abstellt, so ist der Revision zwar zuzugeben, daß es hierauf nicht ankommt, weil die Klägerin ihren Sohn als angeblichen flit-erben nicht allein vertreten konnte• Offenbar handelt es sich aber hierbei nur um ein Vergreifen im Ausdruck, denn die weiteren Darlegungen des Berufungsgerichts ergeben mit aller Deutlichkeit, daß das Berufungsgericht bei seiner Würdigung von zutreffenden Grundlagen ausgegangen isto Es hat nicht verkannt, daß die Enkel des Erblassers durch ihre Eltern gesetzlich vertreten wurden, und hat hervorgehoben, daß Verkäufer des Inventars die Enkel des Erblassers, vertreten durch ihre Eltern, waren und dass Rechtsanwalt Dr<> die Erklärungen in seinem Schreiben vom 5« November 1964 ebenfalls namens der Enkel abgegeben hatteo Baß Br« von den Eltern der Enkel Vertrntungsmacht erhalten hatte, wird von der Revision nicht in Zweifel gezpgen«, c) Weiter wendet sich die Revision mit zahlreichen Rügen dagegen, daß das Berufungsgericht in dem Schreiben des Rechtsanwalts Dr« WflHHIH ei&en ,,Verzichtn (richtig: Angebot sum Abschluß eines ErlaßVertrages) auf den Anspruch auf Wiedereinräumung des Mietbesitzes an der Apotheke erblickt habe« Der Erörterung dieser Rügen ist vorauszuschicken, daß es sich bei dem Inhalt dieses Schreibens um eine rechtsgeschäftliche Erklärung handelt und die Auslegung des Berufungsgerichts daher im Revisionsrechtszuge nur daraufhin nachgeprüft werden kann, ab das Berufungsgericht für die Auslegung wesentlichen 3?atsachenvortrag oder anerkannte Auslegungsgrundsätze unberücksichtigt gelassen, eine mit dem Wortlaut unvereinbare Auslegung gefunden, Erfahrungssätze verletzt oder gegen die Denkgesetze verstoßen hat* Die Revision versucht zwar, derartige Rechtsfehler aufzuzeigen0 Sie kann damit aber keinen Erfolg haben« d) Daß Apothekeneinrichtung und Inventar ausschließlich auf die Räume, in denen eine Apotheke betrieben wird, zugeschnitten zu sein pflegen, ist allgemein bekannt« Es besteht kein Anhalt für die Annahme, daß das Berufungsgericht von einem anderen Sachverhalt ausgegangen sein könnte, auch wenn es diesen von der Revision hervorgehobenen Umstand in seinem Urteil nicht ausdrücklich erwähnt hat« In dem Schriftwechsel, der wegen der Veräußerung von Apothekeneinrichtung und Inventar sovjioiüber. hat der die Enkel des Erblassers vertretende Rechtsanwalt Dr* Windseheid weder auf die von der Revision erwähnten Umstände hingewiesen, noch einen Vorbehalt gemacht, obgleich er auch damals schon die Klägerin vertrat, sön-dern er hat in seinem Schreiben vom 5» November 1964 zu einer Zeit, als der Beklagte bereits den Mietvertrag mit dem Hauseigentümer abgeschlossen und die Klägerin sowie Rechtsanwalt Lr* hiervon Kenntnis erhalten hatten, zu dem Ausdruck gebracht, daß useine Mandanten” Der von der Revision wiedergegebene genaue Wortlaut der Erklärung in dem Schreiben vom 5» November 1964 hinderte das Berufungsgericht entgegen der Ansicht der Revision nicht, hierin ein Angebot zu einem Erlaßvertrag zu erblicken» Damals war der Kaufpreis für Einrichtung und Inventar von dem Beklagten noch nicht gezahlt, und die zu jener Zeit aufgGrund des Erbscheins als Erben geltenden Enkel des Erblassers hatten ersichtlich ein erhebliches Interesse dax^an, wenigstens den vereinbarten Betrag zu erhalten, zu demal sie nach dem eigenen Yortrag der Revision befürchten mußten, die EinrichtüögngogoiiOtUAOöi# nur sehr ungünstig verwerten zu können, wenn der Beklagte sie nicht übernahm» e) Rach Ansicht der Revision kann das Schreiben vom 5» November 1964 auch deshalb nicht als Angebot auf Abschluß eines ErlaßVertrages beurteilt werden, weil in dem Schreiben davon ausgegangen sei, daß das Recht zura Betriebe der Apotheke nicht zu dem Nachlaß gehört habe und die Enkel des Erblassers somit nicht gewußt hätten, daß ihnen ein Anspruch aus dem Pachtverträge auf Herausgabe der Apotheke zustande Der Revision ist zuzugeben, daß der Abschluß eines Erlaßverträges auf seiten des Gläubigers den Willen voraussetzt, eine ihm zustehende Forderung zu erlasseno Ein solcher Wille kann nach einhelliger Auffassung in Rechtsprechung und Schrifttum nur dann bejaht worden, wenn der Gläubiger die Forderung gekannt Öder doch wenigstens mit der Möglichkeit ihres Bestehens gerechnet hat» Hier läßt sich zwar nicht aus3Chließen, daß die gesetzlichen Vertreter der Enkel des Erblassers und der sie vertretende Rechtsanwalt Br» Windseheid die Rechtslage ungünstiger beurteilt haben, als sie sich nach Meinung des Berufungsgerichts für sie darstellte* Es spricht jedoch nichts dafür, daß sie nicht wenigstens mit der Möglichkeit gerechnet hätten, aus dem Pachtvertrag könnte sich für sie noch der Anspruch auf Herausgabe der Apotheke ergeben» Anderenfalls wäre die Wendung in dem Schreiben vom 5» November 1964, sie wollten dem Beklagten nicht die geringsten Schwierigkeiten machen. Deshalb geht der Hinweis der Revision, ein Verzichtswille dürfe nicht vermutet werden, ins Leere, Infolge des Abschlusses des Erlaßvertrages zwischen den Enkeln des Erblassers, die damals auf Grund des ausgestellten Erbscheins als Erben galten, und dem Beklagten steht daher auch der Klägerin ein Herausgabeanspruch in Bezug auf die Apotheke gegenüber dem Beklagten nicht zu. hätte die Klägerin von dem sich ans § 3 Abs» 1 Buchst» b des Pachtvertrages für den Verpächter ergebenden Rechten binnen angemessener Prist (rebranch machen müssen, Wozu sie als gesetzliche Vertreterin ihres Sohnes, der damals als Miterbe galt, berechtigt gewesen wäre» Sie hat aber nicht behauptet, daß sie sich schon vor Klageerhebung auf dieses Recht berufen habe» Sie handelt daher nicht in Einklang mit Treu und Glauben, wenn sie dieses Recht erst nach so langer Zeit geltend macht, so daß schon aus diesem Grunde ihrem Begehren nicht entsprochen werden kann, zu demal da, wie offenbar das Berufungsgericht sagen will, keinerlei Anhaltspunkte dafür hervorgetreten sind, daß der Beklagte den von ihm ex^zielten Umsatz unrichtig angegeben haben könnte» IVo Vertragsstrafe Nach Ansicht des Berufungsgerichts ist der Anspruch auf Vertragsstrafe verwirkt» MD Klägerin habe rechtzeitig davon erfahren, daß der Beklagte in den Räumen der Apotheke eine eigene Apotheke eröffnen wollte» Dem habe die Klägerin widersprechen müssen» Bas habe sie nicht getan» Ihr Verhalten habe der Beklagte als Was die Revision gegen diese Ausführungen vorbringt, kann ihr nicht zu dem Erfolge verhelfen* Richtig ist zwar, daß in dem Zeitraum, auf den das Berufungsgericht abstellt, die Enkel des Erblassers auf Grund des erteilten Erbscheine als Erben ihres Großvaters galtenQ Ein 2*!iterbe wurde aber von der Klägerin gesetzlich vertreten, die denselben Rechtsanwalt beauftragt hatte, der auch für die Enkel des Erblassers auf Grund der ihm von allen gesetzlichen Vertretern erteilten Vollmacht seine Erklärungen abgab* Diese sind aber von dem Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß als Antrag auf Abschluß eines Erlaßvertrages gewertet worden* Unter diesen Umständen setzt sich daher die Klägerin in Widerspruch zu ihrem früheren Verhalten, wenn sie sich jetzt auf den Standpunkt stellt, der Beklagte habe in den Räumen der früheren Apotheke keine eigene Apotheke führen dürfen, obwohl sie damals in Kenntnis der Pläne des Beklagten diesen nicht widersprochen hatte und der Beklagte aus ihrem Verhalten auf ihr Einverständnis schließen durfte*